Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 29. (16.7.1879)
- Date
- 1879-07-16
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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<-r* 114 — doch nicht vereinzelt-da. Eine beträchtliche Zahl habgleriger Leute machte aus dem Spioniren, Verleumden, Angeben und Anklagen förmlich ein Gewerbe. R. Gamliel beklagte tief diese die gesellschaftliche Ordnung untergrabende Sitten Verderbtheit (Ester rabbah Anfang). Er bot daher seinen ganzen Einfluss und seine, ganze inoralische Kraft auf, um derselben zu steuern. Vor Allem hielt er unter seinen Jüngern, wie unter jenen der Hochschule, strenge Musterung. Die räudigen Schafe müssten schonungslos entfernt werden. ״Derjenige, der eines unlautern oder zweideutigen Charakters bezüchtigt wurde, 8011 von den Lehrhäusem — allwo die Stimme eines jeden Jüngers schwer in die Wagschale fiel —.fern gehalten werden“ (Berachoth). Er setzte eigens zu diesem Behufe Thürhüter ein. Um aber auch auf die öffentliche Meinung mit Erfolg einzuwirken, beauftragte er seinen . Jünger Samuel, den Bescheidenen, eine Maledictionsformel gegen diese geraeinsch&dlichenUebelthäter abzufassen, um eie bei gottesdienstlichen Zusammenkünften und sonstigen Versammlungen vorzutragen ״Angeber“ (Malschinim), ״Feinde der Religion“, (Minäer), ״Feinde dergesellscliaft-!liehen Ordnung“ (אויבים) und״übermütbige Wilkürmänner“ (Sedim) allesammt werden mit einem und demselben Maasse gemessen und dem göttlichen Gerichte anheimgestellt. Saulus, der so.gross damit thut, dass er fünf Mal mit Geisselhieben (סלקות) abgeurtheilt wurde (II. Corinther 11,18—26),, mochte damals seine Feuerprobe bestanden haben. Samuel der Bescheidene war es abermals. der der schaulustigen und schadenfrohen Menge zurief: ״Fällt Dein Feind, freue dich nicht, und so er strauchelt, frohlocke nicht; Gott möchte es sehen und es seinen Augen missfallen“ (Spr. 24,17); .was man ihm daher im Pirke Aboth anerkennend nachrühmt. Saulus hatte also nicht blos jene Demüthigung erfahren, dass seiner blossen Erscheinung wegen eine beinahe unaufschiebbare Sitzung aufgehoben wurde, er wurde such aus den Lehrhäusern gejagt, öffentlich gegeisselt, durch jene Maledictionsformel in den Augen Aller verdammt und gebrandmarkt. Unter solchen Umständen war Jerusalem für ihn kein Ort des Bleibens mehr. Der Himmel lag dahier zu schwer auf ihm. Die etwaige Gunst des Hohenpriesters konnte ihn, da er nicht Priester war, nur wenig fördern. Arg enttäuscht, tief verletzt und leidenschaftlich wie er war, konnte er dem Pharisäismus keine Freundschaft heucheln. Er gab daher vor, sein blutiger Thatendurst verlange neuen Spielraum. Er erwirkte ein Empfehlungsschreiben, aber nur vom Hohenpriester, nach Damaskus, doch musste er sich selbst sagen, dass die Nachrichten aus der jerusalemischen Hochschule ihn bereits überholt haben würden. Mit diesem Stachel im Herzen und mit einer schwer zu bewältigenden Rachewuth blieb ihm Nichts übrig, als in’s — christliche Lager überzulaufen, um später unter der allerchristlichsten Maske seinen geschworenen Hass wider Juden und Judenthum freien Lauf zu lassen und so — das Heidenchristenthum zu predigen. * ‘ ׳ A. S. W e i 8 s m a n n.. j Noch einige Bemerkungen zu dem