Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 52. (25.12.1878)
- Date
- 1878-12-25
- Page
- Seite 207 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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325 der Fall, wo auf der KirclienVersammlung zt Nicäa die Trennung von den christlichen Judengemeindei und die Aufhebung der gemeinsamen Feetesfeier an dei jüdischen Monatstagen, welche von jenen Gemeinde! 1 dafür beibehalten waren, beschlossen ward. So wurdi der 6. December der Kinderbescheerungstag. Del־ heilige Nikolaus gilt von diesem Tagei an als besonl• derer Kinderfreund Hieraus erhellt, dass ursprünglich; auch von den Christen die jüdischen Weihnachten gefeiert wurden; die Abänderung der Zeit geschah den heidnisch-kosmischen Beziehungen zu Liebe, ohne diie Beziehungen zu der Zeit des jüdischen Weihnachtsfestes dabei zn verlieren. Der Name ״Weihnachten“ entspricht dem des jüdischen Tempelweihefestes und dessen Bezeicnnung ״Chaauka“ hat aber für das christliche Weihnachtsfest keine Bedeutung und gibt sich somit an Nachahmung zu erkennen. Abweichend von der ge* wöhnlichen Sitte, aber in Uebereinstinamung mit deir j ü d i 8 c h e n, ist gerade dieses christliche Fest ein Nach fest Das Anzünden des Lichterbaumes erscheint ebe4falls als jüdische Sitte. Obwohl man christlicherseii minder zweck* und bedeutungsvoll statt des vorbil liehen Lichterbaumes im Tempel einen Naturbauii wählte: so gab man doch auch diesem; dadurch eine symbolische Bedeutung, dass er eigentlich zwölf Lichter, mit Hindeutung auf die zwölf Apostel als Träger des geistigen Lichts, tragen sollte. Trotz des spedfischqn Charakters des christlichen Wei hnachtsfestes ist demnach dessen ursprünglicher Zusammenhang mit dem fast gleichn&migen jüdischen oder eigentlichen Chanukafeste fiiel 1t zu verkennen. Alzey. Dr. Rothschild. Literaturbericht leMzsioatz. 1) Köhler, Dr. K., Das Hohe Lied u. s w. 2) Jesefly, Dr. der alttest. Theologie, Das Hob!- lied oder Wettgesang zwischen dem Friüdefürsten (S1lomo) und der Brautgemeinde (Sulamit), die den Friede n sucht und findet. Basel 1877. 96 S. 8 kl. (Schlusi.j Welch ein Gegensatz zwischen diesen beiden, w e es scheint jungen Autoren! Dort der ungezügelte Ra<j ikalismus, der, dem Spiele der eigenen Phantasie ohie Halt überlassen, nach subjectivem Ermessen zerstört und baut, ohne ein Hinderniss anerkennen zu wollen; und hier ein Zurückgreifen auf alte Anscjhauungen, e n williges Sichunterordnen überkommenen Urtheilen, e n Zurückziehen in interessantes, verfallenes!Gemäuer uid vermoderte Trümmer, welche durch die Vergangenhe it zwar geheiligt, aber von keinem Lichtstrahl modern ir Wissenschaft belebt und erhellt. Jener zerstört unbari נ■ herzig Alles, was seinem subjektiven Meinen entgegenstrebt und dieser ist überhaupt ein abgesagter Feind neuer Meinungen. Ihm ist das Targuin ';Jonathan ein vollgültiges Zeugniss, dass der Josua-Tag bei Gibeon 8echsundd reissig Stunden zählte. Nur in einem Punkt berühren sie .sich: in der etwas ungezwungen!n Behandlung des Textes. Dr. Joseffy wagt! es allerdinj nlctk, den Urtext einer Correctur zu unterziehen, di aber kommt es ihm nicht darauf an, in der Ueb< -J :i \ י setzung ein oder mehrere Worte auszulassen oder sieb hinzuzudenken, wenn es gilt, der vermeintlich \״übct>* lieferten“ Erklärung, die er übrigens nicht ohne Geßctuek wiedergibt, zu Hilfe zu kommen. v Gibt