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Das jüdische Literaturblatt · 1879-11-05 · No. 45. (5.11.1879) · p. Seite 180

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 45. (5.11.1879)
Date
1879-11-05
Page
Seite 180 (sequence 4)
Language
German
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— 180 — Mas, Dr. L., Rabbiner in Kempen, Drei Re3en politischer Tendenz. Breslau, 1879. Verlag der Schietter• sehen Buchhandlang. (£. Franck.) Auf den ersten Blick muss es eigen thümlich berühren, dass der Verfasser in seiner Stellung als Rabbiner mit Reden politischer Tendenz in die Oeffentlichkeit tritt. Aber schon eine oberflächliche Betrachtung be• lehrt, dass der Verfasser sich nicht in die kleinliche und gewöhnlichere Auffassung dieses Begriffes verliert, sondem dass er, auf eiben höheren Standpunkt sich stellend, grosse und allgemeine Grundsätze, auf welchen das staatliche Wohl der Völker sich aufbaut,' behandelMmd dieselben im Lichte des Judenthums darstellt. Nachdem der Vert in der ersten Rede: ״Volksthum und Menschenthum* im Kampfe gegen die falsche, oft verderbliehe Auffassung dieser Begriffe sich gewissermassen den Boden geschaffen hat, sucht er in den beiden folgenden Reden: ״Bürgerliche Freiheit* und ״Confessionelle Gleichberechtigung*, geleitet von der grossen Bedeutung des staatlichen Lebens in den Augen des Judenthums, seine diesbezüglichen Gedanken zu entwickeln. Die Reden fesseln den denkenden Leser und verfehlen nicht, demselben über jlie genannten Punkte eine höhere Anschau ang beizu bringen. Stets darauf bedacht, seine Gedanken in efne möglichst durchsichtige Form zu gieäsen, geht der Verf. in seinem Streben nach Klarheit einmal soweit, die Schönheit des Ausdrucks der scharfen Markirung des Gedankens zu opfern, (S. 11 spricht der Verf. von der ״Empfindung der Befriedigung, die man dabei empfindet*.} Wir wünschen den vorliegenden, geschmackvoll ausgestatteten Reden, welche besonders dazu geeignet sind, den religiös-patriotischen Sinn durch gesunde Nahrung zu stärken, weite Verbreitung. Dr. M. Grün wald.j Die Feier des 150. Geburtstages Moses Mendelssohn’8 in seiner Vaterstadt Dessau am 31. August 1879 — 12. Ellul 5639 — H. Neuburgers Verlag, Dessau. ־ Das Schriftchen enthält 1. Bericht über die stattgehabten Feierlichkeiten, 2. Festgebet und Predigt des Rabbiners Dr. Salfeld, 3 Festgesänge und Lieder, gedichtet von Wolfsohn, und zeigt uns deutlich, dass die Geburtsstätte Mendelssohns sich ihrer hoheq Aufgabe, vor allen anderen Städten und Gemeinden eine ihres ן grossen Todten würdige Gedenkfeier za begehen, vollauf bewusst und gerecht geworden ist. Die Feier gipfelte natürlich in einer wirklich trefflichen Rede bezw Vredigt des Herrn Dr. Salfeld, die sich über das Thema: ״Sein Leben lehrte und seine Lehre belebte* erging, in Form und Aufbau gleich schön componirt und durchgeführt ist und die ganze Bedeutung M.’s, sowohl innerhalb, der deutschen Judenheit, als auch für die deutsche Nation und Literatur überhaupt in nuce erschöpfte Die wöhlthuendste Wärme durchweht das Ganze und strömt auf Hörer and Leser über. Auch die eingestreuten Gedichte des Hrn. Wölfsohn, jetzigen Vorstehers in Dessau, reihen sich dem würdig an und bilden mit ihm ein abgerundetes schönes Ganze. Das 8chriftchen darf namentlich unseren Lehrern wärmstens empfohlen sein und würde sich auch zrtm Vorlesen mit älteren Schülern uud Confirmanden sowie zur Anschaffang für Bibliotheken der Mendelssohn-Vereine recht wohl eignen. M. Wbg. Schwan, Dr. A., Rabbiner in Karlsruhe, Volles Gewicht und, volles Uaass. Predigt zur 150jährigen Geburtstagsfeier Moses Mendelssohns. A. Bielefeldes Hofbuchhandlung. 