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Das jüdische Literaturblatt · 1879-07-02 · No.27. (2.7.1879) · p. Seite 107

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No.27. (2.7.1879)
Date
1879-07-02
Page
Seite 107 (sequence 5)
Language
German
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«chen, wie sie in physischer Kraft, in ih^en Leistungen auf dem Gebiete qer Kunst und Wissenschaft, in der Politik und in der Reinheit ihres Familienlebens gar manche Kation der Gegenwart bei Weitem Uberlreffen. Der beste Beweis für die angeborene natürliche Geistesgrosse ist in dem Umstande zu finden, dass in diesem Augenblick nämlich die resp. Führer der liberalen Partei in Deutschland und Frankreich (?), und das! Oberhaupt des conservativeu englischen Ministeriums Juden sind. Wenn wir uns also für die Nachkommen gewisser Völker des Alterthums lebhaft interessiren, deren Geschichte, Legenden und Literatur Jahrhunderte hindurch durch nichts Bedeutendes bereichert worden sind, wip müssten wir «lies erst einem Volke gegenüber thun, dessen Denkungsart gleich der unserigen ist, und dessen Wortformen auf unseren Lippen sind in jedem Gebete, das wir mit einem Amen be8chlie68en.“! Dies sind goldene Worte, und wenn sie auch ursprünglich nur den'Zweck verfolgen, der jetzigen liberalen Partei in England; die sich als judenfeindlich gerirt hat, eine bessere Ansicht vom Judenthunie zu verschaffen, 80 sind sie nicht minder geeignet, auch in , nichtenglischen Kreisen manches Vorurtheil gegen dassielbe beseitigen zu helfen. — Belfast, Juni. Dr. J. C h. Ueber Trauringe. Die Leipziger ״Ulustrirte Zeitung“ Nr. 1870 bildet zwei wunderliche jüdische Trauringe aus dem Mittelalter in natürlicher Grösse ab, welche sich in der Londe8boroug-Sammlung vorlinden. Die ganz unrichtigen Zusätze des Einsenders, dass nemlich dar jüd. Trauring, welchen zuerst der Rabbiner prüft, von höherem Werthe sein muss, und kein Geschenk von dritter Person sein darf, lassen wir unbeachtet. Destomehr ziehen beide Objecte unsere Aufmerksamkeit auf sich, und bedauern wir nur,׳ dass wir zu wenig architektoniische Kenntnisse besitzen, um sie genau beschreiben zu können. Die eine Figur trägt eine von 4 Säulen umgebene Gallerie auf sich, die sich zu einer hohen Kuppel erhebt, so dass dieser Aufbau höher als das Brofil des Ringkörpers emporragt. Die andere, ebenfalls massive Form trägt einen ebenso hohen Bau mit Dachwerk auf sich, auf beiden sind Initialbuchstaben assyrischer Schrift, wahrscheinlich den Namen der Braut bezeichnend, zu sehen. Es ist unglaublich, dass diese!Formen den AnforderungdesgutenGeschmacksgesprochen haben sollten; vielmehr mussten solche unpraktische,! lästige Klumpen der weiblichen ]Handhabung hinderlich gewesen sein; wenn nicht darjn ein anderer Sinn zu Grunde lag. Zu dem Schmucke der vornehmen jüdischen Damen wird vorzüglich e*n Diadem, Jerusalem repräsentirend, gezählt. Die Tochter des reichen Kalbo heirathete gegen den Willen ihres Vaters den armen Akiba. Kalbo enterbte seine Tochter, welche trotzdem nicht ,vom Bette aufs Stroh* kommen konnte, dehn sie bettete sich a priori auf Stroh, und R. Akiba kladbte ihr des Morgens des Stroh aus den Haaren, versprechend, falls ihm Fortuna lächeln sollte, ihi dafür ein ,goldenes Jerusalem* in die Haare zu stecken. Zum Tröste erschien ein noch Aermerer vor ihnen, der uni ein wenig Stroh bat, um seine soeben entbundene Fraq darauf zu legen u. 8. w. Der später gross und reich gewordene R. Akiba hielt Wort und kaufte seiner Frau e}n ,goldenes Jerusalem“. (Nedarim 50a; Sabbath 55jb.) Wir werden unfreiwillig an die! als Zeicheu der Freiheit getragene Mauerkrone der Römer (corona •muralis) erinnert, welche dem auf den Kopf gesetzt wurde., <ier zuerst die Mauer einer belagerten(Stadt erklimmte. In Zeiten der fjFreiheit trug auch der jüd. Bräutigam am Hochzeitstage eine ähnliche Krone; nach demVer- ן falle jedoch war es üblich, an deren (Stelle Asche auf I n Kopf des Bräutigams zn streuen, die wieder nach dter Hoffnung Jesajas' 61,3 den Trauernden Zions in eine Krone verwandelt werden wird. (Gittin 7a Raschi; Öathra 60b.) Die Kronen waren seit der Eroberung Jerusalems gjesch wunden; nicht aber die süsse Erinnerung an dasselbe, die zwar nicht mehr durch öffentliche Kundgebungen, vfie es Kronen sind, wohl aber durch bescheidene 1^rauringe noch, unter dem alten Namen יעטרות כלות äufrecht bei behalten wurde. ״Eher versage mir meine" Rechte (Hand), als dass ich deiner, o Jerusalem, vergesse“ -r- und dies wäre der Sinn der gedachten Trauringformen, worauf nichts weniger als Bauten Jerusalems excellirten.; Die Tossafot (Sabbat 59a) nehmen Anstand daran, qass die Mischna das ״goldene Jerusalem“ am8abbath zu tragen verbietet, nachdem selbes überhaupt schon 200 Jahre vorher abgestellt wurde? 18t aber unsere' Ansicht ifichtig, so verbietet die Mischna nicht mehr das ״goldene Jerusalem“ in Kronform, sondern in Ringform am Sabbath zu tragen. Löwy, Gr.-Kanizsa.! -- . j Literarische Notizen. Von Dr. L. Lewysohn in Stockholm] (Fortsetzung von Nr. 25.) 95) Im ״Gal Ed.“ Nr. .115 wird der Sterbetag des bekannten Rabbi Sarach Eidliz in Prag mit: יו0 ד* י״ב אייר בצל שדי יתלונן}, d. i. den 10 Mai 1786 bezeichnet; allein ein Schüler des Eidliz, der Verf. des Commentars בנץ יהושע über die s. g. kleineren Tractate, sagt ausdrücklich in der Vorrede: ויצאה נשמתו בטהרה ר ד׳ ם‘ אסור ה־ אייר תקמ״ם\ d. i 10 Mai 1780. welche Angabe ist die richtige? Sollte vielleicht יתלונן auf dem Grabstein defect (ohne ו) geschrieben sein und י“ב irrthümlich für '.“!,׳gelesen sein? Es lässt sich schwerlieh denken, dassjder Schüler den Todestag des geliebten Lehrers nicht geniau gekannt haben pollte. 96) Megillah 5a fügt Raschi in der Mischna ganz von selbst die Worte: עשרה בטבת שחל להיות בשבת hinzu, : was natürlich nie eintreffen kann (8. Magen Abr. 550,4). ' Wohl kommt in der Mischna öfter die eine und die! andere Zeitstimmung vor,- die der ' später eingeftthrten קביעת מועדות (Or. Chaj. 428) widerspricht, z. B. Tanit 15b betreffs Tische be-Ab, oder Megilla 1,1 betreffs Purim, allein hier macht Raschi den Zusatz, und da ist die Anmerkung wohlberechtigt, dass derselbe thatsächlieh gar nicht eintreffen kann. Einen ähnlichen unmotivirten Zusatz macht Raschi Megilla 8b 8. v. לתטוץ; : wo derselbe ומזוזות hinzufügt, da ja hier von תפירה בנידין; gar keine Rede sein kann.! 97) Jellinek sucht (in Frank’s Kabbala S. 203) | einen Beweis, dass Raschi des Griechischen unkundig ( gewesen, und ich fügte in meiner Zoologie (S. 39 Anm.) ( einen solchen Beweis hinzu; allein Raschi giebt Megilla 6adie richtige Erklärung des Wortes מםרופולץ und bezeichnet ausdrücklich den griechischen Ursprung des Wortes. Freilich identificirt Raschi ungenau פולץ mit דיופלי, da ersteres *07.1; und Letzteres ßoAmo׳. bedeutet. Jedenfalls spricht die Stelle dafür, dass das Griechische Raschi nicht ganz fremd war. So erklärt er Megilla 12b נימוס mit 5w>(1a, wofür »׳!!ס* allerdings richtiger J8t. 98) Man nimmt gewöhnlich an, dass der Titel רבינו nur bei Moses nach dem Nom. propr.‘ folgt, während .רביגו משד nicht Moses b. Amrain, sondern M. b. Maimun bezeichnet. Es ist dies aber nicht die allgemeine Meinung. So sei von den älteren Schriftstellern JalkutSchim. zu Jes. Cap. 40 $ 308 erwähnt, wo es heisst:

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