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Das jüdische Literaturblatt · 1879-04-02 · No. 14. (2.4.1879) · p. Seite 54

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 14. (2.4.1879)
Date
1879-04-02
Page
Seite 54 (sequence 2)
Language
German
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fangener Sei:e verireten zu. sehen. Dem Kundigen braucht es nicht erst gesagt zu werden, wie alle jüd. Denker von der ältesten Zeit bis in’s Mittelalter hinein, von Philo bis Joseph Albo, darin mit einander, übereinstimmten, dass wahre Religion und echte Philosophie nur zu dense|ben Ergebnissen gelangen können und dass sie für einander unentbehrlich seien. Hat ja auch Mendelssohn, der Zeitgenosse Kant’s, an dieser Ueberzeugung festgehalten und sich geweigert, philosophische Systeme, welche den Menschen nicht gleich der Religion glücklicher und besser machen, für etwas Besseres zu halten, als Kartenhäuser uud Luftschlösser. *׳ Wie konnte aber, fragt M., eine Religion, wie die indische, in der so diametral entgegengesetzte Lehren vorgetragen wurden, sich bis auf den heutigen Tag erhalten? Wie konnte namentlich das ganze Schriftthum, das solch grelle Widersprüche aufwies, wo' in einem _Buche, z B. in den Brahmänas, das als heilig gepriesen, was in den anderen, den Upanischaden, als schädlich verworfen wurde, die hohe Verehrung einäp geoflenbarten geniessen? Diese räihselhafte Erscheinung ist nicht aus den! Kastenwesen, von dem man gewöhnlich eine unrichtige Vorstellung habe, zu erklären, sondern aus der Lebensweise,-aus der ganzen gesellschaftlichen Ordnung der Inder. Jeder Inder, wenn er nicht gerade zu den Südra’s (Sklaven) gehörte, hatte während seines Erdenlebens drei oder vier scharf abgegrenzte Lebensstufen durchzumachen; man konnte zu einer höheren Stufe nur dann gelangen, wenn man den Anforderungen der unteren völlig entsprochen. Auf seiner ersten Lebensstufe, iip Knaben- und Jünglingsalter, musste der Inder sich ausschliesslich dem Studium des Veda widmen, das je nach Fleiss und Befähigung 12 bis 48 Jahre in Anspruch nahm. Mit der genauen Kenntniss des Veda ausgerüstet, trat der Inder in das 2. Stadium, in das des thätigen selbstständigen Lebens ein, ■ er gründete da seinen eigenen Hausstand, und suchte durch, fleissiges Opfern und Beten sich die Gunst der Götter und die höchste Glückseligkeit im Himmel zu erwerben. Dann folgte als 3. (bei Geistlichen auch noch als 4.) Stufe das Waldleben, wo der Inder - bei beginnendem Ergrauen seiner Haare sich in einen Wald zurückzog und daselbst völlig getrennt von־ dem Geräusche der Welt, seine Gedanken immer mehr auf das ewige All-j5elbst richtete, bis er darin völlig aufgegangen. Hat er diese letzte Stufe glücklich erreicht, dann war er nicht blos von allen religiösen Gebräuchen befreit, dann musste er sogar den Upanischaden gemäss alle bisher von ihm gebrachten Opfer, all die Ceremonien, die er so-gewissenhaft geübt, ja selbst die heiligen - Namen der Götter, die er so oft angerufen,: für Täuschlingen, für schädliches Blendwerk ansehen und sich fortan davon fernhalten, um sich mit ungetrübtem Geist ganz und gar in die Quelle der höchsten Erkenntniss versenken zu können. Das höchste Ziel der Philosophie oder Religion, wonach die Waldweisen strebten, war nicht etwa -die Vernichtung des Selbst, sondern nur die allen Scheins, von