Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 36. (3.9.1879)
- Date
- 1879-09-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/5367336-6488236-8755783--1357-4854747- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wo. 36. י! וי י... ייי׳ V1 ,rrTTfr?**! :1י*י״ז >•**• •-#v•..׳׳<■•■;V'::^ף*5'־ '׳׳-־!■-~-׳!l’5'•?;'׳ fcP-K*h■y^;^ ■׳ן,״.'?».j. **_ .״ ־ ,!' . <י ': . ' i►; ' ־£" *)< ■,_׳■■. '.* 1 ■■■■■-. ־^i .. I-. _ I Jahrg. VIII Das Jüdische Literatiirblatt. Znr Beleachtnng aller Jadentham and Jaden betreffenden literarisch. Erscheinungen anf dem Gebiete der Philosophie, Geschichte,Ethnographie,Theologle.Orlentalla, Exegese, Homiletlk, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. i + Magdebnrg, 3. September 1870. Bicher der eiasehlkgigea bltermtnr, welche der Sedaettea «gesandt werde■, ffpde• im diesem Blatte eimgelLltespreeb- ■ag- BcdEtaseadaagTeaiwel Eeoesslonsexewpdsrea erMft aaeh BrwUa. L d-Woekeasckr. rata »Jahr Das ״Jüdlarhe Lltcratarblatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen 0» Leipzig bei Robert Friese)pro Jahf g an g: 8Mh. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift* (die ▼ierteljiliHich bei allen Postanstalten and Buchhandlungen 3 Hk. kostet) erhalten das ״Jödische Literaturblatt* gratis. — Imaersate werden mit 30 Pt (Kr die dreige- \ spaltene Petitzeile, buchhändlerische Beilagen mit 13 Mark berechnet. Die Expedition! dar ״laraelitiaobes WaaheaeokrifL* Inhalt! Wissenschaftliche Aufsätze: Mendelssohn^ philosophische und reformatorische Bedeutung. Von Dr. Dessauer in Cöthen. Literaturbericht: Recensionen: Lpwenstein, Dr. L., Geschichte der Juden am Bodensee und Umgegend. — Festreden zur Feier der silbernen Hochzeit etc. von ©r. Vogelstein iq Pilsen. — Zwei strahlende Vorbilder, Festpredigt etc. von Dr. Unger in Iglau. Festrede zur goldenen Hochzeitsfe er etc. von! Dr. Leimdörfer in Nordhausen. — ה^רים J'3 tede zur Förderung der isr, Alliancen von Dr. Ad. Jellinek in Wien. | Notizen: Nachträge zu ״Schlemiel“. — Bücher-Anzeige. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Mendelssolm’s philosophische und reformatorische Bedeutung. .Von Dr. M. Dessauer, Rabbinek in Cöthep. (Schluss.) Mendelssohn hatte sich nicht getäusslit; der gebildetere Kreis der Israeliten begrüsste mit freudestrahlenden Blicken sein Werk, als den ersten freundlichen Strahl der Morgenröthe, als die!;rste sichere Wegespur, die das Judenthum , allmählich in die Bahnen der euro päischen Bildung hineinleiten soll. Vonj allen Seiten her, aus Deutschland, Frankreich, England: und Holland liefen Bestellungen auf dasselbe;in. Mit gleicher Riihrfgkeit strebten seine christlichen י vie jüdischen Verehrer, les zu verheilen. Elise R eiinarus, seine( und Lessings!Freundin, die geistreiche Tochter des Verfassers der ,Fragmente“, sammelte selbst Unterschriften darauf. Der [önig von Dänemark, die Prirzen und (Grossen des Landes subscribirten, und wo der Weltberühmte lame Mendelssohn’s hindrang, da fand sejn Werk Andang und Verbreitung. Er hat das unsterbliche Verdienst |8ich erworben, durch seine reineeutsche Uebersetzung sieht blos der Bi belforsch ung neue Pfade leebnet, sondern vornehmlich die israelitische Jugend |r die Cultur und den G;ist dei■ Neuzeit, Ir deutsche Bildung und Natioqaltät emlänglich gemacht zu haben.! Merkwürdig ist hierbei, da« dieser(schüchterne ^d zurückgezogene Mann, gleich aem grossen Propheten bses, gegen seinen Willen von der Vorsehung gewissersen dazu gedrängt wurde, der Erlöser undjVorkämpfer aer Nation zu werden. Er hatte ursprünglich diese Übersetzung, wie später die ״Morgenstunden* blos zum literrichte für seine Kinder ajusgearbeiltet, und sie allen Kindern Israels zum Heile und Segen bworden, zum Zauberstabe, der in dem ajlteo verwitterten Felsen des Jud|enthums den frischen Born erschlossen, der die Lechzenden erquickt, Leben erweckt hat nach Ermattung und Verwesung, dürres Land in fruchtbares und blühendes verwandelt und in der Folge eine Verjungung und Wiedergeburt des europäischen Judenthums bewirkt hat. Zu -derselben Zeit, da er in Herz und Geist seiner Stammesgenossen ein bleibendes Denkmal sich gesetzt, wurde auch seinem (jjharakter und seiner edlen Gesinnung ein Denkmal von Freundeshand geschaffen, wie es herrlicher und schöner niemals ein Freund dem Freunde errichtet hat. Nicht Marmor oder Erz, nicht der Piastik stumme Erhabenheit, des Malers treuer Pinsel oder der Tonkunst liebliche Melodieen sollten seinen Ruhm verewigen, sondern der Poesie edelstes Gebilde, an dessen Wiege die Müsen aller dieser Künste beifällig grüssten, ein Werk von wunderbarer Wirkung und hinreissender Gewalt, das in plastisch vollendeter Charakterbildung, mit anmQthiger Farbenfrische und zaube- ׳׳ rischen Klängen der Liebe über alle irdischen Schranken hinweg, der echten j Menschenliebe und Duldsamkeit einem edlen Herzen entsprossen und an edle Herzen sich wendet, der ״Nathan“ Lessings, dessen Urbild Mn• se9 Mendelssohn. Noch nie ist aus der duftigen ßliithe• w einer innigen geistigen Freundschaft eine so edle Frucht hervorgegangen.“ So hat Mendelssohn, ״der ganz ein Jude“ war'und dennoch durch seine G-esinnuagegrösse und seinenCharakter zum Urbild des. ’ Nathan sich eignete, ״frei von Vorurtheilen sein Geist, sein Herz wie offen jeder‘Tagend, wie einge-! ' stimmt mit jeder Schönheit“, so dass er Männer wie Lessing, Dohm, Mirabeau zu,warmen Vertheidigem seiner Stammjesgenosseii erglühen liess, eben, hierdurch mittelbar mehr zu deren Emancipation beigetragen, als durch seine eigenen Schutzschriften, durch die scharfen Waffen, welche er selbst für Gewissensfreiheit, Toleranz und Anerkennung desjudenthums geführt hat. Der Jude und der Christ, beide strebten mit gleichem Eifer, jeder seine Glaubensbrüder zu belehren und za bekehren. Mendelssohn י indem er von innen heraus durch gründliche Belehrung und Aufklärung auf sie wirkte und ״dem Lichte eiae Gasse bohrte“v Leasing, indem er wiedeg die , yt