Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 41 u. 42. (8.10.1879)
- Date
- 1879-10-08
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/5367336-6488236-8755769--1385-4854772- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 164 — er wohnt, kommt zu dem Orte, den Adonai erwählen wird, so darf er im Namen Adonai’s, seines Gottes, fungiren, 80 gut wie die Leviten, die daselbst vor Adonai Stehen.14 (18, 1, 6, 7.) Ihm lag das Interesse des Centralheiligthams, nicht aber das der jerusalemischen Priesterschaft am Herzen, darum hatte er nichts dagegen, "dass die Leviten der Provinz nach Abschaffung der Bamoth in Jerusalem gleich ihren erbgesessenen Collegen amtirten. Aber diese Bestimmung erwies sich gegenüber dem Widerstreben der jerusalemischen Priesterschart, der Bohne Zadoks, im Ganzen als undurchführbar. (2. Reg. 23, 9.) Sofern sie überhaupt noch am heiligen Dienste Theil nahmen, mussten sie sich eine Unterordnung unter die Sohne Zadoks gefallen lassen. Der jerusalemische Priesterprophet vertheidigt das traditionelle.Recht der 80hne Zadoks, welche auch schliesslich den Sieg davongetragen. Von nun an beginnt eine strenge Scheidung zwischen dem höheren und niederen Klerus, den Priestern und Leviten. Der elohistische Codex führ(, die Einrichtung gar bis auf Mose zurück, als eine göttliche Urbestimmung, die Ausübung des Priesterdienstes durch Leviten־ ist ihm eine höehst bösartige Anmassung, die einmal in der Urzeit der Rotte ־Korah’s den Untergang brachte. Am .pentralheiligthum in der W,üste waren blos Aron und seine Söhne Priester, die übrigen Leviten blosse Diener. Wie in der Stiftshütte eigentlich nur der Tempel gemeint ist, so wird das Recht des Hauses Zadok unter dem des Hauses Aron vertreten. Des- Wegen wird in der Chronik der Versuch gemacht, die Abstammung der Söhne Zadoks von Aron abzuleiten. Die ältere Geschichte weiss hiervon nichts, im Gegentheil heisst es in der Weissagung an Eli, dass, wiewohl sein Stamm seit dem Auszug aus Aegypten zum Priesterthnm erwählt worden, so werde derselbe jetzt verstossen, -und in künftigen Zeiten solle ein anderer, ein Zuverlässiger Priester nach dem Herzen Adonai’* vor dem König wandeln immerdar. (1. Sam. 2, 27 ff.) Dieser verlässige Priester ist kein anderer, als der von David berufene Zadok, und wenn er also nicht dem Hause und nicht dem Vaterhause Elis angehört und als ein Anfänger eines absolut neuen Geschlechts zur Priesterscbaft erkoren wird, 80 ist klar, dass der in der Chrönik aufgeführte Stammbaum bis Aron blos der missverstandenen Fiction des Elohisten zu Liebe, künstlich hergestellt worden. Das Alter der jerusalemischen Priesterschaft war kein höheres, als das des judäischen Königthums. Wie das Geschlecht Sauls, das Geschlecht Samuels ausdrücklich verstossen wird zu Gunsten des Erwählten des Herrn, zu Gunsten Davids, so wird das Geschlecht Eli’s von Gott selber, von der erblichen Priesterschaft verstossen zu Gunsten des verlässigen Priesters Zadok. So sehr diese Geschichtsdarstellung von theokratischen Tendenzen dictirt ist, so hält sie es doch noch nicht für nOthig, das Haus Zadok in ein Haus Aron umzuwandeln, die göttliche Berufung allein genügte zur Gründung des jerusalemischen Priestergeschlechtes, ln der That war ln früheren Zeiten die Opferung beinah Jedermanns Tbätigkeit. Gideon und Manoah opferten ohne priesterliehe Assistenz, ein reicher Ephraimite besass ein(1 Heiligthum, bei dem zuerst sein Sohn Priester war, nachher aber ein heimathsloser Levit von Bethlehem, ein Urenkel Mosis, den er sich glücklich schätzte gegen ein Jahrgeld von zehn Silberlingen nebst Kleidung und Unterhalt festzuhalten. David selber hat des öfteren geopfert, auch seine Söhne waren Priester, ebenso wie der Sohn des Propheten Nathan. Die Priesterschaft war überhaupt nicht zahlreich; für ein gewöhnliches HefitssÖJum' war ein eigener Berufcpriester, ein