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Das jüdische Literaturblatt · 1879-05-07 · No. 19. (7.5.1879) · p. Seite 74

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 19. (7.5.1879)
Date
1879-05-07
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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an setzen, wenn man nur die Ueberzeugung - im Volke befestigte, die auch die Propheten ausgesprochen: ״Viele Völker werden kommen und sprechen: LasSt uns hinaufziehen zum Berge des Ewigen, zum Hause des Gottes * Jakobs, dass er uns belehre u. s. w. (Jes. c. 2); dass einst ein Tag kommen werde, da alle Völker den Hamen des Einzigen anrufen, ihm dienen einmüthigen Herzens“ (Zeph.)• Wenn nur jeder Jude sioh als Träger der Menschheitsreligion fühlen lernte, gab man gerne den richtigen Wort verstand preis, oder vielmehr das Wort הודה und der Name יהודה und יהודי hatte unter dem Einflüsse der neuen Geistesströmung seine Bedeutung geändert. Auch zu Ps. 100,1 (תודה) erklärt Jalkut: ״Die Völker werden sich zu mir bekennen, und ich nehme sie auf“, wie die 70 Obersetzen. Nachdem aber das Bewusstsein allgemein durchgedrungen war, dass der Name ״Jude“ weit über die nationale Bedeutung eine menschheitliche habe, j kehrte man später wieder zur wahren ursprünglichen! Bedeutung von ״ הודהdanken“ zurück. So wird nun! Ps. 92,2 טוב להודות dahin erklärt: weil der Sabbath für Adam eingetreten bei Gott, habe Adam dem Sabbath ein Loblied angestimmt: ״Psalm f^r den Sabbath“. Aber der Sabbath erwiderte: mir willst du einen Hymnus singen? vielmehr wollen wir Beide dem Allheiligen einen Hymnus singen: ״Schön ist's, zu danken dem!Herrn!“ Vgl. auch Jalkut zu Ps. 118,1; ״Für alles iG^te, was Gott Israel gethan, können sie nur mit Dank!erstatten“, und Nidda 31a auf Jes. 12,1 בי אנפת בי 'rf אודך, welches denn auch die 70 mit 1i>\*3 <0ץ* übersetzen, während Symmachus und Theodotion CS mit 301 und Hieron. mit confitebor tibi wiedergeben. Genüge wir haben aus jener Aenderung der Bedeutung des Wortes הודה erkannt, dass das menschheitliche Bewusstsein die nationalen Schranken beseitigt hatte. Mainz. —־ Dr. Fürst, Rabbiner. Die Tempelpsalmen. Von Dr. Joseph Stier, Rabbiner in Steinamanger. Unter diesem Titel veröffentlichte Herr Prof. Dr. Grätz in seiner Zeitschrift1) eine Arbeit, in der, wie in jeder seiner Arbeiten, sich Scharfsinn und Gelehrsamkeit gegenseitig unterstützen. Nachdem er den Beweis geführt, dass die beim täglichen Gottesdienste noch jetzt üblichen Psalmen השיר שהיו הלוים אומרים בבית המקדש nur ausgewählt und nicht für die Tage, an denen sie gebetet werden, gedichtet wurden, wirft er die berechtigte Frage auf: ״Was mag die Behörde, die Leviten, oder sonst ein Collegium bestimmt haben, gerade diese Psalmen, von denen die meisten so wenig zu passen scheinen, für die Liturgie oder den Chor auszuwählen?“ Herr Prof, Grätz beantwortet die Frage dahin, dass die Auswahl dieser -Psalmen ihrem Inhalte und Gedankengange gemäss in der Zeit nach dem Tode Agrippa II, unter dem Blutregement der Landpfleger getroffen wurde. Die ersten Psalmen, besonders die für Montag, Dienstag und Mittwoch, enthalten Rügen und Klagen über die Sündhaftigkeit des Volkes, die letzten -drei sollen das Volk wieder in dem Gedanken aufmuntern, dass Gott sie nicht verlassen werde. »Die sieben Psalmen.bieten ‘3 Monatsschrift für Gesch. u. Wissensch. d. Jadth. Mai 1878. demnach eine Abwechselung t on Erhebung und Nieder« beugung.