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Das jüdische Literaturblatt · 1879-10-22 · No. 43. (22.10.1879) · p. Seite 170

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 43. (22.10.1879)
Date
1879-10-22
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 — , Königs gerufen; Ihm wurde der niedrigste Platz unter Allen angewiesen, weil Diejenigen, deren Amt es war, den Gästen, jedem nach seinem Range, die Plätze za bestimmen, ihn wegen seines jugendlichen Alters gering achteten. Alle aber, die neben ihm sassen, legten die Knochen ihrer Portionen, nachdem sje das Fleisch davon verzehrt hatten, in einem Haufen vor Hyrkan, so dass der ganze Tisch vor ihm davon bedeckt wurde. Tryphon, der Spa88macher des Königs, dessen Amt es war, bei Trinkgelagen durch Scherze und Witze die Tafel zu 'unterhalten, wurde von den Gästen darüber befragt, und er sagte, zum Könige tretend: ,Siehst Du, 0 Herr, wie viele Knochen vor Hyrkan liegen? Hieraus kannst Du entnehmen, dass, wie dieser die Knochen vom Fleisch entblösst, so sein Vater ganz Syrien geschunden hat.“ Ueber diesen Witz des Tryphon erhob der «König ein lautes Gelächter und fragte den Hyrkan, weshalb er denn so viele Knochen vor sich liegen habe? Dieser antwortete: ,Darüber wundere Dich nicht, 0 Herr! die Hunde fressen die Knochen mit dem Fleische, wie diese — und hier zeigte er auf seine Tiscbnachbarn — gethan haben; die Menschen aber pflegen, das Fleisch zu essen und die Knochen wegzuwerfen, wie ich es, der ich ein Mensch bin, jetzt gemacht habe/ Der König bewunderte die kluge Antwort desselben, und Alle mussten ihm ihren Beifall über seinen Witz bezeigen. Am folgenden Tage begab sich Hyrkan zu allen Freunden des Königs und zu Denen, die im königlichen Palaste von Einfluss waren, und machte ihnen seine Aufwartung; bei ihren Dienern aber erkundigte er sich, was für Geschenke sie dem Könige zur Geburtsfeier seines Sohnes überreichen würden. Als er darauf hörte, dass Einige 12 Talente, andere besonders Hochgestellte andere Summen nach Verhältniss ihrer Vermögensämstände verwenden würden, stellte er sich, als wenn er bedauere, solche reiche Geschenke nicht bringen zu können, denn. ihm sei höchstens gestattet, 5 Talente auf Geschenke auszugeben. Wie dieses die Diener hörten, meldeten sie es ihren Herren, und diese freuten sich schon, dass der König dem Joseph seine Kargheit zum Vorwurf machen und über die Geringfügigkeit seiner Geschenke beleidigt sein würde. Doch lals der Tag kam, brachten Diejenigen, die für die!Freigebigsten galten, höchstens 20 Talente, Hyrkan abdr gab einem Jeden der hundert Knaben und hundert Ifädchen, die er gekauft, ein Talent zu überreichen, und führte die Knaben dem Könige, die Mädchen der K eopatra vor. Da staunten Alle und selbst die königlichen Personen über dieses nnerwartet prächtige und kostbi re Geschenk. Ausserdem aber gab er den Freunden um Dienern des Königs Geschenke im Werthe vieler Talente, damit er von ihnen nichts zu befürchten hätte; denn seine Brüder hatten an sie geschrieben, den Hyrkan zu tödten. Ptolemäus aber, die grossartige Freigebigkeit des Jünglings bewundernd, hiess ihn sich von ihm was er nur wolle, zum Geschenke aasbitten. Dieser jedoch e ־bat sich von ihm nichts Anderes, als dass er an seinen Vater und seine Brüder über ihn schreiben möchte. Und so entliess ihn der König, mit grössten Ehren ü )erbäuft und mit reichen Geschenken begabt, nachdem er an den Vater, an die Brüder und alle seine St itthalter und Beamten geschrieben hatte. Als aber!eine Brüder vernahmen, was Hyrkan vor dem Könige erlangt habe und wie er mit grossen Ehren zurückkomi!e, zogen sie ihm entgegen, um ihn zu tödten, mit V )!wissen des Vaters. Denn dieser war auf ihn aufgel rächt wegen des vielen Geldes, das er für die Geschenk!: ausgegeben hatte, und es war ihm gleichgültig, was au s ihm wühle. .Jedt>ch varbarg Joseph Beinen Zorn gegen Iden Sohn aus, Furcht vor dem Könige. (Fortsetzung felgt.) Mohammed’s Arzneikunde. Von i)r. Isaac Gastfreund in Wien. Die arab. Juden waren nicht allein ein Volk der h.!Schrift, sondern