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Das jüdische Literaturblatt · 1879-03-19 · No. 12. (19.3.1879) · p. Seite 46

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 12. (19.3.1879)
Date
1879-03-19
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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im Hebräischen einen Am-Iia-Arez genannt haben. So überraschend die Verurteilung an sich ist, so bedauerlich ist die vom religiösen Standpunkt aus verwerfliche Praxis: Das weltliche, nichtjüdische Tribunal zur Ent-. Scheidung über talinudisch-rabbinische Angelegenheiten «»uzurufen. Die trefflichen Worte R&schi’s (zu Exod 21,1) scheinen leider ihre Wirkung gerade bei denen zu verlieren, die doch am ehesten dieselben beherzigen sollten. Allein diese Zeilen sollen kein Erguss sym- und äntipathischer Erregung sein, sie sollen nur Wissenschaftlieh die Bedeutung der in der Ueberschrift erwähnten beiden Nomina erörtern. Sie sollen es nur mit der Sache, nicht mit der Person zu thun haben N. behauptet, טרפה bedeute nur das von einem Raubthier zerrissene Viehstück, und Am-haarez sei eine Beleidigung. Hier muss man nothwendig fragen, welchen Standpunkt nimmt N. bei der Feststellung einer Wortbedeutung ein? Stellt er sich (wie bei ״trepha“) auf den Standpunkt des biblischen Sprachgebrauches, so kann עם הארץ (dem sogar der Patriarch seine Reverenz erwies, 1. B. M. 23,12) keine Beleidigung sein, stellt er sich hingegen auf den späteren oder den des rabbinischen Sprachgebrauchs, so kann ja über die erweiterte Bedeutung von irepha nicht der geringste Zweifel obwalten. Wir wollen einen Rabbinen nicht erinnern an die Mischna, die 18, und an Maimuni, der 70 טר&ות aufgezählt hat, die alle als הל״מ bezeichnet werden, und wovon die allermeisten gar nichts mit dem Zerreissen oder Verwunden durch ein Raubthier zu thun haben; wir wollen nur den Philologen daran erinnern, dass es eine Äletjge Wörter giebt, die in der spätem Volkssprache eine ganz andere — bald beschränkte, bald erweiterte — Bedeutung erhielten, als sie ursprünglich in der Bibel hatten So bedeutet das Wort מזוזה in der h. Schrift nichts Anderes, als ״die Thürpfoste“, dahingegen in der Mischna, im Talmud und in der Volkssprache das auf Pergament ge- «chriebene Schriftstück. Fragt man den gewöhnlichen Mann abs dem Volke, was בזוזה sei, er wird sicherlich nicht die ursprüngliche, sondern die spätere Bedeutung anzugeben wissen. — Denken wir an ein anderes Wort, an חמץ; in der Bibel, wo das Wort mit Bezug auf Passah vorkommt, bedeutet es nur gesäuertes Brod, darum immer אכל; was aber denkt jetzt der gewöhnliehe Mann bei diesem Worte, wo nun hunderterlei Genussgegenstände darunter verstanden werden? Soll die Bibel das einzige Vehikel des hebr. Sprachschatzes bleiben, was soll da aus dem rabbinischen zweitausendjährigen Schriftthum werden? Haben ja selbst die Karäer שחיטה ובדיקה und werden sie מרפה wie Rabbiner N. erklären? Es ist wahrlich tragi-komisch, wie Rabb. N. bei seiner Worterklärung die Sielle Jore Dea § 1. seif 13 seinem Schüler die Worte: טרפה.טבח erklären sollte; der Schächter wird sich wohl höflichst bedanken, als vom Raubthier zerrissen angesehen zu werden. Bei Auffassung des Wortes עם הארץ nimmt Rab. N. den rabbinischen Standpunkt ein und thut hierin natürlieh im selben' Masse Recht, wie er Unrecht bei der Erklärung des ersten Wortes that. Allein hat selbst in der rabbinischen Literatur das Wort die alleinige Bedeutung von ,,Ignorant“? Keineswegs. Wohl bedeutet das Wort dies in der Mischna (Demai 2,2, Aboth 2,5 und viel öfter) und ebenso in der Volkssprache,»der Talmud aber versteht darunter den Laien ohne beleidigende Nebenbedeutung. Es heisst Berachoth 47,b ausdrücklich, dass auch