Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 18. (30.4.1879)
- Date
- 1879-04-30
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
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1י brennen von Gewürzen und Kostbarkeiten. Jonathan fasst das Wort ,שר&ד selbst bei Saul in diesem Sinne r auf. Abarbanel, meint Saul, wäre deshalb verbrannt worden, weil seine Leiche durch längeres Umherliegen von den Würmern 80 zugerichtet war, dass es sich nicht ziemte, den König so in die Gruft zu legen, weshalb man ihn vorher verbrannte. Das Wort משרפות aber scheint unzweifelhaft eine Ceremonie auszudrücken, welche bei Beerdigungen von Fürsten und Vornehmen vorgenommen wurde, worauf auch die damit in Verbindung stehende Ausdrucksweise ו^יןןן לן hinweist (Schl, f) Christus — Chrestus. k Sehr geehrter Herr Redakteur! In Ihrer geschätzp. ten Zeitschrift ist vom Herrn Beurtheiler meiner Schrift: gch״Die Angriffe des Heidenthums gegen Juden und Christen A.1M• d. m.“ gegen die in derselben vorkommende Behauptun?, dass Chrestus bei Sueton Christus ist, Bedenken erhoben worden. Ich wandte mich deshalb an meinen verehrten Freund, den berühmten Lexdcographen Dr. Wilhelm Freund, um seine autoritative Entscheidnng. Die Antwort, die er mir gab, ist von so hohem wissenschaftlichem InUres.se, dass Sie derselben gewiss gern im Literaturblatt Ihrer Zeitschrift ein Platzchen einräumen werden Sie lautet: ״Das lateinische Lautsystem besass bekanntlich, gleich dem oskischen, zwischen den Vocallauten e und i einen Mittelvocal, der bald dem e, bald dem i sich näherte, und für den das Oskische ein besonderes Schriftzeichen (F) erfunden, während das Lateinische ״vorherrschend dafür e angewandt hat So erklären sich die Schreibweisen in den ältesten lateinischen-In- Schriften (den Scipionen-Grabschriften): ploiruine (=־ plurimi), fuet, hec, dedet, tempestatebus, mereio, optenui, tibe; 80 im S. C. de Bacrhan. die Formen adiese (— adiisse). adieset, adiesent, conpromesisse; so die den älteren Formen nachgebildeten Schreibweisen der sogenannten Columna rostrata (aus der Zeit des Kaisers Claudius): exemet, cepet, en;4 in), navebos (zweimal), ornavet. Während der ganzen Dauer der römischen Literatur hat die lateinische Volkssprache ihre Vorliebe für den Laut e statt i fest bewahrt, wie die ausdrücklichen Angaben der römischen Autoren und unzählige Beispiele in den römischen Inschriften darthun. Wir erwähnen hier nur aus Varro (R. R. 1, 48, 2; 1, 2, 14): speca, vea, vella (= spica, via, villa); aus Quintilian (1,4,7; 17; 1,7,22): here(= heri), Menerva, leber, (= über), -magester; aus Festus (p. 13): amecus, ameca. Und aus den Inschriften der besten Zeit.-.conieciant, Deana, derigis, devas (= divas), Dometius, edus (= idus, sehr . oft), Fabreeio, fameliai, Feroneae, filea, fruge(= t'rugij, Lebro (= Libero), Levieis (= Livii), Menervai, mihe, Mitredatis. nise, nuges, (= nugis), Numetoria, Opemius, oppedeis (oppidis), Paperius. posedet (= pnssidet), precaream, Prevernum, que (= qui sing.), semol (= siniul), soledas, 111 vire (= triuinviri), vecos (= vicos), Verguleius. Diese Umwandlung des lateinischen Lautes i in e hat sich denn auch in den, aus dem Lateinischen in die romanischen Sprachen übergegangenen Wörtern im weitesten Umfange behauptet. Italienisch: bevere (biberc), feile Jfides) raeno (minus), Tevere (Tiberjs), cresta (crista, Federbusch,!Mittellatein eres tu). Spanisch: el, ella (il!e, illaj, bebo (bibere), cebo(cibus), dedo (digitus), fe (fides), ,veo (video), cresta (crista) ״*Provenzalisch: cenre(efnis), det (digitus), fe (fides), ner (niger), tem (timere) etc Fra nzösisc h: cendre tidus), verd (viridis), criite (altfranz. creste, lat. crista) u. unz. a. Aus dem bisher Gesagten leuchtet ein, dass die Be- — i a n (Apolog. 