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Das jüdische Literaturblatt · 1879-06-11 · No. 24. (11.6.1879) · p. Seite 94

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 24. (11.6.1879)
Date
1879-06-11
Page
Seite 94 (sequence 2)
Language
German
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weicht, hat er doch eine gefährliche Klippe der modemen Exegeten nicht ganz vermieden. Ich meine die Hypothese des französischen Arztes J. Astruc,'nach welcher zwei Haupt-Quellenschriften, eine JE 1 o 11 i m-i Urkunde und eine Jeho va-Urkunde,, neben anderen zehn Urkunden durch die Schrift hindurch zerstreut fortlaufen. Diese Zersplitterung in elohistische und jehovistische Stücke hat' weil sie eine bequeme Handhabe ist, in dem oft spröden und ungefügigen Stoffe neue Gestaltungen und Zusammensetzungen zu bilden, in das Raisonnement nicht hineinpassende Stücke leichter Hand herauszureissen und sie entweder dem Elohisten oder Jehovisten zuzuschreiben, rasche die Sinne i :■ der Exegeten bestochen und viele Nachahmer gefunden: Eichhorn, David Ilgen; in neuerer Zeit: Hupfeld, Ewald, Franz Delitzsch. Es stimmen aber auch^yiele bedeutende Forscher nicht ein und bestreiten die Urkundenannahme und die Berechtigung zu einer Textzerbröckelung: Baumgarten, Grätz, Hengstenberg, J. H. Kurtz, Merx u. A. Wir haben schon bei einer anderen Gelegenheit darauf aufmerksam gemacht, wie willkürlich diese Annähme sei und wie elastisch und leichtfertig siegehandhabt wird. Von den zehn Plagen sollen einige elohihistisch, andere jehovistisch sein. Exod. 6, 7, 8—■13 soll elohistisch sein, dennoch finden wir da zweimal rn!T, kein einziges Mal אלהים. daselbst 14—18 jehovistisch, obgleich auch אלהים vorkommt; das. 19—20 elohistisch und kein einziges Mal wird אלהים gefunden; dagegen dreimal .יהוד. So soll daselbst 25—28 jehovistisch sein, weil zufällig kein einziges Mal אלהים steht. Allerdings müsste dann auch 8,1—3 mit demselben Hechte jehov. sein, doch weit gefehlt, das ist elohistisch; sic volo sic jubeo. Kap. 8, 12—15 ist elohistisch, man findet da אצבע אלהים, glücklicher Fund! in V. 23 heisst es aber auch לה׳ אלהינו und doch soll 8,16—28 jehov. seiü. Ferner ist das Stück 9,1—7 jehov, und beginnt dem־ nach mit ה' אלהי העברים; dagegen das. 8—12 elohist., ohne dass auch nur einmal אלהים vorkäme Das Stück das. 13—34 so 11 jehov. sein und beginnt mit אלהים und erwähnt dieses Wort noch zweimal (V. 28 u. 30). Auch im Kap. 10 wechselt ,יהוד mit אלהים, es soll aber gleichwohl jehov. sein. Besonders verführerisch für die Anhänger dieser Hypothese und auch für Bleek ist gleich der■ Anfang der Genesis, welche ״unverkennbar“ zwei verschiedene Erzählungen in sich vereinigen soll, von denen wenigstens die erstere ursprünglich ohne Verbindang mit der zweiten geschrieben ist; die erstere 1,1—2,3 bezeichnet die Gottheit ausschliesslich, die zweite aber, dieses Kreuz den Anhänger der Elohisten- ■ und Jehovi. sten-Urkunden, bedient sich der zusammengesetzten Benennung יהרה אלהים nur mit Ausnahme des Gesprächs des Weibes mit der Schlange 3,1b—5, ״wo die Anwendüng des Namens Jehova unschicklich würde gewesen Wohl sah B. ein, £& sei nicht überall %na| glich, *wischen dem Elohisten und Jehovisten mit י niger Sicherheit im Elinzeinen zu scheiden. Er lehnte sich aber dennoch in diesem Punkte und auch in der ganzen Urkundenhypothese an deren Anhänger soweit an, dass J der Pentateuch unter seinen Händen schliesslich zum Hexateuch wird, indem er das Buch Josua mit dem Deuteronomium in Eins verschmilzt. So ist die alte 6610" — risum teneatis! —und wo deshalb.