Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 45. (5.11.1879)
- Date
- 1879-11-05
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
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— 178 — jpü.ll U', ,111, T . V 1 h K 1 3• t P fr r* \ k *» ▼on ihren Reichen, die die Pacht nicht erhalten, aufgereist, die Steuer verweigern wurden, was um 80 wahrscheinlicher war, als man dem Juden nicht 80 viel Energie Zutrauen mochte, mit Gewalt durchzugreifen. Joseph bat sich daher vom Könige 2000 Reiter aus nnd verfehlte nicht, gleich in Ascalon, wo man sich ihm zuerst widersetzte, ein warnendes Exempel zu statuiren, wozu Gott Lob unsere Finanzmänner nicht genöthigt sind. Dass Josephus durch solche Zweiundzwanzigjährige Geschäftsoperationen sich ein bedeutendes Vermögen erworben haben müsse, haben wir oben schon nachgewiesen und Josephus versichert es uns auch ausdrücklieh. Der nunmehr reiche Joseph wird, tout comme chez noas, lauer gegen das väterliche Gesetz: Er, der früher in Jerusalem für einen frommen Mann gegolten, speist jetzt ungenirt an der Tafel des Könfgf. verliebt sich in eine Tänzerin und hätte sie auch heimlich geheiräthet, wenn nicht der Bruder die Sache, die J06eph bei seinen Landsleuten um allen Credit der Frömmigkeit hätte bringen können, durch eine List hintertrieben hätte, indem er die Ehre seiner eigenen Tochter der Ehre seines Bruders zum Opfer brachte; fürwahr ein seltenes Beispiel von Bruderliebe, wenn nicht etwa, wie es sich von einem Brnder Josephs nicht unwahrscheinlieh vermuthen ^st, das Opfer selbst nur eine kluge Speculation ws^Ker Tochter einen reichen Mann zu verschaffen. ™ Nicht so glücklich, wie in seinen Geschäften, scheint Joseph mit seinen Tündern gewesen zu sein. Von 8 Söhnen, die er hatte, war es nur der jüngste, der sich eines solchen Vaters würdig zeigte; die übrigen waren, trotz des besten Unterrichts, den ihnen der Vater hatte ertheilen lassen, roh und unwissend geblieben, weil sie, wahrscheinlich im Bewusstsein, einen reichen Vater zu haben, je'de Anstrengung, etwas Tüchtiges zu lernen, gescheut hatten, ein Unglück, dass auch heute noch so manchen reichen Vater trifft. Dafür hatte Joseph-,Sie Entschädigung, dass sein jüngster Sohn Hyrkan so fcreffjich die Lehre und das Beispiel seines Vaters benutzte, dass er, an Schlauheit noch dem Vater überlegen, ihn selbst überlistete und einen Theil des väterlichen Vermögens darauf verwendete, sein eigenes Glück, unabhängig von Vater und Geschwistern zu gründen. Originell ist die Prüfung, der der Vater den dreizehnjährigen Knaben unterwirft; derselbe besieht sie über Erwarten des Vaters gut, indem er zeigt, dass er *es wohl verstände, wie aus Anderer Haut, zumal wenn sie Ochsen sind, gut Riemen schneiden sei. (Schluss folgt.) Mohammed’s Arzneikunde. Von Ltr. litte Gastfreand in Wien. (Fortsetzung.) ־ * Selbst ein Gebet darf vom Harnen nicht zurückhalten (ibid. p. 225*). Da nun eine der Hauptursachen aller Krank- •) Dagegen ist Mohammeds Verbot, ,stehend* zu harnen (Miskat I. p. 86), nicht aas Gesundheitsrücksichten, sondern aus dem Tom Talmud angegebenen Grunde zu erklären, damit nämlich nicht etwa von dem verunreinigenden Urin auf die Füsse tröpfle (Niddah 13a). Als eine Contradictio in adjecio klingt also Mohammed'8 Vorwurf gegen die Juden — welche bekanntlich jede Verunreinigung meidend, von jeder Berührung mit Unflath behüt- •am sich fern halten —, dass sie die Höfe ihrer Hauser nicht rein halten (Miskat II p. 367). Welche Verkehrtheit 1 Sagt etwa nicht berate der Talmud, dass äussere Reinlichkeit innere Herzensreinheit zur Folge habe (.Sota 49a!, dass (Jnreinlichkeit am Haupte Blindheit, an den Kleidern Wahnsinn nnd an dem Körper Aussatz qnd Blattern verursache (hedarim 81a,, und dass ein Gelehrter, auf dessen Gewand man Schmutzflecke gewahrt, gleichsam ' den Tod verdiene (Sabbat. 108b). Sonderbar! gerade diesen Beinlicbkeits- Forderungen gemäss sagte der PropLet, dass ein Prophet zehn*) J) Nach der uralten Vorstellung der Morgenländer ist die Zehnzahl die wichtigste und vollkommenste aller Zahlen (vgl.' v. Hammer, Geschichte des oemanischen Reiches II. 8 16 nnd Stuhr, heilen die Unmässigkeit sei, wesswegea der Talmud sich schon tadelnd über jene Schlemmer auslässt, welche bei einer Mahlzeit unglaublich viel Fleisch verzehren (vgl. Synhedr. 