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Das jüdische Literaturblatt · 1879-05-07 · No. 19. (7.5.1879) · p. Seite 75

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 19. (7.5.1879)
Date
1879-05-07
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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ganze Nation vertreten sei der sogenannte 3. Stand —ץ vorzugte Stellung der Priester und Leviten nicht zurückgesetzt sehen. Die Lehrer hatten — indem sie die Levitenstandes, soweit sie waren, strenge wahrten — Die Natioh — eigentlich wollte sictj durch die be- und die Führer des Volkes, die doch zum grossen Theile diesem Stande angehörten, Vorrechte des Priester- und durch das Gesetz begründet keine Ursache, der Volksempfindung entgegenzutrelejn. Sie begrüssten vielmehr ein Streben, das die grosse! Masse des Volkes zum Gottesdienste heranzog und (hnen im Kjampfe mit den Sadducäern so sehr zu Statten kam. Sie nahmen daher bei verschiedenen Bräuchen! oder wenigstens hei Begründüng derselben Rücksicht auf diesen £|tand. So wird in Megilla(21b) auf die Fiuge: Warum Montag, Donnerstag und Sabbat beim Minchagottesdienste drei Personen zur Thora gerufen werden, von Ijtaba die Antwort ertheilt: כנגד כ־זנים לוים וישראלים* *)• DieseDreitheilung in Priester, Leviten und Israeliten war stereotyp geworden. Mit dieser Dreitheilung parallel läuft die כנגד תורה נביאים וכתובים*) So dass der Reihenfolge nach Thora entsprechen wurde den Priestern, Nebiim den Leviten und Ketubim den Israelitin. Die Ansche- Maamod, die als Vertreter des Volkes, die Ebenbürtigkeit dieses 3. Standes geltetid machen׳ wollten, suchten diesem Streben in ihren Gebetformen Ausdruck zu geben. Indem sie nun Manches dem Tempeldienste entletinten, so z. B. das hblessn des Abschnittes Haasinu, den sie aber nicht wie im Tempel am׳ Sabbat, sondern, in einzelne Theile getheilt, aaf die Wochentage verlegten, hatten sie ihr Augenmerk darauf gerichtet, jene genannte Dreitheilung, Thora, Nebi m und Kfetubim, in ihren Gebetformen zur Anschauung zu bringen. Es war hiermit den Priestern und Lev ten wohl keine Beleidigung zugefügt, aber die Volksehre war gerettet, die theilweise Unabhängigkeit vom Priester- und Levitenstande in cultueller Beziehung war durch besondere Einrichtungen Gottesdienste hergestellt. Es lag darin der Gedanke, dass, wie die h. Schrift als Ganzei e i n Heiligthum bildet, und sich dennoch in drei Theile{ theilt, von denen jeder Theil seinen Platz behauptet, so sollte auch in Israel, das als Volk Gottes ein Ganzes bildiet, jene Dreitheilung zur Anschauung gebracht werde^, von denen jeder Theil die ihm gebührende Stellung einzunehmen berufen ist. Mag inan nun dieser Ansicht beipflichten oder nicht, mag man für die Einrichtung der Anjsche-Maamod und ihre Bestrebungen welchen Grund immer angeben, die Frage, die wir zu beantworten uns gestellt haben, ist davon unabhängig. So viel ist sichef — immer vorausgesetzt, dass die in dem Szidurim, uns überlieferten Gebetstücke sich unverändert erhalten haben — dass in ihrer Gebetordnung die Eintheilung in Thora, Nebiim und Ketubim die Hauptrolle spielte uqd dass sie dieselben Psalmen, die wir als Tempelpsalmen bezeichnen, in ihrem Cultus aufgenommen haben. (Fortsetzung folgt.) Literaturberieht. ReceDsioara. Weissmann, A. S., על דבר £7ורםת המתים. Ueber Leichen verbrennung. Eine kritische Untersuchung nach Bibel und’Talmud. Lemberg 1878. (Schluss.) Die vom Verf. S. 12 angeführte ^,almudstelle Aboda sara p. 11 scheint gerade das Gegebtheil zu beweisen. מה שורפץ על המלכים מיפתן וכלי תשמישן heisst es dort. *) Dieselbe Antwort