Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1879-01-08 · No. 2. (8.1.1879) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 2. (8.1.1879)
Date
1879-01-08
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/5367336-6488236-8755689--1189-4854606
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

yv-Tf» es picht gerade die Vorschriften der Ehrlichkeit Werde von seiner sonstigen grossen Gesetzestreue ausgenot imen halben, um 80 gerechtfertigter, als es an Indicie 1 des Gegentheils absolut fehlt, nicht aber an Indicien dafür, wie[ wir sahen. Und noch entschiedener darf behauptet weiden, dass es in diesem Punkte mindestens ,nicht tiefer als die übrigen Handelsvölker jener Zeit gest* nden haben kann, die Babylonier, Phönizier, Griechen, Rürner u. S w., deren Religionen sich gar nicht bemüssi, t gefunden haben, solche Vorschriften zu ertheilen — licht Juden waren es, welche einen Gott der Kaiifleute und der Diebe annahmen*). Endlich waren die damaligen .luden, obwohl ullerdings ein Handelsvolk geworden, nicht etwa gan2 aufgegangen in diese Erwerbstätigkeit. Dieselben Mä frier, wolpn immer ihr. Fuss sie trug, in die fernsten wie in die :nächsten Länder, säumten nicht, Synagoge^ zu bauen, Schrifterklärer für sie zu gewinnen, oft huch wokL mitzubringen, Armenkassen zu begründen und regelmässige Armenspeisungen einzuführen, sowie überhaupt ein jüdisch-religiöses Leben sich einzurichten; mit Jerusalem, so lange-es stand, blieben sie durch Opfer, Spenden und zuweilige Wallfahrten in frommer Verbindung; und die religiösen Vorschriften ceremonieller une'sittlicher Art, welche aus Palästina, später auch aus Babylonien ihnen zukamen, waren ihnen heilig{ und wiugjlen zu Lebensnormen für sie; Einst musste man untel Nechemja mit der rechten Hand die Mauern von Jerusalem bauen, in der linken die Waffen halten: ähnlieh 1waren die Juden der zuletzt behandelten Periode und nicht weniger ihre mittelalterlichen Enkel miteins Handelsleute und echte Träger der jüdischen Gotteslehre. Ich schliesse mit Wiederholung des Wunsches,! dass jüngere Hände die Handelsgeschichte der Juden( des Mittelalters und der Neuzeit schreiben möchten. ' Professor J. Wellhaasen über das Aller des biblischen Priestergesetzbuchest ״Von Dr. J. S. Bloch in Brüx. ] (Fortsetzung.) Cap 1 S. 15—53. Der Ort des Gottesdienstes. In der ältesten Periode der israelitischen Geschichte findet *) Wenn heatzntage Paraphietschreiber die Juden als Vampyre darstellen, so verfolgen sie ihre Zwecke hierbei; nnd wenn Roman- Schreiber das Gleiche ihnn oder nar selten einen Juden erwähnen ohne ihm eine Makel anzuheften, so gibt ihr Geschmack, oft auea blos die Rücksicht auf den Geschmack ihrer Leser dies ihnen ein. Sehmarztich war es ihnen aber, dass selbst ein Mann wie Epers es nicht verschmähet׳ bat, in seinem vielgelesenen Roman: »Eine ägyptische Königstochter"., ans den Jahren 528 —525 v. Chr., in gleichem Sinne zn schreiben, nämlich im ersteh Bande desselben IC. 2 ^ässt er ״feilschende Phönizier von Palästina* bei den Kampf- •gäelen von Olympia erscheinen, und wieder in K. 4 einen agyptuchen Tempeldiener klagen: ״jetzt wimmeln unsere Strassen von trügerischen Hebräern*, desgleichen im dritten Bande K. 6 Iweiss er dem Aristomachus anf seiner Flucht aus den Bergwerken! Nie-!Banden schicklicher zazngesellen als einen jungen Juden, dem wegeu Anwendung falschen Gewichts die rechte Hand abgel tauen worden sei — weiter gedenkt er in diesem Werke der Jaden licht. Han Arill ich nicht darauf eingeben, wie höchst uuwahrsche nlich die beiden Annahmen sind, dass schon in jenen frühen Jahren unmittelbar nach dem babylonischen Exil, jüdische Händler Olympia besucht and die Strassen der ägyptischen Städte von ihnen gäwimmelt hätten. Aber was jene Stellen ihnen impatiren, könnte einem so renpmmirtea Alterthnmsforscher geglaubt werden: in einerjHandelsgeschiehte der Juden darf ich nicht über einen solchen Gardinalpankt hinweggehen, wie gross auch meine Abneigung!legen alle Pplemik ist, nnd ich mass daher, gestützt