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Das jüdische Literaturblatt · 1879-04-09 · No. 15 u. 16. (9.4.1879) · p. Seite 59

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 15 u. 16. (9.4.1879)
Date
1879-04-09
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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Kinder weder die Beweggründe noch die Zwecke ihrer Eltern begreifen können, aber wenn sie'nur ihren Eltern Vertrauen und Liebe in ihrer eigenen!Art und Weise zeigen, was verlangen diese mehr? Kommen wir dann zum Gottesdienste, so ist allerdings für jins nichts widerwärtiger, als der Gedanke, dass map dem Ewigen etwas Liebes erweise, wenn man einen Oqhsen todtschlagt. Aber so widerwärtig es Allen, die schauen, scheinen mag, gibt es eine Mutter, die ein Stück Zucker wegwürfe, das ihr ihr Kind mit seinen fettjen. schmutzigen Händchen entgegen hält? Selbst wennj die Mutter es nicht nimmt, wünscht sie nicht, dass dfis Kind glaube, dass sie es genommen und dass es Ihr sehr gut geschmeckt? Nein, uns können bei unserji Kindern weder verfehlte Namen, noch verfehlte Gedanken, noch verfehlte Beweise ihrer Liebe stören, wepn sie nur aus einem einfachen reinen Herzen kommen Was uns stört, was uns weh tliut bei Kindern, selbst bei kleinen Kindern, ist, wenn sie etwas sagen, ohine es ganz aufrichtig zu meinen; wenn sie Worte gebrauchen, die sie gar nicht verstehen und namentlich wtj nn ein Kind das andere verklagt.“ So schön und so treffend auch dies Gleichniss ist, so dürfen wir doch seiner bestechenden Schönheit zu Liebe nicht einzelne Schwächen übersehen, die ihm in Werklichkeit anhaften. Wir nehmen das Verhältniss des Menschen zu Gott unter dem Bilc.e eines Kindes zu seinem Vater uin so lieber an, als es ja nicht nur -im neuen, wie man es von gewisser Seite so sehr zu betonen liebt, sondern auch schon im jilten Testamente oft. genug angewendet wurde. Auch dfcr Gedanke, dass man mit einem geschlachteten Ochsen dem Ewigen nicht etwas Liebes erweise, ist richtig und iist wohl schwerlieh jemals überzeugender ausgesprochen und nachdrticklicher betont worden, als von unseren Propheten, das lindet man schon im ersten Cap. Jedaia. Wir haben gegen das Bild selbst nichts einzuwenqen, uns scheint nur der Rahmen etwas zu weit, der ihm gegeben worden. Es mag wohl wahr sein, dass es dien Eltern gleichgültig ist, mit welchem Namen die Kinder sie benennen, welche Vorstellungen sie von ihnen haben'und in welcher Form sie ihnen ihre Liebe peigen, weun es nur aus treuem Kinderherzen kommt! Bis zu einer gewissen Altersstufe wollen wir diese j Nachsicht gern Vvalten lassen, aber es muss doch eintnal auch beim Kinde ein Zeitpunkt eintreten, wo wir Verhältnisse zu den Eltern richtigere ihm von seinem Begriffe beibringen müssen, wo wir es ihm nicht inetyr ruhig hingehen ker mit fetten, cht. Da! in beder Erziehung, soll, nur in noch lassen dürfen, wenn es sein Stück Zu schmutzigen Händen der Mutter darre} steht doch wohl zunächst die Aufgabe dem Kinde nach und nach von den Personen, Dingen und Erscheinungen rings um uns he|um richtige Begriffe beizubringen, von ihm alle schädlichen Einflüsse fern zu halten und es für ein reines, gutes und nützliches Leben in der Welt vorznbereiten Was die Eltern für ihr Kind, dass höherem Sinne, die Religion für den;Menschen überhaupt sein: eine Erzieherin für das gpnze Leben. Mit der Liebe zü Gott allein ist aber hier! die Aufgabe der Erziehung eben so wenig gelöst, wie!dort mit der blossen Liebe des Kindes zu seinen Elteijn. Die Liebe zu Gott ist wohl ein unentbehrliches Funcjament aller Religion, aber sie ist nicht ihr letztes Ziel. Sie ist unstreitig der wirksamste Hebel, um die sittliche Veredelung im Menschen herbeizuführen, weil weh Gott liebt nach seinem Willen zu leben, ihm ähnlich |zu werden trach-!et. Das Wort der Schrift: »Heilig 81011t ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euerGottp, drückt, wie