Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 15 u. 16. (9.4.1879)
- Date
- 1879-04-09
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 58 — ן klein und zueng ist. Es sollte jeder gebildete Deutsche sein Scherflein beitragen zur Förderung dieses ausschliesslich deutschen Unternehmens, besonders aber der gebildete und religiöse Israelit uicht fehlen, der damit auch einen Akt der!*ietät gegeu das Land seiner Väter erfüllt, dem er unbeschadet seiner Vaterlandstreue Anhänglichkeit bewahren darf und soll. Braunschwei״ Dr. K u s z-n i t z k i. Max Müller über Religion. (Fortsetzung.) In der eigenartigen Lebensgestaltung der Inder findet M. die Erklärung des Räthsels, warum das so •Widerspruchsvolle Schriftthum derselben nicht untergegangen. Die spätere reifere Lebensanschauung hat nftmlieh die frühere nicht zu'widerlegen vermocht, sondern jede Form, welche das religiöse Bewusstsein in den 3 Perioden seiner Entwickelung Angenommen u. z. in den Hymnen, Brahmänas und Upamschaden fand ihre gute " Verwendung, um die Verschiedenen religiösen Bedarfnisse, die sich bei jedem Menschen mit i den Jahren ändern, zu befriedigen, so dass die Religion vom Manne nicht das forderte, was sie von dem Kuaben und dem |Tünglinge gefordert und was sie jenem bot, nicht mehr dem Greise genügen konnte. Die nähere Beschreibung des religiösen Lebens bei den Indern, so interessant dieselbe auch sein mag, können wir hier füglich übergehen, dagegen möge uns gestattet sein, bei den Gedanken, welche M. daraus entwickelt, etwas länger zu verweilen und unsere eigenen Bemerkungen daran zu knüpfen. Die drei Altersklassen der Inder, so sehr sie sich auch hinsichtfich der Form der Gottesverehrung unterscheiden mochten, lebten dennoch in ungestörtem Frieden zusammen Der Grossvater blickt trotz seiner be86ern Erkennfniss nicht mit Verachtung auf seinen Sohn und Enkel herab, noch hält er sie für Heuchler; er weiss, dass sie für seine Stufe noch nicht reif sind. Aber auch sie verdammen den A'iten nicht, weil er sich Uber das, was sie noch peinlich beobachten, hinwegsetzt, sondern warten geduldig die Zeit ab, wo auch ihnen in dieselbe Pforte der Erkenntniss einzutreten gestattet ist. Daraus lässt sich, sagt M., manches lernen, was nicht nur den Gelehrten von Fach angeht. ,,Wenn wir sehen, wie in Indien die, welche von frühester Zeit her das Feuer verehrten, als gute Nachbarn mit denen lebten, die an Indra, den Regengeber, glaubten; wie die, welche Pragäpati, den •Herrn aller lebenden Geschöpfe, anriefen, deshalb Andere nicht verachteten, weil sie ihre Gaben den kleinen Devas darbrachten; wie endlich die, welche gelernt, dass alle Devas nur Namen sind von dem Einen,' dem höchsten Selbst, doch nicht deshalb die Namen verfluchen, die sie früherangebetet haben, —— können wir da nicht vielleicht leine Lehre von den alten Waldweisen lernen; nicht die Lehre eines kalten Indifferentismus, wol aber die Lehre,1 das Leben, wie es uns überall umgibt, objectiv aufzufassen, darinnen lebend und doch darüber schwebend, nicht von Anderen dasselbe verlangend, als von uns selbst, nein, alles Menschliche mit picnsclTiicher Theilnähme ... mit menschlicher Liebe zu betrachten, wenn auch nur Wenige die unergründliche Tiefe dieses heiligen Wortes ahnen. Obgleich auf dem Marktplatze lebend und im Walde, können und sollen wir auch dort lernen, mit Denen uns zuverständigen, die anders denken als wir; die zu lieben, die uns unserer religiösen Ue.berzeugung wegen hassen, oder wenigstens die nicht zu hassen und nicht zu verfolgen, nicht? Wenn m 111 d u Gott mit vie len bezeichnet? ״ \ deren eigeneUeberztugungen, deren Furcht und Hoffnungen, ja deren moralische Principien von den unsri^en abweichen.