Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 15 u. 16. (9.4.1879)
- Date
- 1879-04-09
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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schweren Waffen geführten Kampfe übler ״die Stellung der Tosifta in der tanaitischen Literatijr“ auf welcher Seite immer stehen, man mag die jedenfalls geistreiche Theorie Zuckermandel’s über das Verhäljtniss der Mischna zur Tosefta als eine festbegründete ar1|sehen, oder mit seinen literarischen Gegnern als eine a(1f schwankenden Füssen stehende betrachten, das grossd Verdienst, weldies Zuckcrmandel durch die Edition }־der Erf. Handschritt sich erwirbt, kann von Keinerp irgendwie geschmälert werden, sondern Jeder muss es sich offen und unumwunden eingestehen, dass di(e neue Tosefta- Ausgabe die Beendigung des Streites wesentlich fördern werde. Wohl ist diese neue Ausgabe! noch nicht ganz beendet, wohl liegt uns heute erst daä 4 Heft, welches סדר ניטים und fast die ersten zwei Tfactate von נזיקין enthält, vor, aber wer nur annähernd j die Mühseligkeiteil kennt, mit welchen die Edition eibes solchen Werkes verbunden ist, wer sich eine Vbrstellung davon macht, was es heisst, die י beiden Tajlmude, Mechilta, Sifra, Sifre und die beiden älteren Midraschim fast zu jeder Zeile der Tosefta vergleichen zu müssen, der wird den Fleiss und die Arbeitskraft des Herausgebers staunend bewundern und sich gleich un[s innig darüber freuen, dass wir bereits vier Lieferungen, oder riohtiger fast zwei Drittheile des Werkes in Händen haben. Eis ist uns heute nicht um eine Besprechung der neuen Ausgäbe, sondern blos darum zu thun, aüf die vielen Vorzüge aufmerksam zu machen, welche dieselhe vor allen ihren Vergängern voraus hat. Ein Blick auf das erste beste Blatt genügt, um den Leser von der gewissenhaften Gründlichkeit zu überzeugen, mit welcher der Herausgeber die Varianten und Part llelstellen aufgesucht und zusammengestellt hat. Die schöne handliche Ausgabe macht alle früheren Editionen überflüssig, denn sie legt dem Leser das nach! allen Seiten hin gesichtete Material vor Augen und!setzt ihn in den Stand, ohne erst eine Legion von folianten nachzuschlagen, sich sofort ein Urtheil zu bjlden. Durch die verschiedenen neuen und guten Lesearten, welche das?- Erf. Manuscript bietet, und durch jlie systematische Alineasirung der einzelnen Perakim, die zum grössten Tlieile vom Herausgeber herrührt, ist; das Tosifta-Problem seiner endlichen Lösung um j eine bedeutende Strecke näher gekommen Es wäre! darum zu wünsehen, dass man dem Herausgeber für! seine unendliche Mühe wenigstens (lurch die Verbreitung seiner Ausgäbe ^tatsächliche Anerkennung entgegenbräehte und ihn in Stand setzte, die bereits so weit gediehene Arbeit baldigst zu Ende führen zu köpnen. Mögen die Träger und Förderer der jüdischen . Wissenschaft das ihrige dazu beitragen, die Vollendung der Edition nach Kräften zu fördern!!רם .ייעל. Shakespeare's Romeo et Ju liet Iranslated into Hebrew von J. E. S. Wiei 1878. 167'S. 8*.! Ob man der hebräischen Muse: einen erheblichen Dienst mit der- Uebertragung indogermanischer Literatnrwerke erweist, darüber lässt siejh i 111 Principe sehr : rechten. Man ging und geht in «jewissen jüdischen Kreisen Polens, Litthauens und Galiziens soweit, die schlüpfrigsten Romane, wie ״Pariser Geheimnisse“, ״ewiger Jude“ u. s. w. u. s. w. in's Hebräische zu übersetzen. Wir vermögen das nicht zu goüliren. Mag die Uebersetzung solcher Piecen noch so $ehr gelungen sein, zur Ehre der hebräischen Literatur wäre sie besser unterblieben. מלון כסלע משתוקא בתרין. Ein Anderes ist es, wenn Dichterwerke von klassischem bleibendem Werthe in hebräischer Gewandung ajiftreten. Das Meisterwerk eines ״Nathan“ hat in seirier Grundidee und in seinen