Levit, eine grosse Seitenheft (Jod. 17, 13), was za den 22,000 jjh viten als Wächter aa der Stiftshtttte in der Wüste’ nicht gut stimmen will. Mit dem Geschlechte Zadoks begann die eigentliche erbliche Priesterschaft. Der H'ieroduIendienSt ward von den Lehrlingen oder auch, wie wir von Ezechiel Kap. 44 erführen, von Sklaven, ausländischen Gefangenen, verrichtet. Erst nach dem Vorgänge dieses Propheten überträgt das elohistische Gesetz diese Thätigkeit den Leviten, d. h. den Priestern der abgesclmfften Cultstätten in der Provinz. Begreiflich, dass diese ehemaligen Prie9ter sich mit dieser Verordnung wenig befreunden konnten und Keiner von ihnen aus dem Exil mit Ehre zurückzukehren sich verstehen wollte. Dieses räthselhafte Verhalten der Leviten bei der Rückkehr aus dem Exil wird erklärlich, wenn man erwägt, dass jenes Gesetzbuch, welches ihre Degradirung definitiv besiegelte, zur Grundlage des neuen Jerusalems erhoben worden. Neben den Leviten gab es Laienpriester, Naziräer. Aller geschichtl. Sinn streabe sich aber, in der Weihe Simson'8 und Samuel’8 eine fortgeschrittene Stufe der mos. Naziräer zu sehen. An der Spitze der elohistischen Hierarchie steht der Hohepriester, der den centralisirten Cultus in sich personiQcirt. Welche Bedeutung er in der nacliexilischen Zeit besessen, weiss jeder Geschichtskundige. N un aber kennt das Deut, diese Institution noch gar nicht. Es kennt Priester Leviten, es kennt Richter, denen zu gehorchen es einzuschärfen nicht unterlässt; es spricht von׳ dem Monarchen, dem König — nur nicht vom Hohenpriester. In der That war in der vorexilischen Zeit für eine solche Institution kein Raum. Die Priester waren dazumal königliche Diener und Vertrauenspersonen. 1. Reg. 4, 5; 2. Reg. 10, 11; Amos 7, 10 ff. Tempel wie Priesterschaft waren königlich. Zum Geschäfte der Regierung gehörte auch die Gestaltung des Offiziellen Cultus; die Könige führten neue Gebräuche ein, schafften alte ab, die Priester waran nur ausübendes Organ. (1. Reg. 12, 5 ff.) Den souveränen Oberpriester der nachexilischen Zeit, der wie ein König die Salbung erhielt, mit Purpur und Diadem geschmückt, hätten die nachexilischen Könige neben sich nicht geduldet. Man vergl. Nutu. 27, 21, in welcher Unter- Ordnung die weltlichen Volksführer ihm gegenüber sich gefallen mussten. Kr allein ist der verantwortliche Vertreter der Gesammtheit, sein Fehltritt zieht Verschuldüng des ganzen Volkes nach sich und wird gesühnt wie der des ganzen Volkes, während die Fürsten durch ihre Sündopfer sich ihm gegenüber als Privatleute charakterisiren. (Lev. 4,3; 13, 22: 9, 7; 16, 6.) Sein Tod begründet eine Epoche; nicht wenn der König stirbt, sondern wenn der Hohepriester stirbt, tritt für den Flüch• tigen Amnestie ein. (Num. 35, 28.) Das weltliche Oberhaupt heisst hier nicht mehr Meiech, sondern Nassi. Nach Verlust der staatlichen Unabhängigkeit konnte der Gesetzgeber ein weltliches Oberhaupt nicht mehr in Betracht ziehen, und er schuf ein religiöses Volksoberhaupt, das in sich die Gesammtnation verkörpern sollte. Darum findet er sich auch nicht veranlasst, das Verhältniss der beiden Gewalten zu einander zu ordnen. Nicht trotz, sondern wegen der Fremdherschaft ist die Institution des hohen Priesterthum* ins Leben gerufen worden. Der Tempel ward der ausschliessliche Mittelpaukt des Lebens und der Tempelfürst das Haupt des geistlichen Gemeinwesens, dem auch die Verwaltung der politischen Angelegenheiten, soweit solche etwa noch der Nation überlassen wurden, von selbst zufiel, weil es überhaupt keine andere gab. Ezechiel, in dessen Zukunftsstaat dem weltlichen Herrscher eine wichtige Rolle Vorbehalten, kennt noch nicht einen Hohenpriester von solch eminenter Heiligkeit und Macht, während die Chronik mit einer bewunderungswürdigen Genauigkeit sämmtliche Hohepriester bis Aron anzugeben weiss. Sollte demnach aaritjliüh erst in dieser Zwischenzeit daa