wird auch Rosch bis Schana* 32* ata Grund für die Behauptung R Jochanan ben Nuria ertheilt. *) S. die oben angeführten Stellen. Ferner das על המלכים ppw. Aus dem Zusammen• hänge des letzteren geht hervor, dass עוקרץ sich nicht auf die Leiche des Königs bezieht, sondern auf ein lebendiges Thier, in demselben Sinne istauch שורפין zu verstehen. Der S. 13 angeführte Beweis aus Oholothp.42 ist ebenfalls sehr wenig stichhaltig. Es kann ja dort von Solchen die Rede sein, die zum Feuertode verurtbeilt waren. Sehr gezwungen und unwahrscheinlich ist die Erklärung (Seite 14) von אבא פת ומוטל בחמה {Sabb. 3()) durch ein Citat aus der Iliade, die djann als Beweis,_ das die Leichenverbrennung bereits zur biblischen Zeit bei den Israeliten in Anwendung war, gelten soll. Dass übrigens der Talmud 4 diese Erzählung nicht als Allegorie oder Fabel nimmt, ergibt sich aus Sabb. 151 דוד מ“ י מת אין מחללין עליו השבת וכר. Die ganze Auseinandersetzung S. 13 aus Nidda 27 weist nicht nach, dass von solchen Todten die Rede sei, die mit Absicht durch• Verbrönnen bestattet wurden. Aus derdaselbst angeführten Talmudstelle ד״א כגון דאהרוך איחרוכי will der Verf. mit Bestimmtheit beweisen, dass die Leichenbestattung durch Verbrennen schon früh bei den Israeliten, und zwar in verschiedener Weise. stattgefunden. Er fügt sogar erkläread hinzu: ר״ל שושרף כהבל מחומם מאוד ודומה בקצת (soll wohl heissen Regenerator- להשרפה דרעגענעפופע Ofen) שהמציאו עתה. Allein איחרך heisst nicht ״verbrannt“, sondern versengt oder verschrampft, siehe Raschi z st. איחרך ולא נעשה אפר, vgl. auch Aboia sara 38. Hiermit kann doch keine Leichen Verbrennung gemeint sein, ami ־allerwenigsten eine solche, wie sie der dazu erfundene Ofen bewirkt. Auch die weiteren Ausfülirungen und Beweise sind nicht durchschlagend, wie z B. S. 17 muss erst anstatt קברני gesetzt werden ,שרפני. Wenn aber auch in dieser Abhandlung nicht genügend aus Bibel und Talmud nachgewiese», dass die Leichen- Verbrennung bei den Israeliten im Allgemeinen, es sei denn als Ausnahme, üblich gewesen, hat doch der Verfasser, abgesehen von den geistreichen und schönen ConjeCturen, die die Broschüre enthält, — ich will nur S. 6 מאודכיה statt מאי דעיה erwähnen — immer das Verdienst, eine auch für das Judenthum zeitgemässe Frage von jüdisch-religiösem Standpunkte ahs angeregt, mit grosser Belesenheit viele darauf bezügliche Quellen eröffnet und das Nachdenken jüdischer Fachuiänner darauf hingelenkt zu haben. Magdeburg. Nathanson. Chodowski, Dr. S., Kritik des Midrasch Schir- Haschirim nach der Münchenei■ l Handschrift Nr. 50׳ Oriental. Berlin. 1878. In der vorliegenden Schrift hat der Vf. es sich zur Aufgabe gemacht, den Midrasch Schir-Hasch., ״da auch Zunz, der Nestor der jiid. Wissenschaft, diesen Midrasch nur kurz und oberflächlich behandelt hat,“ einer genauem Kriiik zu unterwerfen. Ist schön von vomherein ein so abfälliges Urtheil über Zunz wenig empfehlend für eine Erstlingsarbeit, 60 wirkt es um so störender, wenn man des Vf.’s Leistung und seine eigenthümliche Kritik näher kennen lernt Wenn noch in dem ersten Theile der Schrift der Fleiss wenigstens! anZuerkennen ist, mit dem der Vf. eine Menge Stellen aus den Talmuden und Midraschim zusammengetragen hat, aus welchen unser Midrasch geschöpft haben soll, 801 kann am zweiten Theile nichts Anerkeonenswerthea gefunden werden. Angeregt zu seiner Arbeit und verleitet zt vielen seiner Irrthümer würde Vf. durch ein in München be- . findliches Manuscript unseres Midrasch (Orient. 50), eia I werthloses Machwerk eines unwissenden, vielleicht auch

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