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Das jüdische Literaturblatt · 1879-11-05 · No. 45. (5.11.1879) · p. Seite 179

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 45. (5.11.1879)
Date
1879-11-05
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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Honigtrank10), in der Schröpfung“) und ilm Brennen mit Peuer — nach einer Variante: im Legen h$is8er Platten11) an die schmerzende Stelle (Miskat II.jp. 373) — da letztere meinem Volke verboten sei (Fundgruben I. S. 305). (Fortsetzung folgt.) Literaturbericht. Receasisie■. Mensel, S., Die Familie Mendelssohn. 172 1847—׳. Nach Briefen und Tagebüchern. Dre* Bände. Berlin 1879. Behr. Unter diesem Titel hat Sebastian Hjensel. der Sohn der Lieblingsschwester Felix Mendelssohn-Bartholdy's — Fanny Hensel — an der Hand eines sehr reichhaltigen Materials, vor .!Hem unter Benutzung vieler, grösstentlieils ungedruckter Briefe, sowie au» Tagebüchern, mündliehen Traditionen etc. es unternommen, eiin ausführliches Bild seiner berühmten Ahnen und Familienmitglieder zu zeichnen, das in Entwurf und Ausführung eigentlich für den eigenen Hausgebrauch resp. Fämilienkreis bestimmt war, doch aber auf dringendes Ziirathen urtheilsfähiger Freunde auch dem grösseren Publikum zugängig gemacht wurde. Es ist bereits mehrfadh darauf hingewiesen, dass die Geschichte der ״Rittter des Geistes“ wenig Beispiele aufweist, wo sich Geistesgrösse und Adel 80 weit verzweigt und forterbt, tjls eben in der Familie Mendelssohn. Zwischen den Sternen erster Grösse, Moses Mendelssohn und Felix Mendelssohn- Bartholdy, bewegt sieh eine ganze Anzahl bedeutender Persönlichkeiten, Sterne zweiten Ranges gleichsam, die aber durch ihre Stellung zwischen Moses und Felix etwas mehr in den Hintergrund treten, als dis sonsthin wohl ״) Bei den Israeliten, welche überhaupt! nach Süssigkeiten begierig waren (vgl. Jerusch Taanit c. 4, 6; Pesikta ed. Buber S. 114a) galt Honig als ein innerliches Heilmittel! (vgl Berschot 44a; Joma 83b), für Wunden aber galt es nicht für; zuträglich (vgl. B. Kama 85a). Auch Hohammed liebte vorzugsweise den Honig (Fundgruben I. S. 299) und empfahl ihn den Beiuea (Sura 11>J. Doch wie seltsam! Geradezu den Honig empfahl!Mohammed gegen jeglichen Durchfall (Miskat II. p. 3731. Al$ eine höchst interess&nte Mittheilung führe ich |hier die Worte des berühmten R.Simeon Duran aus seinem noch immer einer kritischen Herausgabe harrenden Buche: Dltfp an, die nach mannichfachen Richtungen Ergötzliches bieten, sie lauten: כי בא אחד אל השליח (מחמל) לרפאות אחיו משלשול׳ וא׳יל בשליחות האל שישתה דבש ׳ויתרפא, ושתה הדבש והוסיף לו השלשול, וא״ל לא צדק דבר האל? והשיבו: צדק האל, וכזב בטן! ") Ganz dem Talmud gemäss (B. Batra 58a), dass die erste Basis aller Krankheit die Vollblütigkeit sei, und dass das Schröpfen weder sehr schmerzlich noch gefährlich sei j (vgl. Kethubot 39a; Bechorot 24b). Daher lässt die Tradition dem Mohammed nicht allein Ader schlagen (Miskat II. p 51), sondern eine Schaar Engel ihm in der nächtlichen Himmelsfnhrt Zurufen: Mohammed, lass dich schröpfen! (ibid. II p. 346 und v. Hammer ibid. S 19). **) Da in früheren Zeiten in Arabien Qiehrmals vulkanische Ausbrüche stattfanden, welcher Umstand viele Feueranbeter herbeigezogen haben mochte (vgl. WU»tenfeld, Geschichte der Stadt Medina S. 24), 80 ist dadurch Mohammeds Verbot, mit Feuer, zu heilen erklärbar. Indessen scheint Mohammed von dieser seiner Meinung abgewichen zu sein, wahrscheinlich ^reil er durch jüdische Vermittlung eines Anderen belehrt wurde. Da! nämlich der Talmud sagte, dass das Feuer den sechzigsten Thjeil der Hölle in sich habe (Erubin 19a), darum sagte auch Mohammed, dass das Feuer der 8iebzigste Teil der Hölle sef (Mitkat II p 634). Nun schrieb auch der Talmud vor, dass man 1 gewärmte Gefässe an den Leib als Heilmittel lege, wesswegen Mohammed, abweichend von seiner sonst geäusserten, vielleicht gar ins fremden Kreisen entnommenen Meinung, dennoch dieses Mittel bei seinem Anhänger Asäd, wenn au h ohne Erlolg, versuchte (Muir ibid. p. 206), an die blutende Stelle eines Verwundeien eine heisse Platte mit Erfolg, als Heilmittel, hinlegte (Miskat II. p. 373), I mit einem Pfeil eine Beule öffnete (Muir ibid. p. 480 Note 1), nnjd an das Augenlied eines vom Schlaganialle Betroffenen mit eine!! erhitzten Nadel, und zwar mit Erfolg, stechen Hess (ibid. p. 476 Note 1). '! 