dem das Selbst verhüllt wird. ' ״Wir hören auf zu sein, was wip scheinen: wir sind was wir wissen, dass wir sind. Wenb ein Königssohn als Kind ausgeseizt und mit den Kindern eines Paria’s als Paria erzogen wird, so ist er ein Paria. Wenn aber ein alter Freund und Lehrer ihn findet und ihm sagt, wer er ist, dann w ei 6 8 er nicht nur, ^ass er ein Königssohn ist. Er ist ein Königssohn und folgt seinem Vater auf den Thron. So ist es auch mit lins u. s w״ Uns fiel bei diesem Vergleiche eine Stellje im Midrasch ein (M. Rabbu zu Levit. c. 4 und Kohdlet zu (5,7), wo für die Seele ein Eine Königstochter ver-!ן Bürgerlichen; mag dieser ihr alle Kostbarkeiten, alle Genüsse dieser Erde bieten, sie gelten ihr nichts. Warum? Weil sie eine Königstocluer ist. So ist's mit der Seele des Menschen: alle Wollust dieser Welt mag nicl t sie zu befriedigen, weil sie von eine Tochter des Himmels, ist.-• (Fortsetzung folgt.) ähnliches Bild gebraucht ist., mahlt sich init einen) Bürgerlichen den höheren Wesen, Eine Eigentbiimliclikeit (1er hebr. Sprache. Bei tieferem Eindringen in die Originslsprache der ]!eiligen Schrift hat derselben ergeben, sich mir eine Eigentümlichkeit die meines Wissens sämmtlichen Exegeten und Etymol 3gen entgangen zn sein schein■, nämlich die Eigenheit der hebr. Sprache, den Wurzelbuchstaben ב in nicht seltenen Fällen in Wort und Schrift zu verschlingen, Als Belege mögen folgende frappirende Stellen aus df r heiligen Schrift dienen. Deut. cap. 21,16 heisst es: לא יובל לבכר את בן י בי ר לתת לו פי שנים Dieses יכיר kommt hie: reits der Talmud sehr לאחרים erklärt (B. Ball האהובה כ* את דיבבור בן השנואה r ganz unbeholfen vor, was bewohl fühlte und es durch יכירנו ra 127) d h. in einen! besonderen geben. Allein יכיר ist Falle ihn der Mitwelt als Erstgeborenen bekannt zu mit nicht inehr init er sondern ״vorziehen“ wiederzugeben Auffallend ähnlich dem Propheten wurden dem vorangehenden לבכר־ enl־ sprechend יבכיר gemeint und zu verstehen. Es ist sokennen oder anerkennen ist eine Stelle in Jereinia 24; in einem prophetischem Gesicht zwei Körbe Feigen gezeigt; in dem einen befanden sich reife בכורות, in dein anderen unreife רעים, worauf ihm die Erklärt ng ertheilt wurde: Gleichwie diese reifen Feigen (הבכ“ות) werde ich die Gefangenschaft erkennen (אביר) zum Guten. In einer Zeit, in welcher man von den technischen Ausdrücken der Buchhaltung keine Ahcung hatte, ist der Ausdruck ״erkennen zum Guten-‘ ausserordentlich schwerfällig. Die ganze Schwerfälligkeit wird aber gehoben, wenn man אב ביר אכיר nimmt (dem הבכרות entsprechend) und cs mit ״vorz teilen“ übersetzt. Ebenso schwindet die etymologische Härte in dem Verse 5) לא תכיר פנים במשפט. B• Moses 16,19), wenn man תבכיר תכ״ר auffisst Der Sinn wird erst liierdurch recht einleuchtend Dem Richter wird das Hervorziehen einer der streitenden Personen strengstens untersagt. In diesem Sime ist auch das הכרת פניהם (Jesaia 3,8) zu verstehen. Jesaias wirft dem RichterstandeParteilichkeit vor. — Obwohl dieses Wenige genügen dürfte, um von fassung zu überzeugen, sc Belegstellen hier kurz an der Richtigkeit meiner Aufseien doch noch einige andere geführt: 1) ודן למה יגור אניות (Richter 5,17). Die Daniten wohnten schwerlich au: Schiffen, aber sie kaperten dieselben. יגבור יגור• (Diese Bedeutung hat das

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