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Das jüdische Literaturblatt · 1879-10-01 · No. 40. (1.10.1879) · p. Seite 158

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 40. (1.10.1879)
Date
1879-10-01
Page
Seite 158 (sequence 2)
Language
German
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war daher natürlich, dass das Geld den mächtigsten Einfluss übte, und hier musste Zum ersten Male erkannt werden, dass der Reichthum eine Macht sei, vor der sich selbst Könige und Fürsten beugten. Mit Geld konnte man Sicherheit," Ansehen und Gerechtigkeit von den Machthabern erkaufen, ohne Geld war man verachtet, den Gew&lttbätigkeiten der Könige und ihrer Diener Preis gegeben. Die Juden, die ein Land bewohnten, das nur durch den sorgfältigsten Ackerbau seine zahlreichen Bewohner ernähren konnte, die weder durch Handel, noch durch Gewerbfleiss sich die anderen V&l• ker tributbar zu machen verstanden,, mussten ihrer Dürftigkeit wegen von Anderen verachtet und ihrer politischen Ohnmacht wegen ungestraft den Anmassungen und ungerechten Forderungen der Mächtigen ausgesetzt sein. Daher Anden wir auch in der That zur Zeit der Ptolemäer und Seleuciden'die Juden in der traurigsten Lage, die Beute bald des einen, bald des andern mächtigen Nachbarn, gleich einem Schüfe, wie Josephus sagt, das im Sturme von den Wellen hin- und hergetrieben wird. In dieser Zeit der Noth trat unter den Juden ein Mann auf, der, die Umstände klug benutzend, sich Schätze sammelte, wie sie früher kein Privatmann in Judäa besessen, ünd durch sie ein Wbhlthäter seines Volkes wurde. Joseph, der Sohn deis Tobias, ist es, der die Reihe jüdischer GeldfUrsten arßtfn^t, der den mächtigen Einfluss, den ihm seine Reichthülner verschafften, zum Scnutze seines Volkes janwandte, der, wie Josephus von ihm rühmt, das jüdische Volk aus der Dürfiigkeit undf Ohnmacht herausriss und in eine glänzende Lage versetzte. Aber das Uebel, an dem die Juden litten, konnte durch Josephs Geld und Einfluss nur gemildert, nicht geheilt werden; vielmehr äusserte sich die schädliche Wirkung des vermehrten Geldbesitzes auf das Volk. Die Grossen und Reichen, meist Kinder und Verwandte Joseph's, entfremdeten sich durch Schwelgerei und jämmerliche Nachäffung griechischer Bildung und Sitte dem Glauben und den Tugenden der Väter immer mehr, demoralisirten durch ihr böses Beispiel die Volksmasse, die sie endlich ihrer Selbstsucht opferten. Unmöglich konnte auch das Heil von diesen Zwitterwesen kommen, die zwischen Griechenthum und Judenthum ohne Halt und Würde hin und herschwankten. Aus dem gesunden Kern des Volkes erstanden endlich den Juden die wahren Retter in der Hejldenfämilie der Makkabäer. Auch auf sie hatte die griechische Zeitbildung ihren Einfluss geübt, aber nicht entnervend, sondern ermuthigend und kräftigend. Denn die Grossthaten ddr Makkabäer sind nicht blos aus der religiösen Begeisterung, sondern auch aus dem anregenden Beispiele griechischer Freiheitshelden hervoigegangen, "und die, gleichgültig ob wahre oder erdichtete, Freundschaft und der darauf sich beziehende Briefwejchsel zwischen den Spartanern und Juden sollte nichts 418 das Bekenntniss sein, dass sich beide als Geistesbrüder fühlten. Und was in Wort und Schrift geleistet worden, was zur Vermittelung