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Das jüdische Literaturblatt · 1879-01-08 · No. 2. (8.1.1879) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 2. (8.1.1879)
Date
1879-01-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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uro. ». Das Jahrg. VIII. Jüdische Literaturblatt Zar Beleuchtung aller Jadentham and Jaden betreffenden literarisch. Erscheinungen an f dem Gebiete der Philosophie. Geschichte, Ethnographischeologle,Orlentalla, Exegese, Homlletlk, Lltarglk, Pädagogik. Hera usgegeben ץ--) von Bücher der einschlägigen Literatnr, welch« der Bedsetion Rabbiner Dr. Moritz Rithmer. zngesandt werden, ffnden in diese■ Blatte eingeh. Bespreeh- ——- nag. Bet Einsendung von swei RecenxloasexenpUren erfolgt Magdeburg, S. Januar 1H79. nach. Erwähn. L d.Woeheasehr. 1 ־ _-J Das ״JtiriI.etie Llteretnrblatt‘1 erschein! wöchentlich in einem halben Bog«■; Preis befallen BschhnndlaagM (in L e i p z i g bei Robert Friese) pro Jahrgang: 6 M k. Abonnenten der ״Isnelitischen Wochenschrift* (die rierteljährlich bei allen Postanatalten nnd Buchhandlungen 3 11k. kostet) erhalten dps .Jüdische Literaturblati* gratis. — Inserat• werden mit 2Ö PC für di« dreige* spaltene Petitzeile, buchhändleriscbe Beilagen mjit 13 Mark berechnet. Di« Expedition der ,,Israelitisches Wochenschrift* Inhaiti Wissenschaftliche Aufsätze: Handelsgeschichte der Juden des Alterthums Von Dr. L. Herzfeld. —:Professor J. Wellhausen über das Aller des biblischen Plrieslergesetzbucbes. Literaturbericht: Recensionen:. Qierse, Albert, Die Geschichte der Juden in Westfalen wahrend des Mittelalters. — Notiz. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Handelsgeschichte der Juden desAlterthiinis. Von Dr. L. Herzfeld. (Schluss.) ( Dass sie aber diese Richtung genommen haben, bedarf in culturgeschichtlicher oaer sittlicher Beziehung keiner Entschuldigung mehr Vor den Vernünftigen unserer Zeit Bedürfte es derselben, so läge sie in der Nothwendigkeit für jedeii Mann, sich und die Seiaigec zu ernähren. Vermitiels des Landbajues thaten dies Viele von ihnen in einzelnen Ländern,1 in den meisten anderen aber war es solchen Fremden! offenbar kaum möglich. Industrielle Fähigkeiten mangelten ihnen im Ganzen, und dieselben sich nachträglich anzueignen, musste in Ländern, die auf ihre heimischen Industrien eifersüchtig waren, eben so schwierig sein, wie hinterdrein mit den Inhabern alterpropter Kunstfertigkeiten in Concurrenz zu treten; dies wird nieiht dadurch hin• fällig, dass es in Alexandrien und in Babylonien dennoch gelang, im Allgemeinen muss esjsehr schwer gewesen sein. Kaum anders konnte es rucksichtlich der geringeren Handwerke sein, man vergleiche doch nur die grossen Schwierigkeiten, die es r!och vor fünfzig Jahren gemacht hat, für einen jüdischen Knaben einen christlichen Meister zu finden. So War denn bereits in jener alten Zeit der Handel die ihnein nächsthegende und zugänglichste Berul’sart, schon weil man bei seiner Erlernung nicht glaubte eines heidnischen Lehrherrn zu bedürfen, aber auch in jedem sonstigen Betracht. Indessen ist wie gesagt diese Entschuldigung oder Rechtfertigung doch wohl heutzutage überflüssig, unsere Zeit hat erkannt, wenn auch noch nicht b|is zu der Anwendüng"auf Juden, dass der ehrliche Handelsbetrieb um kein Haar besser oder schlechter als jede andere rechtliche Erwerbsthäligkeit ist, ausserdem aber1 zur Cultur wie zum Nutzen und Behagen der Menschheit mehr vielleicht als jede andere beigetragen hat.