Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 46. (12.11.1879)
- Date
- 1879-11-12
- Page
- Seite 182 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Bundesgenossen, der dem Sohne *den listigen Streich, der ihn um 1000 Talente gebracht, nicht verzeihen konnte. Sie wagten es, offen gegen ihn aufzutreten, indess der Vater, um nicht aucht auch die Gunst das Königs zu verscherzen, den Zorn verbirgt.• Hyrkan trägt im *Kampfe den Sieg davon und tödtet zwei seiner Bröder; aber hiermit war der Streit noch niSht geendet, vielmehr machen die übermüthigen Reichen ihren Fa* milienzwi8t zur Volkssache, und die Juden 1 heilen sich in zwei Parteien; die Brüder haben die Mehrzahl der Angesehenen, selbst den Hohenpriester, auf ihrer Seite, und Hyrkan muss seiner Sicherheit wegen jenseits des Jordan eine Zuflucht suchen. 1 Wie er sich in Aegypten als schlauen Speculanten gezeigt, so tritt er hier als kühner Freibeuter auf. Er bekriegt mit vielem Glücke die benachbarten Stämme der, Araber und sichert sich gegen seine Feinde durch Ahlegung einer festen Felsenbürg, die er mit vieler Pracht aufführt, und endet, wie ein Tragödienheld, mit einem Selbstmorde, um nicht dem mächtigen Syrerkönige in die Hände zu fallen. In dem Kriege zwischen Aegypten und Syrien .(203). hält Joseph und sein Anhang treu an Aegypten, aber das Volk unterwirft sich Antiochus dem Grossen von Syrien, der ihm die Unverletzlichkeit des Tempels verspricht. Unter Antiochus Nachfolger Seleucus IV. Philopator oder Soter (187—176) genoss das Land von Aussenher Ruhe; aber innere Bewegungen bereiteten damals[ die folgende Katastrophe vor. Joseph Start» um diese Zeit, seine Familie aber scheint mit seinen Schätzen seinen Einfluss geerbt zu haben. Die Grossen und Retchen hatten griechischen Luxus und griechische Sitten lieb gewonnen, und da das väterliche Gesetz ihnen unbequem sein mochte, so musste cs um jeden Preis beseitigt werden, sollte auch das Volk, das noch dem Yäter-Glauben treu blieb, darüber zu Grunde gehen. Mit den Grossen verbanden sich bald ehrgeizige,., und. eigennützige Priester, selbst aus der Familie des Holtenpriestere, die dem Treiben jener durch iiir Ansehömfeine gewichtige 8anction geben sollten. Der äussere Glanz griechischen Lebens und griechischer Kunst hatte sie geblendet und in ihnen den Wahn erzeugt, ilurch Uebertünchen des Judenthums mit griechischer Schminke den Forderungen der Zeit genügen zu können, nicht bedenkend,, dass gefärbte Wangen nicht das Zeichen der Gesundheit seien. Der nur steht auf der Höhe der Zeit, der die Zeitbildung in sich aufnimmt und sie seiner Individualität nach organisch verarbeitet, nicht aber der sie nur äusserlich anklebt, um, seine Individualität verbergend, den Schein einer fremden zu erlangen; denn die Zeitbildung soll nicht Personen und Völker nach einem bestimmten Typus gleichsam in Uniform bringen, sondern in jedem seiner besonderen Natur nach eigenthümlii'h wirkend, tausende von Blüthen erzeugen, deren jede ihre eigenen Reize und Schönheiten besitzt. Nach des Hohenpriesters Simon Tode folgt ihm sein 80hn Onias IIL, ein dem Gesetz ergebener, frömmer Mann, der im Interesse des Gtaul»en8 und Volkes zu handeln meinte, wenn er die Neuerungssüchtigen und Unruhestifter aus dem Lande wiese, und so geschah es, dass die Söhne und Enkel des Tobias aus dem Lande verbannt wurden. Durch Intriguen gelang es ihnen, den Hohenpriester Onias za stürzen und dessen Bruder Josua oder Jason, der mehr mit ihnen sympatliisirte, ah «feine Stelle xd setzen. Dieser zahlte dem Könige Antioehus Epiphanes voa Syrien einen bedeutenden Tribut und erkaufte sich die Erlaubnis«, Ringschulen in Jerttsalem anzulegen und die Jugend ־nach griechischer Weise za erziehen; ja er sandte selbst dem Herkulestempel z»׳Antioefriea bedeutende Opfer. Ihm wurde was er seinem älteren Bruder gethao, voa seinem •jüngeren Bruder OaiJs oder Meneiaus vergolten, der, von ihnr als Gesandter nach