Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 38. (17.9.1879)
- Date
- 1879-09-17
- Page
- Seite 150 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/5367336-6488236-8755785--1368-4854756- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
i — 150 — Zur Geschiejhtc der Juden in Ungarn. Der mährische, Historiograph, der ßeaedictiner Priester Dr. Beda D u d i k, behandelt in dem 1878 erschie• menen 8 Bande voil Mährens Alldem. Geschichte die den Jaden günstigen Juaen-Statute des Königs Ottokar II., die sich als Copien jenps humanen Rechtsstajthtes des habenbergischen Herzog^ Friedrich I. des Streitbaren vom J. 1244 heraussteilen, das von den Fürsten in Schlesien, Mitteldeutschland, Ungarn und Polen vielfache Repro• duction erfuhr (vgl Grätz, Gesch. 7,108 fl)• Er will aus -einer dieser Copien, dem Judenstatute des K. Bela IV. ▼om Jahre 1251 d^n Schluss ziehen (S. 235),״dass nicht, wie nach dem Wortlaute des Ottokaijschen Statutes geschlossen werden könnte, die Juden förmliche Eigenthümer, sondern nur temporäre Nutzniesser gepfändeter Magnatenguter wenden konnten (Endlich er, Mon. Arpad, II, 476). Doch soillen sich Ausnahmen hievon vorher und nachher urkundlich bezeugen lassen, weshalb diese Behauptung kaum stichhaltig ist. Die' bezügliche Anmerkung enthält einige Angaben, die wir wörtlich hier folgen lassen: ״Vor Veröffentlichung dieses Decretß, also vor 1251, scheint in Ungarn ein ausländischer Geldjjude, T h e h a n, eine Ausnahme gemacht zu haben. Man [findet ihn 1226 als Zahlungsbürgeik im Frieden zwischen .K. Andreas und Herzog Leopold von Oestreich, dapn 1228 unter dem Name■ Comes Thehan Judaeus gleich seinem Vater im Besitz einer Herrschaft bei Oedenbnrg, knapp an der östreich. Grenze, die er jedoch in demselben Jahre, weil er den rechtlichen Besitz nicht nachweifen י konnte, an den Spanier Simon abtreten rnnsste. Im Jahre 1332 verkaufte Thehan an denselben Simon das Dorf Besfeemew. Um 1243 besass derselbe Jude.fim Graner Comitat die Herrschaft Chenkev welche ihm K. Bela schenkte, die er aber in demselben Jahre an den! Spanier Simon abtrat (Fejdr, Cod. Dipl. Hung. III. 2 pag 9,141, 271 und IV, 1 pag. 273). Aber im J. 1268, also nach äem> Judenstatute, waren die Juden Welven, Nekkul und Öltnmnn Söhne nach dem Juden Hei och im Besitze des Castrum Komaruin nnd der Mühle irf Tata Es wurde ihnen dieser Besitz wegen Nicptz&hlung einer 8chuld von 800 Mark gerichtlich verkauft (Fejdr IV, 3 p. 443). Andere Urkunden über desi Judenbesitz im 13. Jahrhundert in Ungarn liegen nicbl vor.“ Soweit die Anmerkung Dudik’s. Der Beiname Thehan rührt wahrscheinlich von einem Ortsnamen her. (Theben?) Die zuletzt erwähnten Brüder Welven und Nekkul dürften mit den als Finanzmännern des Herzogs Friedrieh genannten Lublinus und Nekelo Judeei, comites Comeme illustris ducis Austriae (8. Grätz, Gesch. 7,106 Amnerk. 5) identisch sein. Nur deutet Lablinus auf Löb), Welven auf Wolf hin. —m —m. Literarische Notirejn. Von Dr. L. Lewysohn, Rabbiner in Stockholm. (Fortaetzang von Nr. 27.) 