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Das jüdische Literaturblatt · 1879-01-15 · No. 3. (15.1.1879) · p. Seite 10

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 3. (15.1.1879)
Date
1879-01-15
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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ן der and ein dritter Bogen im Besitze. Zain leiblichen Schatze tragen die Juden Helme, dann Harnisbhe und Schilde aus Leder oder irgend einem Geflechte. Grosse Helden mögen die Juden am Horeb and Sinai noch nicht gewesen sein, wie das zweite Buch Moses selbst zugibt, denn sie waren eine durch 430 Jahre lange Knechtschaft demorälisirte Masse, die nur in Niedrigkeit leble, 8tet9 das ägyptische Joch, abe^r nie das Schwert trug und darum »den Streit nicht liebte.“ Darum Jjess Moses am Sinai fleissig exerciren, und die Stämme Rüben, Grad, Manasse wurden׳ bald sehr kriegskundige Haufen und die aus dem Stamme Benjamin »konnten mit djer Schleuder ein Haar treffen, das sie nicltt fehleten.“ Hier orgahisirte er sein Heer, gestützt auf den festesten Grundstein der Armee — auf Moral und Disciplin. Hoffmeister versichert, dass das jüdische Bataillon von 1(^00 Mann eine Front von 20 und eine Tiefe von 50 Münn gehabt haben müsse, so dass die jeweilige Schlaciitfront des gesammten Heeres 12 Meilen betrug. Die vier Paniere bildeten im Lager die Fronten eines Rechtejckes. so dass, wenn es zur Schlacht kam, zwei Panierb zu dem Paniere an der Täte in die Schlachtfront aufschwenkten und das vierte Panier, eine bis anderthalb Meilen hinter derselben, die Armee-Reserve bildete Die gesammte Lagerfläche betrug etwa änderthalb (j uadratmeilen: in der Mitte kam die Bundeslade zu stelen, ostwärts derselben das Zelt Moses und des Hohenj)riesters. Die Lagerung geschah unter ׳Zelten, in denen je eine bis zwei Familien, etwa 10 Personen, Unterkunft fanden. Moses hatte nicht nur Lagerwachen und eine tüchtige Lagerpolizei, er hatte auch seine Ordorii apz-Officiere hoch zu ״— Kameel und seine Stabstiompeter, welche die Leitung des riesigen Heeres erleichl erten. Mit einer Trompete einfach blasen war das Signal zur Versammlung der zwölf »Fürsten“ und der Otersten über die Tausend; mit ■zwei Trompeten einfach blasen hiess. das ganze Volk vor der Stiftshütte zu versammeln; mit zwei Trompeten ein oder mehrere Male L^rm blasen war das Zeichen zum Aufbruch der verschiedenen Lager; ausserdem sollte Trompetenschall erklingen, wenn in die Schlacht gezogen wurde oder wenn <jas Volk bei besonderen Festen fröhlich war. (Schluss folgt.) Proft des essor J. Well hausen über das! Alter biblischen Priestergesetzbuches. Von Dr. J. S. Bloch in Br&x.! (Fortsetzung.) Kajp. II. Die Opfer. S. 53—84. Mit der alten Anschauung des Maimonides, wobei Moses das Opfer nicht als gesetzliche Forderung in sein Religionssjretem aufgenommen, sondern als eine althergebrachte F&rm des Culi us aus Opportunitätsgründen tolerirt habe, wird es also doch seine Richtigkeit behalten. Alle Beweise aus den prophetischen Reden, welshe Maimont und seine Anhäng tr für diese Anschauung geltend machten, kehren, bei Welthausen wieder, während den Einwürfen der Gfeg ner, durch die Resultate dieser neueren Untersuchung aber den Leviticus, der Boden unter den Füssen entzogen worden. Freilich hätte sich Maimonides nie und nimmer zu einer solchen Anschauung über den Pentateuch verstanden, aber es ist darum doch nicht minder interessant wahrzunehmen, wie das, was der Philosoph Maimonides a