Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 13. (26.3.1879)
- Date
- 1879-03-26
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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•— 50 — erwarten sland, auf fruchtbaren Boden gefallen ist und innerhalb der betheiligten Kreise Anklang und Beifall gefunden hat, so werdeu wir ab und zu Gelegenheit haben, über die Entwicklung der Sache zu berichten. Für heute wollen wir nur auf einen der aus solchen Motiven hervorgegangenen und inzwischen als Broschüre erschienenen Vortrag hinweisen.*) Wir greifen den uns vorliegenden Vortrag ■des verdienstvollen Vicepräsidenten. des Gemeindebundes aus dem uns vorliegenden Material heraus, weiler uns überhaupt für Vorträge derart als mustergültig erscheint. Correct und edel in der Form, wie man das überall bei Emil Lehmann gewohnt ist,-merkt man es ihm an, dass der Redner nicht nur, wie das erforderlich ist, die ganze einschlägige Literatur studirt hat und sein Thema vollständig beherrscht, sondern es zieht *sich auch durch den ganzen Vortrag ein Zug echter, frischer Begeisterung des Redners für seinen Gegenstand, die eben, weil sie von Herzen kommt, aueh auf die Herzen der Hörer und Leser übergeht Trotzdem aber der ganze Vortrag durchaus populär gehalten ist, hält sich derselbe von unnöthiger Breite völlig frei und ist durchgehends ebenso anregend als schwung- und-geistvoll. Als Belag dafür mag ein Bruchtheil aus der Einleitung des vortrefflichen Schriftchens nachstehend noch eine Stätte finden. Herr Lehmann beginnt; ,;,Hoch verehrfe Versammlung! Als FestVersammlung Begriisse ich Sie. _ Denn ein Fest ist sie. eine andächtig gehobene, weihevolle Stimmung erfasst Jeden bei der Erinnerung an. bei der Beschäftigung mit Lessing Ein Fest vollends aut heutigen Abend — denn morgen werden es 150 Jahre, seit Sachsens grösster Sohn, Deutschlands edelster Dichter, der Humanität eifrigster Förderer auf Erden erschien. — Gotthold Ephräim Lessing ist am 22. Januar 1729 zu Kamenz geboren. Er starb, erst 52 Jahre alt — nicht am Kreuze, aber an den moralischen Folterqualen, welche giftiger Hass und fanatische Verfolgungssucht ihm, dem unerschrockenen Verkünder der Wahrheit, dem gotterfüllten Propheten der Menschenwürde bereitet, kaum zwei Jahre nach Ver.öffentlichung seines Nathan, am 15. Februar 1781 zu Braunschweig. Aber er ist auferstanden und wird fortleben in uns und für uns, so lange Menschen menschlich fühlen, so lange Deutsche deutsch denken, so lange Juden ihr Judehthum hochhalten. — Er ist geboren vor 150 Jahren, sein Nathan entstand vor 100 Jahren; und wir sollten nicht aus vollem, freudigen Herzen das Jahr 1879 als ein,Jubeljahr begrüssen, als Jubeljahr im doppelten Wortsinne — in dem allgemein üblichen der Freude, wie in dem, seinem hebräischen Ursprünge entsprechenden der Befreiung?. Schon der Knabe zeigte, was der Mann erfüllte. — Am 21. Juni 1741 bestand der zwölfjährige Lessing seine Aufnahmeprüfung zu Meissen. Er hatte ein Dielat ״Ueber den Begriff der Barbarei bei den Alten und die Aufhebung dieses Vorurtheils durch Christus“ ins La- •) Leasing in seiner Bedeutung für die Jnden. Vortrag'am 31. Januar 1879 auf Anlass des Mendelssohn-Vereine» za Dresden 1 gehalten von Rechtsanwalt Emil Lehmann. Dresden 1879. I teinisclie zu übersetzen Rasch fertig-, benutzte er die freie Zeit zu einem e folgendermassen lautet: ״Diesen Satz sollen wir immer beachten, denn es ist machen zwischen den aber alle der Hülfe uns alle die Näcli die Juden verdamme^ ten, denn Gott selbst igenen Zusatz, der zu deutsch barbarisch, einen Unterschied zu Völkern, die alle von Gott geschaffen und mit Venunft begabt sind. Wir bedürfen Yemder Menschen, also sind wir sten VVir wollen daher nicht obschon sie Christus verdammsprach: richlet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdejt. Wir wollen die Muhuincdaner nicht verdammen, auch unter ihnen gibt es brave Mensehen. Es ist also nur der ein Barbar, der Unmenschlieh und grausam ist.“ ״Goldene Worte eines 12jährigen Lessing — der Keim zum Nathan! Allerdings waren diese humanen Anschauungen Lessings ein Familiengut. Schon sein Grossvater Teophilus .!essing hatte als 23jähriger Student im Jahre 1600 eine Dissertation ״Von der Toleranz der Religion“ geschrieben. — Das waren seltene Anschau־ ungen damals und noch lange, lange darauf. — Keine Gesellschaftsklasse,;eine Glaubensgenossenschaft litt nachhaltiger unter d :r Unduldsamkeit jener Zeilen, als die jüdische. Das alte odium gencris liumani, der Hass des Menschengeschltclits, war der unselige Ahasver, der die Juden das Mittelalter hindnreh bis an die Pforte der neuesten Zeit geleitete. Das Leibwort des Patriarler Jude wird verbrannt“ war ahrhunderle. Ueberglauben und Aberglauben, Grausamkeit und Habgier, Leidenschaftlichkeit und Wahn, landen den gemeinsamen Zielpunkt ihrer Angriffe in der Juden. Traten Unglücksfälle ein, » Priester und schlaue Machthaber eben: ״Tliut nichts, die Parole vieler so wussten fanatisch die beutegierige Masse jederzeit auf die Juden zu hetzen. Brachen Epidemien Ursache auf Brunnen lange. Aus dem: brannt“ wird ein: Jude wird ver kan aus, »0 führte Unwissenheit die Vergiftung, Gehässigkeit die Schuld auf die Juden zurüct. Im Laufe der Jahrhunderte mi.lderte sich die Form, die Sache aber blFb noch lange, Tlurt nichts, der Jude wird ver- Thut nichts, der Jude wird verbannt“, und aus diesem zuletzt ein: .,Thut nichts, der n I t“. Und dabei ist’s in vielen Punkten bis zum heutige 1 l’age verblieben. Die Sucht, all gemeine Zeitübel den Juden zur Last zu legen, ist noch nicht ausgestoraen. Man braucht nur an die Verhetzungen der Agrai ier und Ultramontanen — beide und Gesinnung — zu denken“ Wir glauben, dhss diese Probe als Belag unseres obigen Urtheils genügen wird. Und darum wünschen wir dem interessanten, trefflichen und anziehenden Schriftchen recht viele Leser und — Nacheiferer. üiski ige MüäÜüilyäiü a in der Agada. Stellen, die bei aller Mühe einen Ueber Hiskia finden sich im Talmud und Midrasch sehr viele sonderbar׳ schlichten Sinn heraqs: man nicht zu einer flucht nimmt und 81 andere, gleichnami;;zufinden, unerklärt bleiben, wenn biographischen Wendung seine Zu- Hiskia, König von Jehuda, eine Person substituirt. So heisst es t att aesss