Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 34. (20.8.1879)
- Date
- 1879-08-20
- Page
- Seite 135 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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von ,schief, quer* her. ,Des is eSchle tik“! soll den Sinn haben: das ist ein reciter Pechvogel und analog sein den Redensarten: ״ Wenn’s Hirsenbrei regnet, hat er keinen Löffel“, oder: ,wenn er auf den Rücken fällt, blicht er die Nas’ entzwei“j, oder: wenn’s Massel zu 'in kunimt, is er nit derhaam“j Das Beiwort von Sunntik odfr Sunntig, wie Hebel schreibt, würdp dann in ironischer Weise den Gegensatz ן von ,Sonntagskid“ im Sinne von Glückskind andeuten. In derThat herrscht der Glaube, dass ein am Sonntag geborenes Kind vom Glücke besonders begünstigt sei. Dieser Glaube i6t alt, renn er hat schon im Talmud einen Anhalt. Eine Stele in Tr. Schabb. fol. 156a lautet: ״Wer am Sonntag geboren wird, dem geht| entweder alles zum (Juten oder alles zum Schlechten ails, denn an ihm sind Licht und Finsterniss erschaffen worden.“ Sosehr diese Ableitung von Sehlemiel auch die ßaclie zu treffen scheint, so wird 6ie doch dem Worte a|s solchem nicht gerecht, indem blos die erste Hälfte, das ״Sehlem“, nicht aber auch die zweite, das ״iel“,?eine Erklärung findet. Was •soll dieses ״iel“ sein? Welche Bedeutung lmt e6? In welchem Worte findet es sich noch? Atif diese Fragen giebt die Tendlau'sche E: Antwort. Nach Ursprungs, und besser die vulgäre Aussprache des Eigennamens Sehelumiel (עלמיאל* rklärung keitie unserer Ansicht ist Sehlemiel jüdischen zwar ist es die Verstümmelung oder Derselbe kommt im klten Testamente mehrere Mal vor. NachNum. 1,6 vglj. 2,12 war Sehelumiel ein Stainmfürst und hiess vollständig: Schelum el ben Zuri-Schaddai; weiter freilich wird uns nichts v^n ihm berichtet. Wollte inan den Namen durch ein|en entsprechenden deutschen wiedergebeln, so würde es ,.Gottfried“ sein. Doch da würde Schlenjiiel gerade etwas Gutes bedeuten, während er im Gegenjheil Träger alles Schlimmeren und Widerwärtigen ist Aids diese Klemine hilft uns die Agada, welche Schelumiel ben Zuri-Schaddai mit Simri ben Salu (1. Num. 25, 1—lä) identiticirt. Im Tractat Synhediin fol. 82b (vgl. AHdlrasch Tanchujna zu Num Par. Pinchas Anfang unallalkut Schimebni Pinchas Nr. 772) heisst es: ״F'ünf Nfufien hatte Simri u. s. w. Welches war aber sein eigentlicher Name? Schelumiel l en Zuri-Schaddai“ Demnach war es derselbe, welcher mit einer kanaagitischen Ftirstjentochter während des Coitus vom Printer Pinchas aufgespiesst wurde Nach dem Talmud1 (s. das.) warjdie Ausführung dieser Heldenthat von 6 Wundern begleitet. Nach der Relation des Midrasch Tanghuma (vgl. Mldr. .Bamidbar r. Par. 20) waren sogar z^völf ausserordentliehe Momente mit der That verbunden, ohne welche diese gar nicht möglich gewesen wäre! Angesichts dieser Agada war es k ein Wunder, wenn Sehlemiel im Volksmunde der Träger grossen Missgeschicks geworden; ist. Recht ergötzlich hat H. Heine in seinem ״Romanzero“ (Gedicht: Jehuda Halevi) die Spge vom Sehlemiel geschildert, nur dass er denselben nicht, wie Talmud und Midrasch es thun,•mit Simri befi Zuri Schadda|i in eine Person verschmilzt. Pinchas wbllte den Woljüstling Simri tödtei, das ist der Sinn!einer Darstellpng, seine Lanze aber traf unversehens e nen Unschuldigen, nämlich den Schjemiel. Die betreffend|en Strophen lauten; ln der Bibel ist zu lesen, 1 Als zur Zeit der Wüsten Wanderung j. Israel sich oft erlustigt I I Mil dt n Töchtern Kanaans, | I Da geschah es, dass der Pinchas Sähe, 'wie der edle Simri I Buhlschaft trieb mit einem wjeibsbild Aus d!m Stamm der Kananiter. Und ilsbald ergriff er zornig Seinen Speer und bat den Simri Auf d ir Stelle todt gestochen. 