priori sozusagen vermut het hat, als das Resultat einer, mit all den I reichen Hilfsmittein der modernen Kritik unternommen^ Untersuchung und Zertheilung der mosaischen Urschriften, uns wieder entgegentritt. Dass das Opfer nicht blos bei den )lebräern, sondern auch bei allen heidnischen UrVölkern Hauptsache des Cultus war, ist bereit9v.bis zum Uejierdruss nachgewiesen worden. Auch die ältesten ן prophetischen Theile des Pentateuchs halten daß Opfdr für wichtig und gottgefällig, aber blos unter der Voraussetzung, dass es nicht an den Götzen, sondern a^i den Gott Adonai, gerichtet wird. Schon Abraham; Isaak und Jakob haben geopfert und ihr Opfer war wol!gefällig, weil es dem Gott Adonai dargehracht wurde. Nicht in der Form des Cultus, in der, Art des Oplerns, sondern durch ihren reinen Gottesbegriff1 unterschieden sich die Hebräer von den heidnischen Völkern. Opfer ist Opfer — wird es dem Baal dargebraoht, so ist es heidnisch, wird es dem Adonai dargebracht, so ist es israelitisch. In den beiden Dekalogen und in dein prophetischen Theil des Pentateuchs wird eingCschärft. vor Allem keinen anderen Gott als Adonai zu, dienen und nur ihm Erstlinge und Gaben zu opfern. Negative Betimmungen, um die heidnischen Scheusslichkeiten auszuschliessen, werden getroffen, aber positve Verordnungen über das Ritual kommen -•nicht vor. Ja der Aramäer Bileam versteht so gut wie jeder Israelit dem Adonai Opfer darzubringen, ohne Assistenz irgend eines israelitischen Priesters, ohne auch die complicirten Vorschriften des Leviticus - je zu kennen. Der Gegensatz war nicht: ״rite und nicht rite“, sondern ״dein Adonai oder den andern Göttern.“ Gideon (Richter 6,19 ff.) opfert zu Ofra, kocht einen Ziegenbock, bäckt Mazzen, thut darauf das Fleisch in einen Korb,, die Brühe in einen Topf und übergibt das so zubdreitete Fleisch der Flamme des Altars. Eine ganz andere Theorie vertritt der Leviticus. Zunächst ist das Opfer hier eine gesetzliche Forderung zur Sühne jeglichen Vergehens. Ein anderes Vergehen, eia anderes Opfer, die Mannigfaltigkeit der Opfer so gross, wie die menschlichen Schwächen. Hauptsache beim Opfer ist jetzt einzig und allein die Etiqüett e. Nicht das wem, sondern das wie, das wer, das wenn und wozu, die Technik des Verfahrens entscheidet jetzt über die Wohlgefälligkeit. Zwei Söhne Aarons mussten ein; kleines Versehen in der Technik mit dem Leben büssen. In den historischen Büchern sehen wir aber auf dieße complicirie Bestimmungen gar nicht Rücksicht nehmen. Da herrscht noch immer die alte naive Anschäuung. Adonai wird geehrt durch Opfer und Gaben, je mehr die Quantität, je schöner die Qualität, desto besser; dass das Verdienst bei der Darbringung hauptsächlich der Technik des Verfahrens, von der genauen Beobachtung der Ceremonien, der Etiquette, als eines durfch Mose offenbarten göttlichen Gesetzes abhängt, triti nirgends hervor. Die alten Propheten eifern mit alleir Macht ihrer flammensprühenden Rede gegen einen seelenlosen Opfercultus, gegen eine etwaige nicht gesetzliche Handhabung desselben treten sie nirgends auf. Prophet Hosea stellt Opfer und Lehre geradezu als 'Gegensätze auf, die Möglichkeit, dass auch das Opfer Gegenstand der Lehre und des Gesetzes werden könne, war ihm ausgeschlossen. Und ausdrücklich betheuert Jeremia, dass in Betreff des Branq- und Dankopfers Adcnai kein Gesetz erlassen habe.; Prof. Wellhausen behauptet deswegen, dass in dieser prophetischen Epoche

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