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Das jüdische Literaturblatt · 1879-07-23 · No. 30. (23.7.1879) · p. Seite 119

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 30. (23.7.1879)
Date
1879-07-23
Page
Seite 119 (sequence 3)
Language
German
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LiteraturberichL Keceiisioiirii. Leiigsfelder, Sal.. Rabbiner zu R men), מגיד ליעקב Gottesdienstliche Vo Selbstverlag 187!). 8". 100 S. Preis Etwa vor .Jahresfrist batten wir Ge;1(5 des Ltrbl. v. .1. auf das 1. Heft der goüesdienstl. Vorträge des llrn L. lobend hinztiweis^n. Wir fretieh uns, dass wir nach so kur/.ein Zeitraunte bereits das £. eichenau (Böhjtrage. 2. Heft. 2 Mark. egenhc.it, in Nf Hell seiner Vorträge begrüssen können, selben — was Anlage und <5el1u.lt betr güngeru ebenoiirtig anreihen. Die 1 zumal sieb die :fft — ihren Vof Predigten des 2. Heftes, zum Theil Fest-, zum Theile Gtilegenbeiisredon, unverkennbare als der unver- Ueberzeugung, verratben unbestreitbar des Verfassers rhetorische Begabung. Seine Worte, fälschte Ausdruck der ihn beseelender( strömen vom Herzen zu Herzen und jvertehlen gewiss picht, nachhaltig auf das Gemüth der {Hörer einzuwirken. Obgleich Autodidakt, obgleich | isoiirt und an einem kleinen Orte lebend, zeigt siehjHr. L mit den brennenden Tagesfragen in politische(•, socialer urd wissenschaftlicher Hinsicht vollkommen orientirt ui d nicht selten nimmt er mit grosser (jrewandtheit, den streng jüdischen Standpunkt wahrend, zu ihnen Stellun Mag man seinen Erörterungen beipflicnien oder nicht, in jeder Weise fesseln sie den Hörer und regen den denkenden Leser vielseitig an. Diej Disposition der Reden ist eine klare und logisch geordnete, die Sprache im Ganzen lliessend, einfach und edtfl. Was wir fcu *) Die** .geflügelte Wort* ist übrigers auf S. R. Hir {im Jaruachum) zurückiuführen. (.Red.) äJäm sch rügen haben, betrifft nur AeusserlicheS, was wir vdrzubringen uns schon deshalb verpflichtet fühlen, weil wir wünschen und hoffen, der greise y'erf. werde bald das 3. Heft seiner Reden folgen lassen. Es berührt peinlich, dass die Form dieser modein angehaucht 5n und meist recht gewandt bearbeiteten ijleden nicht selten leider viel zu wünschen übrig lässt.!Wir legen dabei gar nicht einmal entscheidenden WertlJ auf die häufigen crassen Verstösse gegen den richtigen Gebrauch cer Verhällnisswörter, weil wir nicht wissen, ob wir her einen lapsus calaini oder ein Versehen des Setzers zu registriren haben. Gleichwohl sind auch solche Nachlössigkeiten nicht unbedenklich. Man bedenke nur, dass viele böhmische Religionsweiser und Rabbinatsverweser und manche westfälische Lehrer und Prediger, welche vielleicht gierig nach diesen Reden greifen werden, sich noch gar zu sehr vor der Autoritäjt des gedruckten Wortes, (las sie Schwarz auf Weissj vor sich sehbn, beugen. Bisweilen hat aber auch Hrj L. sich in seifler leidenschaftlichen Erregtheit zu Tactlbsigkeiten in der Form hinreissen lassen, die seiner gerechten Sache iie härteste Einbusse thun Wir erinnern z. B. an iie Kol-Nidre-Predigt. Der Verfasser betitelt sie: ״Friede mit uns selbst“. Wir erwarten Fijidensstimmen ind Versöhnungsklänge, und doch entblöaet sich der V 5rf. nach einem Dithyrambus auf den Frieden nicht, wortlieh (S. 20) zu sagen: .Dahin gehören die ^'.T־Jud|en, die an diesen heiligen Tagen einotjer zweimal ihre Visitkarten beim lieben Herrlgott abgeben.