Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 34. (20.8.1879)
- Date
- 1879-08-20
- Page
- Seite 134 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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יי. •*1n«.1f #■.1 ,’fy״.-Fm) ווץ ■ "Wort Schiller'8:־,Wer den Besten seiner Zeit genug getbao, der hat gelebt für alle Zeiten/ Schon sein Pbädon wog eine That auf, war ruhmroller als ein Ehrenplatz unter den Würdigen seiner Zeit auf dem Friedrichsmonument zu Berlin, der (o tempora, o mores!) dem Juden Mendelssohn versagt wurde; er war ein lebend Denkmal im Gefühle der Würdigsien, im Munde aller Gebildeten, das seinen Namen zu einer Berühmtheit erhob. In alle lebende Cultursprachen übersetzt, wurde der ״Phaedon“ oder~״Die Unsterblichkeit der Seele* im In- und Auslande von Gelehrten und Laien gelesen und gepriesen, und hatte einen Erfolg, wie der bescheidene Philosoph ihn nicht erwartete. Von allen Seiten erhielt er Huldigungen und Lobeserhebungen. Man nannte ihn den ״deutschenPlato“, den ,Sokrates des achtzehnten Jahrhunderts“. ,Mendelssohns Phädon begeistert mich“,:schreibt Pia- 4en in sein Tagebuch, ״mit welcher steigenden Eloquenz .wird man da von Beweis zu Beweis getragen“! Winkel mann hielt es für das beste Buch, das er je gelesen hat Es werden in demselben nicht in dialek- ,tischer Schärfe in der Weise der Kant’schen ״Kritik der reinen Vernunft“ die Beweise für die Unsterblichkeit derSeele aneinandergereiht und weitläufig bis auf die-Grenzen einer möglichen Erkenntniss' ״der Vernunft in ihrem theoretischen Gebrauche“ geprüft und untersucht, wohl aber in einer herzgewinnenden, fassliehen Sprache, nach Art des gleichnamigen Platonischen Dialogs, in die Herzen und Seelen der Leser überzeugend hineingeprägt. ״Mendelssohn hat von den Rosen der Philosophie die Dornen weggebroehen.“ ״Er führte die Philosophie aus der Schule in’8 Lehen.“ Hegel und Gervinus beurtheilen ihn falschj und einseitig, wenn der eine ihm vorwirft, er hätte sich für den grössten Philosophen gehalten, der andere ihn einen Dilettanten schimpft, der auf Kosten der systematischen Schulphilosophie, die er verachte, eine Philosophie des Lebens Vertrete. Wo ist da auch nur ein Schein von Ueberhebung oder ״Phi)Q60phieverachtung“, wenn erbekennt: .,Ich habe mir niemals in den Sinn kommen lassen. Epoche! in der Weltweisheit zu machen oder durch ein eigenes System berühmt zu werden. Wo ich eine Bahn vor mir sehe, da suche ieh keine neue zu brechen. Haben' meine Vorgänger dte Bedeutung eines Wortes festgesetzt, warum sollte. ich, davon abweichen? Haben ,sie eine Wahrheit ans Licht gebracht, warum sollte ich mich stellen, als wüsste ich es nicht,? Der Vjorwurf der Sectirerei schreckt mich nicht ab, vön Anderen mit dankbarem Herzen anzunehmen, was ich bei ihnen Brauchbares und Nützliches finde.“ So hat er früher sdhon eine seiner bedeutenden ästhetischen Schriften, die epochemachenden ״Hauptgrundsätze der schö nen Künste und Wis senschaften“ mit den bescheidenen Worten eingeleitet: ״Ich habe weder den Willen noch die Fähigkeit, ein ganzes Lehrgebäude der Kunst aufzuführen, und bin zufrieden, wenn ich nur die ersten Grundlinien eines Lehrgebäudes mit einiger Richtigkeit gezeichnet habe.“ Gleiches Aufsehen erregten später seine ״Morgenstunden“, die unter anderen Materien besonders das 134 — Dasein Gottes zu erweisen streben. Den ontologi*■ sehen Beweis Wolfs — wie er überhaupt mit seltener Schärfe und Klarheit in das Lei bn iz-Wölfische System einzudringen, es zu popularisiren und zu berichtigen verstand — stellt er in der folgenden Fassung richtig: ״Was nicht ist, muss entweder unmöglich oder blos möglich sein“, und argumentirt weiter: Was nicht wirklich ist, muss entweder unbestimmbar oder unbestimmt sein; das allerhöchste Wesen kann aber weder unbestimmbar noch unbestimmt sein, denn es enthält keinen Widerspruch, und was ihm zukommen kann, ist durch seine innere Möglichkeit nothwendig bestimmt; daher ist das allerhöchste Wesen nothwendig vorhanden. In methodischem Aufbau seiner Gedankenreihen beginnt er mit den ersten Grundbegriffen, ähnlich dem Cartesianischen cogito ergo sum, und unterscheidet in ״der Erkenntnisstheorie“ drei Grade des Erkennens: Sinnliche Erkenntniss, Erkenntniss der äusseren und inneren Sinne oder unmittelbares Bewusstsein der Veränderungen, die in uns vorgehen, indem wir sehen, hören, fühlen, Lust oder Unlust empfinden, begehren oder verabscheuen, hoffen oder fürchten; V e rnunfterkenntniss, Erkenntniss des Denkbaren und Undenkbaren, oder Urtheile und Schlüsse, welche durch den richtigen Gebrauch des Verstandes aus der unmittelbaren Erkenntniss gezogen werden; und Naturerkenntniss, Erkennsniss des ausser uns Wirklichen, oder die Vorstellungen, die wir davon haben, dass wir uns in einer physisch-wirklichen Welt befinden, in weleher wir wirken und leiden, Vorstellungen annehmen, und hervorbringen. In gleicher Fasslichkeit behandelt er sodann das Dasein Gottes und zog auch wieder den Pantheismus und Spinozisinus hinein, für welchen er, allerdings nur in der von ihm dargestellten reineren Auffassung desselben, eben erst in dem unerquicklichen Streite mit Jakobi über den Spinozisinus Lessing's, so ritterlich den Fehdehandschuh aufgenommen. Voller Begeisterung nahm Alexander von Humboldt die ״Morgenstunden“, welche dieser Hausfreund Mendelssolms schon vorher bei ihm gehört hatte. Seinen jüngern Bruder Wilhelm von Humboldt haben sie zn ähnlichem literarischen Schaffen: ״Ueber Gott, Versöhnung und Unsterblichkeit“ angefeuert. (Forts, folgt.) S c 111 e m i e 1. ״Peter Schleinihls wunderbare Geschichte“, so lautet bekanntlich der Titel des kleinen vortrefflichen Romans von Adalbert von Chamisso, in welchem der Zauber der Märchenwelt und die Realität des wirklichen Lebens aufs anmuthigste miteinander verschmolzen sind. Unsere Literaturgeschichten geben über den Namen höchst ungenügenden Aufschluss. In der deutschen Volkssprache, in welche das Wort Schlemiel ebenfalls Eingang gefunden, wird mit dem Ausdruck ein Pechvogel bezeichnet, dem alles schief und quer geht, er mag anfangen was er will. Woher also der Name und wie erklärt sich die mit ihm im Zusammenhänge stehende Bedeutung von Unglück und Missgeschick? Nach Abraham Tendlau (8. Sprüchwörter und Redensarten deutschjüdischer Vorzeit Frankfurt 1860. S. 194.) ist das Wort deutschen Ursprungs und kommt von 8 c h 1 e m im Sinne