3 extr.: Christiaanus pronunliatur) und des merkungen des Tertul nus perperam C h re s t i Lactanz (4, 7: Propter Christum immutata litt den aus unzähligen lgnorantium errorein, qui era Chrestum solent dicere) anderen Beispielen bekannten und beglaubigten Gebrauch des Vulgärlateins wiederholen, wie denn auch die Inschrift bei Orelli Nr. 4426 einen Mann Namens Chrestianus nennt: EM1T 1VCVNDI CHRESTIANI OLL Die vulgärlateinische Form Chrestianus, altfranzösisch Chrestien (Chreslien de Troyes, Verfasser des Roman de Perceval), neufranzösisch Chr^tieu verhält sich zum reinläteinischen Chris tianus genau wie die romanischen Formen cresta, altfran;, creste, neufranz. cröte zum reinlateinischen cris a.! Aus dem bisher Gesag en ergibt sich aber zugleich mit Evidenz, dass in der bekannten Stelle bei Sueton (Claud. 25): Judaeos impu sore Chresto assidue tumultuantes Roma expulit. uater Chrestu s kein Anderer als Christus zu verstehen ist. So haben auch alle älteren Commeniatoren diese Stelle .aufgefasst. Wenn neuere Interpreten aus übel angebrachter Scheu vor historischen Thatsachen sich unter dem Chrestus des Sueton einen Griechen Xpr,3-:׳S; erfinden, welcher Jude geworden sei und dann die in Rom wohnenden Juden zu Empörungen anfgewiegelt habe, so ist das eine Fiction, welche beim heutigen Standpunkte der historischen Kritik einer ernsten Widerlegung nicht werth ist.“ Freund Ich füge diesen gelehrten Nachweisen selbstverstündlich nichts hinzu, als meinen Dank für gütige Bestätigung des von mir G;sagten. Mit Hochachtung, geehrter Herr Redacteur, Ihr ergebenster Dr. J 0 61. Breslau, den 3. April 1»79. Der Redaction sind folgende Schriften zugegangen: 1) Die Institutionen des Juäenthums nach der in den talmuiiisclien Quellen angegebenen geschichtlichen Reihenfolge geordnet und entwickelt von Rabbiner Moses Bloch, Professor an der Landesrabbinetschnle zu Budapest. I. Band. 1. Tbeil Wien 1879. (Heb ־. XXI h. 273 S.) 2) L'education et l'instruction des enfants cliez les anciens Juifa par Joseph Simon Nimea 1879. 3) Da« Synhedrion unter Napoleon I. und die ersten Emancipationsbestrebungen Vortrn י zum hundertjährigen Jubiläum des Lessing'srhen Nathan Von Dr. Samuel Baek. Rabb. Prag 1879. Bei Jakob W. Pascheles. 4) Das Project einer höheren Törht« rsctiule unter Kaiser Joseph II. und das k. k. Civil-Mädch« npensionat in Wien. Von 6. Wolf. Wien 1879. Alfred Holder. &) Das neue Religionsachulprogramn Wien. 1879. 6) Einladungsschrift zur i ffen liehen Prüfung der Religions• schule der Gemeinde Adass J Der geschichtliche und litera der Religionsschule. Von Dr. der isr. Cultusgeraeinde in ssroel in Berlin. Vorungeht: urgescbichtliche Unterricht in D. Bar nass. Vortrag von 7) Arbeit und Handwerk im Tilmud. Von Dr. S. Meyer. Berlin 1878. 8) Zur Geschichte der Judcnb Dr. M. Friedländer. Wie! 9) Or Buker. Kritische Beiträge n! Samuels von Jacob Re i fma n u Das Tr ostschreiben des!0) kehru nge n. 1879 1 bst einer Analyse der Bücher Berlin. Bei AI. Poppelatier. Apostels Paulus an die logisch und biblisch-theologisi Biesenthal. Leipzig, Ferna 11, 1878 11) Gesc)lichte der Jiul en amBirlensee und Umgebung. Dr h. Löwenstei 1 in Gaijingen. Erster Theil. Selbstverlag 12) Moses, sein Leben, Streben umf Wirken und historische Bedeutung 11 8. Lieferung 1 u. 2. Prag 1879 Hebräer, kritisch wiederherge stellt und spra lilicli, arehän- 11 erläutert von Dr. J. II. R. Von 1879 dessen cultur- Von Professor J. Baum. Bei Alois.Hynek. (cinis), cercle (circulua), conseil fconsilium), net, (ni-_ — Verantwortlicher Redaeteur Dr. Rahm er in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.