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Das jüdische Literaturblatt · 1879-03-12 · No. 11. (12.3.1879) · p. Seite 43

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 11. (12.3.1879)
Date
1879-03-12
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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Inhalte selbst deutlich hervorgeht, sicher nicht Auch ist das Puri infest mit dem vorangehende! Fasttage nicht erst in später Zeit eingesetzt worden, sondern wurde von dem ihm zu Grunde liegenden Ereignisse an schon gefeiert. Ob die gottesdienstliche Feiet dieser Tage in der Vorlesung der ursprünglichen Urkunde oder nur in der gebetweisen Erwähnung der betreffenden Thatsachen bestand, lässt sich nicht mehr bestimm! n. Sicher aber hatte die ursprüngliche Urkunde einen!ehr religiös gefärbten Charakter. Nun wurde unter Antiochus den Israeliten jede Abhaltung des Gottesdienstes verboten. Die Feier des Purimfestes war aber gewissermassen ein historisches Vermächtniss Esther’s und Mordechai.s, zu dessen getreuer Befolgung sich die gesletzeatreuen und gesetzesstrengen Israeliten in ihrem Gewissen gedrungen fühlten, und dieses hier un. so mehr, als diese Feier zugleich einen Ermuthigung gewährenden Inhalt in so trost- und hoffnungsarmer Zeit in sich barg. Was da thun? Da fasste ein gesetzestreuer, schri ft beflissener Israelite den Entschluss, die Geschichte jener Begebenheilen in einer solchen Weise darzustellän, dass sie dem Antiochus und der hellenistischgesinnjen Partei auch nicht den mindesten Anstoss erregen, jä sogar für helle- nistischfreundlich gelten konnte Nur tjler nackte Thatbestand wurde in geschickter Gruppirung berichtet. Der Hülfe Gottes, der Pflicht der Dankbarkeit gegen Ihn, überhaupt des Namens Gottes, scjwie eines stattgefundenen Gebetes geschah keiner Efwähnung. Für das isr. Volk bedurfte es dessen nicht, j Es verstand in einer sie so nahe angehenden und ihn[! so bekannten Angelegenheit auch zwischen den Zeildn zu le9en. Und wie gut es dieses verstand, und wie sein[ es sich gewöhnt hatte, dieses zu thun, zeigt der Sinn, welchen die Synagoge dem נדדה שנת המלך (frühzeitig schon u.) heute noch unterlegt DieRücksicht aufAntioclius und seinejnAnhang mochte den Verfasser au[;h veranlasst haben, da$ judenfeindliche Dekret als aus den kleinlichsten Motiven hervorgegangen zu bezeichnen, um den sich in ihm kundgebenden Judenhass kleinlich und verächtlich erscheinen zu lassen, da der aller Wahrscheinlichkeit nach eigentliche Grund desselben, der vererbte Stammeshass*)! des Amalekiten Hainan und dessen vermeintliche Racjiepflicht, diesem Hasse in den Augen des Antiochus einej gewisse Berechtigung verliehen hätte. Für die zwischen den Zeilen lesenden Israeliten genügte das Wörtihen \1יהאנ um den wahren Grund zu zeigen. Dass qer im Buche angegebene Grund nicht der wahre sein!kann, lässt sich psychologisch nachweisen, wie ich weiter zeigen werde. Nachdem die Verlblgungszeit vorüber war, wurde das wegen und weil blgungszeit viel- Hochmuthe Hadigung nicht der sei, hat seine wenn diese un- Schriftwerk seiner gelungenen Form die ursprüngliche Urkunde in der Ver leicht abhanden gekommen war, beibehalten und später dem Canon der heiligen Schrift eingeweiht. Meine Behauptung, dass' die dem inan’s durch Mordechai zugefügte Bele: Grund des Vertilgungsgesetzes gewesen psychologische Begründung. Es hätte, geheure Rache aus diesen Motiven hervorgegangen wäre, Haman daran liegen müssen, Mordechai diese Rache voll und ganz kosten, das heisst sie mit durchleben, ihn Zeuge des ungeheuren Unglückes! sein zu lassen, das er verschuldet hatte. Es hätte ]ihm gar nichts ferner liegen können, als der Entschluss, wegen desselben Vergehens an Mordechai eine kleinere, viel kleinere Rache zu üben, welche sich in den Alugen Haman’s als eine Wohl that für denselben hätte darstellen müssen, da sie ihm den Anblick der schmerzvollsten Katastrophe entzog, die sein Herz treffen konnte. Aengstliche Sorge Haman’s um die Lebenserhaltung Mjorjdechai's bis zum *) Wird auch von Grit* a. a. O. p. 340 1. 