1 der Fall sein würfle, welches Verh&ltniss Abraham Mendelssohn zu der bekannten humoristischen Berner- ן kung Anlass giebt; ״In meiner Jugend war ich der Sohn meines Vaters, jetzt in meinen älteren Jahren bin ich der Vater meines Sohnes.• ln der That war Abraham M eine sehr scharfsinnig, philosophisch veranlagte Natur, ein echter Sohn Moses M.'s, und wer den grossen Gedankenreichthum, den er in den uns hier von ihm mit: getheilten Briefen verschwenderisch ausschüttet, den sprudelnden Humor, die philosophische Klarheit, die Correctheit und Eleganz des Ausdrucks mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt, der wird ihm nicht so ganz ünrecht geben können, wenn er — nicht ohne Anflug von Ironie — von London aus, wo er sich in Felixens Begleitung aufhielt, an seine Fran schreibt: ״Ich tühle es am deutlichsten par ricochet und der alte Horsley dachte mir heute ein grosses ,Compliment zu machen, als er mir sagte, er. schätze mich glücklich, der Sohn und der Vater eines grossen Mannes zu sein. ״Wo bleibt die Katz?;t dachte ich und wäre wahrscheinlich sehr böse geworden, wenn ich nicht selbst schon sehr oft darüber -und über mich selbst mich moquirt hätte, dass ich zwischen Vater und Sohn gewissermassen wie ein Gedankenstrich dastehe.“ Aehnliche Vorzüge des Geistes und des Herzens, wie bei Abraham lassen sich, wie auch in dem vorliegenden Werke auf das Schlagendste dargethan wird, mehr oder mindef an fast allen Mitgliedern, Kindern, Frauen, Schwägern, Enkeln etc. der Familie Mendelssohn nach weisen. Dass aber gerade solche Bilder erst durch ihren einstigen intimsten Brief- Wechsel in die rechte Beleuchtung gerückt werden, vollends wenn von berufenster Hand die Verbindungslinien gezogen und eingefügt werden, ist leicht einzusehen. Und in der Benutzung des Materials, in Gruppirung und Auffassung ist Sebastian Hensel ein echter Sprössling Moses Mendelssohn’s, dessen Sprache überall klar, edel, gedankenreich und wahrhaft mustergültig ist. — Wohl von dem Gedanken ausgehend, dass in der Thal der eigentliche Gründer der Familie, Moses M., vielfach anderweit erschöpfend dargestellt ist, geht er über diesen verhältnissmässig rascjh hinweg, behandelt die Kinder und Enkel Mendelssohns resp. die Familienmitglieder überhaupt aber um so ausführlicher, ja mit behaglichster Breite, was indessj um so weniger stört, als einerseits die Personen bedeutend genug sind, um unser Interesse zu engagiren und zu fesseln, und andererseits die treffliehe Ausführung HenselB ganz dazu angethan ist, keinerlei Unbehagen in uns aufkommen zu lassen. Am Ausführlichsien verweilt Hensel bei Felix Mendelssohn- Bartholdy, und gewiss werden die zahlreichen Verehrer dieses so früh heimgegangenen Meisters nicht nur mit wahrem Behagen bei diesem Bilde stehen, sondern auch viel Ergänzendes und Neues daraus erfahren. Das Bild Fanny Mendelssohn’s (Hensel) ist ein wahres Cabinetstück und dürfte das Entzücken aller Leserinnen bilden. Nach allem Diesen ist es unzweifelhaft, dass das herrliehe Werk bald in allen gebildeten Kreisen zahlreiche Verehrer finden wird, und gewiss sollte es in keiner guten Familienbibliothek fehlen. Es hat, wie selten ein Buch, Anspruch darauf.. Freilich können wir nicht verhehlen, dass uns, dem jüdischen Leser, der Genuss der Lectüre dadurch wesentlich beeinträchtigt wird, wenn wir sehen, wie 'die nächste Familie unseres grossen Regenerators, der bis zur letzten Faser dem Volke seiner Väter und ihrem Glauben angehörte, in einer so kurzen Spanne Zeit völlig im Christenthum ausmündet, ja dass schon die eigenen Töchter des Philosophen seinem GIoubed’den Rücken kehren. Das konnte uns natürlich nicht abhalten, der trefflichen" Ausführung resp. dem Werthe des. Buches selbst vollauf gerecht su werden. Max Weinberg.

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