Herzfeld’schen Artikel In Nr. 26. Wiewohl der Artikel den Namen eines so bedeutenden Gelehrten trägt, so können wir ihm dennoch in manchen Punkten nicht beipfiiehten. Wir werden unsere Einwände der Reihe nach Vorbringen: Ad 2. Es wird behauptet, dass die B. Hatlira 10,4 genannten שטרי אירוסין identisch sein mit dem Moed Katan 3,3 vorkommenden שטרי קדושין: dies scheint aber nicht, denn קדושי נשים sind endgiltig ausgefertigte Urkunden über den Vollzug einer Ehe, wie גט eine Urkunde über die Auflösung derselben ist Es ist deshaibauch Moed Katan 1. c. nicht gesagt, dass *שטרי אירוסי am Chol-Hameed gestattet sind, sondern nur ׳קדושי נשים weil diese unwiederruflich sind und noch zu befürchten steht, dass hinterher eine Aenderung des Entschlusses eintreten könnte, wodurch der Feiertag umsonst entweijit worden wäre; sieht man genau die Misehna an, so sind auch alle übrigen daselbst aufgeführten Fälle von derselben Beschaffenheit. Hiergegen ist ein Sch. Erussin nur ein Khegelöbniss, kein Eheschluss;׳ es sind beim Eingehen einer Ehe in alter Zeit 3 Urkunden ausgefertigt worden, die streng von einander unterschieden waren: 1) Sch. Erussin, das sind Ehegelöbnisse wie die späteren Tenolm-Rischonim; 2) Kidusche Naschim, das sind Trauformulare über das eingelöste Versprechen; durch diesen Akt wird das Mädchen dem Manne zugehörig, aber noch nicht seine Frau, diese wird sie 3) durch Schtar Nissuin. Zu unzähligen Malen wird ja auch im Talmud unterschieden zwischen אלמנה מן האירוסין und אלמנה מן הנשואין. Ad 11. In Tosefta B. Mezia c. 1 kommt für eine Urkunde der Name פותיקאות vor und 8011 dies eine Schenkungsurkunde sein, abgeleitet von dem griechisetieu r״.׳*z׳.ov, ein Blatt aus der Schreibtafel. Vergleicht man aber damit das correspondirende Wort in der Misehna, so ist es שובריו. In der Misehna werden 3 Arten genannt: שובהין und דיתקאות׳ מתנות und ebenso in der Tosifta, nur dass in der Misehna שוברין zuletzt steht und in der Tosffta in der Mitte, das Wort muss darum von r.ith•-*, überreden, besänftigen, befriedigen abgeleitet werden und heisst nicht anders als (Quittung. Ad 22. Es handelt sich um סמפון Baba Mezia 1,9. Der Verf. meint, es sei ״n״׳«»!־ und bedeute soviel als Zusammengehörigkeit zweier Documente, was aber gar nicht glaublich erscheint. Die spätere Ueberleitung auf Quittung und gar in dem Sinne auf Verschlechterung (wie Kiduschin 10b) ist zu geschraubt und noch mehr als gekünstelt. Es scheint vielmehr der Wahrheit am nächsten zu kommen, wenn man סימפון setzt, und zwar: ist ein Index, ein Verzeichniss aller der Summen, die in den Hauptbüchern und Schuldscheinen des Weiteren aufgeführt wurden. ■;!, heisst die Summe, und die Misehna Sagt demnach: VVenn es bei einem Wechsel zweifelhaft war, wieviel die Schuld beträgt, aber durch das 36jizav, durch das Generalverzeichniss oder die Gesammtsumme aller Wechsel ist Aufschluss zu erlangen, so verlässt man sich darauf, obwohl ein sol ches Verzeichniss nicht durch Zeugen bestätigt war. Deutlich wird dies durch Raw’s Erklärung zur Stelle: סמפון דברים כתיבים בפתקא בכלל השטרות• Dr. M Rawicz, Bez.-Rabb. in Schmieheim (Baden)• Bemerkungen zn Genes, c. 23. Den Bemerkungen des Herrn Vr. Deu tsch in Nr. | 26 d. Bl. habe ich Folgendes beizufügen: DieVerschie-