der קרא ושנה ולא שמש ת“ ח ein עם הארץ sei, und es wird nicht berichtet, dass Rabbi מנשיא ב״ר תחליפא, der so von רמי בר חמא genannt wurde, einen Strafparagraph gegen den Letzteren angerufen hat. Wie uns dünkt, ist der Ausdruck ן ,ע״ה gegen einen Rabbinen gebraucht, eher ein contradictio I in adjecto, als eine Belei kein Ignorant sein, ode: nur Titularrabbiner, w oder Philadelphia. Hat Laie, so ist es noch wen Ist der Rabbiner ein Laie sehen Disciplinen, 30 w nicht angetastet, heisst et Aisten, Rabbi Jehuda h :"•שאןנו בקי בתרנגולין ובו׳ digung, der Rabbiner kann er ist eben kein Rabbiner,!e die Doctores in absentia aber das Wort die Bedeutung: iger als Beleidigung anzusehen. in gewissen, selbst rabbinird hierdurch seine Ehre noch ja von dem grössten Talmu. ukadosch: מדבריו של ר׳ ניכר Was bedeutet שענא? שיננא , das Prädikat, welches Samuel seinem Schüler Raw Jehuda beilegt, vrird im Aiucb durch ״Sc 11 a r fsinniger“ übersetzt. Nncli einer anderen, ebendaselbst und auch in dem Sammelwerk ״Schilta Mekubbezeth“ zu Kethub. 14a mitgetheilten Ansicht bezöge sich unser Wort auf die Besclxaf'enhei t der Zähne R. Jehuda’s und bedeute: ״G rosszähn i ger“. Der Absonderlichkeit dieser letzteren Auffassung ganz zu ge'schweigen, drängt, sich zunächst die Frage auf, was wäre eigentlich danach der Sinn dieses Epithetons? Wollte dennSitnuel seinen Schüler piqniren, dass er ihn beharrlich an die unschönen Zähne erinnert? Und dann, die in Rede flehende Erklärung muss, soll sie nicht alles und jedes Inhalts entbehren, die angebliehe Beschaffenheit der Zähne R Jpljuda’s nothwendig als etwas Bekanntes voraussetzen! '1 Aus welcher Quelle aber ist dies gesihöpft? Wo, von wem wird darüber berichtet? Endlich verdient noch ein anderes Moment Beachtung. Neiarim 50b wird erzählt, eine von Raw Jehuda verurt!eilte Frau habe ilun zugerufen : ״Würde auch der Lehre!■ Samuel so gerichtet haben?“ ,,Kennst du ihn?“ fragte jener. ״Ja wohl“, lautete die Antwort, ״er ist klein, w ihlbeleibt, schwarz und grosszähnig.“ Wird nun St inuel das im Munde eines Anderen anstössig gewesen sein, was ihn im eigenen gar nicht genirte? Aber auch jene Deinition, wonach ״ שענאScharfsinniger“ bedeatet, ist, obgleich ungleich einleuchtender als die soeben besprochene, doch die logische Begründung schuldig geblieben. Wundert man sich bei dieser über die scheinbar verletzende, so ist bei jener die besonders ehrende Weise auffällig, wie Samuel seinen Schüler immer angeredet haben soll. Denn unbeschadet der penetrantesten Geistesschärfe, die R. J. besessen haben m* *g, kann man doch sich kaum der Frage entziehen, warum Samuel ^es sich niemals nehmen lässt, selbst da nicht, wo offenbar nicht im Entferntes'en eine Veranlassung dazu gegeben war, ihn so schmeichelhaft zu haranguiren Ja einmal begegnen wir dieser Lobeserhebung sogar bei einer Gelegenheit, wo sie am allerwenigst 80b‘) erhält nämlich R Unterricht seines Vaters tiger Weise corrigirte. angebracht erscheint. Synh. J. einen Verweis, weil er den in einer nicht genug elirerbie- Hierbei spricht ihn Samuel an: n8chinena, nicht also soll st du zu deinem Vater sprechen!“ Passt hier ein Compliment? Wäre nicht ein tadelndes? Aber auch die übrigen Gemit dem Titel שיננא bedacht Wort angezeigt gewesen legenheiten, wobei R J wird, sind nicht der Arl, dass sie erkennen oder auch nur vermuthen Hessen, geistreiche Bemeikung, u. drgl. das Lob seines dient sich Samuel der A! *) Chulin 57a, 80 liespl 0 ״!(בקיאות .יe8t *) Aach Kiddnschin 33b fds habe er durch irgend eine einen casuistischea Einwand Lehrers provocirt. Oefters be-!rede ״Schinena“, wo er seinen זכרון תורת משה t der vert des! *חלקיה und versteht darunter כרכי

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