אלה*ה gebraucht ist. Diese Klippe hätte der Verfasser glücklicher umschiffen können. berühmte B'irma ,׳,Pentateuch“ bankerott geworden und ein glücklicher Nachfolger hat sich unter dem Namen Hexateuch etablirt. Und folgerichtig hat denn auch J. Wel l hausen, der Bearbeiter Bleek’s, in den Jahrbüchern der deutschen Theologie 1876 über die Com- Position desHexateuchs geschrieben S. 392—450, und ebenso 532—602: ״Die Erzählung der übrigen Bücher des Hexaieuchs“ erscheinen lassen. (Forts, f.) ' Ist ״Jacobus“ gesteinigt worden? ■Dr. Martin, der Uebersetzer des Joseplms Edavius, glaubt den Text (Ant. 20,9) in zwei Punkten berichtigen zu müssen. Jos. erzählt nämlich, dass Jacob us, Bruder Jesus als Gesetzesüberireter von dem Hohenpriester Anan zur Steinigung verurtheilt wurde, wie auch Talur. Jer. Synhedr. Cap 9 berichtet, wobei noch zu ergänzen ist, dass der Beiname סטדא von der Mutter herrührt (s. Talm. Bab. Sabbat edit. Amsterdam 104b). Zunächst emendirt Dr. Martin ״Bruder“ gegen ״Verwandter“. Ob er den Jacobus Minor (Alphäi) Gescliwisterkind Jesus allen Ernstes für den Verurtheilten hält — welcher übrigens nach den Mittheilungen der Kirchenväter in Ostracine (in Unterägypten) gekreuzigt worden sein soll — oder ob er blos Anstand nimmt, die Person Jesu durch irdische Familienbande zu profaniren, ist uns einerlei; im zweiten E'alle wäre wohl auch Matth. 13.55 und Mark. 6.3 zu corrigiren, wovon deri leiblichen Brüdern und Schwestern, ja von dem Sohne des Zimmermanns die Bede ist. Ausserdem führt Dr. M. den Negesippus gegen Jos. ins Feld, nach welchem dieser Jacobus Minor nicht gesteinigt, sondern von der Zinne des Tempels gestürzt wurde, und entscheidet sich endlich doch für Jos., als den älteren Geschichtsschreiber, welcher dem Vorfälle zeitlich näher stand. Hierauf haben wir zu bemerken, dass zwischen Josephus und Negesippus kein Wider- Spruch besteht. Herr Dr. Marlin scheint übersehen zu haben, dass es nach dem jüdischen Strafrechte ganz gleich ist, Steine auf den Verbrecher, oder den Verbrecher auf Steine zu werfen, um ihn zu tödten; heisst es ja ausdrücklich ״ ,סקל יסקל או ירה יירהgesteinigt“ oder geworfen (s Raschi und Rambam Synhedr. 15,1 u. Mischna-Comm.) Speziell beim Verbot der Sinaibetretung, wobei Niemand den Berg besteigen durfte und der Delinquent nicht herahgestürzt werden konnte, zwingen sich alle Commentatoren das ירה יירה ״mit Pfeilen bewerfen“ wiederzugeben, was aber einem Pleonasmus gleich sieht. Unsres Erachtens ist diese Deutung unnöthig, weil eben nicht an die Strafe stante pede gedacht werden muss, sondern die Todesart überhaupt nach thunlicher Ergreifung, wann immer, bedeutet werden 8011, und in diesem Sinne ist auch Talmud Synhedr. 45a aufzufassen. Um 80' wunderlicher erscheint uns Michaelis, (Mos. Recht § 234), welcher unter dem jüd. Steinigen nur 1 Steinwerfen verstehen will, das Herabstürzen aber blos ein ״rabbinisches Märchen“ nennt! Bedenken wir, dass die weisen Griechen ihre Religionsschänder vom Berge warfen und das rechtstaatliche Rom seine Landesverräther durch das Herabstürzen vom Mone Tarpejus richteten (Liv. VI, 20), so braucht die ähnliche jüd. Execution kein Märchen sju sein. Löwy. L

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