Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 39. (24.9.1879)
- Date
- 1879-09-24
- Page
- Seite 155 (sequence 3)
- Language
- German
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der Deutung desselben Verses durch R. Jose (Taanit 22b) ל נשמד. שנתתי פך חחייה Folgende Stelle spricht ohpe weitere Ausführung fdr Sich selbst: ״Also knüpfe ich die ideale Würdigung des Wortes an das Ueberirdische an, und es findet sich hierfür der zutreffendst Ausdruck in dein Schöpfungsbilde des alten Testaments: ״Und der Herr sprach, es werde Licht, und es ward Licht“. Der reineD Gottesidee, welche die Genesis des alten Testaments einleitet, entspricht die mächtigste Zusammenfassung der unbedingten Geistesherrschaft, dass das Wort das Werden vollzog Diese Sicherheit des gläubigen Ge1nüthe8 erschüttert der Zweifel beginnender Forschung, welchem der deutsche Dichter einen lebensvollen Repräsentanten giebt. ״Ich kann das Wort 80 hoch unmöglich schätzen* — sagt Faust, da er die Befriedigung nicht mehr im Busen quellen fühlt, um sich dorther Erquickung zu holen. Er spürt der Offenbarung nach, dem Anfänge aller Dinge, aber dem grübelnden Zweifler will der Ausdruck nicht me)1r, wie sonst, begreillich klingen: ״Geschrieben steht: im Anfang war das Wort, liier stock' ich schon! Wer hilft mir weiter fort? Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen, Ich muss es anders übersetzen, Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.“ Und nun versucht er den welcher am Anfang aller Dinge war, mit einem deutlichen Begriff sich zu vergegenwärtigen, wählt, verwirft Alles, was in der Mitte liegt — Sinn, Kraft, bis er beim Gegensatz des Wortes angelangt ist: ״Mir hilft der Geist, auf einmal seh* ich Rath Und schreib getrost; Im Anfang war die That.* Heulen und Bellen des Pudels unterbrechen den Uebersetzer, der Gesang der Geister erschallt. Faust greift zu den Verschwörungsformeln und kehrt nicht mehr zurück zu dem Versuch, den Anfang alter Dinge besser zu verdeutlichen. Würde die ״That“ ihm den Anihng verständlicher gemacht haben, als das ״Wort“? Vergebliches Muhen, für das Unbegreifliche einen begreifliehen Ausdruck zu finden. Ob das Wort, ob die That, ob die Bewegung des Stoffes im Anfang aller Dinge gewesen, Niehls bringt den Urgrund des Erschaffenen unseren Sinnen nähetr. Wer nicht in Wahrheit, auch nicht für einen Augenblick zum Ueberirdischen sich flüchten kann, der enthalte sich ganz der Forschung über den Anfang. Das Werden ist dein Denkvermögen entrückt, und keine irgendwie geartete Um- י Schreibung erweckt eine deutliche Vorstellung. Wer dagegen sich das Gemüth empfänglieh bewahrt hat, wer an das rein Geistige sich wagt und es da fortsetzt, wo er im menschlichen Leben Adel der Seele und bewegliehe Fähigkeit der Gedanken und Empfindungen mit den wenigsten Schlacken vermischt gefunden, der wird immer die Vorstellung des göttlichen Waltens im ״Wort“ versinnlichen. Solchen Gemüthern verständlich ist das Gedankenbdd der Schöpfung: ״Und der Herr sprach, es werde Licht, und es ward Libht.u| Ist doch dies die würdevollste Darstellung des Gottesgedankens, dass der Mensch, was er am Wolilthätigsten empfindet, was ihn als das Vornehmste ziert, im verstärkten Grade Gott beilegt, ln der Ahatufung der menschlichen Verhältnisse steht am Höchsten, wessen befehlendes Wort mit gröaster Sicherheit und geringster Verzögerung sich vollzieht; also fallen in der Gottesvorstellung Wort und That zusammen, und nicht der geringste Zwischenraum ist frei für den trennenden Gedanken.