Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 51. (18.12.1878)
- Date
- 1878-12-18
- Page
- Seite 202 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 202 — der Landesprodakte bewerkstelligt and allein dadurch, dass sie einige Vortheile der Lage Pal ästina’s ausnutzten, nahmen sie die Stellung von Mittelgliedern imWelthaüdal ein. Dfe Aufzählung und Beschreibung der Handelsprodukte, die Erörterungen über die merkantilischen Lokalitäten, über Geld, Mass und Gewicht, die Arten des Transportes, die Zölle and Abgaben, wie der ganze dritte Abschnitt über die Handelstätigkeit der ausserpalfisinensischen Juden verleihen dem Werke eine bleibende Bedeutung, machen es zu einer Fundgrube für Jeden das Judenthum SEudirenden. Da unsere Bedenken hierbei noch kleinlicher und ungewichtiger sind, als * die bisher beigebracbten, und sie uns zu sahr in 'die Detail forschung hineinführen würden — so ist die S. 268 Anmerkung* erwähnte Stelle Jebam. 63a מגליא לאספמיא von Andern als ״von Gallatien nach Apamea“, und nicht ״von Gallien noch Spanien“ übersetzt worden — wollen wir allein unsere volle Anerkennung für das reiche Detail, die sorgsame Gliederung und die kernige, gediegehe Zusammenfassung aussprechen. Auch das weitere Publikum wird dieses Buch nicht ‘unbefriedigt aus der Hand legen. Die Paralellen und Hinweise auf unsere Zeit, wie z. B. S. 63. ,Die Perser Awaren ohne allen Sinn für Handel und verachteten *sogar die Beschäftigung mit ihm. dagegen dem Ländbau als einer dem Ormuzd wohlgefälligen Beschäftigung; zollten sie hohe Verehrung. Dies konnte während einer zweihundertjährigen Anwesenheit von persischen Pascha'S, Beamten und Garnisonen in Judäa nicht ohne allen Einfluss auf ein Völkchen bleiben, das sich in P allem Zulässigem stets so gern den Anschauungen der herrschenden Kaste anbequemte“ — und S. 67: ,Alan vergleiche doch nur die ihm (dem Hellenismus) vielfach m ähnliche ״Aufklärung“ unter den Judenjn der ersten Hälfte unseresJahrhunderts. Dieselbe nahmen freilich auch die ,Btudirten* in sichauf, und wer sonst Schulen besu< oder ,viel gelesen“ halte; aber schön die beidenjdizten - Kategorien und die sonstigen ׳״Aufgeklärt^^gehöAen zum^allergrössten Theile dem bessersjtuiften Kaufmanns- •lande an, natürlich mit Einschluss der ,gebildet“ sein wollenden Frauen und Töchter dieser Kaafleute. Und da es die׳ drei erwähnten Kategorien in jener alten Zeit gar nicht gab, so werden wir wohl die zahlreichsten Anhänger des Hellenismus in dem damaligen ' Kanfmannsstande anzunehmen haben“, sowie dass eingehende Erörterungen in Beilagen und Noten verwiesen sind, lassen die Lektüre spannend und interessant werden. Wenn das ״Literaturblatt“ seinen Lesern - den ^Schluss“ (§§ 71 und 72) mittheilen wollte,*) in wel-; ehern die Resultate in gedrängtester Kürze zusammengestellt und in meisterhafter Sprache die sorgfältig bewiesenen Grundzüge der Entwickelung dargestellt werden, so wäre das die geeignetste Recensioh, die : passendste Empfehlung dieses Buches, dessen Druck und •Ausstattung dem gediegenen Inhalt entspricht. Coblenz. r Dr. A. Lewfn. I - — *) Wir werden Einiges dar&ns in nächster Nr. bringen. Red. Die Chanuka-Liehter. Ueber die Einsetzung des ChanukafesteS, sowohl Uber dessen achttägige Dauer als Uber dessen Auszeichnung durch allabendliches Anzünden der Lichter, ergeht sich der Talmud (Sab. 21b) und verschiedene Midraschim bekanntlich in folgender Erzählung: Als die Griechen (nach Josephus Ant. 12,5, im 145: Jahre der seleucidisehen Aera, d. i. 168 Jahre vor, d. g. Zeitr.