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Das jüdische Literaturblatt · 1879-06-04 · No. 23. (4.6.1879) · p. Seite 90

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 23. (4.6.1879)
Date
1879-06-04
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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Hengstenberg und Ewald werden da, besonders was die jjauptmaterien des Pentateuchs betrifft, in nuce und so übersichlich wiedergegeben, dass man sich in dem Labyrinthe dieser weitverzweigten Wissenschaft mit Leichtigkeit zurechtfindet. Auf dieser nach den freieren und conservativen Richtungen geordneten Basis baut Bleek sodann seinen vermittelnden Standpunkt auf. Wir wollen hier versuchen, einige seiner wichtigem Resultate mitzutheilen, wie auch auf einige Schattenseiten seines Standpunktes hinzu weisen. Den zahlreichen vagen Hypothesen gegenüber! ü b e r Ursprung und Zusammensetzung des Peyitateuehs sticht die Ruhe und Sicherheit wohlthuend ab, mit welcher er zuvor die Ansichten pro und contra liebeneinander stellt und abwägt und dann seine Sätze wie Axiome hinstellt: Es ist im Pentateuch •manches, was seinem innern Charakter nach nicht vfohl in späterer Zeit, als der mosaischen verfasst sein kann (Lieder und Gesetze). Es findet sich im Pentateuch nichts, was uns nöthigte, dessen letzte Redaktion und Abschliessung erst in die Zeit des babylonischen Exils zu setzen. — Schon P t o 1 e m ä u s im 2. Jahrhundert und Ab e n Esra haben, wenn auch nicht die mosaische Abfassung des Pentateuchs im Allgemeinen geleugnet, so doch bei verschiedenen Stellen ihre Bedenken gegen die Abfassung durch Möses zu erkennen gegeben. Peyrerius im 17. Jahrhundert meint. Moses habe wohl Tagebücher \ erfertigt über den Auszug aus Egypten, den Züg durch die Wüste, sowie über die Gesetzgebung, und diesen auch eine Geschichte der vorhergehenden Zeit, aber auch der vor Adam vorgesetzt; diese Autographen des Mose seien aber verloren gegangen, und unsere Bücher wären j spätere Auszüge daraus. Spinoza weist auf einige Andeutungen des Aben Esra hin, auf Gen. 12,B: ״Und es waren die Kananiter im Lande“; das. 36,1: Und dies1 sind die Könige, welche geherrscht haben in Edom,; bevor ein König herrschte über die . Söhne Israels u. a. m. (Num. 15,32—36, Deut. 1,1; 2,12; 3,11; 3,14; 33,1; 34 etc.); und stellt die Vermuthung,auf, unser Pentateuch und ebenso die übrigen historischen Bücher des.A T, seien in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung erst von Esra verfasst. So weit geht RdchardSimon nicht, der wenigstens die schriftliche Abfassung der Gesetze dem Moses beilegt. Wie aber schon damals in entschiedener Weise Bedenklichkeiten und Einwürfe gegen diese Auffassung laut wurden, so halten auch in der neuem Zeit gegen die gleiche Verschiebung oder Zersplitterung des Pentateuchs Seitens vieler Exegeten, wie Vater, de Wette, Ewald u. A. die schriftstellerische Einheit und mosaische Abfassung desselben auf das Entschiedenste fest und vertheidigen sie gegen Alle Einwürfe :Ranke, Hengstenberg, Drechsler, Hftvernick, Welte und Keil. (Forts, folgt.) Die Tempelpsabneu. Von Dr. Joaeph Stier, Rabbiner in Steinamanger. _ j (Schluss.) Es sind hier-afus der Thora 'nicht weniger als 5 verschiedene Stücke mitgetheilt, die alle für den Sabbattag bestimmt waren. Gen. 2,1—3, Exod. 31,12—18, 35,1—4, Lew. ^9,5—JO, Num. 28,9—10. Hinzugefügt werden drei verschiedene Abschnitte aus den Propheten und zw. Jes. 5j8,9 bis Ende, 56,1—9, Jer. 17,21—26. Zu allen diesen Stücken wurde aus den Ilagiographen nur