Antiochien geschickt, durch das Ver* sprechen eines grösseren Tributs sich die Hohepriesterwürde erkaufte. So kam es zum Kampfe zwischen den beiden Brüdern; zur Partei des Menelaos gehörte die Familie des Tobias; sie unterlag, rief aber die Hülfe des Königs Antiochus an, mit dem Versprechen,* nun ohne Scheu das Griechenthum einzuführen. So wurde Meneiaus durch fremde Gewalt in sein Amt eingesetzt. Die Beschneidung und die Feier des Sabbaths wurden abgeschafft, die heiligen Schriften überall, wo man sie fand, verbrannt Jetzt begannen die schrecklichsten Gräuel des syrischen Machthabers, um mit Gewalt dem Griechenthume den Sieg zu verschaffen, und die Grossen boten deyi Tyrannen nicht bios ihre Hand, sondern reizten ihn noch mehr, Uber ihre unglücklichen Brüder das Härteste zu verhängen. Aber das von seinen Füllrern und Grossen verrathene und verlassene Volk half sich selber: die Heldenfamilie der Makkabäer rettete das Volk mit dem Eisen ihres Schwertes und dem Muthe, den ihnen ihrer Väter unverfälschter Glaube einflöste, aus dem Verderben, in das es!las Gold schlauer Speculanten und die Herrschsucht herzloser Priester gestürzt hatte Ihr Ruhm lebt ewig fort, wie der ihrer grossen Vorbilder, der griechischen Freiheilshelden, und ihr dankbares Volk feiert alljährlich ihr heiliges Audenken in einem Feste, das wir nächstens wieder begehen werden, indess die Namen jener Griechenaffen verklungen und vergessen sind. Mohammed’s Arzneikunde. Von l)r. Isaac Gastfreund in Wien. (Fortsetzung.) Nur gegen das ״böse Augea — gegen welches Uebel Mohammed einen alten Hahn1’) bei sich als Schutzmittel zärtlich pflegte (Renan in Revue des tleux mondes. Tome 12 p. 1075), da bereits der Talmud Mittel gegen das böse Auge vorschreibt (vgl. Beracliot 20a, 51a, 55b; Sota 36b; B. Mezia 84a, 107b; B. Batra 118b) — gestattete der Prophet Zaubermittel /u gebrauchen (Mis’kat II p. 377), obschon er sonst jegliches Zaubermitiel — ausgenommen, wenn es nicht götzendienerisch sei (ibid. p. 375) — selbst um einen von einem Ginn Besessenen ”1 Zur Erhärtung der Worte eine« berühmten Lehersim Mittelalter, der gegen den mit dem Hahn getriebenen Aberglauben heftig eHen: ,שריו שוחטין תרנגול זקן לכפרה על הנער וחותכין ראשו ותולין הראש בנוצתו בפתח הכית עם שימים; והבדים הרבה שנרא־ כעיני כדרכי האמורי ודחקתי על וה הרבה׳ ובחסד עליון נשמעו דברי שלא נשאר מכל זה ומכיוצא כאלו בעירנו מאומה(שו״ת הרשב׳א שצ״ו) möge liier folgende Beleuchtung Platz finden: E• war ein höchst glückliches Zeichen, wenn die heiligen Hühner aus dem Kätig gingen, von dem Futter, welches man ihnen vorwarf, frassen, und von diesem etwas aaf die Erde fallen liessen. Als ein sehr unglückliches Zeichen hingegen galt es, wenn die Hühner entweder nicht frassen oder tu entweichen suchten (Meinen: Historische Vergleichungetc. des Mittelalters II. S. 6591. Man op'erte dem Heiligen einen weissen Hahn, wenn man von einem gewissen endemischen Uebel an den Fingern befreit werden wollte (Meiner■׳, ibid. II S. 219 Anm). 80krates sagte unmittelbar vor seinem Tode: Wir sind dem Aesenlap noch einen Hahn schuldig, opfert ihn ja und vergesst es nicht! (Heiners, Geschichte der Wissenschaften in Griechenland und Rom II. S. 514). Der Hahn war im ganzen Alter■ thnm, seiner feurigen Natur wegen, ein Symbol der Sonne, als des Prineipes desLichtes und alles Guten. Daher es in den ägvptischen Amuletten einen eigenen Genius mit dem ׳ Hahuenkopf 1 Bötticher, kleine Schriften Bd III. S. 461). Die Römer, welche die Hühner im Weine des dadarcS bezweckten WohUclimaokea halber erstickten, liessen auch Hühner aus demselben Grunde castriren (Bötticher ibid. Ul. £ 221). Aach die.heidnischen Araher opferten gewöhnlich einen Hahn (Zoroastre, ttonfucius et Moharnet par M. de Pastorat p. 4t>>). , Ein Gaukler aaf Madagatcar hat, indem er einen Hahn aait den Knieen erstickte, vorgemacht, dass er den bösen Geist io Gestatt dieses Huhnes erwürgt habe (Hiator. Magazin BJ. III. S. 763).