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Das jüdische Literaturblatt · 1879-04-09 · No. 15 u. 16. (9.4.1879) · p. Seite 61

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 15 u. 16. (9.4.1879)
Date
1879-04-09
Page
Seite 61 (sequence 5)
Language
German
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Festes selber, welches die Ereignisse halt werden helfen. Bas Kap. 12 des Exod. gehört dem EJohisten. Auch Exod 43,18 wird das Mazzenfest als eine Fortsetzung des in Egypten gefeierten Mazzenfestes 'betont. Ebenso wurde das Erntefest in der V^rgeschichtlichung mit eingezogen Sein ursprünglicher Charakter drückt sich schon in dem Namen ״Hag Heasif-‘ aus Wäh- 1end der Weinlese weilte Jung und Alt in den Weinbergen, übernachtete in improvisirte^ Hütten unter Zweigdach, daher das Hag Hasukkoth, Das bot nun eine Handhabe zur Vergeschichtlichung des Festes, um an die Wanderung Israels in der >Vüste, während welcher Zeit es schwache Hütten bewohnte, zu erinnen. Nur das Fest des Weizenschnittes, d«s Hag Hakazir, blieb in der biblischen Zeit ohne jegliches historisches Motiv, und es war erst einer späteren Periode vorbehalten, den wichtigsten historischen Mpment des Monotheismus ihm als!Motiv beizulegen. Die Kananiter waren dem Ackerbau ergeben, und die Hebräer, welche sich in deren Lande niederliessen, haben von ihnen die Agricultur erlernt. Ehe sie die Metamorphose vom Hirten zum Bauetfn durchmtchten, konnten sie unmöglich auf Ackerbau!bezügliche Feste haben. Mit dem Lebensberuf und der Existenzgrundläge übernahmen sie von den Kauanitern auch die Agriculturfeste. Diese allein heissen! ״Hagim“, während es im Pentateuch nie Hag Hapesiach, sondern nur Hag Hamazzoth heisst. Die?e Seite (}er Feier steht in Verbindung mit den zwei anderen i Hag genannten Agriculturfesten. Die Vergeschichtlichung war gleichzei ig eine Naturalisirung, mit dem historischen erhielten sie auch einen spezitisch israelitisch-nationalen Charakter. Neben dieser gedanklichen Weiterbildung hat auch das Centralheiligthum bedeutende Aendjerungen im Wesen der Feste hervorgerulen. Das PassHp war ja blos ein Familienmahl, welches für die Priester und die Tempelbeamten nichts übrig liess. Um diesem abzuhelfen, verordnete man ausser Mazzen und;Passah extra für den Tempel täglich zwei Farren, einen Widder, siebeu Lämmer eis Brand- und einen Ziegenbock als Sünd- Opfer. Hinzukommende freiwillige Leistungen werden nicht ausgeschlossen. Aehnlich am! Pfingsttage. Zu Laubhütten vom ersten bis zum siebenten Tage zwei Widder, vierzehn Lämmer und in absteigender Linie drei bis sieben Farren, am achten Tage ein Karte, ein Widder, siebeu Lämmer als Brand-, ׳ausserdem tagtäglieh ein Ziegenbock als Sündopfer. Allmählich wurden in dieser Art die freien und urwüchsigen Feste verkirchlich(, verpriestert, zu* Kxercitiert der Religion degradirt. Die nüchternen Abgaoen an| die Priester bilden Hauptbestandteile der Feste, wodurch sie vollends ihre eigentlichen Charakteristica verloren, ln solcher Art begegnen uns die Feste im Priestercjodex, im Lev. und in den dazu gehörigen Theilen de^ Nuta Wohl bezeugen noch einzelne Spuren, wie die auf die Agricultur bezüglichen Riten der Gerstejigabe, der Weizenbrode und der Laubhütten, den Ausgangspunkt der Entwicklung, wodurch es zur Unmöglichkeit wird, den Lev. als Wüstengesetzgebung für <4»e nomadisirenden Hirtenstämme anzunehmen. Aber ps sind dies eben blosse Riten, versteinerte Reste der alten Sitte; die wirklichen Erstlinge der Grundeigentümer heimsen die Priester ein, ihr Schalten bleibt deijn Ke-t erhalten in der von der ganzen Gemeinde dargjebrachten symboliselten Garbe, die nun ein ganz vereinzelter und unverstandener Zug geworden ist. Iin