1879 Diese am Sabbath Ki Theze gehaltene Festpredigt knüpt in etwas eigenthümlicher Weise an den in diesem Wochenabechnitte enthaltenen Vers (5. B. M. 25, 15): ״Volles und rechtes Gewicht, volles und rechtes Maass 801 Ist du haben* an. So eigentümlich der Text, 80 originell die Anwendung und Ausführung. Hr Schwarz will eben die breiten und ausgetretenen Wege nicht wan• dein, und das ist auf dem Gebiete der jüdischen Homiletik ganz besonders anerkennenswerth. Der Text klingt Anfangs etwas befremdlich, die Anwendung erscheint etwas gezwungen, aber man wird durch die gelungene Ausführung vollständig befriedigt und versöhnt. Wir geben die Schlusssätze des 1. und 2. Theiles, aus denen die Anwendung des Textes ersichtlich ist: ״So lange Israel für seine weltgeschichtliche Aufgabe das Verständniss nicht verliert, wird die Stimme Mendelssohn’s ihr volles Gewicht behalten . . . wird die Richtung Mendelssohn's maassgebend sein*; und aus dem 2. Theile: ״Wer zwischen der Religion und der Wissenschaft das Gleichgewicht hersteilen will, der muss mit Vorsicht und Vorbedacht wägen und messen, der muss das volle Gewicht, welches dem Glauben gebührt, und das rechte Maass, welches das Wissen einzuhalten hat, in Wahrheit und Klarheit erkennen.* Plessner, E. tfnm דרוש. Berlin 1879. 20 S. Dieser in hebräischer Sprache gehaltene Vortrag behandelt ein streng halachisches Thema, die Frage, ob ביטול חמץ durch einen Bevollmächtigten (שליח) stattfinden könne. Verf. versucht die Gegner des Itlur zu unterstützen, die nach der Angabe des R. Nissim eine solche Bevollmächtigung für unzulässig halten (מטעם הפקר). Er begründet die gegnerische Ansicht durch den Satz, den er als Resultat seiner Untersuchungen findet, dass keine Mizwah durch einen bevollmächtigten Boten ausgeübt werden darf, die abhängig ist von dem Fahlen und Denken des Ausübenden, weil ja zwei Personen verschieden denken; nur für diejenige relig. Handlung kann ein Bote verwendet werden, bei der es lediglich auf die Ausübung derselben ankommt. — Indessen die Richtigkeit dieses Satzes im Allgemeinen׳‘ zugegeben, will er uns doch nicht recht für den vorliegenden Fall angewendet scheinen. Welcher Auftrag soll denn da einem Bevollmächtigten überhaupt gegeben werden können oder nicht? etwa dass er nur מבטל i sei? Dazu braucht man ja keinen Anderen; das kann [ man selbst überall thun. Einen Anderen kann man j brauchen zur Bedika, mit welcher jetzt ja auch der! noch dazu in bestimmten undklaren Worten (כל חמירא) vorgeschriebene ביטול, von dem man also nich,t sagen kann, dass die Gesinnung dabei nicht dieselbe sei. Warum sollte dies nun nicht'durch einen Bevollmächtigten geschehen können? Des Ittur’s Worte: מסתברא דשליח נמי מבטל דשלוחו של אדם כמותו beziehen sich, wenn man die Stelle genauer ansieht, in der That auf die Worte des Talmud? הבודק צריך שיבטל, und er meint nur den ביטול, welcher sich an die Bedika anschliesst. Sonst ist die Arbeit lesenswerth, weil sie alles zugehörige Material in guter Ordnung zusammenträgt. Dr. F. Brlefkaatea der RMlastlaa. Die RecensiooeD über 1) Ritter’s Philo and die Halacha, 2) Bar'* Dikdake ha-Taamim erscheinen in nächster Nr. Mm Die Besprechung der ״Beiträge zur hebr. Grammatik im Talmad and Midrasch“, von Dr. B., kann keine Aufnahme finden, da uns die Abhandlung nicht zugegangen. \ JS. M. K- ״Ziklag“ ist nicht ad acta gelegt, kommt n&chstens aceh an die Reihe. , | SVC* Wir ersuchen die gesci) HHrn.Mitarbeiter, uns die Bacter, die sie nicht za reeenairea beabsichtigen, gef. bald zarftekzaeenfea lerielitlg■■■• Im Inserat (in^Nr. iS) muss es heia TrSaSwortSebwTsdartanr Dr. Rahmer in Magdeburg. Druck von M. Horüaeh ln Barby. Verlag Von Robert Priese ln LeipzigJ Jjfe^edig£S91_fat^l96l)^ rD«

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