“ M. verwahrt sich dagjgen, als wünschte er, man solle das Leben der Inder sklavisch nachahmen, ״dazu, meint er, sind wir denn doch zu weit fortgeschritten. Wir haben inzwischen gelernt, die persönliche Freiheit als die grösste Errungenschaft unserer Zeit zu schätzen und könnten uns den Reg< Izwang indischer Sitten selbst auf kurze Zeit nicht mehr gefallen lassen.“ Dennoch glaubt M, dass bis zu einiin gewissen Grade auch bei uns dieselben Erscheinungen zu Tage treten, die wir dort wahrnehmen kounter. Auch bei uns sei ja die Religion der Gebildeten e ne andere, als die der Ungebildeten; die Religion eines Berkeley, eines Newton kann nicht dieselbe gewesen sein, als die eines Bauernjungen. Prüfe ein Jeder fich selbst: wer kann sagen, dass die Religion seines Ms,11 nesalters dieselbe war, wie die seiner Kindheit? — Unzweifelhalt bestehen in Bezug auf religiöse Anschauungen die grössten Verschiedenheiten, sowohl zwischen den Menschen als auch zwischen den Lebensstufen, aber es sei nur zu bedauern, dass man dieses nicht aner tennen will, wie es die Inder gethan, ,um danach seine Stellung einzunehmen, sowohl zu Denen, die dieselben Worte des Glaubens gebraueben, als wir selbst, nur oft mit ganz verschiedener Bedeutung, als auch zu Denen, die nicht einmal dieselben Worte gebrauchen.‘ M. verhehlt nicht die Fragen, die inan ihm nun entgegenhalten wird. Isi es denn wirklich so ganz gleichgültig, wenn man dieselben Worte gebraucht oder iche mit eine m Namen oder Ist Baal so gut wie .Jehowah, Ormuzd so gut als Allah? So unwissend wir auch sein mögen in Bezug auf die wahren Attribute der Gottheit, gibt es nicht einige, von denen wir wissen, dass sie absolut falsch sein müssen. So hilflos wir auch sein mögen in Bezug auf eine würdige Gottesverehrung, gibt es etwa gar keine Arten des Gottesdienstes, von denen wir wissen, dass sie verwe:flieh sind?“ M verweist die Fragenden aut Apostelgeschichte 10,34 Für Diejenigen aber, die sich bei der dort gegebenen Antwort nicht beruhigen sollten, führt er Folgendes Gleichniss an: ״Fassen wir Gott als Vater und die Menschen, alle Menschen, als seine Kinder. Kümmert es einen Vater, mit was für eigenen, mit was für kaum verständlichen Namen sein Kind ihn ruft, wenn es zum ersten Male versucht, ihn mit irgend welchem Namen zn rufen? Erfüllt nicht dies schwache lallende Rufen des Kindes sein Herz mit Freude, wenn er nur merkt, dass das Kind nach ihm ruft. Gibl es irgendwelche Namen oder Titel, so gross, so ehrenvoll sie sein mögen, die wir lieber hören? Und wenn das eine Kind uns mit einem, das andere mit einem anc eren Namen ruft, tadeln wir die Kinder? Verlangen wir, dass jedes Kind denselben Schmeichelnamen gebrauche? Freuen wir uns nicht s auf seine eigene Art und er den Namen Und wie ist es mit den Gedanken, we che die Kinder sich von uns machen? Wenn Kinder :,u denken anfangen nnd sich ihre eigenen Ideen über Vater und Mutter bilden, wenn sie glauben, dass ihre Elt jrn Alles thun, ihnen Alles geben, das Blaue selbst v 5m Himmel, dass sie ihnen alle ihre kleinen Leiden ubnehmen, alle ihre kleinen Sünden vergeben können, kümmert sich der Vater drum? Weist er sie stets zureclt? Ist ein Vater bös, wenn die Kinder glauben, dass er zu streng sei? Kränkt es die Mutter, wenn die Kinier meinen, dass sie freundlicher, nachsichtiger, sorgbser sei, als sie wirklich ist; dass die Kinder sie wie iin Kind nur, wie ein recht gutes Kind betrachten? Es ist ganz wahr, dass kleine vielmehr, wenn jedes un Weise nennt? So viel üt! mm