der Sabbatpsalm gewählt: Ps 92. Zuletzt erscheint sogar noch ein Abschnitt aus der Thora: Deut. 5,12—15 und einer aus den Proph.: Neh. 13,19—22, dem aber kein Ps. hinzugefügt wird. Der Grund lür Letzteres mag darin liegen, dass man am Sabbat sämmiliclie 5 Bücher Mose vertreten selten wollte. — üb am Sabbat überhaupt der gewöhnliche Gottesdienst von den Ahsche- Maamad ubgeliajtei^ wurde, ist fraglich Scliöpfungslage waren doch nu# 6, und da sie בבעשה בראשית lesen wollten, ging infit dem 6. Tage ihre Aufgabe zu Ende. Der Abschnitt ויי^ן musste als passender Schluss ohnehin am Freitag 11in?ugelesen werden, da in dem Thoraabschnitt für den 6. Tag die nöthigen 9 Verse fehlten (sieh Mag. p. 22). Hierfür scheint auch die AJischna (TaanitIV, 1) zu sprechen. Daselbst sind die Abschnitte wie sie jeden Tilg gelesen wurden, genau verzeichnet. Für den Sabbatlag ist gar kein Abschnitt angemerkt. Indessen ist der Beweis aus der Misclum nicht so gewiss, da sie nur jene! Ansclie Maamad i!n Auge gehabt zu haben scheint, dje ihren Standplatz in Jerusalem hatten. Sie zählt nätnlic|1 da Fälle auf, wo das Maamad nicht stattfand. Obwöhl vom Entfallen des!Maamad am Sabbat sich daseiltet nichts vorlindet, lässt es sich doch denken, dass dief Ansclie Maamad am Sabbat im Tempel selber Beschäftigung fanden.!Mag dem wie immer sein, es bleibt, wie gesagt, fraglich, ob die Ansclie Maamad sich am Sabbatji zu einem besonderen Gottesdienste versammelten. Das Schweigen der Mischna deutet darauf hin, dass derselbe in Jerusalem nicht abgehalten wurde. Die in den Ssitjurim angeführte Gebetordnung dürfte von den Ansclie-Maaiimd ausserhalb Jerus. abgehalten worden sein. Von den nun angeführten 5 Stücken aus der Thora ist folgerichtig jenem aus Genesis 2,1—3 die grösste Bedeutung beizulegen. Während die anderen Stücke ausführliche Bestimmung enthalten, die am Sabbat zu beobachten sihd, ist in jenen drei Versen der eigentliehe Grund des ßabbat angegeben, worauf auch immer liingewiesen wird. Ebenso muss von den drei erwähnten Abschnitten aus ן den Propheten Jes. 58 als derjenige angesehen werden, auf den das Hauptgewicht gelegt werden muss. Denn in Jes. 56 liegt der Hauptton darauf, dass auch der בן הנבר und die ברישים, die den Gesetzen Israels gemäss leben, den Sabbat heiligen, jenes Glückes tlieilhaft werden, das Israel beschieden ist. Im anderen Absätze, Jerem. 17, wird das Verbot des Lasttragens am Sabbat eingeschärft. In Jes. 58 jedoch wird die eigentliche Bedeutung des Sabbat hingestellt. Das Beobachten desselben soll nicht blos ein äusserliches sein, es soll innere Befriedigung, Lust gewähren. וקראת לשבת ענג. Mit dem Enthalten von der Arbeit ist es auch nicht gethan, um da nur דבר דבר viel Worte zu machen. Der Sabbat muss vielmehr geehrt und heilig gehalten werden V. 13. — Der Zusammenhang zwischen dem Thora- und Prophetenabschnitte besteht nun darin, dass in der Thora Grund und Ursache des Sabbat, in dem Prophetenabschnitte dessen ideale Bedeutung angegeben ist. Hieran schliesst sich Ps. 92, der vor Allem dem Gefühle Ausdruck zu geben ,versucht, das den Freund der Natur erfüllt, der in Gott den Schöpfer derselben verehrt und die Schöpfung als Ganzes zu erfassen vermag. ״Mich erfreust du, Herr, durch deine Thaten, ich frohlocke durch die Werke deiner Hände. Wie gross sind deine Werke, 0 Herr!“ Der Sabbat als Riihetag, der immer an die Vollendung der Schöpfung erinnert, gibt gleichsam die Zeit an, in der man sich Solchen Betrachtungen hingeben kann und

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