Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 21. (21.5.1879)
- Date
- 1879-05-21
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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darum die Mehrzahl seiner Leistungen hebräisch geschrieben. Es braucht uns um die Erhaltung der hebräischen Sprachfähigkeit in unserem Volke nicht bange zu sein, aber die Muster thun uns Noth, wir bedürfen der Vorbilder für reinen Ausdruck, für die klassische Biegsamkeit dieser scheinbar starren Formen. Wir haben Muster und Vorbild im Briefschatze — Samuel David Luzzatto's. Bei den ״Völkern der Erde“ ist es eiq alter Brauch, dass man von bedeutenden Männern den Briefwechsel veröffentlicht, Es liegt die stillschweigende Huldigung in dieser Thatsache, dass man aus Bewunderung für die Leistungen zum Interesse für die Personen sich erhoben habe. Da kommt denn gar Manches zu Tage, was besser ungedruckt geblieben wäre; blinder Uebereifer wirft Spreu und Abfälle unbedacht auf den Markt, bis dann manch hungriges Huhn, genannt Literarhistoriker, manch mageres Körnlein in dem leeren Haufen aufpickt. Wir sind in der jüdischen Literatur noch lange nicht so weit, dass wir vor Ueberproduction fürchten müssten. Isaie Luzzatto’s Index ist das erste Unternehmen, welches in dieser Richtung aus unseren Kreisen zu verzeichnen wäre Der Neid der Welt ist gegen uns gerichtet, das Lästermaul der Feinde wird nicht müde, von unserer Macht zu sprechen, und dieses mächtige Volk, diese Nation von Crösussen, wenn man dem bösen Leumund trauen will, vermag nicht, ״ihre Weisheit jmd Einsicht vor den Augen der Völker“, ihre Literatur, aus dem Staube zu befreien und an’s Mittagslicht des frisch pulsirenden Lebens zu bringen. Glaubensgenossen Italiens.' Es gilt, ein Denkmal eures Hochsinns aufzurichten, dem grössten Sohne eurer Mitte, den ihr in neuerer Zeit hervorgebracht, den späten Tribut dankbarer Anerkennung darzubringen, eine That su stiften zum Stolze des Landes, zum Wohle der Gesammtheit. Die Forderung ist bescheiden, es drängt -wor Allem die Herausgabe des hebr. Briefwechsels. Doch wohin gerathe ich? Ich wollte eine Anzeige schreiben und werde zum Herold und zum Werber. Aber es ist nicht meine Schuld, wenn der Stoff mich übermannt hat Budapest. Prof. Dr. David Kaufmann. Die Tempelpsalmen. Von Dr. Joseph Stier, Rabbiner in Stein&manger. (Fortsetzung.) III. Tag. Aus der Thora die Schöpfungsgeschichte des 3. Tages. Genes. 1, 9—13. Dem Wassser unterhalb des Himmels, wird seine Grenze angewiesen. Das Trockene wird sichtbar. Dieses wird Erde genannt, das zusammengeströmte Wasser Meer. — Die Erde wird sofort ihrer Bestimmung zugeführt, Pflanzen aller Art hervorzu bringen Hieran schlossen die Ansche-Maamad das 2. Cap. des Proph. Joel V. 18 bis Ende. Hier findet sich keine Spur <iner Anspielung mehr auf jenen Theil der Schöpfungsgeschichte des 3. Tages, der von der Sonderung des Trockenen von dem Flüssigen spricht. Hierauf wurde, vfie bereits bemerkt, schon in den für den zweiten Tag ausgewählten Stücken Rücksicht genommen. In diesen Versen, mit denen die eigentliche Rede Joöl’s beginnt1), weist der Prophet auf die Güte Gottes hin, der sich eines Landes annimmt, seines Volkes erbarmet. Getreide, Most, Oel in Fülle sendet (V. 19), Obst-, Feigenbaum und Weinstock »reiben lässt, •Früh- und Spätregen zur rechten Zeit sendet (V. 23). ]Fürchte dich nicht, Erde, freue dich und frohlocke <V■ 22). ,Ihr sollt erkennen, dass ich׳ der Herr, euer Gott in der Mitte Israel’s bin. Mein Volk soll nicht zu *) S. Jahresbericht des Breslauer Seminars 1873. I Schanden werden“ Diese Rede Joels dem 3. Schöp- fungstage