Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 36. (3.9.1879)
- Date
- 1879-09-03
- Page
- Seite 142 (sequence 2)
- Language
- German
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«genweit für r theil die!Jaden günstig stimmte, das Vorur- ( _ in seiner gaiaen Blösse aufdeckte und vor der .^Hand eine' kleine G emeinde freier Männer, schuf, die r I 1־ין ־/ in seinem Geiste uid 1m Geiste seiner Lehre fortwirk• ten: ,,Es‘ eifre Jeder seiner unbestochenen, von Vorurtbeilen freien Liebe nach! — mit Sftnftmuth, mit 1 herzlicher Verträgli shkeit, mit Wohlthun, mit innigster!Ergebenheit in Gott“ Mendelssohn’s Uebersetzung des Pentateuch, ^des Hoheliedes und der Psalmen, wie sein Jebasalem, welches^ Kant für ״die Verkündigung einer jgroesen, obzwar langsam bevorstehenden und fortrücken- ׳den Reform* gehalten, und das Mirabeaa für werth |!erachtet, in alle Sprachen Europa's übersetzt zu werden, 1«raren starke Breschen, welche er in die Versehanzung vor Licht und Recht geschlagen; eine Bresche in die VerschanwF ׳ ׳ — - - - - « - - ä sang von innen, innerhalb der Judenheit selbst, durch das jgereinigte Gotteswort und in die finsteren VorUrtheile der Russen weit, dtfrch die Aufklärungen, welche das vielgepriesene und | vielgeschmähte ,Jerusalem* gege-;ben. Wie konnte 0r auch den Schmähungen entgehen! Er hat darin die!Rechte von Staat und Kirche genau untersucht, d^e Noth wendigkeit einer Scheidung derselben freimüthigj ausgesprochen, den Satz, den schon Spinoza verfochten, ^reicher aber immer noch neu klang: ״Nur Thaten solltet geahndet werden, Worte, Gesinnungen, Grundsätze aber unstrafbar sein* scharf betont, er bat für die Freiheit des Gedankens und Gewissens geglüht; und wer fyätte je dieser das Wort geredet, und blieb unangefeindet? Seine Saat hat aber wunderbar gewirkt. Wie in jeilten alten Mythen, erblühten urplötzlieb aus derselben gerüstete Männer, Kampfgenossen, die nach dem frühzeitigen Tode des Heros für dessen ldeale weiter stritten und ^ämpften; und diese Saat, geht noch heute auf und und'wird noch lange forttr^iben. Wenn aber seine Schriften bereits alt, und seine Stimme verhallt «ein wird, dann wird noch seine Persönlichkeit, die so zahlreiche Freundesherzen an sich gefesselt hat, ״so weise, so gut*, somiljdthätigund wohlwollend gegen Jedermann ״sonder Ansejhen“ der Religion, ״dem es ^genügt, •ein Mensch zu heisse^“,^irn ״Nathan“ verkörpert fortleben und durch Nathan’^ Mund erleuchtende; Blitze in alle intolerante Herzen senden, in allen edl^n aber ewig im Glorienschein' echter Humanität und seltenen Seelen- P;aidel8 strahlen. Mendelssohn besass eine ,so uq wider- F. stehliche Zaubergewalt über seine zahlreichen Freunde, .Nicolai, an dessen ״Bibliothek der schönen Wissen- •chaften -und freien Künste“ nnd ״Literaturbriefen“ er eifriger Mitarbeiter gewesen, Müchler, an dessen - Zeitschriften er sich gleichfalls durch Beiträge betheiligt hat, Herder, Gleim, Wieland, Erbprinz spä- . ter ־Herzog Karl Wilhelm. Ferdinand von!Brannsch'weigJ Graf Wilhelm von Schaumjburg Lipfpe, Wü«i*ely, August von Hennings, lant, du8 er i i deir-m^isten eine gleiche humane |Gesinnung