einzelnen Theilen so viele Berührungspunkte mit den humanen Grundanschauungen unserer hervorragendsten Propheten, dass ״Nathan“ in’s Hebräische übersetzt als eine werthvolie Bereicherung der hebr. Literatur anzüsehejn ist. Aehnlich verhält es sich mit dem 1. Theile von Gölhe's unübertrefflichen ״Faust“. Die Probleme, deren Lösung־ in ״Faust“ versucht wird, so alt, wie die mündig gewordene, denkende Menschheit. Faust und Hiob sind schon oft in fruchtbarster Weise mit einander verglichen worden, und wenn man z. B. in Elischa ben Abujah ein Analogon zu Faust erblickt, so wird sich dagegen nicht viel von Belang einwenden lassen. Einen viel spröderen Stoff bieten dagegen sammt und sonders dem hebr. Uebersetzer die trefflichen Dramen des grossen Briten. Einen Theil dieser Schwierigkeiten urgirt unser Gebersetzer selbst in seinen einleitenden Bemerkungen. Sie betreffen im Grunde nur Aeusserlichkeiten z. B. die burleske, oft das Obscöne streifende Komik in Sh.’s Dramen, welcher ja auch der ästhetische Geschmack unserer Tage kein Verständniss entgegen bringt, das uns krampfhaft erscheinende Forciren von Antithesen und Wortspielen u. dgl. m. Eine Hauptschwierigkeit finden wir in der Grundidee und Anlage der Dramen selbst. Hamlet, Othello, der Kaufmann von Venedig und vollends Romeo und Julie, so gross auch der künstlerische und dichterische Werth dieser Dramen, bringen tragische Conflicte zum Austrage, welche dem Genius der keuschen, zartbesaiteten hebräischen Muse mindestens antipathisch sind. Verweilen wir einen Augenblick beim Drama ״Romeo und Julie“. Wir kannten einen grossen Talmudgelehrlen und gewandten Hebräer, der sich viel mit graminatitischen Studien befasste. Auf die Frage, warum die christlichen Grammatiker von Gesenius abwärts mit Vorliebe zum Paradigma für das regelmässige verbum gewählt, aut woriete er: tödten (קטל) sej wirklich ein nicht-israelitisches Wort. Auch vom Drama ״Romeo und Julie“ lässt sich in diesem;Sinne sagen, es sei ein ׳hicht-israelitisches Gedicht. Diel Liebesraserei Romeo's,' der noch eben sterblich verliebt in die ihn nicht fförende Dame seines Herzens mit aller Gluth der sinnlichen Leidenschaft sich seiner Julie hingiebt, die sofort mit gleicher Leidenschaft seine Neigung erwidert, das massenhafte,, grauenvolle Blutvergiessen, ohne welches es in diesem ן Stücke an den effectvollen tragischen Momenten fehlen' würde, alles dies widerstrebt 80 sehr dem sittlich tiefen! Genius der hebräischen, keuschen, gefühlsheiligen Muse,1 dass selbst die beite Uebertragung dieses Gedichtes dem kundigen Auge als ein exotisches, fremdartiges Gebilde erscheinen muss.! Bei aller Gewandtheit im Uebertragen, bei aller forrpvollendeten Meisterschaft des Dichters mehr oder minder moderne Gedanken sachlich treu und doch in äclit antik hebr. Gewände wiederzugeben, konnte auch unser Uebersetzer dieser elementaren Hindernisse und Schwierigkeiten nicht überall Herr werden. Die Kunst seiner Darstellung müssen wir unbedingt lobend anerkennen. Bei aller Vielgestaltigkeit des Inhaltes und der Form findet sich kaum irgend ein incorrectes hebritisches Bild, Uns ist bei der Lectüre von störenden1 Germanismen nur wenig aufgestossen. In der zweiten Scene des 2. Actes lässt der Uebers. allerdings sehr unhebr. Romeo sagen: היום־ קד^רך ל_קחתיןי halte dich beim Wort.“ Im Allgemeinen sind aber die sorgfältig gefeilten Verse sehr fliessend in einem schönen und gewandten .Hebräisch abgefasst. Alle Metaphern und Anspielungen an die griech. Mythologie sind sehr glücklich ächt biblischen Redefiguren und Redewendungen angepasst.‘ Manches Wort des Dichters ist durch die sinnige, hebräische Uebersetzung noch vertieft. Um von zahlreichen anderen Beispielen zu schweigen, wie schön ]lässt der Uebers. den Pater Lorenzo id