Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 25. (18.6.1879)
- Date
- 1879-06-18
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/5367336-6488236-8755758--1303-4854700- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Alten Testament angekündigt oder nicht. Da. hilft־ kein Ausweichen, kein Drehen und Winden. Mit der einfachen Bejahung dieser Frage ist schon zahllosen Wort- Verdrehungen, Curiositäten, Sinnentstellungen und wahrheitswidrigen Tiraden Thür und Thor geöffnet. Es isteine exegetische Giftpflanze, die sich um die gesunden Schösslinge und Keime schlingt und ein erfreuliches Wachsthum u^id Gedeihen des Göttesgartens verhindert. 'Sorviel auch djeshalb auf dem Gebiete der Bibelforschung Seitens christlicher Theologen geleistet wurde, ein'völlig klares und gesundes Urtheil — wenigstens in Je.saia, den Psalmen uid in den sogeu. messianischen Partieen — kam uns noch! nie zu Gesichte. Man müsste denn auf die freieren Forscher vergangener Jahrhunderte zurückgreifen. ' . In Bezug auf das 52. und 53. Cap. des Jesäia. das crux interpretum. scheint der Verfasser auf Augenblicke die Feuerprobe zu bestehen. Er bekennt da unumwunden: ״Wenn wir nicht blos einzelne Steilen für sich betrachten, sondern den ganzen Zusam men hang der Weissagungen, durch welche dieser Begriff (die Vorherverkündigung des Erlösers) sich hindurchzieht, Iso lässt sich nach meiner Ueberzeugung als, entschieden ansehen, dass der Prophet nicht eine einzelne Person versteht! sondern dass die frommen und standhaften Verehrer und Diener Jehovfth’s im Allgemeinen gemeint sind, das Israel y.a-.a =vsgjn, das eigentliche Volk Gottes, im Gegensätze •nicht blos gegen die heidnischen Völker, sondern auch gegen die Masse des Volkes Israel* (S. 356). Bezüglich der messianischen Psalmen 2,45,72, 110 etc. meint er, dass es streitig sei, ob sie sich auf den damals regierenden König Israels beziehen, oder auf einen zukünftigen, den Messias. Jlan werde bei allen diesen Liedern allerdings durch den Inhalt veranlasst, als das uninittelbare Objekt den damals regierenden Fürsten zu betrachten, sie!böten aber gleichwohl inehr oder weniger bedeutende messianische Elemente, theils typische, theils prophetische dari Die Unsicher heit'seines Standpunktes lässt ihn in difcser Frage hin und her schwanken und schaukeln Er findet auch wieder, dass die Schilderung des Charakters, des ,,Knechtes“ bei Jesaias ideal gehalten - ißt, so dass ihr kein einzelner, wenn auch noch so frommer Knecht des wahren Gottes in seiner Erscheinung vollkommen entsprechen konnte, ausser nur der Eine; welchem diese Bezeichnung im eminentesten Sinne zukommt, der ohne Sünde ist, da er zugleich der Sohn Gottes ist. Dass sich doch der Verstand_ vom 'Herzen ^ao gerne einlullen lässt! So klar und schön der Verfasser auch über den Prophetismus bei den Hebräern 306—338 urtheilt, so stört auch hier der Widerspruch mit seinen «onstigen freieren Auslassungen und die zweideutige Belfanllung der Heilsweissagnngen. ״Auf der einen Seite müssen wir immer das Bewusstsein festhalten, dass j das Ziel aller Weissagungen Jesus Christus ist jund das r'Won ihm gegründete Reich Gottes ....; auf der anderen Beite können־wir Dicht erwarten, dass wir im Stande sein werden, in der Person und Geschichte t;.. Christi eine buchstäbliche Erfüllung aller einzelnen Züge in diesen Weissagungen nachzuweisen“ (S. 333). Wenn aber die Person und die Geschichte Christi mit den Weissagungen der Propheten nicht übereinstimmt, warum sollen wir dann das Bewusstsein festhalten, dass er das Ziel aller Weissagungen? Das ist nicht mehr der wohlbegründete F o r s c h e r t o 11, sondern der überredende Predigerton. Da darf es denn nicht Wunder nehmen, auch hier wieder dem alten Grundirrthuni, der wie ein rot her Faden durch die christliche Bibellörschung sich hindurchzieht, zu begegnen, dass das .1 u 11 e 111h 11 m nur als ei n c V 0 r s t u fe z u 111 Chris teu th u in ungesehen werden kann, ״dass im alten Bunde noch nicht durchaus ein solcher Geist herrschend sein konnte, als in seiaer Fülle und Klarheit erst durch Christum in die Welt gekommen ist“ (S. 510) Die Eltern sind freilich immer eine Vorstufe zu den Kindern, ist jedoch das Kind darum besser als die Mutter? Ist im Psalter nicht genug von Liebe, Demuth, Gottergebenheit, Bannherzigkeit die Rede, dass man immer nur von Christlieber Demuth. c 11 r i s t i e h c r Liebe, Christ- 1 i c h e r Barmherzigkeit spricht? Diese Ausstellungen sollen uns keineswegs von der sehr lohnenden Lectüre dieses Buches abschrecken. Es verbindet Klarheit und Frische der Darstellung mit echt deutscher Gründlichkeit. Die verschiedeneifMeinungen werden knapp und doch übersichtlich aneinandergereiht und auch in der Beschränkung in dieser weitläufigen Literatur zeigt sich der Meister, Dasselbe gilt auch von dem von den Herausgebern Hinzugefügten : I) i e U e b e rsicht über den Fortgang der Pentateuchkritik seit Bleeks Tode; die Sammlung der Schriften des A. T.; der Text des A. Testaments. Die kurze Uebersicht über die Geschichte der A. T.’lichen Wissenschaft am Schlüsse ist noch erwühnenswerth. In wenigen aber wohlgelungenen Strichen wird in derselben das ganze weitläufige Gebäude gezeichnet; und die jüdischen wie christlichen Mitarbeiter sind darin mit gleicher warmer Anerkennung ihrer Leistungen erwähnt. — Keiner wird dieses Buch unbe• friedigt aus der Hand legen; so Mancher aber wird es, so oft er sich über die Resultate und verschiedenen Phasen der Bibelkritikorientiren will, wieder hervorholen. Jehuda in der Hagada. ־ Ueber den biblischen Jehuda ist in der Hagada eine solche widersprechende, eine solche entgegengesetzte Schilderung, dass inan sich nicht zurecht finden kann, wenn man nicht zu zwei verschiedenen Personen gleichen Namens seine Zuflucht nimmt. Bald wird nämlich Jehuda verherrlicht und verhimmelt, bald wird er wieder in den tiefsten Schatten gestellt. In Sota S. 7 wird Jehuda der künftigen Unsterblichkeit versichert, weil er offen seine Sünden bekannte. Nach Sota 8. 11 verdient er, indem er Gott öffentlich heiligte, däss der Name Gottes in seinem Namen enthalten sei; dagegen heisst es in Synhedrin 5: Wer Jehuda lobt, ist ein Lästerer. Dagegen heisst es in Bereschit Rabbat: Jehuda hat um seiner Sünden willen Weib nnd Kind durch den Tod