Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 25. (18.6.1879)
- Date
- 1879-06-18
- Page
- Seite 99 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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eingebüsst. Das. 93 wird Jeliuda als vertaegener Krie׳ ger geschildert, der dem Löwen gleich brüllt, ohne Heute zu erhu8cl1en, der sein Schwert aus der Scheide zog, ohne etwas damit zu wirken. Das 98] wird an dem Vers ״Jeliuda ist ein junger Löwe“ die Bemerkung geknüpft, dass Jeliuda kühn und verwegen im Kampfe war. Hier entsteht zugleich die Frage, welche geschiehtliehen!Momente diese agadischen Schilderungen zu beleuchten im Stande wären. Ein genaues Verstündniss erlangen wir nur dann, wenn wir unter diesem Jeliuda jenen Juda verstehen, welcher ein Soh 1 jenes Hiskia war, den Ilerodes aus dem Leben schaffte Dieser Jeliuda ist bekannt unter dem Namen der Galiläer aus Gainala in Gaulauitis, welcher für die Unabhängigkeit seines Volkes eine Zelotenpartei gegen die Kötner bewaffnete und den Kölnern Furcht und Schrecken einjagte Besonders kämpfte Jeliuda mit dem Aufgebot aller Kräfte und ermuthigto zmn hartnäckigen Widerstände, als der Census eingefülirt werden sollte. Der Senator Quiiinus kam aufGeheiss des römischen Kaisers nach Syrien, um das Vermögen aulzunehmcn und abzuschätzen. Die Juden gaben sich auf Zl reden des Hohenpriesters Joazar zur Ruhe. Jeliuda dagegen reizte gemeinschaftlich mit dem Pharisäer Zadok das Volk durch die Vorstellung zum Aufruhr, der| Census bringe nur eine offenbare Knechtschaft 111i(| sich. Juda und Zadok, die sehr viele Anhänger zählten, brachten nicht blos für eine Zeit luijg den ganzen Staat in Verwirrung, sondern süeten auch für die Zukunfi durch Lehren all das Unheil, das bald anfing Wurzel zu schlagen Ausser den 3 Sclujlen führte jener Galiläer Juda eine vierte ein, deren Anhänger mit den Pharisäern üliereinstiinnien, dabei aber eine unbändige Liebe zur Freiheit hatten, jeder möglichen Todesart sich unterzogen und selbst ihre Freunde und Verwandten mordeten, wenn sie nur keinen Menschen als Herrn anzuerkennen brauchten. So kam es zu Aufläufen und zu öffentlichem Blutvergiessen, Städte wurden erobert und zerstört, bis selbst der Tempel des [Herrn in Folge jenes Aufruhrs von Feindesflammen zerfetört wurde. Krakau. Dr. M. Duschakj Kabbiner. Talmud und Tertullian. Im Tractat Synhedrin 98a lautef ein Ausspruch Rabbi cimuina’s: איו בן דוד בא £ד שיתבקש ד: לחולה ולא ימצא שנאמר אז אשקיע מימיהם ונהרותש כשמן אוליך וכתיב בתרי‘ ביוש ההוא אצמיח קרן (Ezechiel 32,14) (Ezechiel 29,21) לבית ישראל Der seltsame Ausspruch Rabbi Chanina's wird durch das'וכתב בתרי noch seltsamer, da die hierauf citirte Stelle ביום ההוא וגו׳ in Ezechiel 29,21, also I V o r אז אשקיע (Ezechiel 32,14) stellt. Auch die Coimiidptirung Raschi’s ist in Synhedrin 7־־^.unserer Stelle verschieden von derjenigen in Ezechiel 32,14; im Talmud coiprnentirt Raschi: בשמן אוליך שיהו כולן קפויין וביון שהן קפויין אין דגים ויהו המים 32.14 Dagegen zu Ezechiel •נמצאין בחכה צ ל ו ל ין ונקיים כשמן המזוקק Der Kirchenvater Tertullian, der Cmi die Mitte des zweiten Jahrhunderts lebte, sagt ״De ßaptismo libro“ gleich am Anfänge Seite 703 (Basler [Ausgabe 1562): rnam ferae, viperae et aspides ipsique! reguli serpentes arida et aniquosa sectantur. Sed noä! pisciculi 8ecunduin V/Siv nostrum J es u m! (3 hris t u m in aqua nascamur. ,,Wilde Thiere, [Schlangen und Nattern . . ruhen im Trockenen, aber Vir kleine Fischlein werden im Wasser geboren, wie unfser Fisch Jesus Christus.