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Das jüdische Literaturblatt · 1879-03-19 · No. 12. (19.3.1879) · p. Seite 48

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 12. (19.3.1879)
Date
1879-03-19
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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48 — Tftter, Schurken gegenüber sich vertheidigen hört, dass sie keine Mörder und Kannibalen seien. Aber nicht bloss Schurken gegenüber hatten sie sich zu vert heidi* gen, auch erleuchtete Geister und sonst edle Charaktere, wie der Geschichtsschreiber Tacifus — beinahe hätte ich Treitschke gesagt-waren von dieser ״lues“ inficirt Die Art, wie Tacitus von den Christen — und von den Juden — spricht, ist ein Beispiel dafür, wie das Vorurtbeil auch den edlen Menschen verschlechtert. Der Verf. giebt in seinem Vorträge eine gedrängte Geschichte des Vorurtheils drr Alten gegen Juden und Christen So lange das Urtheil über Juden nicht durch Egoismus getrübt war, war dasselbe meist ein freundliches. Aristoteles, Theophrast u. A. bieten Belage für diese Behauptung. Erst als Geldmangel Antiochus IV. Epiphanes zu Tempelraub und Tempelschändung in- Jerusalem, getrieben hatte —Thaten, die im Alterthum als Schlimmste Verbrechen gebrandmarkt' zu werden pflegten —, entstand das Bedürfniss, zur Beschäftigung dieser Unthaten den Juden allerhand Märchen anzudichten. Liebediener und anekdotensüchtige Gelehrte verbreiteten dieselben geschältig weiter, und so entstand die erste verhältnissmässig zahme judenfeindliche Literatur — Die Kämpfe der Juden um die lange besessene und ihnen in der Zeit der' Cäsaren streitig gemachte Isopolitia in Alexandrien waren ein weiteres Motiv zu literarischen Fem'tlseligkeiten gegen sie. * Der Typus _der Judenfeinde dieser Art — und man kann sagen der_ Judenfeinde überhaupt — ist der aufgeblasene, alexandrinische Grammatiker Apion, gegen welchen sich ein Theil der, wie Joel mit Recht hervorliebt, nicht ursprünglich so genannten Schrift des Josaphus ״contra Apionem“ wendet. (Sie hat vielmehr wahrscheinlich —f׳׳_ öpya'.'iTrjT׳^ ’I0־jia'01v geheissen.) Eine vortreffliche Charakteristik Apicns und seiner Angr.ffe gegen •das Judenthum bildet daher den Mittelpunkt der Joelsehen Schrift. ״Aegypter von Geburt“, sagt J., wie ja sein Name an den ägyptischen Ochsengott Apfs erinnert, spielte er sich als reinen Racen-Helhnen auf, etwa wie in modernen Tagen bisweilen gerade germanisirte Slaven, Pseudorussen, Wallachen, die, sich für Römer haltend, sich Rumänen nennen und darauf, versessen sind, die Nationalitäts-Idee auf den animalischen der Race, statt auf den geistigen der Sprache ׳und der Lebensanschauung zurückzulühren.“ — Den Spuren eines Apion folgten, nicht ״erröthend־‘, Männer wie Tacitus; die Ernsthaftigkeit der bekannten Versicherung des Letzteren, ״sine ira et 6tudio“ schreiben zu wollen, erhält eine eigentümliche Illustration durch die Thatsache, dass er auf Gebieten, wo ihm Berichte des sach'kundigen Josephus Vorlagen, dem als Gharlatan bekannten Apion folgt und jenen einfach todtschweigt. Die literarischen Angriffe gegpn das Christentum sind von der zur Herrschaft gelangten Kirche mit Sorgfalt vernichtet worden, und meist nur aus den überlebenden Verteidigungsschriften sind einzelne jener Verläuindangen bekannt. Dabei ergiebt sich denn, dass, wie schon oben bemerkt, fast keiner der Vorwürfe, die heut den Juden von christlicher Seite־ entgegengeschloudert werden, originell ist, sondern fast jeder sein-Urbild in jenen Zeiten hat Selbst der gehässige Beigeschmack, welcher heute an dem blossen Namen ״Jude“ klebt, ist davon nicht ausgenommen, da der Name ״christiani“ Aehnliches erlebt hat. Man hätte meinen sollen, dass solche Erfahrungen den Christen vor ähnlichen Gehässigkeiten gegen andere Bekenntnisse, zumal