Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 41 u. 42. (8.10.1879)
- Date
- 1879-10-08
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 63ו erfüllt würde. Der Bruder übernahm bereitwillig die Vermittlung, führte aber in der N*eht seine eigene Tochter, als Tänzerin verkleidet, in das Gemach de# Bruders, und dieser, der in der Trunkenkeit die Verl Wechselung nicht bemerkt, hält sich für den Glücklichsten, und jemehr er dieses vermeintlichen Glückes theilhaftig wird, desto heftiger wird seine Liebe! zu ihr. Endlich gesteht er dem Bruder, dass wegen cjer Liebe sein Le• ben in Gefahr sei, wenn der König ihm die Tänzerin nicht abtreten wollte. Der Bruder aber ermahnt ihn, jede Besorgnis8 und allen Kummer zu entfernen; nichts hindere ihn, das Mädchen auch ferner zu lieben und sie sogar zu seiner Gemahlin zu erheben. Er entdeckt ihm hierauf seine List und fügt hinzu: er habe lieber seine Tochter einer Unbill aussetzen, als zugeben wollen, dass er etwas begehe, was ihm zur Unehre gereichen könnte. Joseph lobt ihn wegen seiner Bruderliebe und nimmt seine Tochter zur Frau. Sie gebar ihm einen Sohn, den er, wie oben erwähnt, Hyrka* nannte. Dieser jüngste von seinen Söhnen zeigte schon: zu dreizehn Jahreu eine solche Festigkeit des Charakters und so vor• treffliche Geistesanlagen, dass er dadurch die Eifersucht der Brüder in hohem Grade erregte; Seine Vorzüge waren auch in derThat von der Art,■ dass sie beneidet werden konnten. Denn da Joseph selbst sich überzeugen wollte, wer von seinen Söhnen von der Natur zu etwas Tüchtigem bestimmt sei, so schickte er einen Jeden zu Denen, die damals für die bestea Lehrer galten. Alle aber, ausser Hyrkan, kehrten, weil sie zu träge waren und die Mühe scheuten, roh und ungebildet wieder nach Hause zurück. Nach diesem aber sandte er sei• neu jüngsten Sohn Hyrkan mit dreihundert Gespann Ochsen zwei Tagereisen weit in die Wüste, das Land urbar zu machen, nahm aber heimlich die Jochriemen weg. Wie Hyrkan nun an den Ort gjekommen war und keine Jochriemen hatte, hörte er nichjt auf die Meinung der Ochsentreiber, die ihm riethen, einige Leute zum Vater zu schicken, ihm die Riemen zu holen; denn er glaubte, er dürfe die Zeit nicht verlieren, während er die erwartete, die er enttenden musste; sondern er erdachte einen klugen Rath, nicht wie ein Kind, sondern wie ein erwachsener Mann. Et schlachtete nämlieh zehn Gespann, vertheilte das Fleisch unter die Arbeiter, schnitt die Felle in Riemen und band mit diesen die Ochsen an die Joche. Und da er auf diese Weise das Land besäet hatte, wie es ihm der Vater aufgetragen, kehrte er wieder zu ihm zurück. Wie er heimgekehrt war, bewunderte ihn der Vater sehr wegen seines klugen Benehmens und ertheilte ihm das grösste Lob über den Scharfsinn, mit dem er den Auftrag vollführt hätte, und liebte ihn immer mehr, als wenn er der einzige leibliche Sohn wäre, zum grössten Verdruss der Brüder. (Fortsetzung folgt.) -:---I Professor J. WeUkanseB tfyer das Alter des biblische^ Priestergesetzbuches. Von Dr. J. S. Bloch in prflx. Priester un,d Leviten. Die Priesterkapte, des e|ohi#ti8ebh*!G«8eUbuchep hat eine strenge GRedenpig. u*d e^e sk^r fQrlgeifthrUtene Ausbildung. Zwischen Priester* und Leviten herrsch ein Rangunterzchied und eine Kluft, diß nicht pu ubgfr brücken ist. f>ie Leviten sind eigentlich weniger Tempeldieaer, als vielmeehr Pries terd+ener, welche an di# Aroaiden geschenkt worden. Der