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Das jüdische Literaturblatt · 1879-04-09 · No. 15 u. 16. (9.4.1879) · p. Seite 60

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 15 u. 16. (9.4.1879)
Date
1879-04-09
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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מוךויי*יייי9וי*יי — 60 — dem EiDsamaielD -aus der Tenn und der Kelter“. Es wird bei diesen drei Gelegenheiten eine Wallfahrt nach Jerusalem anempfohlen, und ,man solle nicht leer erscheinen vor Adonai“. Eingeschärfc wird ferner bei jener Gelegenheit die pünktliche Einhaltung der Abgaben wie ״Zehnten und Erstgeborene“, welche man ,nach dieser Darstellung entweder in Jerusalem ״selbst verzehren, oder aber den durch Abschaffung der Oultusstätten beeinträchtigten Leviten überlassen soll Im Lev. dagegen und in den elohistischen Thülen des Num. kommen noch zwei Feste hinzu: ״Das Schallfest oder der Terua-Tag“ und der ״Versöhnungstag“. Die beiden letzten unterscheiden sich von den drei ersten, den Frühlings- und Erntefesten, auf den ersten Blick dadurch, dass sie rein kirchlicher Feier $ind. Erntefeste hat jedes ackerbauende Volk, selbst auf der rohesten Culturstufe; ein Fest aber wie der Sühnetag kann bloss bei einem Volke von bedeutender Cultur, von sittlichem Ernste und gesteigertem religiösem Bewusstsein entstehen und sich entwickeln. Warum weiss das Deut, noch nichts vom Stthnetag, der doch das heiligste aller Feste, Mittel- und Glanzpunkt der hohenpriesterliehen Wirksamkeit und Amtirung geworden? Ein Gleiches verhält sreh mit dem Schallfeste, am ersten Tage des siebenten Monats. Grund und Bedeutung dieses Festes ist heute noch nicht klar, aber wir können uns nicht entschliessen, diesen Tag als Neu j ahr aufzufassen und den Dualismus der kirchlichen und bürgerlichen Zeitrechnung in eine relativ so frühe Zeit hinemzutragen.*J Der Monat wird an derselben Stelle als der siebente bezeichnet, ohne jegliche Andeutung, dass er in irgend einer Beziehung als der erste zu betrachten sei. Sämmtliche historische und prophetische Schriften wissen nichts von diesem Neujahrsfest, und es wäre-auch sonderbar, ein neues Jahr zu beginnen, noch bevor die Ernte und das Erntefest des alten Jahres zu Endejwar. Nach den ältesten Quellen war der Monat des Auszuges aus Egpten zum Haupt und Anfang-aller Monate feierlich erklärt worden. Die syrische Zeitrechnung, das Jahr mit dem Herbst beginnen zu lassen, hat erst in der nachmacedonischen Zeit bei den Juden Eingang gefunden. Die Feier des siebenten Monats scheint nach der Analogie des Sabbaths, des siebenten Wochentages, geschaffen worden zu sein und das Lärmblasen sollte das Volk auf den bevorstehenden Versöhnungstag aufmerksam machen Es sind eigentliche Tempelfeste, nur am Centralheiligthum möglich. Beides kennt weder das Deut, noch der prophetische Erzähler, und schon der Umstand, dass im Lev. die Monate bereits nach Zahlen geordnet und fixirt Vorkommen, während im Beut, in Uebereinstimmung mit dem prophephetischen Erzähler noch immer die alt hebräischen Namen, die sich später ganz verloren haben, angewandt werden, führt zur Annahme einer n achdeuteronomischen Auffassung des Leviticus. Allein 1n noch anderen Momenten differiren die Darstellungen. Im Deuteronom. werden die Tage, mit welchen die drei Feste zu beginnen haben, nicht genau fixirt. Das Passah- und Mazzenfest fällt in den Monaten_Abib, ״beim Anhieb der Sichel in die Saat“ d. h. beim Beginn des .Schneidens. Nach Abzählung von sieben Wochen, am Schlüsse der Korn- und Weizenernte, fällt das ,Hag Schowuaus“; zur Zeit der Weinlese das Sakkothfest. Die Termine sind noch flüssig und die Feste richten sich nach dem Stand der Ernte. Im Lev. dagegen ist Alles bereits haarscharf und unabänderlich normirt, ,nicht blos das Passahfest, dem frühzeitig eine historische Grundlage verliehen worden, sondern auch *) Wir erinnern hier, daran, dass der Verf. des obigen