Djeut. erscheinen die Feste noch wenigstens als drei grbsse Mahlopfer vor Adonai, zu welchem man die Armen und Besitzlosen seiner Bekanntschaft und Umgebung einladen soll. Diese humane Ausbeutung der Opfer war nunmehr geschwunden, sie lagen nicht im Interesse dts Priesters und des Tempels und darum .geht der Elohist darüber mit Stillschweigen hinweg, Das Festwesen des Lev. will sich in die Art des alten Cultus schlechterdings nicht schicken, während es in der nachexilischen Zeit herrschend geworden Seit wann nun/ist es in Praxis übergegangen? Prf. Wellh. meint das in folgender Weise ermitteln zu können. Zur Zeit des Königs Josia, welcher das Deut, publicirt hatte, feierte das Volk das Fest vor Adonai, wie es seit der Richterzeit nicht festlicher begangen worden. Und als Esra das Vplk auf den Pentateuch verpflichtete, feierte man das Hüttenfest, wie es nicht geschehen war seit, den Tagen Josua’s des Sohnes Nuns bis auf diesen Tag. (Neh. 8,14 ff) Hierfür spricht noch ein anderer Umstand : Das Sukkothfesc des Deut, zählt blos sieben Tage, das des Lev. acht Tage. Mit dem ersten stimmt überein der exilische Verf. des Buches1 der Kö- _nige. I. Reg. 8,66: ״Am achten Tage entlässt Salomo das Volk“. Dagegen nach der späteren Chronik hält der König am achten Tage noch die Azereth und entlässt das Volk erst am folgenden Tage. In der Zwischenzeit war also der Priestercodex zur Veröffentlichung, und Geltung gelängt. Hierher gehört noch folgende Verordnung des Priesterpropheten Ezechiel, 45,21—25: ״Im ersten Mo1 nat am 14. sollt ihr. das Pa9sahfest feiern, eine Woche Mazzen essen, an selbigem Tage soll der Fürst für sich und das ganze Volk einen Sündfarren bringen und ' während der sieben Tage regelmässig als Brandopfer sieben Farren und sieben Widder, als Sündopfer einen Ziegenbock, als Mehlopfer ein Epha für jeden Farren und Widder und Del ein Maass auf das Epha — im siebenten Monat am 15., am Feste soll er dasselbe darbringen, siebetf Tage hinsichtlich der Sünd-, Brand- und Mehlopfer und des Oeles.“ Die grossen Abweichungen zwischen dieser Verordnung und dem Ritualgesetz Lev. 23; Num. 28 beweisen, dass der Priestercodex dazumal noch nicht publicirt war. Nur das Streben ist bezeichnend, rein kirchliche Feier zu schaffen, 108gelöst von den natürlichen Anlässen des Ackerbaues und der Viehzucht. Wir erkennen hier den Strom der Zeit, die Richtung der Geister und erfahren, was in jener Epoche gewünscht und gewollt worden. So wenig diese Einschärfüng Ezechiels im Munde eines alten . Propheten wie Hosea, Arnos oder Jesaia auch nur denkbar wäre, so wenig entspricht die Festgesetzgebung des Lev. dem Charakter und den Gewohnheiten der alten Zeit, Minder bedeutend und auch weniger motivirt ist was Prf. Wellh. über die Neumonds- und Sabbathfeier, über das Sabbsith- und Jobeljahr vorbringt. Immerhin zeigen sich auc^i nach dieser Seite zwischen dem Deut, und dem Priestjercodexe einerseits, sowie den prophetisclien Theilen andererseits mannigfache, nicht nnbedeutende Abweichungen, die er mit aller Schärf6*einer rücksichtslosen Kritik für seine Anschauung zn verwerthen sucht. .__ Literaturbericht. ~ ׳ r Receisioiei«! 1 Malier, Dr״ Joel, מסכת סופרים, eine Einleitung in das Studium der alt-hebräiSchen»Graphik, der Maj sora und der altjüdischen Liturgie. Leipzig 1878. J. C Hinrichs’sche Buchhdlg. (Schluss.) Auch gegen das, was über die Zeit der Abfassung unseres Tractates geltend gemacht wird, lässt sich nichts Wesentliches von.Belang einwenden. Der kritisch unbefangene Leser kann sich der Einwirkung ין׳ der vojn Verf. urgirten Argumente nicht entziehen, dass i die ganze Structur und־ die Gesammtanlage des Buche«

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