“ (Cfr בחיי zu בראשית Anfang: Erklärung der Ansicht R. Nechemias, dass Ahe8 am ersten Tage geschaffen — יזהו! שכתיב כי הוא אמר רדד 3 .£8) ביאר כי חבל היד. במידה יבהריה אחת:a, 9) Cobknt. י־ Dr. Lewia Literaturbericht lecenslsnf. Dessauer, Dr. M., Der deutsche Plato, Erinnerungsechrift zuM Ostes Mendelseohn’s 150. Geburtstage. Berlin, Stuhr'sehe Buch- und Kunsthandlung. 1879. Dem Ausschüsse des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, ״der durch Wort und That den Namen Moses Mendelssohns feiert und die weitesten Kreise zur Feier atigeregt hat,“ gewidmet, bringt das Buch zwei in fesselndem Stile geschriebene, wohldurchdachte und künstlerisch aufgebaute Abhandlungen, deren erste uns M.’s philosophische und reforn tatarische Bedeutung vorfuhrt, während die zweite uns mit einem biographischen Umriss und mit Gedankensplittern aus dem LebÄn und B enken des bedeutendsten Popularphilosophen alterZeiten e: freut. Der Verf, der bereits mit seinem, Leben und V ’erke Spinoza’s behandelnden Buche ״Der Sokrates der euzeil“, seine Tüchtigkeit, die tiefem philosophische• G edanken den gebildeten Kreisen zu erschliessen, rühmlieh'documentirt hat, giebt ia seinem ״Plato“ meine• Wissens dis erste gerechte und trotz ihrer Kürze erschöpfende Abhandlung von den vielfach falsch beurtl!eilten philosophischen Werken M's und spricht über dessen reformatorische und regeaerireade Bedeutung mit e ner wohlthuenden Prägnanz and Klarheit, die wir in a len Biographien bis jetzt vermisst haben. Vf. versteht en vortrefflich, den spröden Stoff in auch den Laien a imuthende, gefällige Formen zu bringen; er macht uns ir it jeder Geistesthat M.’s bekannt, zeigt ihre wirksame Kraft und beansprucht mit Recht, dass seinem ״Plato“ der ihm gebührende hervorragende Ehrenplatz in jeder Geschichte der Philosophie und Aesthetik sowohl, als in jeder deutschen Literaturgeschichte nicht vorenthalten werde. Lichtvoll und anziehend entwickelt Dessauer auch seine Gedanken über M.'8 refornsatorisehe (besser: regenerirende) Tliäiigkeit, der jedenfalls, nach ihren Wirkungen gemessen: nach der Aufklärung, die sie verbreitet, nach der Freiheit, d!e sie geschaffen, nach dem S»ege, den sie Über Intoleranz und Vorurtheff ffavongetragen, eine noch grössere Bedeutung zuzusprechen ist, als dem philosophischen Schaffen M.V. Verf. wird ihr auch vollständig gerecht und erst nachdem er uns eingeführt bat ia die Werkstatt des Meisters, nachdem wir dessen Werke bewundert, zeigt er uns — im Gegensatz zu der bislang üblichen Weise — den Mann selbst, wie er zur Höhe emporklimmt und durch das Dunkel der Erdensorgen sich in den lichten Aetber der un trocknen Stile den dürren Notizen Weltweisheit emporarbeitet. Nicht eines Conversatiqnüexicons, nicht ia der Literarhistoriker wird uns hier, des Edlen und Weinen Lebensbild — worin wir ungern das Epigramm Kästner's: ״Ein neuer Dionys rief vom der Seine Strande u. s. w.״ vermissen — gezeichnet; hier int mehr als Skizze gegeten: eia in kleinem Rahmen (S 20—38) trefflich ausgmührtes Gemälde, das uns angezogen und hocherfreut hiub Diese Notiz wird genügen, auch Andere zur Betrachtung veranlassen und hoffentlich den Schüler (Plato- Mendelssohn) ebenso viel Freunde gewinnen, wie sie 1878 der Lehrer (80krates-Spinosa) gefunden hat. £• Metz, Rechtsanwalt, 1. Zur Geschichte der Falltscba’s (abessimnehe Juden). 2. Ueber die zu meinem Aufsätze: ״Zar Geachiobtu «1er KalaachaV* benutatea Quellen. 34 u. 40 S. 8. (Separatabzug aus der FrankebGrätz’scbeo Monatsschrift.) ״ Hat der oatgaommte Au&nte einen de» nligemAa• Publikum ftmffnäep. Ahn* eieer Geschichte äs. Au