Artikels nur die Ansirhten W ehhaasen's referirt, ohne; - wie er im 1. Art. <N0, 1. p. 2) erklärt hat — ,die einzelnen Schwächen der Argumentation aufzadecken, pro od. contra Partei zu nehmen* (Red.) - t גי»-" «*u«m!wp I das Ernte- und Sukkothfes;, wiewohl dessen Festsetzung für einen bestimmten Ta! tung abstreifen musste abwendbar, sondern auch Art, als auch seine ursprüngliche Bedeu- Die Durchführung einer Centralisation 1des Cultus machte allerdings eine derartige Fixirung der Wallfahrtsfeste für alle Lnndestheile un- Nicht blos in diesen Aeusserlichkeiten, inhaltlich und gedanklich, sowohl in der in der Auflassung der Feier, in ihrem geistigen Gehalt und in d;r durch sie zum Ausdruck gebrachten Anschauung hiben diese Feste mannigfache Entwicklungsstadien durcl gemacht, deren Untersuchung für den Gegenstand interessante Ergebnisse bietet. Der dualistische Charakter des Frühlingsfestes, dessen Merkmale ״Passah und Mazzen“ den Forschern von je Schwierigkeiten geboten, irklärt sich aus dem Doppelartigen Charakter der Hebräer, die ursprünglich ein no-i.adisirendes Hirtenvolk, später dem Ackerbau sich ergeben haben Der Hir e bringt im Frühlmge, wie Abel, die Erstlinge von seinen Schafen dem Herrn zum Opfer, und der Ackersmannn die ersten Früchte des Bodens, wie Kain. Das Passah Opfer war ursprünglich nichts Anderes, als das ICrstgeburtsopfer im Friihlinu: dargebiacht E*od. 34,111 f. 13,12 ff. Deut. 15,11♦ ff. 16,11 ff., •wo die Opfer de r Erstgeburt ausdrücklich mit dem Fest im Monat Abib in Verbindung sind. Dem Ackersmann sied seine Erstlinge nicht minder werth, und er harrt mit Sehnsucht des Moments, um von der neuen Ernte zu gemessen. Die ersten reifen Aehren werden geröstet verspeist. Lev. 23,14 Jos. 5,11, und ist das Getreide trockeu, so lässt er sich nicht Zeit, das Neue vom Jahre noci lange zu säuern, zu kneten und zu backen, sondern!nacht daraus geschwind eine Art Aschenkuchen: das s nd die richtigen Mazzen. Die Erstlinge aber hiervon biachte der Mensch der Gottheit als Opfer. Frühzeitig schon hat der nationale und theokratische Geist eine Vergesc lichtlichung dieses Festes versucht. V’ E Im Monat Abib gegen den Willen des verlangten in der Wüste darzubringen, nämlich djie Erstlinge von Schafen un ar der Auszug aus Egypten;,ypterkönigs. Die Israeliten ihrem Adonai Schlachtopfer seit Urzeit gebräuchliche d Rindern. Da aber Pharao diesem Verlangen sich widersetzte, diese Opferung hinderte, so hat Adonai in gei echter, gemessener Vergeltung seine Erstgeborenen, die Erstgeborenen der Egypter getödtet. Darum die Opfer der Erstgeborenen als Passah Die Eile des Auszuges Mnderle die Vorbereitung ordentlichen Brodes und d; her: die Mazzen. Ein feinsinniger huminer Gedanke nahm an einem Opfer Anstoss, das nur zur Erinnerung an die Strafe einer fremden Nation, an die Tödtung der egyptischen Erstgeborenen eingesetzt sein soll, und man änderte die Bedeutung dahin, dass las Passah als Dank für die Verschonung der israüitischen Erstgeborenen geopfert wird. Mit der Zunihme der Ileerden bei dem späteren Reiehthum des Volkes wäre es wol unmöglich, sämmtliche Erstgeborene t für den einen Passahtag zu verwenden, und man musste sich entschliessen, dieses die Erstgeborenen von allem Passah dein Adonai ge* drklären. Auch an dem his'todie spätere Theologie weiter sich nicht damit, das Passah gelten zu lassen, nein, bewirkt haben. Passah und r demAuszuge angeordnet, Motivirung, das erste, damit die Erstgeborenen cier Israeliten in der Nacht verschont blieben. Das spätere Ft st ist nicht ein blosses Anden- Ereignisse, sondern eine Fort- Verhältniss zu lösen und Vieh ohne Rücksicht au! das heiligt und geweiht zu rischen Charakter hat gemodelt. Man begnügtb als Andenken an die Errettung es sollte diese Er^eUung Mazzen werden noch v-01 letztere ohne eigentliche ken an die historischen setzung des in jenem historischen Moment gefeierten

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