es überhaupt eine ״überlieferte“ Auffassung vom HL.? Diese Frage müssen wir vollständig verneinen. Die Erklärung' des Midrasch und der späteren Commentatoren, wie Raschi, Ibn Esra u. a. sind eben nichts Anderes als Einzehneinuogen; das erhellt schon -i aus dem Umstande, dass sie untereinander oft sich >|^jl widersprechen und zu widerlegen suchen. Sie hatten auch gar nicht die Absicht, Anschauungen des Gesammt-: judenthums über das HL. Ausdruck zu geben, als vielmehr in aller Bescheidenheit, so weit ihre Erkenntnis» und ihre wissenschaftlichen Hilfsmittel reichten, das Ver8tändnis8 des Buches zu erleichtern, jene Anschauung - also, welche im HL. ein Zwiegespräch zwischen Gott und Israel sieht, darf man durchaus nicht geradezu als ״T r ad i t i o n“ bezeichnen. Herr Dr. Joseffy hat die agadischen Erklärungen der älteren jüdischen Schriftausleger zum HL gesammelt und verdolmetscht. Aufrichtig gestanden, wenn man die Einleitung, das ״Vierstimmige Zeugniss für die prophetische Bedeutung und Stellung des HL* gelesen, verliert man das Vertrauen zu seiner Verdolmetschnng. Da wird unter anderen das Vorwort des Ibn Esra zum HL mitgetheilt, und wir begegnen da folgen den Sätzen: ״Salomo, den Sohn Davids, als Measias zu fassen, ist das schriftgemässeste von der Welt. Sollte nicht derSohn Davide Fürst sein in Ewigkeit?!“ Der erste Satz ist blos zu sehr geringem Theil richtig, der zweite iet geradezu rein erdichtet. In dem betreffenden Vorwort erkläjrt Ibn Esra za wiederholten Malen: וכל שלמה הוא שלמה המלך, חוץ אלף לך שלמה שהוא המשיח. ich weiss nicht, ob hier eine absichtliche Entstellung, oder bl^s ein Missver* ständniss obwaltet. Das Entstehen eines solchen können wir uns in diesem Falle nur schwer erklären; um so weniger als Herr Dr. Joseffy sonst in den Gedanken* gang der jüdischen Schriftsteller, liebevoll sich zu vertiefen weiss. Vor solchen discreditirenden Missgriffen ־ möchte sich der Verf. bei seinen künftigen Veröffeatlichungen, die er in Aussicht stellt, in Acht nehmen.ן Wir wünschen diesen Arbeiten gedeihliehen Fortgang» denn sie versprechen, in richtigem Geiste fortgeführt,!.; wenn auch keine Bereicherung der Wissenschaft, doehL...4 interessante und nützliche — Homilien zu bieten. ch.;־, t ■ ■י Badt, Dr. 8., ordentl. Lehrer am Johannes-Gymn. 1: in Breslau: Ursprung, Inhalt und, Text des vierten 'j;.*]! Buches der sibyllinischea Orakel, eine Studie. Breslaa. Fiedler & Hentschel. 1878. 4*. 24 Sötten. Eine überaus interessante, namentlich fttrdieReli- ' giomgeschichte beachtenswerte Erscheinung ist unstrei- : tig die sogenannte Pseudepigraphie d. h.: die von grie-~. chisch redenden Juden zum Zweck religiöser Propaganda ■ oder Abwehr ausgegangene Literatur, welche unter darjjiy Firma eines altehrwürdige», in der griechischen WöB,! hochangesehenen Verfassernamens in Curs gesetzt worl! ' den. Es hat lange gedauert,! ehe man sich zu denn - Glauben entschliessen konnte, dass hier fast durchweg*.- oder doch zum allergrössten Theil die Anhänger der*:• Synagoge das Wort führen, und man zeigte nicht übel-: Lust, die bedeutenderen, durch dichterischen oder be- > redten Schwung 1sich auszeichneadeo Erzeugnisse des religiösen Enthusiasmus dem Chris tenthüm zu vindlciren und dem Judenthum allenfalls einige dürftig«,’ ungeniessbare Brocken zu überlassen. Seitdem jedoch ' in der Neuzeit das forschende Auge der Gelehrten sich . ft 3