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Das jüdische Literaturblatt · 1879-02-19 · No. 8. (19.2.1879) · p. Seite 30

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 8. (19.2.1879)
Date
1879-02-19
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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. bemühte sich mit grossem Aufwand von Gelehrsamkeit nachzuweisen, dass der tägliche Anblick der unermesslieben, eintönigen Wüste bei den Israeliten und Arabern zaerst den Gedanken und Glauben an einsn einzigen Gott habe aufkommen lassen. ~ ״Das geht nun denn doch etwas zu weit: dann müssten alle Wüsten bewohner ohne Ausnahme Monotheisten sein, und was den Raceneinfluss anbetrifft, so genügt es daran zn erinnern, dass die Stammesbrüder der Israeliten, die Babylonier, Assyrer und Phönizier, unverbesserliche Polytheisten waren. Uebrigens hat Rdnan’s Anschauung bereits von verschiedenen Seiten, darunter von anerkannten Federn, wie Tiele^ Al fr. v. Kremer, Max Müller, Chwolson u. A. kräftige Widerlegung gefunden. ' j Nach der neuesten Anschauung hierüber, welche der holländische Professor Hecker in Gröningen ih einer jüngst erschienenen Schrift‘*) niedergelegt, trägt der israel. Monotheismus ״als eine eminent nationale und im vollsten Sinne des Wortes historische Erscheinung, seine Erklärung und seinen Werth in sich selbst, wie er aus dem Schoosse aus dem innersten Leben des Volkes sich allmählig entwickelte.“ Pro £ H. führt aus, wie das Nationalgefühl bei den Israeliten direct aus ihrem Religionsglauben entsprang und wie der monotheistische Glauben der Israeliten durch die ässyrische und babylonische Gefangenschaft neue Kräftigung erhielt. Trotz aller Zerstreuung war und blieb für jeden Israeliten, wo immer er sich auch auf der Welt befinden mochte, der Tempel , zu Jerusalern das einzig wahre, über alles erhabene Heiligthum. Und als später dieser Mittelpunkt verfiel, als Jerusalem durch Titus zerstört, durch Hadrian in eine röm. Cojonie umgewandelt, dureh Constantia endlich zur heil. Stadt der ^Christenheit erhoben worden war, fand Israel ein neues, nicht minder starkes Vereinigungsband im — Talmud. ״Der Talmud blieb der Rettungsanker für die Trümmer des im Schiffbrueh der Zeiten* zerschmetterten Volkes Israel, welches nach Verlust seiner nationalen Selbstständigkeit bis zam heutigen Tag den Muth und die Schwäche besass, niemals mit der Vergangenheit zu brechen, sich selber stets gleich zu bleiben: den Muth, weil es dem unverdienten Hass und den Schmähungen der Welt darob trotzte, die Sch wäche, weil es sich dadurch den herrlichen Weg zu gedeihlicher Entwicklung selber versperrte.“ Wenn der Hr- Professor unter der gedeihlichen Entwicklung die zum Christenthum hin versteht, so sehen wir gerade in dieser Nichtfortentwicklung des Judenthums nicht seine Schwäche, sondern seine grösste Stärke! ״Das Verdienst aber zu allererst, wenn auch in beschränktem Umfange, das grosse Prinzip der Einheit und Gleichheit auf religiöser d. h. auf moralischer Grundlage begründet zu haben, gebührt den Israeliten, und dieser Umstand allein reicht hin, um dem Israelit. Monotheismus für alle Zeiten in der Geschichte der menschlichen Civilisation eine beherrschende Stellung *) De Isneliien en bet Monotheismus, door Prot W. Hecker, GrOningen, P. Noordhoff 1878. 8. 