“ Soweit Herr Prof Obwohl es schwierig ist, der seinen Gegenstand erschöpfend behandelt, eine Meinung abzugeben, dürfte doch Raum in diesen Blättern des Gegenstandes liegt offenbar Frage: Warum gerade diesen und jenen Tag? Wir dass, wenn für die sieben ' Psalmen ausgesucht wurden, geschichte anpassen müssten. Fall. Höchstens dürfte, wie annimmt, der Sonntagspsalm Schana 31a werden wohl die die aber, nach Gr., ״auf den e als die Auswahl erscheinen.“ Grätz. nach diesem Gelehrten, die nachfolgende Ansicht ii^deji Die Schwierigkeit in der oben angeführten diesen und jenen Psalm für;rläutern die Frage dahin, age der Woche gewisse )ich diese der Schöpfungs- Das ist aber nicht der auch Herr Prof. Grätz (24) passen. Roscli ha Gründe hierfür angegeben, rsten Blick noch seltsamer Ohne über die Zeit, wann die Auswahl getroffen wurde, eine abweichende Meinung abgeben zu müssen, glauben wir den Erklärungsgrund für die Auswahl gerade dieser Ps. in Folgendem geben zu können. Wir sind nämlich der Ansicht, vorausgesetzt, dass die GebetsKicke, die die Siduriin unter den Maamodot bringen, wenigstens in ihren Haupttheilen unverändert auf uns gekommen sird — dass diese Auswahl der Psalmen entsprechend t.en Gebeten der Ansche- Maarnod getroffen wurde. Diese Ansche-Maamod, welche im Gegensätze von Priestern und Leviten die Nation in Jerusalem und anderen Stäc ten vertraten, hatten einen theils gleichen, theils von djn Priestern und Leviten verschiedenen Gottesdienst2). Wenn dieselben sich auch den Gebetformen des Tempels ansehlossen, so war doch die Verschiedenheit schon dadurch gegeben, dass sie statt der 10 Gebote, die ti!.glich im Tempel gelesen wurden, den für jeden Tag passenden Abschnitt aus der Schöpfungsgeschichte last n. Mit dieser scheinbar geringen Differenz in der Gebetform war conseqnenterweise eine andere verbunden. Die Ansche-Maamod standen nämlich, wenn auch nicht feindlich, so doch eifersüchtig die Ehre des v01kes wahrend, den Priestern und Leviten gegenüber. Denn der Grund, den die Mischua (Taanit 26a) für die Ansche-Maamod angiebt: וכי האיך קרבנו של אדם קרב והוא אינו עומד על גביו ״kann denn das Opfer dargejracht werden, ohne dass der, für den es gebracht wird, zugegen sei?“ kann doch so ernst nicht genommen werden; 1) weil dieser Grund zumeist bei dem Opfer, das der Einzelne darbringen muss, seine Anwendung findet, (siehe Sotah p. 8 und anderswo) nicht aber bei dem Opfer der Gesammtheit Als Vertreter der Gesarimtheit konnten doch wohl die Priester gelten, welche die Stelle der Erstgeborenen einnahmen. 2) Nachdem der obige Satz allgemein hingestellt wird, entspinnt sich erst (Taanit 27a) die Discussion darüber, ob denn die Gegenwart der ״Israeliten“, d. h. der Ansche-Maamod, beim Opfer nöthig sei oder nicht. Rabbi Schimeon ben Eleaser meint, dies sei nicht nöthig. Die Frage wird daselbst nicht entschieden. Obwol nun die Mischmoroth (”aanit 27a) schon auf Mose zurückgeführt werden, muss, besonders nach dem Aufbau des 2. Tempels, der Volksgeist nach einer gewissen Anerkennung im öffentlichen Leben und nach Selbstbethätigung an demselben gerungen haben. Man wollte eben nicht Alles den Prieste rn und Leviten überlassen, wollte nicht überall blosser Zuschauer sein. Vielleicht ist selbst der oben angefühi te Satz: 'וכי האיך וב als eine Folge dieser Bestrebungen zu bezeichnen. Dieses Bestreben des Volkes, das ein reges Interesse für das öffentliche religiöse Leben tekundet, wurde von den Pharisäern gerne unterstützt. Es tag der Gedanke darin, den die Saducäer läugnetea, dass beim Opfercultus die 2) 8. Grätz, Gesch. d. J. III, 2. p. 97.

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