Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 21. (21.5.1879)
- Date
- 1879-05-21
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 83 — tigt, durch Leiden belehrt, um ihn in bösen Zeiten ver- 6chonen zu können. Der Ausspruch des Psalmisten erstösst sein Volk gipfelt in der Hoffnung: ״Der Herr v nicht, sein Eigenthum verlässt er nicl)t“ (V. 14). Dasselbe wiederholt sich mit Variationen jin den folgenden Versen. ״Wenn ich dachte, jetzt waijkt mein Fuss, so hielt mich deine Güte, Gott“. Auf Israel angewendet, heisst das nichts anderes, als: Isr. hiejlt sich für verloren, Gottes Gnade hielt es aufrecht. Gott wird die Feinde Isr., mögen es innere oder ^ussere sein, vernichteu, Israel wird bleiben. Für die Meinung des Talmud, dass dieser Psalm auf di^ Ausrottung der Götzendiener hinweist, על שם שברא חטה ולבנה ועתיד ליפרע מעובדיהן scheint wenig zu sprechen. Besser würde sie zum Thoraabschnitte selber passen. Indem die Thora so genau angiebt, wozu die^e Himmelskörper bestimmt sind, deutet sie an, dass jene keineswegs als göttliche Wesen verehrt werden dürfen.3) (Forts, f.) Literaturbericht. Recenslonea. C'hodowski, Dr. S., Kritik des Midrasch Schir- Haschirim u. s. w. (Fortsetzung statt Schluss.) Ibid. Seite 40. Die vielbesprochene Stelle התורה 1,11) קמלימר אלקולאון בדעתו של הקב״ה) mochte Verfasser mit Aenderung des schwierigen Wortes in אסקלאין so erklären: ״Die Lehre, Welche der Sturm nach dem Sinne Gottes lehrte.“ Aber eine Vergleichung unserer Stelle mit Abschnitt, 1,2 ergiebt, dass hier die personificirte Stimme Gottes, das Organ der Offenbarung gemeint ist. Daher ist Entweder mit Mussalia und Rappoport ארקולון (oraculijrn) zu lesen oder vielleicht das arab.אלקולון (Wort, Ausspruch) mit überflüssiger Nunnation. Im Abschnitt ישקני scheint dasselbe Wort eine Glosse für הדבור zu sein., Ibid. S 43 Das doppelte 2,9 ליו דיו — meint Vf. — durfte vielleicht 5io; sein; doch theilt er Lonsano's Erklärung mit, wonach דיו und ״; דיאוfliehe'‘ (von דאה oder oi«>) bedeuten soll. Ich glaube,;דיו ist das pers. diw (Dämon im guten Sinne), und ד(או (Deo oder Dio) die spät in den Text hineingerathene ),omanische Gebersetzung des Wortes. Alle drei Deutungen, die mit diesen Worten דיו דיו (פי' דיאו) את לגבך beginnen, wollen in der That das gewissermassen Dämonische oder Räthselhafte des göttlichen Waltens zum Ausdruck bringen. — Ibid. S. 45. Vielleicht ist — meint ferner Vf. — 2,17 בתר אריהון in בתאריהון umzugebtalten, so dass die Stelle zu übersetzen wäre: einst wird man die Könige aufh&ngen mit ihrem Kopfputz (Tiara)!! In diesem Satze, der übrigens kein crimen laeshe majestatis enthält, da ja ״Tiara* andeutet, dass esnprauf persische Könige abgesehen sei, ist jedes Wo(t falsch übersetzt. — Dagegen ist es dem Vf, wie es scheint, durch eigenes Nachdenken gelungen, Idie scheinbar räthselhaften Aussprüche über mend mend tekdl ufkrsin (3,3) in riehtiger Weise zu erklären (S. 45ff. Nur ist die 3 Seiten lange Erörterung sammt allen Conjäcturen eine überflüssige Mühe, da bereits die richtig^ Lesung im Babli (Synh. 22a) sich befindet und die Auflösung der sonderbaren Buchstabenveränderungen öden -Versetzungen von Ra8chi und מ״ב zwar kurz, aber genügend gegeben ist. Abgesehen aber davon, dass es unverzeihlich ist, den מ“כ z. St zu übersehen, ist dem Vf. die Bedeutung und der Zweck jener Aussprüche nicht klar ge- *) a Gräte, Qeach. d. J. 11,1. p. 184 A^m. 3. worden. Er spricht immer von ״Deutungen“, Interpretationen des men6 etc. Also wenn z. B. die Rabbinen 'אנס אגם תקל ניס rückwärts lesen, haben sie damit das mend etc. erklärt? Vf. schliesst seine lange Erörterung mit folgenden Worten: ״Richtiger (!) als die Deutung (!) der frühem 3 (!) Lehrer ist die Ansicht des R. Meir, כמשמעו es sei der Ausspruch wörtlich za nehmen, wie er Dan. C. 5 angegeben ist.