uns scheint, weit besser und umfassender Idas ־aus, worauf es bei der Religion in erster Reihe apkommt, weil es dem Verhältnisse des Menschen zu Gott eine viel concretere Fassung gibt als der sehr dehnbare und verschwommene Begriff der Gottesliebe. Es würde zn weit führen, )ner auf das Verhältniss genauer einzugehen,es sei nur flüchtig daran erinnert, wie auch unsere Alten in derselben Forderung den Kern aller Religion erkannt haben u. zi in der bekannten Stelle: ״Wie ist es denkbar, d iss der Sterbliche sich Gott anschliesse und mit dessen Namen benannt werde? Er ahme in menschlicher Weise! das Göttliche nach, wie Gott barmherzig, mildthätig, gerecht 1'. . ist, so sei auch der Mensch barmherzig, mildthätig, gerecht.“ (Sota 14a, Jalkut zu Jesaia c. 43, Ketuboth 111b u. A.) Wenn nun der Mensch Gott nicht nur lieben, sondern auch, soweit . dies in seiner menschlichen Kraft liegt, ihm nachstreben soll, so kann es durchaus nicht gleichgiltig sein, wie er sich das höchste und heiligste Ideal seines sittlichen Strebens vorstellt. Denn jeder dunkle Fleck in dem Ideal wirft sofort auch seinen Schatten auf diejenigen, die sich in seinem Lichte sonnen. Die Religionsgeschiichte aller Völker liefert dazu eine überreiche Fülle von Beispielen, wie die Menschen bis zur — Unmenschlichkeit ihren Göttern ähnlich zu werden bestrebt waren(.*) Oder waren das vielleicht auch noch harmlose Zeicjhen der Liebe, die man wie das mit schmutzigen Händen dargereichte Stück Zucker lächelnd hinnehmen durfte,' wenn Väter ihre eigenen Kinder opferten und verbrannten, um ihr# Götter damit zu ehren? Oder wenn später eine andere Religion, welche jene Götzenaltäre zertrümmert, Menschen- und Thieropfer abgeschafft, aber an deren Stelle Scheiterhaufen errichtet ,hat für ^Diejenigen, die diese Religion anzuerkennen sich geweigert, waren auch dies kindliche Gaben, welche der nitamlische Vater wohlgefällig aufgenommen? I (Schluss folgt.) Professor J. Wellhansen über das Alter 1 des biblischen Priestergesetzbuches. Von Dr. J. 8. Bloch in Brüx. (Fortsetzung von Nr. 3.) Die Feste, .(c. 3. S 84—123.) In einer interessanten Darstellung der allmählichen Entwickelung der jüdischen Feste findet Prof. Wellh. einen neuen Beweis für seine Anschauung. Das Cap. gehört zu den inhaltlich bedeutsamsten des Buches, es ist reich an treffenden und scharfsinnigen Bemerkungen, nur mangelt leider der Darstelluug des Verf. die wünschenswerthe, lichtvolle Klarheit, welche auch dem mit dem Sprachgebrauche der Kritiker von der Zunft picht vertrauten Leser, die entwickelten Ideen anschaulich und einleuchtend macht. Da wir auch solche Leser berücksichtigen müssen und wollen, so müssen wiij uns gestatten von seiner Art etwas abzuweichen.! Das, Deut, kennt nur drei Feste: Das Fest (im Monat Abib,dessen Hauptmerkmale Passah und Matzen sind,■ ein zweites׳ nach Abzählung von sieben Wochen, an welchem man sich freuen soll vor Gott an dem zu erwählenden Orte, und endlich das S ukko thfe'st ״nach *) Die h. Schrift, hält den Götzendienst keineswegs ftlr einen blossen Irrtbum, sondern für sehr verderblich und verunreinigend, weil er zur U n 8i t t lic h kei t führt. Nirgends, bemerken die alten Lehrer, erscheint Gott Ms der Eifervolle, als nur wo vom Götzendienste die Hede ist. ■n Warum der Eifer gegen Wesen, die nar Scheinwesen sind?״ Antwort:■ •שכל מה שהגדולים עשים ן״ךןן עושה ,weil Sich jedes Zeitalter nach seinen Grossen richtet, deren Tugenden oder deren! Laster annimmt* (Rabba Deuter, c. 2). ,Di» Israeliten, heisst es stn einer änderen Stelle, wussten recht gut, dass die Götzen der (leiden nur täuschende Phantome seien, aber sie huldigten ihnen nur, um ungehindert ihren sündhaften Gelüsten fröhnen au können* (Synliedrin 63b). Daraus geht *ur Genüg# hervor, wie im Juden tbamn die Gefährlichkeit des Götzendienstes von Anfang an richtijg erkannt wurde. | ז

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