1 Also laisst es in der Bibel. Aber nüadlich überliefert Hat im Volke .sich die Sage, Dass es njjcht der 8imri war, Den des Pinchas Speer getroffen, Sondern dass der Blinderzümte Statt des Sünders unversehens Einen ganz Unschnld'gen traf, Den Schlemilil ben Zuri Schaddai, Dieser nun, Schlemihl 1., Ist der Ahnherr des Geschlechtes Derer von Schlemihl. Wir stammen Von Schlemihl ben Zuri Schaddai. Freilich keine Heldenthaten Meldet man von ihm, wif* kennen Nur den Numen und wir wissen, Dass er ein Schlemihl gewesen; Doch geschätzet wird ein Stammbaum Bichl ob seiper guten Früchte, Sondern nur ob seinem Alter — Drei Jahrtausend zahlt der unsre! Dr. Aug. Wüns che.׳ Literatürbericht. Becensionen. ' > Marcus, Saniel: Chazarii, Conferinta tinuta la Barascheum de,. .... Bucuresci 1879.. 20 S. Zum Andenken an den vor längerer Zeit verstorbenen jüdischen Arzt Dr. Barasch, dem Rnmänien in Bezug auf das naturwissenschaftliche Studium se hr viel verdankt und an dem die Juden Rumäniens einen ihrer bedeutendsten Männer verloren haben, wurde in Bukarest bei dem Baue einer jüdischen Schule ein besonde* rer Saal gebaut, der dea Namen ״Barascheum* trägt und zu wissenschaftlichen Vorträgen bestimmt ist. Mit einem solchen Vortrage des Herrn S. Marcus haben wir es hier zu thun, der sich die Chazaren za seinem Gegenstand erwählt hat. Wir stellen an diese Leistung nicht die Forderung einer gelehrten Arbeit, tla sie als solche den Zweck, den sie erfüllen sollte, unerfüllt gelassen hä;te. Wir zeigen diesen Vortrag jedoch hier an, einerseits, um die Thatsache als solche, dass ein Vortrag, jüdische Geschichte betreffend, in Rumäaien und in rumänischer Sprache gehalten werden - konnte, einem grösseren Publikum vorzuführen — wird es ja doch oft genug, und offenbar mii Unrecht betont, da98 die Juden in Rumänien nicht einmal richtig rumänisch sprechen, noch Weniger schreiben oder gar einen wissenschaftlichen Gegenstand in dieser Spreche behandeln könnten — andererseits, um manche Nachträge und Berichtigungen hinzuzufügen. Der Verf. bemerkt gleich am Anfänge, die Juden wären durch die Römer nach Rumänien gebracht worden. Eine Sage, die an die Stadt Cetotea Jidoveasca (Judenstadt) am Fusse der Karpathen an knüpft, rückt die Zeit der Ansiedelung der Juden noch höher hinauf und lässt Sie unter Decebal hinkommen, um au der goldführenden Aluta Gold Wäschereien zu treiben, Und daher der Name der Stadt. Ich aber muss bemerken, dass Juden und Rumänen in das heutige Rumänien erst vom 7-1-8 Jahrhundert an einzuwandern begannen., Auf die Erklärung der obenangeführten Sage komme ich weiter unten zurück. Das Ci tat des Vf. aus Theodosius bezieht' ich nur auf Dacia Aureliana, das jetzige Bulgarien, und auf Macedonien, hat aber mit Dacia Trajana im Norden des Ister, das den Gothen schon 250 ausgeliefert wurde, nichts gemein. Interessant jedoch ist die folgende Bemerkung des Vf״ dass auf dem Friedhofe in Botoschani sich ein Leichenstein, datirt von 156Q, befinden soll. Der älteste Leichenstein in Bukarest, der sich bei den Asohkeoasim ־ findet, ist von 1704; die Spaniolen sind jüngeren Datum«. Auf den Vortrag eingehend, so schildert der Verf. dea