Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 35. (27.8.1879)
- Date
- 1879-08-27
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5367336-6488236-8755782--1353-4854744- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
physischen Wahrheiten einer soÜchen Evidenz fähig sind, wie die mathem^thischen “ — Mendelssohn's, des Buchhalters herzgewinnende Dar- Stellung den Sieg tliber die an Tiefe und Schärfe der Auffassung und Beweisführung die seinige übertrjeffende Arbeit des spätem Alleinherrschers im Reiche der Philosophie, über die Abhandlung Kants, davongetragen hat. — Ohne im gewöhnlichen Sinne des Wjortes blos Popularästhetiker und! Popularphilosoph zu sein, war es doch überall sein schriftstellerischer Grundsatz, u n 111 i ttelbar aufs Leben zu wirken: ״Die Dichtkunst, die Malerei, die Bildhauerkunst, wenn sie der Künstler nicht zu einem unedeln Zwecke missbraucht, zeigen uns die Regeln der Sittenlehre in erdichteten^und durch die Kunst verschönerten Beispielen, wodurch! die Erkenntniss belebt und jede trockene Wahrheit in eine feurige und sinnliche Anschauung verwandelt Wird“. Ebenso ▼erlangt er auch vom Weltweisen, dass er keiu Mittel versäume, ״die todteErkenntnissdier V׳er n u n f t zu in wahren sittlich en Leben zu'er wecke n.“ Und aus allen seinen literarischen Erzengnissen, welchen'Stoff er auch behandelt, einen mejthaphysischen, logischen, ästhetischen und belletristischen, von seinen Erstlingsschriften, den ״Philosophischen Gesprächen“, den ״Briefen über die Empjfi nd uägen“, den ״Philosophisc hen S chriften“J bis zu seinem Scliwanengesang, den ,,Morgenstunden“, strömt die- 6er unmittelbar auf Leben und Denken, auf Geschmack und Selbstgefühl der deutschen- Nation wirkende Geist, so dass ihm unstreitig in jeder Geschichte der Philosophie und Aesthetic, ebenso in der Geschichte der deutschen Literatur ein hervorragender Ehrenplatz gebührt. Fragen wir nun nach der reformatorischen ThätigkeitMendelssohn's, so kann man, wie wir bereits oben angedeutet haben, wohl darüber streiten, ob die Bezeichnung ״Reformator“, Wenn man diese haarscharf zergliedert, bei ihm im strenjgsten Sinne des Wortes zutrifft. Es wird jedoch allgemein zugegeben', dass er faktisch, vielleicht .ohne es be׳ seinem bescheidenen und sanften Wesen in dem hohen Mäasse zu beabsichtigen, eine Umgestaltung, Wendung und Wandlung im Judenlhume, auch eine Besserstellung der äussern Lage desselben, überhaupt eine neue Phase in der israelitischen Geschichte geschaffen hat. Mit Recht haben jüdische Verehrer ihn neben dem Propheten M 0 s e s und dem berühmten jüdischen Denker und Theologen im Mittelalter, Moses Maimonides, als dritten gto- 88en Moses gefeiert. Schon äusserlich zeigt sich die Geistesverwandtschaft dieses in der Neuzeit grössten Bahnbrechers unter seinen Glaubensgenossen mit seinen beiden Vorbildern im Alterthum und Mittelalter. Denn in der frühesten Jugend schon zog ihn ein unwiderptehlicher Hang zu den Schriften des Maimonides bin, dessen Comper.dium der Logik , er rnit einem Commentar versehen, hat. Und durch die rein deutsche •Bibelübersetzung hat er seinem verwahrlosten Stamme den Quell der moisaischen Lehre, durch schlammige Zuflüsse der Kabbalisten äusserst getrübt und durch Gestrüpp und Gerölle eines geschmacklosen Jargon gehemmt, in seiner Klarheit und Lauterkeit wieder zugänglich gemacht. Gleich Luther glaubt er die Befreiung seiner Glaubensgenossen von innen heraus, mit dem ABC der Bibel beginnen zu müssen. ״Dieses ist der erste Schritt zur Cultur“, schreibt er an seinen Freund Hennings, ״von welcher meine Nation leider in einer solchen Entfernung gehalten wird, dass man an der Möglichkeit einer Verbesserung beinah verzweifeln möchte. Kaum waren aber einige Probebogen davon im Drucke erschienen, da witterten schon die Zeloten Morgenlnft, verschrieen das Unternehmen als ketzerisches Beginnen gegen Religion und Glauben und setzten ihm den heftigsten Widerstand entgegen Die grössten Geister aller Zeiten'pflegten das Zornesschnauben, die Wutli und Rachgier ihrer Widersacher durch Sanftmudi, Ruhe, Würde und Gelassenheit zu entkräften. Wie Spinoza, in dessen Schriften Mendelssohn frühzeitig, bevor er der Leibniz'schen Philosophie sich angeschlossen, und später wieder, während seines Streites j mit Jakobi Uber den Spinozismus Lessings, s;ch vertieft batte — wie jener die Ausbrüche der menschlichen Leidenschaft, Hass, Zorn, wie alle widrigen AfTecte ohne Gereiztheit ertrug und sie als Eigenschaften der Natur betrachtete, welche zu ihr gehören, wie Hitze, Kälte, Donner und Sturm zur Natur der Luft, Bewegungen, die zwar unangenehm, aber doch nothwendig sind; so sah auch M. ״das Spiel der menschlichen Leidenschaften als eine Naturersclieinung an, die beobachtet zu werden verdient“ Es sollte ebensowenig wie ein Jahrzehnt vorher der zudringlichen Bekehrungssucht des fanatischen Schwärmers La vater, jetzt den Zeloten in Altona, Prag; Lissa, P06en und Fürth gelingen; ״sein kaltes Blut in Bewegung zu setzen.“ Es wäre ihm doch gewiss ein Leichtes gewesen, mit Hülfe seiner zahlreichen hochgestellten Freunde, den erbosten Bienenschwarm von seiner Haut abzuwehren; er wollte jedoch sehen, was die Wahrheit allein, frei von allen anderen Rücksichten, bei seiner Nation auszurichtcn vermöge, setzte den Bannsrrahlen und Donnerkeilen der Gegner Schweigen entgegen und förderte unentwegt und unbeirrt sein Werk im Vereine mit seinen treuen Mitarbeitern, dem Grammatiker Dubno, dem innigen Freunde und Gesinnungsgenossen Hartwig Wessely, Homburg und Ja ros law. (Schluss folgt.) Einige Gegenbemerkungen zu der Abhandlung über אלכסנדר מקרן in Nr. 31 d. Bl. 1) Zunächst ist die Frage: ,,Wo ist die Quelle zu der Deutung zu linden, dass unter dem zottigen Bock (צפיר האזיס) im Traumgesichte Daniels (8, 5) Alexander der Grosse von Makedonien gemeint sei?“! sonderbar, da ja die Erklärung hierüber im selb. Cap. ’ (v. 21) selbst angegeben wird (והצפין־ השעיר מלך יון) ,,der zottige Bock weist auf den griechischen König hin“; und dass hierunter nur Alexander der Grosse zu verstehen sei (״ (הוא המלך הרפשוןdaWar der erste König! des griechischen Weltreiches“, welcher mit seinem ,,mächtigen Horn zwischen seinen Augen (ךד.קרן הגדולה I אשר בין עיניו) den Widder mit 2 Hörnern (האיל בעל