Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 48. (26.11.1879)
- Date
- 1879-11-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zar Baleaehtaag aller Jade•- thu Bad Jadea betrefeadea llterarlech. Erackeiaanfe■ aaf de■ Gebiete der Phlleaoplile, Geeihlehte,Etha«Krapfcle,Tbe- 010(le,OrleBtalia, bt(eM, Ho- ■Uctlk, Litarftk, Pädagogik. Herausgegeben TOO Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. Stafdebarg, U6. Norember 1S70. Bicher der eUMhllgfcea Uteratar( welche der BedaeWea aageaaadt weadea, fladea ia dleee■ Blatte etageh-Beepreehaas. Bel Eldecaddag rea awet Beeta«lea»e1fplar»■ «rfclgt *־ aaeh Er wiha. L d. Voeheaeehr. Dae ״Jüdische Llteratnrbhtt“ eracheint wöchentlich in einem halben Bogen; Freie bei allen SaohhaadhatfM (ia Leipiig bei Robert Frieae)pro Jahrgaii g: 8 Mk. Abonnenten dar ״Israelitischen Wochenschrift■ (die ▼iertebährlich bei allen Poetaostaltea nnd Buchhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten das ״Jfldiache Literaturblatt* gratis. — faMdnte werden mit 30 Pt Ar die dreige• spaltene Petitteile, bachhindlerische Beilagen mit li Mark bereehnet. Dia Tapaditisa dar ״IvaaUMoha« Weokensohrlft** Iabalti Wissenschaftliche Aufsitie: Die M!oses Mendelssohn-Denkmals-Prage u. das Lessing-Mendelssohn-Öedenkbaeh des Deutsch- Israel. Gemeindebundes. Von Max Weinberg in Magdeburg. — Mohammed's Artneikunde. Von Dr. 1. Gsrtfreund in Wien. — Unterliegen die aus Palästina bezogenen Ethrogim der Zehnten- und HebegabenpQicht? Eine halachisdhe Abhandlung. Literaturbericht: Recensionen: Semuelo, Dr. med., (Jeher natürliehen Tod und abnorme Todesarten. — Holländer, Dr. J., Rabb , Antrittsrede. __ Nachdruck nur ■it voller QueUeaangabe gastattet. Die Moses Mendelssohn-Denkmalsfrage und das Lessing-Mendelssohn-Godenkbucb des Deutsch- Israel. Gemetadebunpes. t Von Max Weinberg in Magdeburg. Ferdinand Hiller sagt jüngsthin gelegentlich einer Kritik des auch von uns besprochenen Hensel’schen Werkes: »Die Familie Mendelssohn“ in Nr.'x^T der »Gegenwart“ : »Die ganze deutsche Literatur hat schwerlieh einen Mann aufzuweisen, der im Verhältnis zu seinem Ausgangspunkt ein solches Ziel erreichte, wie Moses Mendelssohn. Ein armer, einsamer, buckeliger Judenjunge, der erst in seinem 16■ Jahre anfängt, das Deutsche als Schriftsprache zu erlernen, wird nicht nur zu einem der bedeutendsten Schriftsteller der Epoche, er gewinnt nicht nur die Liebej eines Lessing (der dem Menschen Mendelssohn vielleicht mehr verdankt, als dieser dem genialen Geiste seines Freundes) — er wird zum geistigen Befreier eines unwürdig geknechteten Volkes und legt so auch den Grund zu dessen späterer bürgerlichen und politischen Erhebung. Unbegreiflich ist es, dass die Berliner Juden, getaufte und ungetaufie, die gelegentlich so viel Enthusiasmus und so viel Geld ausgeben, ihm nicht längst eine Statue gesetzt haben — seine Büste wenigstens mttssite in der Hauptstadt des deutschen Reiches überall zu finden sein — in den Cabineten von Geheimräthen und Volksvertretern, wie in den Redactionen angesehener Zeitschriften — in den Stätten der Kunst wie der Wissenschaft — da wo jüdische Rabbiner deutsch predigen und wo semitische Theolologen das Christenthum vertheidigen. Verdankt nicht sogar unser Theater seinen »Nathan*, diese herrliche Schöpfung, weni auch nur mittelbar, jenem ersten Deutsehen unter den Juden und ersten Juden unter den Deutsehen? Aber er glaubte als Ditscher — Jude bleiben zu dürfen, während viele der pdreh ihn Herangereiften sich gezwungen fühlten, ihr Deutschthum durch da« Christenthum zu besiegeln, die Einen aus Ueberzeugung (?), die Anderen, um jenem Despotismus, den man die Macht der Verhältnisse nennt, Rechnung zu tragen. Ein »Nathan der Weise* wird ausserhalb der Bühne wie auf derselben, stets eine seltene^ncheinung bleiben.* Nun, was das von Hiller vermisste Mendelssohn- Denkmal betrifft, so wird Niemand, der die deutsche Cultur- und Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts und ihren in die Gegenwart tief hineinreichenden Ein• fluss auf das gesammte Geistesleben deutscher Nation kennt, die weiitragende Bedeutung Moses Mendelssohn’• in Frage stellen! und bestreiten, dass wenn innerer Werth and der persönliche Antheil des Einzelnen an der Ent- Wickelung und Re68ergestaltungder Gesammtheitdarüber entscheiden, es der deutschen Nation nicht eben zum Ruhme gereicht, dem Weisen aus Dessau diesen Ehrenzoll bislang vorenthalten zu haben, and mit vollem Rechte kehrt Ferdinand Hiller die Spitze des Vorwurfk gegen B e r 1 i nl, als der Stätte, die er durch sein Leben und Wirken verschönt und der er bis an sein Lebensende angehört hat. Und da es wohl bei den Allerwenigsten der Respect vor dem rabbinischen Interdict ist, welche die reiche Berliner Judenschaft, »getaufte und ungetaufte*, abgeh<en, ihrem grossen Ahnen diese Ehren-* schuld abzutragen, so ist der Streich, den Hiller gerade gegen sie richtet, gewiss wohlverdient. (Dass das traditionelle Judemthum überall geg^n Denkmäler dieser Art ist, haben; wir wohl kaum nöthig, an dieser Stelle besonders hervorzubeben.) Und trotzdem sind wenig literarische Namen der Lessing-Epoche so populär geworden und geblieben, als der Moses Mendelssohn‘•, obwohl er weder Dichter noch Popularschriftsteller im gewöhnlichen Wortverstande wart Und nicht et#• bei Juden allein, nein, bei dem ganzen intelligentere• Theil deutscher Nation überhaupt. Noch jüngsthkn, gelegentlich der 150jährigen Erinnerungsfeier an den Tag seiner Geburt, wo alle besseren Zeitungen und Zeit- Schriften sich eingehend mit ihm beschäftigten, hat •ich das wieder unzweideutig gezeigt. Dem deutsch-israelitischen Gemeindebunde bleibt aber das Verdienst, za diesem Tage.dasjenige Denkmal ihm errichtet za haben, welches seinem Wirken