griechischer Wissenschaft und jüdischen Glaubens geschehen, ist nicht von jenen griecbelnden Jaden aasgegangen, die Grosses gethan zu'haben glaubtan, wenn sie griechische Ringschulen anlegten, griechische Feste feierten und griechischen Götzen Opfer schickten, sondern von solchen, denen der Glaube ihrer Väter eine Wahrheit war, die nicht fremden Prunk, sondern fremden Geist achtend, es mit hellem Blicke erkannt hatten, wie griechisches Leben und griechischer Gjötterdienst bei allem äusseren Glanze hohl und in siph zerfallen sei und einem gewissen Tode entgegeneile, während das verachtete Judenthum die Unsterblibhkeit in sich trage. Es dürfte demnach, hoffe ich, für Sie nicht, uninteressaat sein, wenn ich Sie mit dem Leben und den Schicksalen dieses ersten aller grossartigen jüdischen Gjeschäftsmänncr bekannt mache, wie Sie uns der Gesqhichtsschreiber Flavius Josephus im VII. Bucheseiner jüdischen Alterthümer Kap. 4 erzählt. Die Geschichte Josephs und seiner Familie bietet auch sonst noch so viele interessante Einzelheiten über damaliges Leben und Sitten, dass ich es nicht für unangemessen halte, Ihnen die ganze Stelle des Josephus in einer treuen üfebersetzung mitzutheilen. (Forts, folgt) Die Göttlichkeit der talmnd. Interpretationsregein. Ein Schnitzer im Gutachten des Hrn. Rabbiner Hirsch in Frankfurt am Main. Wenn die Rabbiaen der Vorzeit gutachtliche Bescheide (תשובות) gaben, mochte es sich auch nur um den ,gebrochenen Flügel eines Hühnchens“ handeln, so erachteten sie es für nöthig, dieselben durch lange, gelehrte Auseinandersetzungen zu begründen. Die Gaonim der heutigen Orthodoxie in Deutschland sind über diesen strengwissenschaftlichen Standpunkt längst hinaus. Man sehe sich doch die 3 sogen ״Gutachten“, die dieselben gegen die Breslauer Schule erliessen, an! Zwei enthalten auch nicht ein einziges Citat aus dem Talmud oder den Codices. Nun, Mangel an Klugheit kann man den HHrn. Dr. Lehmann und Dr. Hildesheimer gewiss nicht vorwerfen; wie leicht hätte ihnen beim Citiren ein Malheur passiren können! Sie wollen sich der Gefahr nicht aussetzen, ihre Beweisgründe widerlegt zu sehen. Hr. Hirsch ist nicht 80 vorsichtig gewesen, er führt wirklich eine Stelle aus dem Talmud an, er will doch wenigstens durch e i n Citat, nach Art der Alten, seine תשובה zieren. Aber seine Unvorsichtigkeit und Vorwitzigkeit hat 6ich sehr hajrt an ihm gerächt; denn er hat die Stelle gründlich —i missverstanden. Wir geben die Stelle aus Babli Synhedrin 99a vollständig in der Note.*) (Da heisst es auch nicht תניא, wie Hr. H. schreibt, sondern *תניא אידן; der Talmudkundige weiss, dass zwischen Beidem ein wesentlicher Unterschied besteht.) Dieser Ausspruch 8011 nun Herrn H. als Beweis dienen dafür, wie sehr ״die der schriftl. Lehre völlig gleiche Göttlichkeit der m tto d li eben Lehre und der י״ג מדות שהתורה נדרשת מץ die allererste Grundlage dei gesetzestreuen Judenthums“ bilde. Schon ein oberflächlicher Blick zeigt nun aber, dass dieser Satz keines- I ") תניא אידך כי דבר י״י בזה זה האומר אין תורה מן השמים. ואפילו אמר כל התורה כולה מן השמים חוץ מפסוק זה שלא אמרו הק׳ כ״ה אלא משה «פי עצמו והו כי דבר'י״י בזה ואפי׳ או׳ כל התור׳ כול׳ מן השמי" חוץ מדקדורןזה מק״ו זד. מנ׳׳ש זו. זהו כי דבר ה׳ בזה.

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