100) Auch die Zahl 100 (s. unti r Not. 40 u. 60) kommt häufig im Talmud vor, bald s riet, bald imagin&r. Wir wählen für Beides einige Beispiele. Strict ist die Zahl in den Sätzen: כל שיעוד ין שברוח־, במאה י (Cbulin 98a), ,בן מאד (Aboth 5,21), m< :hrmals im Tempelbau (Middoth 4, 6, 7; 5,1), מאד! בוכות (Menachoth 43b) und öfter. Ipaginär: מאה מאבי [Sota 42b), wozu aohon Raschi: הרבה אנ^דם; ferner פעמים p שלח אפילו (Cholin 141a) 'ם 'p השב אפילו und nojp (B. Mezia 31a), 1B *שוגה פרקו ק (Chagiga 9b) und öfter. Man sah die potenzirte Dekade als die vollendetste Zahl an. Im Handel and Wjmdbl war 3ה& die abgejrandete Zahl für I L 100 זוז, bald strict, wie in den Bestimmungen der Ketuba (Ketuboth 1, 2), bald imaginär (B. Kama 10, 4) und sonst ungemein häufig גה& und מאתים stehen dann gewöhnlich als Norm gegeneinander, obwohl letzteres Wort als Dual aus מאה und nicht aus ,מנד gebildet wird, weshalb es in dem oft vorkommenden Satze בכלל מאתים מנה (nicht ומאה gebraucht wird, denn ,מנד ist eine im Werthe bekannte, bestimmte Einheit, während מאה immer noch einer nähern Bestimmung im Folgeworte bedarf, was nur dann unnöthig ist, wenn das Object der Zahl selbstverständlich und vorausgesetzt wird, z. B. אחד ממאה (Demai 5, 1 und öfter), deshalb ibid. 5, 2 in derselben Mischna אחד ממאה, dagegen מאד. חולץ, weil in jenem an Getreide selbstverständlich gedacht wird, ebenso ג' לונין שמן למאה (B. Mez. 3, 8), weil hier שמן selbstverständlich ist. — Theile der מנה werden nicht bruchsweise, also .שליש» חצי מנד etc. bezeichnet, wie חצי כור u. s. w , sondern durch bestimmte Angabe des Werththeiles, also חמשים זח für die halbe Mana (B. Kam. 3, 9; 4,1 נ' דינרץ Schebuoth 6, 1 und öfter). — Die מנה wird nur nach ihrem specifischen Gehalt näher bezeichnet מ' צורי und מ' מדינה B. K. 90b). Das Wort selbst, eine abgerundete Zahl, ist metaphori^ch das Bild der Vollkommenheit, deshalb der Gegensatz von מנה und פרם (Tanit 21b). Tosephot nimmt פרס als halbe Mana, aber unnöthiger Weise, es bezeichnet Theil, Bruchtheil im Allgemeinen — Der Aisdruck חצי מנה kommt häufig in den Commentaren, aber — wie ich glaube — niemals in der Mischna vor. —> Schliesslich sei des volkstümlichen Wunsches יחיה עד מאד, שנה gedacht, wie vulgär auch derselbe ist, so widerspricht er ja der Meinung der Mischna (Aboth 5,21); sollte vielleicht hier an ולא עד בכלל gedacht worden sein? 101) Im hebräischen Theil der in Chicago erscheinenden *Israelitischen Presse“ Nr 24 d J. findet sich eiuetinteressante Frage, welche des Nachdenkens werth ist. Maimuni (in H. Tmidin umussaphim 7,11) drückt siph aus: עוכ׳ר זה מן השעורים היה בא ודבר זד, הלכה ממשה רבנו, wo findet sich im Talmud ein Anhalt für diese הל*ם? Ich möchte hinzufügen, dass Maimuni iin Cbmm. zu Sota 2, 1 sogar sich ausdrückt: היא מן DK השערים. Möge diese Frage ihre Beantwortung finden. Ich erlaube mir nur auf Pesikta ed. Buber S. 70 zu verweisen, wo allerdings der Gebrauch von שעורים als Gottesgebot bezeichnet wird.! 102) Andere Zeiten, andere Begriffe! Die jetzige Pädagogik hält die zeitweiligen Ferien gerade im Interesse des Studiums für nothwendig. im talmudischen Zeitalter gestattete man nur seltene und kurze Ferien, ie sog. יומי דפנרא; recht eigentümlich war die Logik, ie Kinder am ת״ב nicht zu unterrichten (Tanit 30a), dicht um ihnen eine Freude zu gönnen, sondern dem Iiehrer die Freude des Unterrichtens zu entziehen (8. Ture Sahab S..554, 1). Ob wohl die jetzigen Lehrer j 103) Bekanntlich ist der talmudische Satz: כל שיש בד,יקיפו נ' טפחים יש בו רוחב טפח (Sueca 7b und öfter) ^nnähernd richtig, aber mathematisch nicht vollkommen exact, da die Peripherie eine» Kreises nach der sögeiwnnten Ludolph'schen Zahl, immerhin etwas grösser als der dreifache Diameter ist. Wie Kalisch in der Vorrede seines englisch übersetzten Sefer Jezira (New-York 1877) richsig bemerkt, haben die Kabba- JiBten, wie es im Sefer Jozira auf die weiteste Weise geschieht, hohes Gewicht auf die Zahl 22 legt. Aus ihr liesieht das Alphabet, und in Anwendung auf jenen ן;eometrischen Satz sagen »ie: Der Diameter verhält -+