94b; Pesachim 57a) und ermahnt, dass, wer seinen Magen, gleichviel mit welcher Speise, überladet, von einem Fieber ergriffen werde (Gittin 70a); ferner: wer seinen Becher mit einem Schluck ansschlürfe, ein Säufer, mit zweien ein Mässiger, mit dreien ein Hoclnnüthiger sei (Pesachim 66b) —deshalb sagte auch Mohammed, dass der Rechtgläubige mit einem Eingeweide, der Ungläubige hingegen mit sieben Eingeweiden esse (Miskat II. p. 319; Fundgruben I. S. 302), und dass derjenige Trunk, bei welchem man inzwischen Athen! hole, den Magen kühle, den Durst stille und dein Körper Gesuudheit und Starke verleihe (Miskat II. p. 335, vgl. auck p. 337). Mohainmed empfahl einen Erdschwamm, der dem den Israeliten in der Wüste*) gewährten Manna gleiche, als Heilmittel für Augenleiden (Miskat II. p. 320). Dass Mohammed mit den Fingern und nicht mit Messer uiul Gabel zu essen empfahl (Miskat II. p. 323), erinnert ua jenen Talmudlehrer, welcher dem Essön mit den Fingern vor dem mit Tischzeug, aus angeblichen Sauitätsrücksichten, den Vorzug gab (Nedarim 49b). Schmücket eure Tafeln, belehrt Mohammed die Seinen, mit Gemüse, denn das vertreibt den Satan (v. Hammer, die Geisterlehre etc. S. 29). Auch der Talmud emp!ahl den Genuss von Grünzeug: Ein Lehrer dürfe nicht in einer Stadt wohnen, in der kein Gemüse zu finden sei (Erubin 55a) und gar Niemand dürfe da wohnen, wo es an Gemüse mangelt (Jerusch. Kidduschin c. 4,12), welches eigentlieh die Nahrung eines jeglichen armen Studirenden bilde (Sabbat, 140a); ein gewisses Gemüse besitze auch eine heilsame Kraft, die für Herz und Augen, sowie für Eingeweide dienlich sei (Berachot 39a; Erbin 29a). Vielleicht ist das im Talmud (Gittin 69a; vgl. auch Sabbat. 110b) erwähnte Heilmittel, der Alon, gemeint, von welchem Mohammed sagte, dass darinnen sieben heilende Kräfte seien (Eundgruben I. S. 305). Nicht allein Vorsichtsmassregeln und Verhaltungsmethoden, um jede Krankheit fern zu halten, sondern selbst um die bereits eingetretene Krankheit zu lindern, oder sie zu vertreiben, erliess Mohammed bestimmte Recepte, die eigentlich aus jüd. Kreisen entlehut sind, da deren Quellen in der talmud. Literatur sieb wiederfinden. Die Heilung, sagte Mohammed, liegt in drei Dingen: im Säüberungsand Reinigungsarteu des Körpers nicht unterlassen dürfe Miskat 1. p. 88). Er rupfte sich die Haare an den Achsele ruhen aus, schabte die Haare an den verdeckten Körpertlieilen weg (Miskat 1 p. 89) und befahl Andern, dasselbe zu thun (ibid. IL p. 3 •9). Er batte eine Art Zahnbürste (ibid I p. 88) and Haarbürste (ibid. p. 101). Was für eine schöne Sache ist e3 nun, rief Mohammed vergnügt aus, das Reiben der Zahne mit dem Holze Siwak! es erhalt die Zähne, reinigt dieselben vom Schleime, befestigt das Zahnfleisch, vertreibt den üblen Geruch des Mundes, bessert den Magen, erhebt zu Stufen im Paradies, wird von den Engeln gelobt, von Gott mit Wohlgefallen aufgenommen und erzürnt den Satan (v. Hammer, die Geisterlehre etc. 8. 20/. Nie kam der Engel Gabriel zum Propheten, ohne ihm das Reiben mit dem Holze Siwak zu empfehlen (ibid. S. 23). Seltsam genug! noch einige Stunden vor seine'm Tode rieb sich Mohammed seine Zähne mit einem Zahnstocher noch sorgfältiger als je zuvor (Clironique de Tabari III. p 215—216; Ibn His ham II. S. 348. *) Nebenbei wird hier bemerkt, dass die Erzählung, wonach die Kleider der Israeliten während ihres Aufenthaltes in der Wüste weder veralteten noch verdorben oder zerrissen wurden und dass jedes Kind mit der Geburt zugleich seine Kleidungsstücke zur Welt brachte, welche mit ihm wuchsen und sich erweiterten (Chronique de Tabari I. p. 394), ganz nach der Agada (vgl Schochartow Psalm 23 nnd sehr abgekürzt im Jalkut Nam. § 683 und Ekew $ 860) gebildet ist. die Religions-Systeme I. S. 78) und nach dem Talmud (Jerusch. Berachot c. 7; Babli Megilla 26b) bilden zehn Leute eine Gemeinde. Auch die Kabbala macht aus der Zehn zahl vielfachen Gebrauch (vgl. Grätz, Geschichte der Juden VII. 8. 80; vgL auch Mohammed nach.Talmud and Midrasch IL Abth. Anm 27).