Gesetzgeber wird nicht müde, dieses Abhäagigkeitsverhältmss, das beinah ans Sklavische streift (man vrgl. Num. 3,9), bis zum Ueberdruss zu wiederholen Es war ihm darum za thun, die Verwendung der Leviten za bloe niederes und barten Arbeiten gegen etwaige Anfechtungen zu rechtfertigen und als eine göttliche Bestimmung da*- zu8tellen. Im Deut, dagegen _ bedeutet Levit schlechthin der Priester, die strenge Scheidung zwischen Aroaiden and Leviten tritt nirgends hervor. Die Formel ist daselbst überall: der Priester **= der Levit, oder: die Priester die Leviten. Pie innere Zweitheilung existirt noch nickt. Dies ist auch in völliger Uebereinstiaimaag den prophetischen .Quellen des Pentateuchs, in welchen ebenfalls Levit der Ehrentitel des Priesters ist. In einer Anrede an Mose heisst es: ״Dein Bruder Aron, der Levit“, welche Bezeichnung nicht auf die Starqwesr eigenthümlichkeit, die er ja mit Mose theilt, sond^rp seinen Priesterberuf sich bezieht. Welche Darstellung nun Ist die ältere? Wiederum ist es der Prophet Ezechiel, der hier mit einer überraschenden . Klarheit und Präcision Auf• Schluss giebt. Für das neue Jerusalem verkündet er Kap. 44,10 ff..; ,Die Leviten, die 6ich mir entfremdet, als Israel seinen Götzen nachging, sollen ihre Sebald büesen. Sie solle* Diener sein in meinem Heiligthum, wachen an den Thoren meines Hauses, das Haus bedienen, die Opfer für ־das Volk schlachten und vor ihnen stehen, sie zu bedienen. Weil sie dienten vor ihren Götzen, darum erhebe ich, meine Haad wider sie, spricht der Herr, dass siejhie Schuld büssen. Sie dürfen nicht nahen, mir Priester zu sein, an mein Heiligthum zu treten, sondern ihre ScKmac|1 tragen für die verübten Greuel, und Diener sein meinem Hause zu. aller Arbeit und Verrichtung. 3108 die Prie? ster, die Leviten, die Söhne Zadoks, welche mein Hei* ligthum wahrten, als Israel von mir abirrte; sie sollen treten an mein Heiligthum, sich nahen meinem Altar und über dea Dienst wachen.“ Hieraus geht sonnenklar hervor, dass die Leviten vorher gleiche Berechtigung hatten mit den 1Priester!^ und dass sie b!os als Strafe zu ihrem niederen Dienste degradirt worden. Auf Grund des Deut, ist dies voll•- kommen zu verstehen, unvereinbar aber mit der elo-^־ , histi sehen Gesetzgebung. Der eigenthümliche Beruf, den Ezechiel den Leviten als Strafe für ihre Sünden zaweist, war ja ihre erbliche Urbestimmung, die eigentliche Aufgabe, die ihnen Mose von Anfang an im Namen,Gottes übertragen. Was Ezechiel, der nicht an der Priester-, function der Leviten, sondern an deren Missbrauch für den Höhenkultus' Anstoss nimmt, ah» eine Neuerung einführt, erscheint hier als eine uralte mosaische Institution; Das Gesetz Ezechiels, zu dessen Zeit der neue Sprachgebrauch offenbar noch nicht üblich war, ist als eine Vorstufe zu dem Priestercodex zu verstehen. Durch die Centralisation des Cultus, durch die allmählich gefestigte Alleinherrschaft des Centralheiligthums, in Folge des deutetopomiseben Gesetzes, wurden die zahlreichen Priester der verschiedenen Cultusstättea des Landes brodlos. Mit der Abschaffung der CuUatättea ist diea^ zahlreiche Mensehenkiasse beschäftigungslos ־ gebliebeq. Um diese nun 3g versorgen, legt zwar der DeipeixuiQmiker den Provinzmlen. ana Herz^ dar Leviten nio^'t, vergepaapj 3ie<bpi qeß, OpferwalUahrttm1 mitzunehme*, und trifft nichtiobne Ahsiehtlichkeit'dm'xeTqrdungV yreqjL ein Levit aus irgend einer Stadt von Israel, **' 1