68 8. zu sichern“. Mit dieser erfreulichen Anerkennung schliesst der Artikel im ״Ausland“. Zeit und Ort der Abfassung der Pirke Rabbi Elieser. Von Rabbiner Dr. S. Fried mann in Lublinitz. Die Pirke Rabbi Elieser bieten uns in fast systematischer Ordnung eine Sammlung von Midraschim zur Ergänzung und Erläuterung eines Theiles der heiligen Schrift. Und wenn sie schon aus diesem Grunde Beachtung verdienen, 80 sind sie insofern noch um so bemerkenswerther, als sie uns in Folge einer veränderten Zeitlage ältere Midraschim auch in veränderter Gestalt verführen. In älteren Midraschim werden vier Reiche genannt, welche die Herrschaft über das Israel in der Verbannung haben, nämlich Babel, Jawan, Medien, Edom. Der Verfasser unseres Werkes lebt zu einer Zeit, da bereits die Römerherrschaft geendet hat und ein neues Reich zu blühen beginnt, das der Araber, 18inaels. Er will nun auch für dieses eine Andeutung in der h. Schrift finden und ändert zu diesem Zwecke ältere Midraschim so ab, dass auch Ismael einen Platz neben den anderen Reichen gewinne. Und dieses Ziel verfolgt er je nach Umständen auf zwiefache Weise: entweder er erweitert den überlieferten Midrasch durch einen Ismael betreffenden Zusatz, oder er v e rdrängt aus ihm ein Reich und weist den so vacant gewordenen Platz seinem Ismael an. Für diese beiden Weisen bietet uns c. 28 des Werkes zwei Beispiele, und zwar folgendes für die erstere. Für den zweiten Theil des Bibeiverses Genesis 15,12 אימה חשכה גךולה נופלת עליו lautet ein Midrasch in der Mechilta Par. IX: (דש מחליפין בדבר) נופלת זו מלכות בבל י גדולה זו מלכות מדי חשכה זו מלכות יון . אימה זו מלכות רביעית, und in der richtigeren, umgekehrten Ordnung findet er sich ebenso am ״Ende“ von c. 28 unseres Werkes, jedoch mit dem Zusatze עליו אלו כני ישמעאל• Das zweite Beispiel gibt uns ein anderer Midrasch desselben Capitels an die Hand. Während wir nämlich1■ in Bereschit rabba Par. 44 den Schriftvers Genesis 15,9 so aufgelegt finden, dass עגלה משולשת auf Babel, עז משולחן au^ Medien, איל auf Jawan, תור ון;ןןל aber auf Edom liinweist, lautet der entsprechende Midrasch in Kap. 28 u. w, also: ענלה זו מלכות רביעית שהיא מלכות אדום ♦» י ועז זו מלב׳ יון ♦ י איל זו מדי ופרם ותור אלו כני ישמעאל — and es wird somit Babel um Ismaels Willen ganz ausser Acht gelassen. — Diese Beobachtung ist es nun auch, welche uns von Neuem zur Beantwortung der Frage nach der Abfassungszeit des Werkes veranlasst hat. Es sind für dieselben in neuerer Zeit Daten gegeben worden, die Geschichte kennt zwei. Bis dahin galt es als ein Werk des Tana R. Elieser Hyrkanos, selbst dem Maimonides (Mor. N. 2, 26). Zunz, der einen Ausspruch Im cap. 28 berück6ichtigt, sagt in Beziehung auf die Worte des Verfassers, welche lauten:מכאן אתה למד שאין מושלן של ד ׳ מ ל כ יו ת האלו אלא יום אחד מיומו של הק״בה י,♦ ♦ חוץ משתי ידות שעות — Folgendes: ״Die vier Reiche werden einen Gottestag weniger J/, einer Stunde herrschen Ein Gottestag beträgt 1000 Jahre, und eine Stunde 8 31 /, J a h r e, demnach wird die Herrschaft 944*/t Jahre währen. Da nun — nach Seder Olam und dem Talmud — Babel 70 Jahre, Persien und Medien 3 4 J. und die Griechen 180 Jahre über Israel geherrscht haben, so bleiben für Rom und die Araber noch 660*/, J., also im 661. Jahre der Zerstörung (A. 729) wäre der Messias zu erwarten. '1 Demnach hätte der Autor zu Anfang des 8. Jahrhun* 1״ ■i «jtui «31■ ׳

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