und ein humanes vViirken angeregt hak Vor jAllem aber ist ihm ^■der grosse Wurf gelungen, . der r'Freand eines Frcnindes zu sein, der ,.vom’, ersten ^literarischen Auftreten bis zu seinenletzten ,Lebens- ■•00 tagen in innigster Seelenharmonie sich ihm anschloss und einen unverwelklichen, herrlichen Ruhmeskranz auf sein innig geliebtes Haupt legte. Und die milden Sonnenstrahlen dieser geistigen Liebe zwisehen dem Dioskurenpaar der Menschenliebe, Lessing und Mendelssohn, haben ihr Licht und ihre Wärme zugleich auch über alle verschlossenen und geknickten Blütheukelche des Judenthums ausströmen lassen. Welch’ ein Fortschritt in drei Dezennien! Mendelssohn war ein Jüngling von fünfundzwanzig Jahren, noch zu schüchtern, in die Oeffentlichkeit zu treten, als er durch eine allzu grobe Schmähung seiner Nation Seitens des Göttinger Prof. Michaelis sich zum ersten Male zu deren Vertheidigung veranlasst fühlte. In einer Kritik über das Lessing’scbe Lustspiel ״Die Juden“ bezweifelte dieser die Wahrscheinlichkeit, dass unter einem Volke von den Grundsätzen, Lebensart und Erziehung . . . ein so edles Gemüth (wie es der Jude in diesem Stücke zeigt), sich gleichsam selbst bilden könne. Gegen solche 'Beschimpfung musste er zur Zeit noch zu Felde ziehen und in sittlicher Entrüstung rufen: ״Mit welcher Stirn kann ein Mensch, der noch ein Gefühl der Redlichkeit in sich hat, einer ganzen Nation die Wahrscheinlichkeit absprechen, einen einzigen ehrliehen Mann aufweisen zu können? Einer Nation, aus welcher alle Propheten und die grössesten Könige aufstanden? Ist sein grausamer Richterspruch gegründet, welche Schande für das menschliche Geschlecht. U ngegründet — welche Schande für ihn!“ Von sol-1 eher Verachtung und Verkennung bis zum ״Nathan“ und bis zum 1786 erfolgten Tode des ״Berliner Weisen“, welcher Umschwung in den GesinnDngen! Und diese rasche Wendung hatte mit seinem kühnen und kräftigen Mitstreiter für Licht und Aufklärung gegen Finsterniss und Vorurtheil, für Menschenrecht und Duldüng gegen Knechtschaft und Glaubenshass, ein körperlich schwacher, gekrümmter, gebrechlicher, aber durch seinen Geist bezaubernder, mächtig wirkender Mann herbeigeführt, ״der grosse Mann Mendels- 80h p.“ — Literaturbericht. Beceasiasra. Löwenstein, Dr. L., Geschichte der Juden am Bodensee und Umgegend. Erster Theil. 1879. (Fortsetzung.*) In Beziehung auf die jüdische Gemeinde zu Konstanz — die ich übrigens nicht, wie Anmerkung 8-7 behauptet wird, in der von mir in Frankel’s Monatsschritt 1863, 421 ff. gelieferten Zusammenstellung der Gemeinden, welche in der Milte des 14. Jahrhunderts Verfolgungen erlitten, ausgelassen habe, da ich dort nur die von Zunz nicht erwähnten nachzutragen beabsichtigte, Konstanz aber als Kostnitz bereits von Zunz angeführt wird, — meint der Verfasser 8. 20 und Anm. 17 wie Grätz 7, 184, dass R. Meir ben Baruch dort Rabbiner war, was aber nirgends ersichtlich ist Mit Sicherheit wissen wir nur, dass er va Rothenburg a. d. I#) BerJehtigung." ln vor. Nr. S. j39 Zeile 20 ist hinter ״des Kantons Schaflhausea“ ״Heft l 8. 36t‘ ausgefallen. 3,;!׳ ui.sf» ß* 1 1■■ ״a—IH«■— J1 ־• Ol!.(■ . ÜH■