anzupassen, muss als ein glücklicher Griff bezeichnet werden. Ei! handelt sich 11׳er nicht darum, welche Bedeutung diese Rede an sich hatte, sondern emacht wird Hier gilt es vor Allem auf die Fürsorge Gottes für seine Geschöpfe hinzuweisen. Diese Absicht wird vollkommen erreicht. Mit der Schi pfung der Erde und ihrer Bej stimmuDg, allem Gescht tfenen Nahrung zu bieten, Allem was da lebt, keimt und sprosst, mit ihren Kräften und Säften zu dienen, bekundet sich Gott als weiser Fürdem Psalm des 3. Tages. sorger seiner Geschöpfe Er sorgt für dieselben, bevor sie geschaffen sind. Die vom Schöpfer in die Erde gelegte Kraft, Pflanzen a 1er Art hervorzubringep, bildet die Grundbedingung des physischen Lebens für Thier und Mensch: Gott wird auch in allen Zeiten dafür sorgen, dass die Erde ihre Schuldigkeit thue. Ich schicke Getreide, Most, Oel etc Der Baum wird seine Frucht geben — die Triften der Wüste werden grünen etc. Mit der Schöpfung der i^rde, eigentlich mit der ihr inne״ wohnenden Kraft, den Jeschöpfen Nahrung zu reichen, war die Grundlage zu weiteren Schöpfungen gegeben. So schliessen sich die ׳Vorte des Propheten dem an, was die Thora erzählt. Die Erklärung des Talmud על שם שגילה ארץ בחכמתו והכין תבל לעדתו bildet hierzu einen trefflichen Beleg und passt hierher besser als zu Es soll damit gesagt sein, dass die Erde, die mit dem Ausdruck Welt verallgerneinert wird, als Vorbereitung seiner Gottes-Gemeinde dient. — Aber nur unter der Bedingung wird die Erde ihr Erträgniss liefern, der Baum des Feldes seine Frucht geben, wenn die Menschen dessen würdig sein werden, wenn die geläuterte Gesinnung allenthalben herrschen wird, wenn man Rech; und Gesetz handhaben, dem Armen und Dürftigen, der Wittwe und Waise ihr Recht nicht verkümmern wirc. Dies ist wieder die Moral, die dem Inhalte der Prophetenworte entlehnt wird, und die Ps. 82 ausdrückt. ,Wie lange wollt ihr Unrecht üben, Gottlose begünstigen? Schaffet Recht dem Armen, der Waise, Recht dem Dürftigen und Gedrückten“ etc. Thut ihr das nicht, dann hebt ihr die Weidordnung auf, ״es wanken alle Festen! der Erde.“ So ergänzen die Worte des Psalmisten c ie des Propheten; was dort als Einleitung vorausgeschickt wird, wird hier (im Ps.) als zu entnehmende Moral nachgesetzt. IV. Tag Die Lichtspender werden an die Feste des Himmels gesetzt, u!!1 zu leuchten Tag und Nacht und Zeichen zu sein für die Festeszeiten, Jahre und Tage. Genes. 1, 14—1!). Hierzu wurde aus den Propheten Jerem. 31, V. 3;! bis Ende gewählt. Die Anspielung ist schon durcli den ersten Satz V. 35 gegeben. Dann wird die ewige flauer Israels als Volk Gottes betont. ״So spricht der Herr, der da setzt die Sonne als Licht des Tages, Gesetze giebt dem Monde und den Sternen, zu leuchten de: 1■ Nachts“ (V. 35). ״Wenn diese Gesetze vor mir weichen werden, spricht der Herr, wird auch Israel aufhör jn, vor mir ein Volk zu sein׳.“ (V. 36). Im nächstfolge!den Verse wird dieser Gedanke noch stärker hervorgeheben; die übrigen Verse bis zu Ende des Cap. führeÄ denselben Gedanken in Betreff der Stadt Jerusalem weiter. Es wird also, bei der ewig sich gleichbleibenden Ordnung der Himmelskörper auf die ewige Dauer Israels hingewiesen. Hieran schliesst sich Ps 94. Wenn dieser auch Gott auffordert, sich als strafenden Richter zu zeigen, oder, wie Grätz sagt, ״den grausenhaften Zustand in vollem Schattenbilde schildert,‘‘ so fehlt es ihm doch nicht an Worten des Trostes und der Erhebung. Wird in den ersten Versen Gott aufgefordert, die Ruchlosen zu bestrafen, dann (V. 9 u. 10) ausgesprochen, dass er es thun werde, so wird (V. 12) Israel als ״der Mann“ hingestellt, den Gott züch-