auf das Beigebrachte, len dagegen protestiren. Was den späteren Juden! mit oder Hechte in dieser Beziehung vorgeworfen wird, nennet ratz einmal (Die deutsche Lit. der Gegenwart2, tltj.die 1 Christen aafgezwnngeDen Schattenseiten des. jüdischen ’s* : aber die Jaden des Alterthums waren doch jedenh frei von den demorälisirenden Wirkungen der Behänd- ,eiche ihre Nachkommen im Mittelalter and bis vor zwei tera erfuhren.;sich keine Spur von einem ausschliesslich und allein {berechtigtem Heiligthume. In Gilgal nnd Silo, in Ofra;und ftainah wird geopfert. Nach der Schlacht von iMichmas, als das ermüdete Volk nach Fleisch begehrte,! liess Saul einen Stein herwälzeu und befahl, Jeder solle [sein Rind oder Schaf dort schlachten. »Das sei der;erste Altar, den Saul dem Adonai erbaut habe'4, fügt der Berichterstatter vorwurfsvoll hinzu. Schon das Verbot, Fleisch zu essen, ohne vorerst das Blut dem Adonai izu opfern, setzt nothwendigerwqise die Freiheit voraus, überall zu opfern. Gideon, Saöiuel, Saul sind hierfür;klassische Beweise In den Augen des exilischen VerfasserS des Buches der Könige war das freilich ein Vergehen, welches er durch den Umstand zu entschuldigen sucht; »dass bis dahin; dem Adonai noch kein Haus gebaut war“, ii Reg #,2. (Aber wo war die mosaische Stiftshütte?) Nach der theokratisehen Geschichtsdarstellung hatte Salotno den Tempel erbaut mit der Absicht, ein Centralheiligthum zu gründen und die verschiedenen Opferstätten abzuschäffen. Freilich wird nirgends erwähnt, dass Salomo wirklich die verpchiedenen Heiligrhümer abgeschafft haue, freilich muss der Geschichtsschreiber auch bei dessen Nachfolgern _ qiner grösseren politischen und religiösen Centralisation durchgeführt. Im Lande Israel diente man dem Adonai zu Bethel und D&n, zu Sichern und Satnarien, zu Pennel 1{md Mizpah. Der Prophet Elias eiferte, dass man _ Opferte auf freiem Felde, auf, der Stelle, wo er die Berufung erhielt. Hosea und Arnos eiferten gegen den dedanken- und gesinnungslosen Opferkultus, der au jenen Statten getrieben wurde, bezeichnen aber nie deren Pluralität als etwas Missfälliges pnd Verwerfliches. Mit der Zerstörung des Ileidhes Israel beginnen in Jjuda die ersten Centralisationsverstiche, anfangs schwach lind ohne Erfolg unter König Hiskia und gelingen erst ganz und vollständig unter König Josia. Das geistige und religiöse Leben der Nation c^ocentrirt sich in Jerushlem, der nunmehr einzig heiligen Cultusstadt, und die Anschauung wird herrschend, sie{ sei von Urbeginn an hierfür prädestinirt worden, was namentlich in den historischen Büchern in den Vordergrund tritt. Vergleicht inan die verschiedenen Quellen miteinander, so ergibt sich, dass der prophetische Erzähler die Anschauungen der vorhiskianischen Zeit wiedergibt, wo die Pluralität der Cultusstättän ohne jegliche Anfechtung herrschend war. In Form eines Gesetzes wird das ausgesprochen: Exod 20, 24—26. Die Erzväter opferten überall, wohin sie kamen, wo ihnen Adonai erschienen, nämlich an all jenen Orten, die später als Cjultusstätten verehrt werden. Offenbar hat der Erzähler jene Sagen referirt, die zu seiner Zeit Uber die Entstjehung der einzelnen Cultusstätten cursirten, welche durch solche Legenden mit dein Nimbus altersgrauer Weihe umgeben werden sollten. Der Verfasser diente dabei• durchaus nicht einer Tendenz, sondern gibt Ausdruck der lebendigsten Ueberzeugung seiner Gegenwart. Anders im Deuteronomium, hier herrscht vollständig der Gedanke einer nöthigen Reform. Die Centralisation erscheint hier als eine Idee, die mit aller Gewalt nach Leben ringt. Die Vielheit der Heiligthüiner haben da blos für! die Gegenwart eine Berechtigung, welche in der Zukunft, aufhören muss. Der Verfasser wird nicht müde, die Forderung der locahn Einheit des Gottesdilenstes immer und immer wieder zu wiederholen und bestehende Sitte, ״das was wir gegenwärtig gewohnt sind“, äÜ bekämpfen, wird mit einem Mal gestattet, Vgl. Cp. 12. zu zu thun Darum schlachten ohne zn 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.