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Das jüdische Literaturblatt · 1879-05-21 · No. 21. (21.5.1879) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 21. (21.5.1879)
Date
1879-05-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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r-ץ Zar Beleuchtung aller Jadentfcam and Jaden betreffenden literarisch. Erscheinungen an( dem Gebiete der Philosophie, Beeehlehte,Ethnographie,Theologie,Orlentnlta, Exegese, Homllettk, Liturgik, Pädagogik. V_y Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahiuer. Ma!fdcburjf, Sl. Mal 1H7Ö. Bacher der eiaaehläglge■ LIteratar, welche der Bedactton xageaaadt werde«, Inden in dienern Blatte eingeh.Benpreehang. Bel Eluendnng Ton xwei Beeenniouexemplarea erfclgt aaek Erwähn. L ÄWoeheusehr. Das ״J&dlsielie Uteratar^lnttM erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Bnchhandaape« (in Leipzig bei'Hobert Friese) pro Jahrgang:() Mk. Abonnenten der ״Iaraelitischen Wochenschrift* (die vierteljährlich bei allen Postanstalten and Buchhandlungen 8 Mk. kostet) erhalten das -Jüdische Literaturblatt“ gratis. — launerate werden mit 20 PC (Br die dreigespaltene Petitzeile, buchhändlerische Beilagen mit 13 Mark berechnet. Oie Expedittoa ׳ der ״Israelitischen Wochenschrift“ 1 Inhaiti WissensebaftlicheAufsätze: Samuel David Luzzato's Briefe. — Die Tempelpsalmen. Von Dr. Joseph Stier, Rabbiner in 8teinamanger. Literaturbericht: Becensionen: Chodowski, Dr. S., Kritik des Midrasch Schir-Haschirim etc. — Simon, Joseph, L’ edacation et 1' instruction des enfants chez les aneiens juifs. — Das neue Religions-Schulprogramm der israelitisehen Gemeinde za Wien. — Notizen. Nachdruck nur alt voller Quellenangabe gestattet. Samuel David Luzzato’s Briefe. (Jtalienisch in dem zu Triest erscheinenden Corriere Israelitico.) (Schluss.) Es ist für den Keuner unserer Literaturgeschichte ein reizvolles Beginnen, durch die stolzen Namenreihen hiozuschreiten, die dieser Bericht aufzänlt. Was gross und bedeutend ist unter den regsamen Schöpfern unseres neueren Schriftthums und auch manche Kleinen und Vergessenen haben sich hier zusammehgefunden wie zu einer grossen Heerschau. Das fühlende Herz fühlt freilich oft sich angemuthet wie von einem Gange zwisehen Gräbern, denn viele von denen, die hier erscheinen, ruhen sanft gebettet unter dem grünen Rasen. Wie ein Stern, der auf einen Leichenacker niederleuchtet, glänzt zuweilen der Name Zunz, der noch Jahre auf Jahre unter nns weilen möge, wie ein hehres und heiliges Wahrzeichen der lebendigen jüdischen Wissenschaft. Wer in din Monumentalbauten dieses Meisters sich umgethan hat, .der wird in manchen Auszügen aus S. D. L.’s Briefen die Bausteine erkennen, die ihm längst bekannt waren, weil er sie in herrlicher Bearbeitung hei Zuuz hat prangen sehen. Ich erblicke in diesem Index eine Probe, ein Buch, das für einen gewissen Zweck verfasst wurde und sich gern bescheidet, entbehrlich zu werden, wenn das angestrebte Ziel erreicht sein wird. Es ist das Schicksal der Gerüste, hinweggeräumt zu werden, wenn der Bau in die Höhe gezogen ist, den sie empiorgerichtet haben. Es ist darum überflüssig, mit gelehrter Miene hier Aus- Stellungen vorzubringen, die an Einzelheiten nörgeln, Kleinigkeiten zu berichtigen und hl ein Detail einzugehen, das erst von einem grossen Gesammtwerke, in das es sich ebenmässig einordnen wird, eine wahre Beleuchtung erhalten kann. Und dieses Gesammtwerk, es wird, es muss geleistet werden. Die jüdische Literatur hat einen Anspruch auf den Briefschatz eines Genius, w!ie Samuel David Luzzatto einer war. Es wäre mir ein Leichtes, eine Reihe von Gesichtspunkten anzugebCn, von denen aus die Herausgabe dieses Schatzes als ein unabweisliches Bedürfniss, als eine nicht aufeuachiebende Pflicht er* schiene. Aber ich glaube im Geiste des grossen Todtea zu handeln, wenn ich hier vornehmlich nur auf eia Moment die Aufmerksamkeit richte: auf unser hebräis c h e 8 Sprachgut. ״Enfin l’hebreu c’est ma passion et la rdsurrectio# de sa littdrature c'est le songe de toute ma vie“ (p. 99); diese goldenen Worte, die von Luzzatto selber herrühren, könnte man $13 strahlende Ueberschrift über sein arbeitsreiches Lehen setzen. Vielleicht war in keinem der neueren jüdischen Gelehrten, ob sie gleich mehr oder weniger alle eine gewandte hebräische Feder führten, die Liebe und Verehrung für die heilige Sprache so hoch entwickelt, wie in diesem berufensten Herold eines Juda Halewi. Es ist nicht eine ehrwürdige Spielerei, eine anstrebenswerthe Geschicklichkeit, was er im Gebrauche der Bibelsprüche erblickte, sondern ein Stück unseres nationalen Daseins, die Berührung und Fort- Setzung unseres Volkslebens. Man pflegt gern ein einschränkendes ,noch* anzuhängen, wenn von der Pflege des Hebräischen die Rede ist. Noch, sagt man, sei 6• nöthig, um in Kreisen, in denen keine andere Sprache Zugang findet, der Aufklärung, dem Wissen eine Bahnzu brechen. Für Luzzatto gab es .kein ״noch14, er betrachtete die Uebung in diesem Fache wie ein Eintauchen in unser Lebenselement; ihm war ewig wie unser Volk seine Sprache, sie war ihm das heilige Palladium, das, wir hoch und immer höher schwingen müssen. Und wer vermöchte ihm Unrecht zu geben, wer auf die Geschichte unseres Schriftthums blickt? Wo sind sie hingerathen, die Schriften der Gaonen, die stolzen Leistungen der spanisch-arabischen Epoche?' Nur dem Flei$8e ihrer Uebersetzer haben ^sje es zu verdanken, wenn sie nicht der-Vernichtung anheimgefallen, vielmehr von Geschlecht zu Geschlecht und, wie wir in der Pros» des Buchdruckers sagen, von Ausgabe zu Ausgabe erhalten worden sind, während die Originale mühsam, allmählich und oft nur in Fragmenten aus dem Staube der Bibliotheken hervorgezogen werden müssen. Und soll ich vollends an Jasephus und Platon, an die Welt der Hellenisten erinnern, die aller Geist Griechenlands und alle Aamuth hellenisoher Sprachkunst nicht vor dem Schioksate bewahrt bat, dass sie voaihrem eigenen Volke vergessen und gleichsam dem Unteegange überantwortet wurden! Es liegt jn diesenXhätsachen ein stummberedten Fingerzeig für die Bedeutung, welche die heliräische Sprache gevrissermassen als die erhaltende und verewigende Schätzerin in unserer Literatur ein- , genommen hat! und — wer wäre so fürwitzig, in die Zukunft blickt» zu wollen — noch jetzt einnimmti Satduel David Luzzatto hat auf die Nachwelt gerechnet' und — sagen wir es kühn heraus, vornehmlich —

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