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Das jüdische Literaturblatt · 1879-06-04 · No. 23. (4.6.1879) · p. Seite 91

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 23. (4.6.1879)
Date
1879-06-04
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
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darf, das gehört zu seiner idealen Bestimmung. Die Schöpfung als Ganzes zu erfassen, sich, wenn es Zeit und Müsse, wie am Sabbattag erlauben, idealen Be• Pachtungen hingeben, das vermag nicht Jeder. ״Der Rohe kennt das nicht, der Thor kennt des nicht.“ V. 7. Denen ist die Freude, die die Welt des Idealen bietet, verschlossen. Die suchen materielle Lust, grobe Sinnlichkeit, die wird ihnen' wohl zu Theil, ist aber nur von kurzer Dauer. Dieser Gegensatz zwischen der rohen Gefühllosigkeit und der gebildeten Fein ühligkeit, oder wie es da heisst, zwischen רשע und צדיק, wird weiter in schmeichelhaftester Weise für den ״frommen־‘ geschildert und iu gehobenster Stimmung lern Tage entsprechend geschlossen. So wäre denn der Zusammenhang( zwischen dem für jeden Tag bestimmten Abschnitte rius der Thora. Nebiim und Ketubim, in der Weise,!wie sie in den Betbüchern Vorkommen, gegeben. Der selten die Bedeutung des Tages wieder, für den er bestimmt und ausgewählt war, hat aber, wie bereits gesagt, als Bindeglied stets den Abschn tt aus den Propheten. Die Frage: Warum gerade diese Psalmen für den täglichen Cultus ausgewählt wurde Psalm gibt nur n? würde sich also dahin beantworten lassen, dass deijen Auswahl ursprünglich für die Gebetordnung der Ansche-Maamad getroffen wurde, sie von hier den Weg in d 311 Tempelcultus fanden resp. jenen Psalmen zugefügt wurden, welche in den Lewitenchören üblich waren. Ob dies zur Zeit Hyrkans geschah, der den Gottesdienst theihveise umgestaltete, oder später, zur Zeit Agrippa II., wie Herr Prf G rä t z annimmt, vermag ich nicht zu entscheiden. Literaturberichjt. Recensionen. j Löwenstem, Dr. L., Geschichte| der Juden am Bodensee und Umgebung. Nach gedruckten und ungedruckten (Quellen. I. Theil. 8". VII u. 149 S. 1879. Selbstverlag des Verfassers. Es gehört zu den Errungenschaften der modernen jüdischen Geschichtsforschung, dass die Ergebnisse archivaler Studien und die Berichte zeitgenössischer Clironisten mit den zerstreuten Naclnicii: Quellen vereinigt, kritisch geprüft und en in jüdischen zur Grundlage rden. Besonders für Special untergetreuen, allen historischer Darstellung genommen we erspriesslich zeigt sich diese Richtung sucliungen, die ihrerseits wieder einer Forderungen Genüge leistenden Darstellung der allge• meinen Geschichte der Juden in E|nropa besonders während des Mittelalters und der neufen Zeit vorbauen. Jeder Beitrag nach dieser Richtung hip muss darum mit Freude begrüsst werden, zumal wenn i.־r ernstes Streben und eine kundige Hand verräth. Doppelt erfreulich ist es, wenn jener Versuch von Männern unternommen wird, die mit den nöthigen historischen Voijkenutnisseu ausgerüstet, wissenschaftlichen Sinn besitzen, mit Ruhe und ohne Hast, die so oft den Erfolg schädigt, an ihre Aufgäbe schreiten. Löwenstein kann man jenen Forschern anreihen. Er war vermöge seiner umfassenden Verbindungen und geringen Entfernung von den schweizerisch-badischen Archiven und Bibliotheken in die glnstige Lage versetzt, gewissenhaft fast Alles in den genannten Sauimlungen vorhandene, seinen Zwecken dienliche Material durchzuarbeiten und für seinen Vorw lrf zu verwerthen. Klar und gemeinverständlich erzählt der Verfasser-in correctem Deutsch die Geschichte und wechselvollen Erlebnisse der Juden in Ueberlingen, hausen und Diessenhofen (p. 1—97); Konstanz, Schaffin einem Anhänge sind die mehr wissenschaftlichen Bemerkungen zusammengestellt (p. 99—149), und nicht der geringere Werth liegt in diesem zweiten Theile; ihn schmücken eine Reihe hier zum ersten Male veröffentlichter Urkunden (pp. 114 f. 116 ff. 124. 