— ihren vollen Anlheil an dem Werke der Völkergesittung auch auf diesem Wege nehme ich für die Jude]b^*ner Periode und selbst des Mittelalters in Anspruch, Aehnlich sagte schon Kiesselbach (״Der Gang des Welthandels“ S. 28), dass während des Zusammenbruches j der römischen Herrschaft die jüdischen Kau/leute die Verbindungsglieder zwischen Asien und Europa gebildet und somit ats Träger des beweglichen Eigenthums den ersten socialen Gährungsstoff in ijias ,agricole Dasein von Mitteleuropa gebracht haben; und 8. 46 setzte er hinzu, der Jude sei zu Anfang des Mittelalters eine wirlhschaftliche Nothwendigkeit gewesen. Er hätte nur diese so richtigen 8ätze auch auf frühere Zeiten und auf noch viele.andere Länder ausdehnen sollen. י Mit voller Absicht habe ich aber da von dem ehrliehen Handelsbetriebe gesprochen, denn mag es auch sein, dass unter den Juden jener alten Zeit ebensogut Unehrliche gewesen sein werden, wie in dein Handelsstände jedes Volkes und Zeitalters so scheint es doch sehr, dass unter den ersteren der Procentsatz der Uaredlichen ein kleinerer war, als unter den übrigen Handelsvölkern des Ajtcrthums. Ich sage dies nicjht aus- Parteilichkeit, ich weiss, dass vor Allen der Geschichts- Schreiber sich vbn dieser Schwäche frei erhalten sollte, und ich habe oben nicht verschwiegen, dass einst die jüd. Kaufleute von Lydda in Palästina sowie dreier Ort• schäften in Babylonien in übelem Rufe standen, sondern folgende Gründe haben mich zu diesem Urtheil bewogen. Verdienen Mischna und Talmud Glauben betreffs dieser vereinzelten Anklagen, so verdient es auch die volleste Beachtung, dass in diesen so umfangsreichen und sittenstrengen Werken keine weiteren Anklagen dieser Art Vorkommen. Sodann will ich zwar kein grosses Gewicht 1darauf legen, dass 1m dritten- Buche der Sibyllinen, in einer längeren Stelle zum Lobe der Juden, von diesen auch ausgesagt ist: ,,richtiges Maass ist bei ihnen in Städten, sowie auf dem Lande“; aber die höchste Anerkennung verdient es, dass bis über die Mitte des christlichen Jahrhunderts herab vor dem jüd!* dischen Gericht der Rechtsgrundsalz galt, ״Niemand besitze die Frechheit, seine Schuld einem Gläubiger ganz abzuläugneh**). Ferner, die Judenfeinde schon, jener Zeit haben es doch wahrhaftig nicht an Schmä- Hungen fehlen lassen, der empörendsten wie der lächerlichsten Art, ich will nur an Apion und die in Josephus’ Schrift wider ihn Aufgeführten, sowie an T&citus erinnern: aber den Vorwurf einer grossen Unehrlichkeit fand ich nicht darunter! Wie sehr die Bibel auf Ehrlichkeit dringt, und welch’ herrliche Vorschriften in diesem Betreff die nach biblischen Gesetzeslehrer hinzugefugt haben, ist in früheren Kapiteln gezeigt worden. Nun folgt zwar hieraus noch nicht, dass sie befolgt worden seien: aber in Betreff eines Völkchens, das wie däs, jüdische auch schon damals den Vorschriften seiner Religion fast durchgängig streng nach lebte und gerade wegen seiner ,starren Anhänglichkeit“ an dieser so arg von Tacitus geschmäht wurde, ist die Annahmfc, dass *) Erst R. .Nsrhrasn bestritt ihn und führte den söge nannten Hesseth-Eid eia..

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