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Das jüdische Literaturblatt · 1879-04-30 · No. 18. (30.4.1879) · p. Seite 71

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 18. (30.4.1879)
Date
1879-04-30
Page
Seite 71 (sequence 3)
Language
German
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wenigstens Titel und das Allgemeinste handschriftlich Vorhandenen zu.erfahren. Privaibesitz durch fahrende Buchhändler und den Verfall der Literatur stark herabgesunken, noch findet inan hier an Einem Orte anderwärts in einem ganzen Lande aufzubringen veraus dem noch Wohl ist Italiens allein auch jetzt mehr, als man Padua genannt, grössten Schätze eute noch birgt möchte. Es sei hier nur beispielsweise Wohl sind im Laufe weniger Jahre die; in alle Winde zerstoben, allein auch 1! diese Stadt in jüdischem Privatbesitz, was in anderen Ländern den Stolz öffentlicher Bibliotheken ausmachen würde. Flüchtig will ich der herrlichen, wenn auch nur wenigen Codices gedenken, welche cie Brüder Trieste bewahren, des Juwels der Schreibeuid Zeichenkunst, der Miniaturbibel, die im Hause Sacerc otti Cohen’s forterbt, der werthvollen Handschriften aus dem Nachlasse des Rabb. Osimo, der kostbaren Diplou ensammlung und des Archivs Cantarini's, die der rastlcse Fleiss meines v. Freundes Dr. Marco Osimo vereinigt hat. — Möge die Zeitschrift ״Mosd״ der jüdischen Bibliographie in Italien ein Haus bauen und das Beispiel des in so vielen Richtungen beispielvollen Morlara rege und tüchtige Nachfolge linden. Prof. D. David |Kaufma nn. Literaturbericjit. Receiisionen. Freudenthal, Dr. J., Hellenistisch^ Studien. Heft 3. Der Platoniker Albinos und der falsche Alkinoos. Berlin. S. Calvary & Comp. 1879. Lexiconf. S. 242—326. ״Deine Quellen werden überströmen nach Aussen“. Die-!e Vorhersngung des Spruchdichlers hat. sich dem geehrten Verfasser bewahrheitet. Wt.hrend Heft 1 und 2 dem jüdischen Hellenismus gewidmei sind (besprochen Litbl. 1874 Nr. 4 und 1875 Nr 10), können diese Studien, wie der Verf. selbst in der Anmerk. **) S. 242 sagt, nur als hellenistische bezeichnet werden, wenn man dieses Wort in dem weitern, auch von Droys m statuirten Sinne fa-ist. Eine Anzeige in diesem Blatte ist darum aber doch nicht allein eine Huldigung, die Herrn Professor Freudenthal gebracht wird, und auch nicht nur formell berechtigt, damit alle Tlieile dieser Schrift besprochen teien Denn wenn auch die. Hauptfragen und Ergebnisse der liier niedergelegien Forschungen mehr den Philoloals den Theologen imeressireu, lat doch ״für die gen. Geschichte der Theologie, insbesond! der von der Erkeuntniss G.ittes und fe für die Lehre seinen Attributen Alkinoo■!“ (d. 11. Albinos) ,',eine nicht 2.11 unterschätzende Bedeu'ung durchdie Schärfe, mit Sätze ausgesprochen hat, dass Gott der er zuerst die nicht, beschrieben kinale beizulegen ihm ein untrennba- Gotteserkenntniss und nicht definiert werden könne, weil ihm weder Art, noch specitische Differenz, noch Mer seien; dass alle Eigenschaften Gottes in res Eins bilden, und dass es 3 Wege der gebe, den der Abstraction, der Caus. lanalogie und der analytischen Erhebung.•‘ Das Gährci in der Zeit des emporsteigenden Christenthums und des uatergehenden Heidenthums (um 150 der g. Z.) wirf in den Schriften, welche den Gegenstand der gelehrten Untersuchungen und lichtvollen Darlegungen des Verf.ssers bilden, dentlieh gekennzeichnet, liier ist der innerliche Zu-ammenhang mit den früheren Heften der hellenistischer. Studien. Möge es Herrn Prof. Fr. vergönnt sein, aufgetnuntert durch die volle Anerkennung seines wussenschaftliehen Strebens,' auf dem engeren Gebiete der jüdischen Wissenschaft, wie auf dem weitern drr Philosophie und Philologie mulhig und kräftig zu arbeiten, Vergessenes wieder ins Leben zu rufen, Goldkö! ner hervorzuholen aus dem Staub und Moder der Vergs ngenheit. Alwin. 