341 betont. (Red.) Eintritte, ja bis zum vollen Abschlüsse jener Schreckenszeit Wäre psychologisch sicher das Richtigere gewesen. Der Bericht,. Mordechai habe sich vor Haman nicht nledeijwerfen wollen, ist wohl nicht in absolutem Sinne aufzunassen *) Das wäre eine Auflehnung gegen den königlichen Befehl gewesen, welcher sich Mordechai sicher, nicht hat schuldig machen wollen. Auch hätte Haman dieses wahrnehmea müssen, ohne däss erst die Dienen ihn hätten darauf aufmerksam zu mächen braueben.; Es ist vielmehr so zu verstehen, dass Mordechai dieser! Ehrfurchtsbezeugung gegen Haman so viel als möglich auswich, und ihm gewissermassen aus dem Wege ging, was Haman anfänglich nicht bemerkt haben mochte. Zwischen ihm und Mordechai bestand sicher von früher her ein feindliches Verhältniss, was der Grund zu des Ersteren Benehmen war. Den Vorsteilungen der aufmerksam gewordenen Diener! des Königs mochte er erwidert haben, dass ihm bei Häman’s Judenfei ndschaft, die sich in seinen früheren Verhältnissen bekamt gegeben, haben mochte, dessen Begegnung nicht erwünscht sein könne, und er sich unter dem Schutze Gotteä fühlend, den Zorn Hamans nicht fürchte. Dieses ist der Sinn der Worte:לראות היעמדו דברי מרדכי כי הגיל: להם אשר הוא יהודי•; Eisenach im Monat Adar. B. Hause. ] Literaturbericht. Receisiaiti. Wolf. G., Die jüd. Friedhöfe und die Chewra Ka׳• discha in Wien. Wien 1879. Alfred Holder. (Veröffemlicht vom Vorstande der Chew. Kad. in Wien.) IV. 52 Seiten.; Friedhöfe sind Geschichts-Galerien im!Lapidarstyl. Jüdische Friedhöfe zumal bilden vortreffliche Hilfsmittel der Biographie und Chronologie, da der jüdische Zartsinn gegen die Todten sich als der beste |Conservator der Grabdenkmale bewährt. Welchen Schatz klassischer Epitephe hat uns Luzzatto überliefert dui־ch die Veröffentlichung der in handschriftlicher Aufz^icnung vorhandelten Grabinschriften von Toledo, wie werthvoll sind die Epitaphien von Worms, Prag, Wi^n, Lemberg und Krakau, die im Laufe der letzten 3|0 Jahre an’s Licht kamen! Aber auch die Friedhöfe hsfben ihre Geschichte,' und von welchem Interesse es sei, diese zu verfc Igen, das beweist eben die vorliegende Gelegenheitsschrift des unermüdlichen Forschers Hrn. |G. Wolf Am 4. März 1. J wird der dermalen in Benützung stehende Wiener jüd Friedhof (nächst dem Vororte Währing) geschlossen und der der jüd. Gemeinde eingerä lmte Abschnitt, des Centralfri edhofesj dessen Er- Werbung und bauliche .Ausstattung mit! ungemeinen Kost 3n und Opfern verbunden war, seiner{Bestimmung übergeben werden. Der Vorstand der Che^rra Kadischa in ien wollte dieses wichtige Ereigniss inj seiner eigenen Vereinsgeschichte nicht vorübergehen!lassen, ohne dabei angelangt eine Rückschau zu halben über die eige;1e Vergangenheit und dem Andenken der zur ewigen Ruh} auf dem nunmehr alten Kirchhofi bestatteten Brüder ein Gedenkblatt zu widmen. Hr. Wolf, der als c er eigentliche Wiener Historiograph zu diner solchen Auf< abe am berufensten gilt, unterzog sieh derselben Buch׳ ver« jede schoi dem bilde. ergel ) Nimmt man die 8yr. Verfolgungszeit al« AhjhMiwgsseU de• 1!« au, dann wollte der geselle*treue Verf damit sicherlich in itockter Andeutung darauf hin weisen, wie streng dem Jaden s abgöttische Sichhinwerfen verboten sei;!wenn Mord, es vor Haman' nicht tbat, um wieviel weniger di ,Gräuel der Verwöstung% dem im Tempel^ 11 thun. Dies« Schlussfolgerung musste sich J< (Bed.) r ■ man es vor Zeaafern von •eibat len.

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