auch einer bedeutenden Literatur, welche einen unermesslichen Schatz von Kennntnissen enthält, worunter die Medicin und deren Anwendbarkeit einen nicht geringen Platz einnimmt,‘) Da es nun sicher ist, dato Mohammed ausserordentlich viel von Juden nicht, erst in Medina, sondern schon za Mekka lernte (vgl. Nöldeke in der Zeitschrift d. deutsch-morgl. Gesellsch. Bd. 12 S. 701), so unterliegt es keinem Zweifel, dass Mohammed auch von der realen Wissenschaft, wie sie damals bdl den Juden in Arabien bekannt war, nach Möglichkeit einzelne Brocken sich aneignete. Obschon der Prophet sein Augenmerk auf die Astronomie gar nicht lenkte, und trotz der talmud. Einschärfung sich mit der Astronomie zu beschäftigen (Sabbat. 75a), diesbezügliche Weisungen von ihm sehr spärlich tradirt werden, so z. B. lediglich von den fünf Planeten (Miskat I. p. 26), von der Sonnenfinsternis, die in Folge des Austritts der Sonne aus ihrem Wagen entstehe (ibid. p. 27), von den Sternenschnuppen, welche Dämonen seien, die in dieser Gestalt durch die Himmel schweben (Fundgruben I. S. 292), welche all diese Weisungen, die den Magiern gehören, so liegt der Grund offenbar darin, dass die Religion der heidnischen Araber im Gestirndienst bestand (vergl. ״Mohammed nach Talmud Midrasch“ I. Abtheilung S. 8 Anm. 3), und Mohammed sorgfältig alles das mied, was au das Heideathum so leicht erinnern konnte. Daher er wohl von den Juden zuweilen astronomische Belehrung annahm. Er lehrte, dass die Sonne beim Untergange im Wasser sich bade, wodurch sie abgekühlt1) wird (Chronique de Tabari I. p. 24.), welche Lehre der Agada (Schochar Tow Psalm c. 19; Jalkut Jesaia c. 66 § 373) entnommen ist. Auch andere, dem Mohammed in den Mund gelegte astronomische Lehren, wie, dass die Sonne aufzugehen sich weigere und nur durch Drohung und Zwang sich zum Erscheinen gedrungen sehe (Sprenger I. S. 112), dass ferner der Mond ursprünglich der Sonne gleich war und später erst verkleinert wurde (Miskat I. p. 24), sind der Agada (Nedarim 39b; Rab. Echa c. 2; Tanchuma *•) Dass die Arzneikunde in Israel von jeher gepflegt ward, bezeugt hinreichend die Bibel, und ausdrücklich werden Halachot der Aerzte (Jerasch. Jebamot. c 7; 2. Siphre Deuter. $247) und einzelne hervorragende Aerzte erwähnt. Noch zur Zeit des Bestendes dies Tempets war ein Beamter angestellt, der Uber die Leibschmerzen der Priester zu wachen batte (Jerusch. Schekalim c. 2), za welcher Zeit auch ein jUd. Wundarzt eine glückliche Operation in Je|ru8alem vollzog (Siphra ed. Weiss S. 16a), und im ersten Jahrhundert nach der Zerstreuung Israels ein wahrscheinlich jüd. Arzt!an einem Talmadlehrer ebenfalls eine Operation vornahm (Jeraich. Nasir c. 6; Siphra ibid. 8. 94a). Berühmt sind die jttd. Aerzt:: Tobias i n Jeras ale m (Jerusch. Rosch-ha-Schana c. 1, 9) und (er jüd. Arzt Tod rot h, dem sich viele andere, wahrschein• lieh j id. Aerzte als Assistenten anschlossen (Jerusch. Berachot c. 1). Späte■ hatte R. Jehuda, der Sammler der Misdhna, den R. Samael zum Leibarzt (B Mezia 79b) Da ferner in der späteren Zeit (vom siebet ten bis dreizehnten Jahrhundert) ausgezeichnete jüd. Aerzte in Atabien nach Hunderten zählten (vgl. Wüstenfeld, Geschichte der arab. Aerzte S 9—121), so dürfen wir mit Gewissheit annehmen, dass auch vor dem Islam bereits jüd. Aerzte ia Arabien waren. Denn es geht aus der Tradition hervor (vgl. Miskat II p. 376—77), dass jüd. Aerzte den Arabern tnedicinisehen Rath ertheiltün, und dass al-Kindi, der erste Moslim, welcher die Arznei betrieb, ein Jnde war (Ibn Khalikar.'s Biograph. Diction, by Slane L Introd p. 27, Note. *) Eine spätere Relation scheint jene Tradition za sein, dass an eipem gewissen Zeitmoment angesehen von Oben Gift in jegliebes nicht bedecktes Wasser falle (Miskat. IL p/34t), welcher Glaube jener spätem 'Mystik entspricht, dass man zur Zeit, in der die Tekufe fällt, kein Wasser trinke, aus Besorgnis« vpr den in das Wasser vielleicht gefallenen schädlichen Tropfen Blats ^vgL Jon dea $ 316; Orach-Chaim $ 466). י»

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