Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 4. (22.1.1879)
- Date
- 1879-01-22
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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winden hat, wenn man die Schwierigkeiten würdigen | will, welche die Bewegung einer Masse von 2* 1/, Milhonen Menschen sammt dem zugehörigen Trosse geboten haben mnss. Es standen Moses keine gebahnten, bequemen Strassen, kein Generalstab, keine Intendanz, nicht einmal tüchtige Ordonnanz-Offiziere zur Verfügung. Sein Volk durchzog nicht üppige, ergiebige Gefilde, sondern arme, wüste Länderstriche, in welchem jedes Lebensmittel ein seltenes und kostbares Gut war. Fr musste sein Heer und Volk unter Verhältnissen bewegen, welche trotz des Fortschrittes in den seither verflossenen 3500 Jahren manchem Feldherrn der Gegen, wart schwere Sorgen bereiten würden. Hoffmeister bezeichnet Moses als den einzigen, ohne jede militärische Vorbildung dastehenden Heerführer seiner und aller Zeiten, der eine mit den grössten Widerwärtigkeiten verknüpfte Aufgabe mit einem Anfwande an Geist, Scharfblick und unbeugsamem Willen und in einer Art gelöst hat, welche ihm — abgesehen von seinem in anderer Richtung der Geschichte angchörenden Namen — einen Ehrenplatz neben den berühmtesten Feldherrn zu erringen ist. Wenn also von nun an Moses neben Alexander dem Grossen, Cäsar und Napoleon in der Kriegsgeschichte genannt werden sollte, dann haben die Juden diese” interessante und erhebende Thatsachs nur dem Scharfsinne eines geistvollen österreichischen Generalstabs-Majors zu danken.“ Gur Arje Levi’), Ch. I). Asulai*), Joseph Teomim*) zeigen, wie man sich mehr oder weniger ablehnend zu dem mit der consequenten Entschiedenheit eines Salomo b. Aderet gelallten Urtheilsspruche des Ch. Z. verhalten hat. Nur einer gab seine volle Beistimmung zu erkennen, der mit-Ch. Z. verschwägerte10) Naphtali Kohen, damals Rabbiner in Ff. a. M., und bietet er ihm auch seine Hülle an, wenn man seine Entscheidung mit redliehen Gründen anfech'en sollte, tadelt diejenigen, die sich alle Ehre anmassen wollen und spricht sich im Zorn über diejenigen aus, die ״nicht, um des Himmels willen Opposition machen1') In der Tliat scheint die Frage z. Tb. als eine Parteinngelegenheit behandelt worden zu sein”) und gewinnt dadurch auch ausser dem halachischen ein geschichtliches Interesse, weshalb es gestattet sein mag, hier darauf einzugehen. Die Lage in den Dreigemeinden Altona—Hamburg—Wandsbeck war damals folgende: Der Rabbiner Salomo Mirles war vor Kurzem verstorben. CI1. Z., sein Schwiegersohn', wurde zu seinem Nachfolger erwählt von den Gemeinden Hamburg und Wandsbeck; in Altona wurde als Gegencandidat Rabbi M. (so Jacob Etnden in der Biographie Ch. Z.'s) aufgestellt. Ein schlechter Ausgleich wurde getroffen, der Streit dauerte fort, CI1. Z. zog sieb wieder ganz vom Rabbinate zurück und nahm kurz darauf init Freuden den Antrag an, das Ilabbinat der Aschkenasitn in Amsterdam zu übernehmen. In die kurze Zeit seiner Amtsführung in Alt.-Hamb-VV. fällt die uns beschäftigende Sache. Das Zeugniss übet den Sachverhalt ist abgelegt am 14 Ijar 546$^3) und Naphtali Kohen nennt ihn in seinem Briefe vom 8. Siwan 5469 אב״ד ור"מ דק" ק המבורג ואלמונה un^ lässt uns durch seine Andeu- Dass Mose’s strahlendes Denkerhaupt nach fast Viertehalbtausend Jahren mit dem Lorberkranz des Kriegsrulimes geziert werden würde, daran hat er, der ״Bescheidenste der Menschen“, wohl am allerwenigsten gedacht. Ch&cham Zewi und seine Gegner in Altona. Es wird vielen Talmudisten bekannt sein, wie ■unbefangen Chacham Zewi entscheidet in einem ihm