gegen das Judentum, dem die christliche Kirche doch eingesiandenermasaen ihren Ursprung verdankt, schützen würden, aber die Geschichte lehrt das Gegentheil. Durfte man sich auch an die bibl sehen Schriften nicht wagen, 80 bot1 doch der Talmud « in recht bequemes Angriffsobject, zumal bei der Unbekt nntheit selbst der meisten Gelehrten mit ihm den Api men aller Zeiten Missdeutungen und Fälschungen aller Art leicht gemacht werden. Der Verf. hofft, dass unsere Zeit, welche ja in einem ofliciellen politischen Congress die Gleichstellung der Bekenntnisse hat proclamiren sehjn und welche sich bemüht, die wahren Quellen de? Vorurtheils, die Ignor’anz und die Herrschaft der Lei denschaften über den Intel lect, durch guten Unterricht immer mehr zu verstopfen, dass eine solche Zeit nicht gewillt sei, der Thäligkeit der Apione zu applaudiren. Mögen seine angesichts der Vorgänge der letzten Jahre gewiss sehr optimistisch zu nennenden Hoffnungfn sich erfüllen. Unsern vollen Beifall haben die Sthlussworte des Vortrags: ,.Was heidnische Brutalität und heidnische Verlästerung einst an Juden und Christ(n gesündigt, es ruft Beiden zu: Was nützt es, dass II r theoretisch höher steht, als die Heidenwelt, im Leben müsst Ihr es beweisen, im Ueben von Liebe und Hecht.“ (Schluss folgt.) Loewy, Jos.. Eer Sterbetag Mose’s, Gedenkblatt der Ghebra-Kadischa zu Gr-Kanizsa, gewidmet zum 7. Adar 5639 Als ein Wort zi seiner Zeit sucht der Verf. den Sterbetag unseres Leircrs Mose zu eruiren. Die heil. Schrift, welche Aliron’s Todestag angibt (Nuin. 33,38), verschweigt geflissen lieh Mose’s Sterbetag. Die uns massgebende Traditiop entscheidet sich (Kidduschin 38a, Adar, den sie zugleich unter Bei als seinen Geburtstag normirt. so calcuiirt der Talmud — nach und Esther Rabba s 1. Tage des Monats bringt der Verf. auch mit Deut. 34,3, Jos. 1 Sota 12b) für den 7. rufung auf Deut. 31, Da die Israelit« n Ablauf von 30 Trauirtagen und 3 Vorbereitungstagen am 10 Nissan (.108.4,19) den Jarden überschritten, muss der Tßd des Mose an 7. Adar erfolgt sein. Nach einer anderen Relation, welche Josephus (Alterth. IV, 8,49) v. כחד־ט vertreten, ist Mose am Adar gestorben. Sehr geschickt diese Angabe in Uebereinstimmung ,11, 4,19 dadurch, dass er vor den 30 in der Schrift erwähnten Trauertagen noch 7 Tage des unmittelbaren Sei merzes inlerpolirt. Jedenfalls sind die Ausführungen (es Verf. recht lesens- und beachtenswerth. —nc- Notiz. Der Midrasch [zu Ruth 1,8 braucht meines Erachtens nicht (wie Er. Dr. Morgenstern in^r. 10 meint) abrogirt zu werden! Daraus geht hei vor, dass die Eltern sammt den genannten 2 Söhnen aus dem Heidenthum zum Judenthum Obergetrelen waren und אפנימום von wie ein leiblicher Sohn betrachtet ist die Combination von Hrn. Dr. ] unnölhig! Sondern jene Brüder werker, nämlich Eunomos war Weseinem Vater nicht wurde etc. Ebenso Grätz [גדדי für רדי waren zugleich Hand Josua war Graupe Tr. Moed Katan 11,1 her [גרדי s. Targun J. Z אורג i. II. M. 28,32], und nmflller [,גרס s. גרופית Misclin» u v 1 gl. hz. גרש i. III. M. 2,14 m. Rasclii], Deshalb heisst es in jener Midrasch-Stelle ״ ומצאן יוש פץ ועוסקין פמלאכתןRab fanden sie — die Brüder — unmittellar nach der Beeidigung ihres (angeblichen) Vaters rr it ihren Gewerben beschäftigt.“*) Bad-Ems. Dr. Hochstftdter. *) Es geht ans noch mit ״gerusia“ in Verbin« was fitr deD desGriech ■erlehtlrans tausenden Dankfeierlichk feierlichkeileil. Verantwortlicher""Kedaeteur Dr. Rahmfcrin Magdeburg. l>raek von H. Horbach in JJarb; ׳. Verlag von KaberJ ffri•8 0-in Leipzig _ eine andere Erklärung zu, die ״Garssi“ ungbringen u. es gleich ך;ןקן nehmen will Kundigen keiner Widerlegung bedarf. (Rd.) ln vor Nr. ist auf Ö ■«4b statt: Jahreiten“ za lesen: ״Jahrhunderten Den k-

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