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Das jüdische Literaturblatt · 1879-03-19 · No. 12. (19.3.1879) · p. Seite 47

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 12. (19.3.1879)
Date
1879-03-19
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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I tSchüler einfach Uber eine Halacha belehrt, auch da, wo er ihm nichts weiter als eine Lebensregjel ertheilt. Man vergleiche Kethub. 14a, 53a3); Nidda 13a, 17a, 25b; Schabb. 152a; Erubin 54b; Kerith 19b; Gittin 78b; Awoda Sara 43b. Selbst im gewöhnlichen gesellschaftlieben Leben, lern von jeder Discussion, spricht Samuel seinen Schüler nicht anders an, als ״Schinena!“ So rief er z. B., als er ihn einmal weinend untraf, ihm zu: . ״Schiuena, warum weinst du?“ (Chagiga 15b.) Was konnte ihn da an den Scharfsinn seines Schülers erinnern? Beraclioth 36a ist die einzige Stelle, wo R. ■J. seinen Lehrer (aber auch nicht mit Recht) inj dessen Ansicht wanken machte. Es handelt sich u(n die fragliche Eulogie über den jungen Sprössling derl Palme, der, im ersten Stadium geniessbar, sich im Laufe der Entwickelung zu Holz verhärtet und ungeniessbär wird. R. J. hält 'כ״פ״הא für die richtige Berachaj Samuel meint שהכל• Bald darauf sagte aber S. zu R. J : ״Schinena, du hast Recht, denn der Retkig verhärtet sich gleichfalls, und doch lautet die Beracha darüber!"ב״פ״הא.“ Hat nun hier ־auch R. J. seinen Führer von; der Richtigkeit seiner Ansicht zu überzeugjen verstanden — viel des ״Scharfsinns“ gehörte doch wahrlich nitjht dazu, um an die naheliegende und dazu, wie später: ans der Gemara ersieht lieh, nicht einmal zut •eilende Anjalogie von צנון zu denken. Die Bedeutung von שיננא bleibt sonach noch immer problematisch. Ich empfehle nun folgende Conjectur zur Erwägung. Es bestand der Sprachgebrauch, das Alter durch seine Merkmale zu bezeichren. Zu diesen gehört bekann!lieh, dassdieZähne den Diehst versagen. Man vergleiche Koheleth 12,3: ״Die Müjhlmägde feiern “ Ebenso Schabb. 152a, wo R. Josua b. Chananja, indem er vor Hadrian sich entschuldigt, dass jer nicht zur Controverse gekommen, sich gleichfalls dieser Allegorie bedient: טחנח־,' לא טודעין• diesem;Sinne wird das ״Ausfallen der Zähne‘‘ gebraucht: כ*1ן שנת ק ו שני;ו של אדם נתמעטו מזונותיו שנא־ גם אני נתתי לכם נ ק יון שנים בבל עריכם ודד ל בכל מקומותיכם (Nidda 65a). Die Zahnlosigkeit resp. die U n braut!h bar k ei t d er Zähne scheint demnach eine stehend^ Phrase für ״das Alter“ gewesen zu sein. Was liegt m>n näher als der Gedanke, dass ebenso in entgegengesetzter Richtung die Zahnesfülle oder Zahnesstärkej als vulgäre Be- Zeichnung für ״die Jugend“ galt. In der Tliat wird der Ausdruck ולכ| שניש (Gen• 49,12) in diesem Sinne ausgelegt. Keth. 111b lehrt Raw Dime: שמא תאמר לנערים יפה ולזקנים אינו;יפה ת״ל ולבן שנים מחלב׳ אל תקרי לכן 3.שינים אלא לבן שנים) R. d. hat das Wort לבן von כן abgeleitet, dem Wortlaute nach bezieht sich nach ihm ולכן שנים Bu^ die Jugen(F bei einer jModification der Vocale jedoch auch auf das Alter, lieh glaube nun, שיננא könnte ohne viel Bedenjken für identisch mit בן שנים genommen werden und würde füglich nicht anders zu übersetzen seit, als: ״junger Mann“. In dieser Bedeutung wird unser Epitheton an allen Stellen passen. Wie sinngemäss erscheint jetzt z. B. die Anrede: .שיננא, שרי שקך. ןד ארבעיןשנין סיכלא מעלי מכאן ואילך משתי מעלי (Schabb. 152a)| d h. mit anderen ־Worten: ״Junger Mann, iss 80 lange (lu jung bist und Speise dir zuträglich ist!