Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1879-06-11 · No. 24. (11.6.1879) · p. Seite 95

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 24. (11.6.1879)
Date
1879-06-11
Page
Seite 95 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/5367336-6488236-8755756--1299-4854697
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Literarische Miscellen. Von R. K. t _ -1) In der vortrefflichen Ausgabe der Mass. Sofrim von Dr. Müller sagt derselbe in Not. 27 *u Kap. 5,15: ״Nicht nur Pentateuchversionen, sondern auah aramäische Uebertragungen der anderen bibl. Bücher waren schon in sehr alter Zeit bekannt. Mischna Jadaim 4,5 erkennt nur dem Targum zu Daniel und Esra nicht die Autenticitüt zu (8. Meg. 21b, Ilascln, Tosaf. und Zunz Gd. V. S (54).“ In allen diesen citirten Stellen steht kein Wort von einem Targum zu Esrp und Daniel und gerade umgekehrt sagt die m. in Jadaim תרגום שבעזרא ובדניאל מטמא הידים, das heisst aber nu1-die Targumstücke in Esra und Daniel. Eine aramäische Uebertragung dieser Bücher, sagt auch Zunz an der citirten Stelle, sei nach der Beschaffenheit dieser Bücher überflüssig gewesen und ist dem Alterthum unbekannt geblieben Man kann unmöglich einem gründlichen Kenner des Talmuds, wie es Hr. Müller doch ist, einen solcheh Verstoss beimessen und er hat wahrscheinlich diese Note nicht so niedergeschrieben, wie sie uns nun vorliegt. 2) Von Prof. Chwolson liegt uns (in einem Sonderabdruck) sein Vortrag vor, den er in der internationalen Orientalisten- Versammlung in Petersburg liber die Vokalbuchstaben 'אירי gehalten. Gegen die gewöhnliche und richtige Ansicht, dass vorErfindung der Vokal Zeichen un- «ere Autoren noch häufiger als in unserem gegenwärtigen Text sich der 'א׳ו׳י bedient haben, von denen viele, weil durch die später eingel'ührte Punktation,überflüssig, elidirt wurden, ist Chwolson der Meinung,ן dass die alten Autoren der Hebräer ursprünglich die Quiescentcs in »ler Mitte und am Ende der Worts ebensowenig geschrieben butten, wie die Phönizier in den vorliegenden Grab- Inschriften. Diese Prämisse steht nach unserer Ansicht auf schwachen Füssen, denn von Inscluiiften, die man abzukürzen pflegt, — und andere Schriftwerke besitzen wir doch nicht — lässt sich nicht auf einen gänzliehen Mangel der Vokalbuchstaben oder Zeichen schliessen. Mit dieser Hypothose erklärt er die vielen Abweichungen in Parallelstellen, die aus einer und derselben Quelle herstamiuen. Z. B. das י in der 1. Pers. Sing, des Perf. wurde nicht geschrieben, ebenso das ו als Zeichen des Plurals in der 3 Pers. detj Perf.; der eine Autor las daher 2 Kön. 18,20;אמרו lund der andere Jes. 3(5,5 in der 1. Pers. \2;ר. Sam. 7,2p הלכו im Plur. und 1. Chr 17,24 .הלך im Sing., urid so zieht Chw. alle Varianten herbei, wobei aber zuin grössten Theil beide Lesearten ihre Berechtigung haben, wo aber dies nicht der Fall ist, wie z. B. 2. Kön. 47,18 ונתנו und Jes. 37,1!) ונתן, sagt Cb., die Sofrim hätten hier vergessen das ו hinzuznfügen und die Punktatoren hätten sie hier ganz unpassend ץתן gemacht; Dasselbe sagt er zu der Variante Jud. 20,30 שלף upd ibid. 25 שלפי Von den vielen Varianten zwischen 3• Sani 22 und P8. 