“ ן Ostatus, Bischof von Milene, erklärte V/«i; als Notarikon und übersetzt es in's Lateinische: Jesus Christus dei filius sah ator; Augustinus aber zerlegt V/oi; in folgende Bestandteile: ’lrt3*ü; 0;׳.ü b-.i- Mit der Auflösung des Notarikon iverstehen wir den Ausspruch Ifabbi Chanina’s, dass zur Messiaszeit das Christenthum verschwunden sein wird; man wird für einen Kranken die Gnadenmittel der Kirche suchen und sie nicht finden. Man drückte diesen Gedanken unkritisch und selbst in Hindeutung auf den Propheten- Spruch ungenau aus< nm nicht in christlicher Umgebung gefährlichen Verfolglungen ausgesetzt zu sein. Dr. J. fBlumenstein (Luxemburg). Literaturbericht Recensionen. Guttmann, Dr. J., Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud etc. (Schluss.) Wohlthuend berührt die geschickte und klare Form, in der jedes Problem dargelegt und entwickelt wird, der Verfasser fuhrt uns in engem Anschluss an seinen Philosophen und an die von ihm befolgte Methode stets in die Werkstätte der Untersuchung hinein, und wir sehen die Fäden/ auf welche es hauptsächlich ankommt, und die Richtung, in der sie verlaufen, überall scharf und unverkennbar inarkirt. Mit Benutzung alles ein- •schlägigen Materials geht der Verfasser jeder Quelle nach, aus welcher ein Gedanke geschöpft sein kann, und wenn es manchmal scheinen mag, als wäre darin zuweilen des Guten zuviel geschehen, so versäumt er döcli niemals, die Originelle Beziehung hervörzuhebeii, i(1 welcher selbst der entlehnte Gedanke sich dem Gefüge des ganzen Systems einpasst und wie weit der Einfluss eines Vorgängers reicht und bestimmend ist. Besonders treffend ist Abr ibn Daud’s Verhältniss zu Gebirol eliarakterisirt, wie der erstere trotz seiner Antipathie gegen den letzteren von diesem erheblich beeinflusst und abhängig ist (8• 47 ff ). Dabei wird jeder Hinweis, auch nur der lei6este Wink benutzt, der zur Bereicherüng unserer Kenntniss der geistigen Bewegungen und Anschauungen jener' Zeit dienen kann (S. 162 Anm. S. 184 Annx S. 223 Anm. wird namentlich der Szabäismus ausführlich behandelt n. s. w.). Wo der Text corrigirt wird oder die Auffassung von der Weil’schen Ueber- Setzung beträchtlich abweicht, was sehr oft geschieht, da liegen stets zwingende Gründe vor und das Recht ist durchwegs auf Seiten des Verfassers (S. 23 Anm. 1, S. 37 Amn. 2,■'S. 58 Anm. 1, S. 74 Anm. 1, S: 135 Anm. 1 u. s*w.) Allerorten können wir freilich seine Ansichten nicht theilen, und wir heben z. B. den Ab* schnitt über die göttlichen Attribute heraus (S. 1115 ff.), ein überaus schwieriges Kapitel im Emunah ramah.*) Hier hat der Verfasser schon in der äusseren Form durch die gewandte, lichtvolle Behandlung es bekundet, wiesehr er diesen subtilen und widerhaarigen Stoff( beherrscht. Wenn er aber beim Attribute der Existenz (S. 135) erklärt: ״In gleicherweise könnte auch jedem anderen Attribute als Gattungsbegriff die Unvergleich-- lichkeit als unterscheidendes Merkmal sübsumirt werden, wie wir es ja a'ueh bei dem Attribut der Einheit gethan haben“, sd erscheint uns dies nicht dem Wortlaut Abr. ibn Dauds entsprechend, welcher (Emunah ramah S. 53) besagt: *Aus der Vereinigung dieser beiden (Be-י Stimmungen), welche als eine Art von Gattungsbegriff und specificirendes Merkmal gelten können, lassen sich noch andere viele[ Atribute nach weisen, ohne dass sie eine Vielheit im ([göttlichen) Wesen ergeben. Eines der Attribute, das Ihm nach unserer Meinung zukommt, ist *) Emunah rabah ist imSehaUchelet hakabalah nar ein Druckfehler ftlr Emunah rajinah (S. 2 .Anm. 2).