“ Warum hätte Samuel bei dieser Gelegenheit R J. einen Scharfsinnigen nennen sollen? Bei der schon obenerwähnten üüge, die Samuel *) lbid 12b auch v. R. Sam. b. J. R. Jeh. (egenliber gebraucht* *) An derselben Stelle wird bei Besprach 1 ing des Verses (Gea. 49,11) der :Sau ודם עגב תשתה חמר cilirt. Auf den ersten Blick erkennt man Eier einen lapsus calsmi, eine Verwechselung mit Deut, 32,14 ,ודם ענבים סופד• seinem Schüler ertheilt, sowie bei jener thei)nehmenden Frage, warum dieser weine, ist die Anrede ״junger Mann“ bei Weitem zutreffender als ״Scharfsinniger‘. Baba Kama 15b und 36b mochte man gelegentlich des Zuru!s: “!״שיננא׳ שבוק מתניתין ותא בתראי wohl darum im שיננא den ״Scharfsinnigen“ gewittert haben, weil es scheint, als habe der so angeredete R. J. sich bemüht, den Widerspruch in der Mischnah auszugleichen, obgleich dies Sein Lehrer, wofern man nicht die einander widerstreitenden Lehrmeinungen verschiedenen Autoren vindicirt, für unmöglich hielt. Desgleichen Kerith. 19b, wo R. J. sogar unter Hinweis auf die Mischna seinen Lehrer überführt zu haben glaubt und dieser ihm wiederum zuruft: שיננא שבוק מתני׳ ותא בתראי. Alleinder Nachdruck liegt unverkennbar nicht sowohl auf שבוק מתני' als vielmehr auf ותא בתד^אי (welcher Zusatz sonst ganz überflüssig erscheint): folge mir, d. h. es gezieint dir, Vertrauen zu der Zuverlässigkeit meiner Lehrfe zu haben, und hierbei passt wiederum nichts besseir, als der Zuruf: ״Junger Mann!“ Hamburg. Alexander Fischer. Literaturbericht I - ן Becensioses. Jod, Dr. M., Die Angriffe des Heidenthums gegen Judejn und Christen in den ersten Jahrhunderten der römijschen Cäsaren. Breslau 1879. Schietter. Der Verf hat in diesem Vortrage die Besprechung einer le.der wieder recht modern gewordenen Krankheit, deren tägliche Fortschritte die edleren Geister unserer Zeit [mit Besorgniss erfüllt, dadurch unter den Schutz der Objectivität gestellt, dass er einen ihr analogen Vorgang aus längst vergangener Zeit zu schildern unternahm. Die Gehässigkeit gegen Juden und Judenthum, wie 'sie in den letzten Jahren allenthalben einer JSpidemje gleich aufsChliesst, hat ihre Vorgängerin in jener, welche in den ersten Jahrhunderten der röm. Qasaren Judqn und Christen zugleich mit Hohn und Spott und Schadenfreude verfolgte. Fast alle Vorwürfe, die heut von!orthodoxen Christen gegen Juden, und Judenthüm geschleudert werden, sind Copien jener, welche sich einst Juden und Christen von Römern und Griechen gefallen lassejn mussten. Ja, die Christen in noch viel schlimmerer Form, wie der Verf. mit feiner Charakteristik anliker Denkens her vorhebt. Denn für die Juden hatte man wen gstens nach einer Seite hin Verständniss. Die Treue gegen ererbte■ Sitte und ererbten Glauben — auch wem man dieselben nicht billigte — imponirte den Altei, und die standhafte Vertheidigung derselben gewann den Juden Bewunderer. Um sd abfälliger musste das Urtheil über die den väterlichen Göttern abtrttnni- ־ gen Christen 6ein. Daher waren sie ein Gegenstand nich. nur der Verachtung, sondern auch wilden Hasses. Gegen־ diesen-unverdienten^Hass sich zu rechtfertigen, das Unbegründete desselben' michzuweUen, mühten sich die Kirchenväter.— oft leider vergebens — ab, denn sie predigten den tauben Ohren eingewurzelter und aus Egoismus und Fanatismus sorgsam gepflegter Vorurthsile. Tout comme chez nous. Nur dass heute Christen die Rolle ihrer einstigen Verfolger übernommen haben und an Juden ihr l^üthchen kühlen Es ist daher sehr zeifgemäss, daran ku erinnern, dass die Kir* eher väter als Verfolgte dereinst die gehässigen Vorurthaile genügend charakterisirt haben. Unser Innersten wir<. erregt, sagt der Verf., wenn man Männer von zwe felloser Frömmigkeit, ron1 einer Sittenreinbeit, die and: jeder Andersgläubige ihnen nicht bestreiten wird״ Männer wie Justin der Märtyrer und andere Kirchen*

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