“ Als ob die von R. Meir dissentirenden Rabbinen die Stelle nicht wörtlich nehmea, wie sie von Daniel erklärt wurde! Sie nehmen nur, da sie die Ansicht des 8) רשב״א. Synh. a. a 0.) theilenr eine Buchstabenversetzung oder -veränderung an, um der Frage zu begegnen, warum Niemand ausser Daniel die Schriftzüge der wunderbaren Hand (nicht ״des Belsazar“ S. 45 u) lesen konnte; R. Meir aber, der wohl der Ansicht huldigt, das vollständig neue Schriftzeichen an der Wand erschienen, brauchte eine Umstellung oder Veränderung der Buchstaben nicht anzunehmen. — S. 51 zu 4,11. ״Die Stelle, welche hervorhebt, dass zwischen ״Gebat und Antipatris 600,000 Städte lagen“, findet sich nicht nur ״Midr. Ruth Abschn I. Abs. II“, sondern ungemein häufig. Vor Allem hätte Vf. auf unsern Midr, Schir 1,16 und dann auf Echa rab. 2,2, wo richtig נכתון sich findet, verweisen müssen. Imj. T. kehrt dieser Ausspruch des R. Jochanan öfter wieder, so״ Megilla 70a und parall.; überall sind die verstümmelten Namen in נבתון־ und אנטיפטרם zu ändern — Ibid. תרגם bedeutet einfach : ״übersetzen“; man ist keineswegs berechtigt aus diesem Worte in der Stelle רקמה ♦ ♦ תרגם עקילם איפלקתא zu schliessen, dass איפליקתא oder 4,11) אפליקמא und 4,13) chaldäisch sein müsste. Uebrigens ist es auch kIsjcto; nicht, sondern icoixOlxd, wie aus Origenes* Hexapla (ed. Field, Oxf. 1868—75) zu Ez. 16,10 und P8. 44,15 hervorgeht. Die Buchstaben des Wortes sind demnach umzustellen: פאיקילתא. (Schluss folgt.) Simon, Joseph, instituteur, L' education et 1’ instruction des enfants chez les anciens juifs. Nimes, Andrd Catdian. 1878. 52 S. gr. 8. Eis war dem Verfasser dieser Schrift .darum zu thun, die Hauptgedanken zu verallgemeinern, ohne tiefere Studien anzustellen. Auch das hat seinen Werth, zumal wenn es in so liebenswürdiger Weise geschieht, wie Seitens des Verf. So schliesst man befriedigt das Büchlein, ohne gerade Neues gelernt zu haben ־Im Einzelnen auffallend ist S. 10 die Angabe, dass Dankopfer bei Geburt des Kindes gebracht wurden. Das Opfer der Wöchnerin hatte eine andere Bedeutung. S. 11 ״Die Mütter nährten ihre Kinder selbst“ muss wol eingeschränkt werden, da sonst die מינקת (Genesis 35,8) nicht zu erklären wäre. Ein Versehen des Herrn S. ist ed, dass er sich nicht die Frage vorgelegt, ob die Erziehung Samuels durch Eli eine vereinzelte Erscheinung gewesen und was der 0 חבל נביאים- Samuel 10,10) bedeutet Denn das Entstehen der Psalmen lässt den Erfolg dieser ״Prophetenschulen“ uns noch heute ermessen. - In der Zeit nach dem Exile (die 70 Jahre sind wohl nur als ge* bräuchlich' beibehalten), ist zu wenig zwischen Schule und Hochschule zwischen רב und מלמד תעוקות unterschieden. So ideal ז es wäre, hiesse es doch den Talmudisten Unwahres andichten, wollte man behaupten, sie hätten den Mann, der die Kenntniss des ־Lesens einem Kinde beigebracht, in dessen Werthschätzung höher gestellt, als den leiblichen Vater. Der חזן war wol früher Aufseher der Kinder, bevor er Vorbeter wurde. Wenigstens wird vom למסדר תפלהT0a1 היורד לפני התיבה/ als Vorbeter gesprochen in der Zeit, wo der ח1ן noch; nichts mit den Gebeten zu thun hatte. Ebenso werden^ modernere Institutionen antidatirt, wenn fttr die Miflchaa*־