128 f 131 f. 138 f. 142J.) Aus* züge und Abschriften nur handschriftlich vorhandener Chroniken (106. 123,141.) und scharfsinnige Vermutnim* gen. Wenn wir berichten wollen, was den Inhalt jener' Blätter ausmacht, welche die eigentliche Geschichte der Juden in den genannten vier Städten erzählen, so können wir ihn kurz dahin zusammen fassen: Es ist eine ununterbrochene Kette von schweren Leiden, grundlosen Anschuldigungen, argen Verfolgungen und harten Unterdrückungen, welche die dortigen jüdischen Einwohner .erdulden, über sich ergehen lassen und hinnehmen mussten. Jene widersinnigen, so oft mit gleicher Tücke erhobenen, auch des geringsten Haltes entbehrenden Anklagen, die —; wahrlich mehr zur Schande der Menschheit als zum Schaden der Judenthums — so unsägliches Unheil stifteten, sind fast -ausschliesslich Gegenstand der Erzählung. In den Jahren, in welchen das blutige Schwert der Verfolger ruhte, war die geschäftige Hand.der J,Judensteuer“-Eintreiber in voller i Thütigkeit. Mit Theilnahme und Gefühl schildert der Verfasser diese Vorgänge, und nur zu oft leiht er seinem persönlichen Unwillen ob solcher Gräuel Ausdruck; wir meinen, der Verfasser hätte besser jeden Versuch einer Entkräftigung jener Albernheiten vermieden, die ip einer wissenschaftlichen Abhandlung nicht einmal eindrAbweiung gewürdigt werden sollen. Eine andere ist die Aufgabe der P ub 1 icisti k. und eine andere die der Wissenschaft. — Nur nach ein er Richtung hin vermissen wir Vollständigkeit; die Quellen und älteren Chroniken zur!;׳ österreichischen Geschichte hätten dem Verfasser, in mancher Hinsicht förderlich sein können. Chmels Mo-, numenta Habsburgica würden ihm Beiträge geliefert haben zu einer gerechten Beurtheilung Kaiser Friedrich III. (IV) und seiner Gesinnung den Juden gegenüber.*) Der Spiegel der Ehren des Hauses Oesterreich von Fugger und Biriken (1668) wäre zur Judenverfolgung im Jahre 1349 zu vergleichen gewesen; u. z deshalb, weil der Verfasser das Urtheil und die persönliche Ansicht jener Männer, ihre hochsiunigen und vorurteilslosen Anschauungen übqr die den Juden zur Last gelegten Verbrechen hätte ihittheilen können, was von grösserer Wirkung gewesen• wäre, als des Verfassers persönliche Enunciationen. Zum Schlüsse sei uns noch eine freundliche Bemerkung gestattet. Noten wie die hier folgende, hätte der Verfasser sich, ersparen können. Er schreibt auf p, 39 *; ״Sind wir es doch längst gewöhnt, von der klassischen Oper an bis zum neuromantischen ״Wigala- Weia“ der Gegenwart“ etc.— Der Verfasser hat doch nicht ein ־Bekenntniss seiner musikalischen Richtung abzulegen, am allerwenigsten in einer Geschichte den Juden am Bodensee und Umgebung. Budapest, im Mai. Dr. Heinrich Bloch. i Back, Dr. Sim., Das Synhedrion unter Napoleon I. und die ersten Erqaneipatlonsbestrebungen. •Vortrag zum hundertjährigen Jubiläum des Lessing'schen ,Nathan*^ In Commissionsverlag bei Jak. W. Pascheies, Prag. 32 8• Die gesammte civilisirte Judenheit hat mit Tact und Verständniss die Bedeutung des Lessing’schen ״Nathan“ erfasst, wir Alle haben es gefühlt, dass der ״Toleranzprediger“ die stärkste Bresche in die Mauern des deutschen kleinstädtischen Zunftgeistes, der alle Kreise *) VgL die Schreiben Keiler Friedrichs an den Erzbischof von Salzburg vom 14. Mttrs 1478, Chmel U. 341 and vom 14. April desselben Jahres p. 334.

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