18 hebt er nur die von עם und ,עמי hervor, und da er zugiebt, dass das Jod in עמי consonantisch ausgesprochen und auch geschrieben worden sei, so wäre die Ommission in עם nur eine zufällige gewesen. Das 'ה am Ende der Eigennamen wurde mcht geschrieben, daher wechselte es bei den Autoren! oft mit א wie 1. Mos. 10,7 mit 1. Chr. 1,9 Wie ursprünglich die Namen שרה und שרי geschrieben waren, sagt Ch. nicht; das Jod in שרי könnte wohl, weil consonantisch ausgesprochen, geschrieben worden sein, wie af>er שרה? Jedenfalls ist die Hypothese de) Verfassers sehr bestechend und verdient wohl von qen Bibelkrilikern näher untersucht zu werden.! r Literaturbericht. - ׳ * BtcnsItiH. Guttnaann, Dr. J., Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo. Ein Beitrag zur Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie und der Philosophie der Araber. — Göttingen. Vandenhöck & Ruprecht (S. 240) Abraham ibn Daud, der bekannte Historiker und Märtyrer von Toledo, hatte auf philosophischem Gebiet lange Zeit nicht die Beachtung gefunden, die ihm gebührte. Als Mittelglied zwischen der älteren und jüngeren Richtung der jüdischen Religionsphilosophie, welche mit ihm in den Aristotelischen Gedankenkreis einlenkte und völlig übertrat, ist er, als der glänzendste Vertreter dieses Üompromisses zwischen Judenthum und Aristotelismus, Moses Maimonides, die Geister ausschliess- 4ich für sich occupirte, bei Seite geschoben worden. Die Philosophen von Fach mochten Sich wohl hin und wieder mit ihm beschäftigt haben, das grössere Publikum indess hatte kein Verlangen nach ihm, und da erstere zumeist das Arabische verstanden, so kam es, dass die Familie de!r Tibboniden, der Uebersetzer von Profession, sich nicht veranlasst fühlten, das arabische Original des ״Erhabenen Glauben“ durch eine hebräische Uebertragung in weiteren Kreisen populär zu machen. Wer weiss, ob nicht das interessante Buch uns ganz verloren gegangen wäre, wenn nicht der gefeierte Talmudist des 14. Jahrhunderts, I8ak bar Schescheth Barfath, der später sich wissenschaftlichen Studien abgeneigt erklärte, in früheren Jahren einmal den Wunsch geäussert hätte, dieses Buch kennen zu lernen. Zwei Uebersetzer, Salomo ben Labia und Samuel Motot, beeilten sich, dem Wunsch des verehrten Rabbinen nachzukommen und fertigten eine hebräische Uebersetzung an. Von Motot ist es ausdrücklich bezeugt (vgl vorliegende Schrifl S. 8 An 111.), aber auch für Salomo ben Labia ist dies als höchst wahrscheinlich anzunehmen. Denn dass dessen Uebersetzung nicht in das Jahr 1478 fallen kann, wie im ״Ozroth Chajito, Katalog der Michael’schen Bibliothek“ (S. 5) angegeben wird, dass Sal. b. Lab. vielmehr der Vater des Do• Vidal Benveniste ■ sein dürfte, ist bereits durch die Autorität Steinschneiders (Ozroth Chajim S. XIII Anm. u. S 353) erhärtet. Wenn wir nun bedenken, dass ein Sal b. Lab. dem Isak bar Schescheth (Ribasch) sehr nahe gestanden (wie aus der Responsea- Sammlung des Ribasch, Resp. 395 hervorgeht), wenn wir ferner die uns erhaltenen Worte des Sal. b. Lab. mit der Zueignung des Motot vergleichen, welch erstere lauten: ״Eis ist aus dem Arabischen in's Hebräische von mir. Salomo ben Labia, übersetzt worden und bedarf einer Correctur, denn ich besass hierzu nur einen einzigen arabischen Text und in diesem fehlte es nicht an Irrthümern, welche zum Theil erkennbar waren und von mir verbessert wurden. Ausser den Fehlern, welche eine Folge der Uebersetzung sind, leidet das Buch •och an Schreibfehlern, mag sie verbessern, wer sie erkennt, denn um Deinen Wunsch zu erfüllen, habe ich es abgesandt und an einer Verbesserung es fehlen lassen“ (vorlieg. Schrift S. 8 Anm) — so können wir wohl behaupten, dass dieser Sal. b> Lab. als Zeitgenosse des Ribasch und also als Vater des Don Vidal anzusehen ist und dass der ״Erhabene Glauben“ auf Wunsch des Rabbiners von Saragossa in’t Hebräische von ihm übertragen worden. Unter den Gelehrten jener Zeit war das Verhältniss der menschlichen Willensfreiheit Bur göttlichen Allwissenheit der Gegenstand eifriger Diskussion, es existirt sogar ־ein Responsum des Ribasch darüber, und da Abr. ibn Daud's Buch dieses Problem.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.