1 Weissmaan, Ä.S., על דבר ערפת הסתים. Ueber Leichen verbretonung. Eine kritische Untersuchung nach Bibel und Tilmud. Lemberg 1878.* *) Mit der Erörterung dieser Frage vom jüd.-wissenschaftlichen Standpunkte hat der Verf. einen Gegenstand zur Sprache gebrajeht, der früher oder später vielleicht auch an uns Israeliten herantreten dürfte. Drei Fragen sind es, ,die der Verfasser in seiner Broschüre sich zur Beantwortung vorlegt: 1) Ob der Todte von jüdisch-religiösem Standpunkte aus nach dem Ableben sofort beerdigt werden müsse? 2) Ob die Leichenbestattung ein biblisches Gebot sei? 3) Ob dem Verbrennen der Leiche vor der üblichen Bestattung der Vorzug gebühre? Was die erste Frage betrifft, so dürfte, nach dein das Staatsgesetz auf Grund des wissenschaftlichen Axioms, dass ohne Zeichen der Verwesung der Tod mit Bestiinmtheit nicht cuinstatirt werden könne, eine gesetzlich * Frist für die Beerdigung der Leichen angeordnet, hiei über weiter kein Wort zu verlieren sein. דינא דמלכותא דינא• .Uebrigens Ist diese Frage bekanntlich schon in der Mendelssohn’^chen Zeitperiode genügend erörtert worden In dem ״Meassef־‘von 1797 steht eine Abhandlung hierüber von Euchel. Er bespricht diesen Gegenstand sehr gründlich und kritisch, führt fast dieselben Quellen wie der Verf. obiger Broschüre an und erklärt sich entschieden für die dreitägige Aufbewahrung der Leiche Die altep Rabbinen waren natürlich dagegen. E. klagt über djie Geringschätzung, mit welcher die Rabbinen, sowohl diesen wichtigen Gegenstand, wie Diejenigen, welcpe ihn zur Discussion stellten, beh&adelten.*) Dass selbst in den frühesten Zeiten nicht an allen Orten die Leichen sofort beerdigt wurÖen, geht aus Baba kama hervor. Es heisst dort (iu Bezug auf Jerusalem) אץ מלינץ בה את ־המת. Daraus folgt, dass aussör Jerusalem das Gegeniheil stattgefunden hat. So wird auch (Moea katan p. 28) über den Tod Mirjams berichtet und dai סמוך למיתה קבורה als etwas Ungewöhnliches erwähnt. Auch konnte zur Ehre des Todten die Leiche uufbewahrt werden (Jore Dea 357.) Im Bezug auf die z w e i t e Frage, ״ob die Bestattung der Leichen ein biblisches Gebot sei“, kommt der Verf. am Schlüsse seiner Erörterungen zu dein Resulat: ״Dass weder ein Beweis aüs der Bibel, noch eine Andeutung in den Propheten, oder em Anhalt aus dein Talmud für die Pflicht dör Leichenbestattung zu finden sei* Und doch sehen'wir unsere, vorzüglichsten Bibelhelden diese Menschenpflicht -j— wahrscheinlich, weil allzu selbstver- ' stündlich nicht ip der Bi.bel als besonderes Gebot hervorgehoben — mit Liebe und Pietät ausüben. Im Talmud Sota 14 wird uns diese Pflicht besonders anempfohlen als מ״ע. Die Rabbinen zahlen die Todtenbestattuag unter die תרי״$ מצות. Im Bezug aiif die dr i t te Frage, die den eigentlichen Brennpunkt bildet: ״Oh dem Verbrennen der Leiche der Vorzug vor der gewöhnlichen Bestattung gebühre“, erklärt sich der Verfasser mit Entschiedenheit für. das Verbrennen der Leichen. Doch wenn vielleicht auch ästhetische oder praktische Gründe für diese Art der Leichenbestattung sprechen, so dürfte es doch dem VL schwerlich gelungen sein, ihre Berechtigung aus der Bibel oder dem Talmud fiachgewiesen zu haben. Aus keiner der biblischen Stellen, wo der Ausdruck שרפה oder משרפית Vörkomtnt. geht deutlich hervor, 4*ss er sich auf den Leichnam selbst bezieht. Die ältesten und besten Erklärer der Bibel verstehen darunter, das Ver- *) SonderabdrSck aus der hebr. Zeitschrift הבוקר אןף• *) Euchel erzählt: Ein Rabbiner, der hierüber befragt wurde, soll gesagt haben:;״Was? me begrabt sei zu früh: Ich sag’, me begrabt sei zu spät“

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