gegen Ende seines Aufenthalts in Hamburg-Altona vorgelegten praktischen Fall, ein Huhn, dem scheinbar das Herz fehlte, betreffend: der Genuss des Thieres sei rituell nicht zu beanstanden, denn ea müsst ein Irrthum vorliegen,, da kein Thier ohne Herz leben könne (s. שו״ת חכם צבי Nr. 74 und weiter ausgefuhrt Nr. 77). Die Entscheidung machte damals grosses Aufsehen, und wie sie ursprünglich (Nr. 74) gegen Jemand, der unberufen1) erklärt hatte, das Thier sei zum.Genüsse! nicht erlaubt,1) gerichtet war, so wurde sie später, auch stark angefochten, wenn ihm auch in dem einzelnen vorliegenden Fall fast immer Recht gegeben wird. Weder der mit Ch.Z. verschwägerte Meir Eisenstaät*) noch später der eigene Sohn Ch. Z.’s, Jacob Emden4 * * * * *) treten ohne weiteres seiner Ansicht bei, und die Ausfilhrungen bei R. Jonathan Eibeschütz4), Daniel Tferni*), *) •טפשים הקופצים להורות " •בא מעשה לפני התלמידים והטריפוה ר 1 ש״ות פנים .נסדדות (' Nr■ 23—4. Nr. 23 ist Antwort auf die erste IffttheilUng Ch. Z.’s über diesen und einen anderen ungewöhnlichen Fall, darauf antwortet * dieser in Kürze in seinem Gutachtensamml. Nr. 78 f. und dann folgt M. E. Nr. 24. — Eine Tochter von Ch. Z. war mit einem Sohne von H. E. verheiratbet. *) 1 שאילת יעבץ Nr•!21• ‘)40 .5 כרתי ופלתי Nr. 3, wo auch das bekannte ״Responsam I der Mediciner in Halle“ sich findet. •עקרי הר" ט ח״ב י״ד סי׳ ד׳ אות י׳-וג׳(• , hingen den leidigen Parteizwist erkennen. — Wer war Rabbi M.? Wagenaar, der eine hübsche Sammlung zerstreuter Daten zur Biographie Jakob Emden’s und seiner Familie“) zusammengestellt hat (die ich hier für ein Paar Einzelheiten benutzt habe) weiss es nicht. Es war wohl R. Mose Rothenburg, der, nachdem er in mehreren litthauischen Gemeinden Rabbiner gewesen war, als Rabbiner der Drei-Gemeinden starb. Seine Frau war mit einem Dajan in Altona, Jeremia Fürst, nabe verwandt. Nach dem Tode ihres Mannes Hess sie mit Unterstützung reicher Verwandten durch den Sohn des damals verstorbenen Jeremia, Joseph Fürst, Dajan in Grodno, eine Anzahl Responsen ediron, aus dem .Nachlasse ihres Schwiegervaters Mordeehai Süsskind ben ’) Tn Seinen הגהות zu ש״ע י״ד e,i• Mantua 1722. ״״ מחזיק ברכה (יd שיורי ברכה J• d. § 40. Hr. s. j. Halberstamra hat mich mit gewohnter Liebenswürdigkeit auf die 4 letztgenannten Bücher verwiesen und mir die betreffenden Stellen aus Daniel Terni und Gur Arje exerpirt. Zipser verweist (Orient na. viti, 188) auf יבית לחם יהודה י״ד ס׳ מ׳ Asulai in מחזיק ברכה auf זגירת שמואל^ (Commentar zu לבלש)» beide habe ich nicht zu Gesicht bekommet . ■4 פרי מגדים (•!>. s 40 Schluss. Jakob A’chkenasi, 311 Z.’s Vater, hatte in hohem Atter in Palästina zum zweiten Haie geheirathet und zwar die nicht mehr junge Tochter von Naphtali Kohen. — Später verschwägerte sich die Familie noch einmal, indem Jakob Emden die Enkelin des Naphtali, die Tochter seines Lehrers Mordechai Kohen heirathete. ״) In der Gutachteusammlung Ch. Z.’s Nr 76. Ausserdem sind aber Ch. Z.’s Gutachten und N. Kohen’s Brief zusammen als Flug- Schrift gedruckt. S. Stschndr. Bodl. 8 v. v. Zebi Aschkenasi und Naphtali Kohen Freitag 8. Nisan als Datum lür N. K.’s Schreiben ist offenbar Druckfehler für 8 Siwan, wie sich in der Gutachtensaramlang richtig findet. Es ist wohl derselbe יקו3טרם den Meir Eisenstadt I Nr. 23 Eingang als in Berlin gedruckt ermähnt. Stschnd. hat: ״Hamburg 1709?“ '1) M. Ei8enstadt hebt hervor, dass man ihm seine Einwände vorlegen muss, damit man nicht sage: מחנפי רבנו אהדדי• '*) Das Datum bei Stschndr. 1. c. aus der Flugschrift. Gatacjitensammlung ist es nicht angegeben. '*) תולדות יעבץ• Amsterdam 1868. ln der