*) am 2 5. Kislew sich des H.*Tempels bemächtigten, verunreinigten sie zugleich alle darin befindlichen Oelvorräthe lür den h. Leuchter. Nach dem Siege der Hosmonüer — wieder am 2 5. Kislew (ibid 12,7) — suchte man nach Oel, man fand jedoch nur einen gesiegelten Krug mit einer nächtlichen Oelration, welche wunderlicher Weise für acht Nächte ausreichte, was in dem folgenden Jahre zur Einsetzung des achttägigen Festes Veranlassung gab Maimonides fügt hinzu, dass eben acht Tage in Anspruch genommen werden mussten, um neues Oel zu erzeugen.1) (H. Chauuka 3,2.) Ohne das Factum zu bezweifeln, scheint es, dass man den Zerstörungstag von drei Jahren vorher, den 25. Kislew, mit der Wiedereinweihung an ebendemselben Tage um jeden Preis festlich begehen wollte**) Man poussirte unter anderen auch die Beleuchtung, ohne das neue Oel abzuwarten, und da mag die wunderliehe Macht der Sparsamkeit Vieles beigetragen haben, dass das Oel für acht Nächte ausreichte.***) Denkt man sich die Wunderfähigkeit des Oels bei Elijahu, bei Elisa, und noch weit später bei R Chanina b. Dosa hinzu, (Kön. I, 17; II, 4; Tanith 25a) so liegt die Wahrscheinlichkeit nicht fern, dass das kleine Krüglein zum Oel wunder aufgebauscht wurde. Vermissen wir doch dieses Wunder in Joma 21a und b, wd viele der stäten. und unstäten Wunder aufgetisclit werden; wermissen wir es ja gar in dem bezüglichen על הנסים selber! Hingegen verblasst das nebensächliche Oelprodigium gegenüber dem Siegeswlinder des kleinen Häufleins über den mächtigen Eroberer, um den 25. Kislewzü feiern, welchem vielleicht nebenbei derName ״ (חך ב״ה) חנכהdie Gunst des Fünfundzwanzigsten“ beigelegt wurde.*) Nun aber tritt die Frage in den Vordergrund: worauf ist sonst das achttägige Fest und worauf die Auszeichnung durch Lichter -zu basiren, wenn das Oelwunder nebensächlich verschwindet? •) Die apokr. Geschichte ״Judil“ verlegt diese Tochter des Merari and Holofernes unter die Regierung Nebukadnezar's und des Hohenpriesters Jojakim, ungefähr 6110 Jahre v. d. g. Z. — Dem gegenüber citirt R. Nissim zu Sabbath f. 23 dasselbe Ereigniss in Kürze, aber von der Tochter des Jochanan, und stellt das Channkafest damit in Verbindung, welches auf 168 vor d. g. Z. fällt, Desgl. setzen die Tossafoth (zu Megila 4a) die Judit mit Chanuka in direkter Berührung. — Gab es zwei gleiche Fälle oder eine Confusion? ( *) In den vom Verein ״Mekize Nirdamim“ (Lyck 1864) herausgegeb. תשובות הגאונים (Nr. 104) wird darauf hingewiesen, dass voa Tekoa im Stamme Ascher, woher (nach Henachoth 85b) das Oel für den Tempelgebrauch in erster Reihe bezogen wurde, bis Jerusalem 4 Tagereisen seien, also für Hin und Zurück 8 Tage. (Red.) **) Das Chanukafest wurde stets 80 präcis wie andere Festtage eingehalten, indem seinetwegen, wie vor anderen Festen, Boten ausgesendet wurden, um den bestimmten Tag niefht zu verfehlen. (Mischna R Hoschana 1,3) **״) Wie gross ein Oelkrug im h. Tempel war, lässt sich selbst annäherungsweise schwer nachweisen. Soviel jedoch aus Sucka 51b erhellt, enthielt solcher 30 Log flüssigen Inhalts, ohne jedoch eine Gleichheit aller Krüge bestimmen zu können. Da nun ein Log räumlii h 6 mittelgrossen Hühnereiern entsprach, so umfasste ein 801cherOelkrug den Raum von 180 Eiern, eine Hasse, welche allerdings Ersparungen znlässt. *) Das ist nicht anzünehmen; der Name ist ja echt biblisch und mit Bezug auf die Einweihung des neu erbauten Altar• gewählt. (Red.)