׳“*) Der Tadel ist berechtigt. Ist er aber auch situationsgemäss am Kol-Nidre-Abend? Wir lassen uns ihn in einer שבת שובה-Predigt gefallen, ab<}r in einer mehr anmuthenden Form, die nicht den Ton verhetzender Fastenprediger streifen darf. Seite 18 widerfährt dem frommen jüdischen Gelehrten das Unglück, aulehnend an die christl. Dogmatik zu sagen: .Moral, Vernunft und Religion bilden eine Dreieinigkeit“ Dagegen finden wir es verletzend, wenn der Verf. S. 58, 59 in sehr prononcirter Weise in halb ironischem Tone auf christl. Sitten, Aschermittwoch, Carneval, Fastenpredigten und Hirtenbriefe exemplificirt. Der tactvolle jüdische Prediger timt gut daran, sich diesen Dingen gegenüber, wenn nicht eigens dazu provocirt, möglichst reservirt zu verhalten. Dass, sich Bilder und Anschauungen, ander«-n Wissensgebieten entnommen, der homiletischen Behandlung sehr dankbar erweisen, ist jedem Prediger bekannt. Vorausgesetzt wird dabei, dass die homiletisch zu verwerthenden Thesen in das Volljsbewusstsein gedrangen und, etwa wie die Kopernikanische Weltanschauung, Jedem bekannt und geläufig sind, dass der Prediger auf der Ranzel keinen trockenen, docirenden Ton anschlägt und. nicht in das minutiöse Detail, in das Abstracte und Thepretisirende verfällt. Verf. lehnt in sinniger Weise homiletische Gedankenreiheu an die Theorie der Spiegel, der natürlichen und künstlichen, der Brenn- und Hohlspiegel.. Dabei passirt es ihm allerdings oft, dass er sich, wie ein Docent der Physik oder Mathematlijk, zu sehr in's Detail und in das Abstracte verliert. Er sagt z. B. S. 53: .Sie erfinden Formeln für unbekannte Grössen, erheben die niedrigste Wurzel zur höchsten Potenz, reduciren die höchste Potenz auf eine niedrige Wurzel.“ Das verstehen nicht nur die Reichen» uer Juden nicht, sondern auch die vielleicht intellegenteren und kenntnisreicheren Zuhörer vieler Gross״emeinden vernehmen da abstracte Begriffe und gelehrte Redensarten ohne anschaulichen Inhalt. Auch mit dem Gc brauch von Fremdwörtern sollte Hr. L. viel massvoller umgehen.. Wir betonen zum Schlüsse nochmals, dass die .die Form betreffenden Aeusserlichkeiten, welche wir gerügt, den Werth des Ganzen nur sehr unerheblich ' »eeinträchtigen. Wir wünschen auch diesem des Anrefenden und Schönen viel bietenden Hefte der religiösen Vorträge eine möglichst grosse Verbreitung. Sohrau O.-S f׳ Dr. Immanuel Deutsch. Werner, D^ C, Leben und Wirken des Abraham ben Maimun. Danzig 1879. Die vorliegende Schrift ist dem Jahresberichte der von dem Verfasser geleiteten Religionsschule vorangeschickt — also eine Programmarbeit. Jn eine solche darf man nicht den Anspruch stellen, dass sie auf eingehenden wissenschaftlichen Forschungen beruhe. Es hat auch sein Gutes, Altes und. Bekanntes durch eine populäre Darstellung einem grösseren Leserkreise zugänglich zu machen, und dazu bietet gerade das Programm einer Religionsscbule, deren Leser zum grössten Theile mit dem grossen Geschichtswerke von Grätz nicht bekannt sind, willkommene Gelegenheit. Und diese• Aufgabe scheint sich auch die vorligende Abhandlung zu stellen) Es ist keine Arbeit von selbstständiger wissenschaftlicher Bedeutung, welche neues Material herbeigeschafft, neue Winke und Fingerzeige entdeckt, neues Licht über den Mann und seine Zeit verbreitet. Was hier über das Leben des jüngeren Maitnuni gesagt ist, ist durchweg{ bereits von Grätz äusgeführt worden. Dem Verf sind auch keine anderen, als die durch den Druck bereits veröffentlichten Schriften zugänglich gewesen, und so j ist er genau zu denselben Resultaten und zu der gand gleichen Auffassung gelangt, als unser berühmter Historiker. Aber er hat seinen Gegenstand mit Liebe und dapei ohne Voreingenommenheit behandelt und was wir über Leben, Charakter und schriftstellerische Thätigkeit des Abraham Maitnuni wissen, klar und übersichtlich zjy»m1nenge8 teilt. Auch hat er den Inhalt der zur Vertheimgung des grossen Maimonides verfassten Responsensammlung כרכיל אברהם, ferner des über das Agadiscbe handelnden Kitab'al kifajat und endlich der gleichfalls gegen die Gegner seines Vaters gerichteten L '

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